Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung

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Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung
Gründung 26. Mai 2015
Trägerschaft frei
Ort Bernkastel-Kues
Bundesland Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz Rheinland-Pfalz
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Website www.cusanus-hochschule.de
Gebäude der Hochschule

Die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung ist eine staatlich anerkannte Hochschule in freier Trägerschaft in Bernkastel-Kues / Mosel. Sie wurde im Februar 2014 von einer Gruppe von Akademikern, Studierenden und Bürgern gemeinsam als unselbständige gemeinnützige Stiftung mit einer gemeinnützigen GmbH als treuhänderischem Träger gegründet. Zu den Gründungsstiftern gehört als Institution auch die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte. Die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung ist unabhängig von wirtschaftlichen, politischen und religiösen Interessen. Seit 1. April 2019 ist der Volkswirt und Politikwissenschaftler Reinhard Loske Präsident der Hochschule.[1]

Inhaltlich steht die Hochschule für eine grundlegende Erneuerung ökonomischen Denkens wie Handelns, um drängende Gestaltungsfelder der Gegenwart adressieren zu können. Plurale, kritische und nachhaltigkeitsorientierte Zugänge zu ökonomischen Fragestellungen sollen zu innovativen Formen der Gesellschaftsgestaltung führen.[2][3]

Der Name der Hochschule geht auf Nikolaus von Kues zurück und bezieht sich auf dessen humanistisches Bildungsideal, das die aktive Persönlichkeitsbildung als Teil des Bildungsprozesses versteht.[4] Seit Februar 2020 trägt die Hochschule den Namen Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung.[5] Mit dieser Namensergänzung geht eine inhaltliche Weiterentwicklung und Neuausrichtung der noch jungen Hochschule einher. In einem knapp einjährigen Prozess, an dem Lehrende wie Studierende gleichermaßen beteiligt waren, wurde eine gemeinsame Vision entwickelt, die nun zur Grundlage für Lehre, Forschung, institutionelle Gestaltung und den Dialog mit der Gesellschaft wird.[6][7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee für die Cusanus Hochschule entstand u. a. in der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte – einem Netzwerk von rund 120 nationalen und internationalen Wissenschaftlern aus Philosophie, Ökonomie, Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Geschichte.[8] Am 12. Februar 2014 stifteten über zwanzig Personen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam mit der Kueser Akademie die Cusanus Hochschule als Hochschule in Gründung. Bereits im Januar 2014, vor der Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat, erprobte die Kueser Akademie Zertifikate auf Master-Niveau. Inhalte und Erfahrungen gingen in die Startstudiengänge auf der Master-Ebene ein.

Im Oktober 2014 zog die Hochschule in das historische Rathaus von Bernkastel.[9] Im Dezember 2014 wurden die vier Startstudiengänge erfolgreich akkreditiert. Dabei wurde die hohe gesellschaftliche Relevanz der Studiengänge von Seiten der Akkreditierungsagentur ausdrücklich gewürdigt.[10] Erst im Mai 2015 wurde vom zuständigen Ministerium die Betriebserlaubnis erteilt. Daraufhin gründete sich die Cusanus Hochschule Ende Mai 2015.[11]

Das Gründungspräsidium bestand aus Harald Spehl (Präsident), Silja Graupe (Professur für Ökonomie und Philosophie, Vizepräsidentin der Hochschule), Harald Schwaetzer (Professur für Philosophie, Vizepräsident der Hochschule) und Frank Vierheilig (Geschäftsführer der Cusanus Treuhand gGmbH, Kanzler der Hochschule). 2016 übernahm Martin Thomé das Amt des Präsidenten. Er legte es am 30. September 2017 nieder, um ins Bundesministerium für Bildung und Forschung zu wechseln. Am 20. November 2017 wurde Silja Graupe zur kommissarischen Präsidentin gewählt.[12] Seit 1. April 2019 ist der Volkswirt und Politikwissenschaftler[13] sowie ehemalige Bundestagsabgeordnete[14] Reinhard Loske Präsident.

Im Januar 2019 behauptete das Präsidium, dass das Institut für Philosophie nicht hinreichend Studierende und Förderer gewonnen hätte – beides überlebenswichtige Faktoren an einer frei finanzierten Hochschule.[15] Nachdem das Präsidium darauf hin einseitig beschloss, weitere Immatrikulationen in die beiden Philosophie-Studiengänge einzustellen, entstand ein Konflikt zwischen der Hochschulleitung und allen Mitgliedern des Instituts für Philosophie. Dieser eskalierte bis März 2019 so stark, dass schließlich alle damaligen Mitglieder des Instituts für Philosophie ihre Arbeitsverträge bis zum Wintersemester 2019/20 kündigten.[16][17][18] Philosophie wird an der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung nach eigenen Angaben künftig nicht weiter auf eine „reine Philosophie des Geistes“, sondern mehr auf Ökonomie, soziale Verantwortung und Gesellschaftsgestaltung ausgerichtet werden.[19]

Im Zuge der Neuausrichtung als Hochschule für Gesellschaftsgestaltung hat die Hochschule ihr Studienangebot überarbeitet. Dabei wurden Elemente der bisherigen Studiengänge der Ökonomie und Philosophie beibehalten und neue Curricula geschaffen. Die Vision aller neuen Studiengänge ist nach Angaben der Hochschule eine lebensdienliche Wirtschaft und Gesellschaft, in der Menschen die sozialen, ökonomischen und ökologischen Krisen der Gegenwart aktiv überwinden können. Die Hochschule möchte vor diesem Hintergrund das Wissen, Können und die persönliche Stärke vermitteln, den Wandel verantwortungsvoll und nachhaltig zu gestalten. Damit versteht sie sich als Pionierin einer neuen akademischen Orientierung, die sinnhafte Alternativen zu Resignation und Radikalisierung bieten möchte und Menschen befähigt, Probleme friedlich und zugleich tiefgreifend zu lösen.[20][21]

Mit der inhaltlichen Neuausrichtung der Hochschule hat das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz am 8. April 2020 mitgeteilt, dass die staatliche Anerkennung der Hochschule bis Ende 2024 verlängert wird. Zugleich wurde der erweiterte Name „Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung“ vom Ministerium bestätigt.[22]

Seit dem Sommersemester 2019 dient das ehemalige 'Hotel 3 Könige' am Moselufer als Hauptgebäude der Hochschule.

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule bietet derzeit drei Studiengänge an:

  1. Ökonomie – Nachhaltigkeit – Transformation (Bachelor of Arts): Der Bachelorstudiengang fokussiert die Auseinandersetzung mit zentralen Krisen der Zeit und den vielfältigen Ansätzen einer sozial-ökologischen Transformation[23]. Er soll dazu befähigen, wissenschaftsbasiert und ethisch reflektiert Verantwortung übernehmen zu können. Durch Praxisorientierung und philosophische Fundierung wird eine interdisziplinäre theoretische Grundlage vermittelt.[24]
  2. Ökonomie – Nachhaltigkeit – Gesellschaftsgestaltung (Master of Arts): Der konsekutive Studiengang forciert einen tiefen Einstieg in die Wirtschaftswissenschaften, in ihre Geschichte, in die philosophische Reflexion über sie und in ihre Kritik, um den vielfältigen Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen.[25] Lehre und Lernen ist transdisziplinär ausgerichtet. Zudem baut der Studiengang auf breites interdisziplinäres Fundament auf, das die plurale Ökonomie, weitere Sozialwissenschaften sowie die Philosophie innovativ verbindet.[26]
  3. Ökonomie – Verantwortung – Institutionsgestaltung (Master of Arts): Der konsekutive Studiengang soll zu einem lebensdienlichen Wirtschaften mit Gemeinsinn befähigen. Die Studierenden lösen gemeinsam mit Praktikern reale Probleme wertorientierten Wirtschaftens. So soll ein neues ökonomisches Denken, das sich unmittelbar in der Praxis bewähren kann, erprobt werden.[27] Im Fokus steht zudem ein interdisziplinäres Verständnis der heutigen Menschheitsprobleme und das Aufzeigen von Wegen, wie sich die Ökonomisierung von Gesellschaft und Natur überwinden lässt. Mit diesem Masterstudiengang soll eine Verbindung von Studium, Engagement und Verantwortungsübernahme zu einem sinnvollen Ganzen ermöglicht werden.[28]

Die Studia humanitatis sind ein fächerübergreifendes Studienangebot, das als Kernstück aller Studiengänge dem universellen Bildungsverständnis der Hochschule Rechnung und die Persönlichkeitsbildung der Studierenden befördern tragen soll.

Die Lehrveranstaltungen finden fast ausschließlich in Blockseminaren statt, so dass auch nicht dauerhaft in Bernkastel-Kues wohnhafte Studierende die Möglichkeit eines Studiums erhalten.[29] Fast alle Lehrveranstaltungen werden in Gruppen von maximal 25 Studierenden in seminaristischer Form unterrichtet.[30] Dadurch unterscheidet sich das Studiengangebot der Cusanus Hochschule auch didaktisch stark von herkömmlichen Studiengängen im "Massenfach Wirtschaftswissenschaften".[31]

Finanzierung und Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung sowie ihre Trägergesellschaft, die Cusanus Treuhand gGmbH, sind gemeinnützig. Die Hochschule finanziert sich ausschließlich über Studienbeiträge, Stiftungen und Schenkungen.[32] Die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung legt Wert darauf, dass ihre Mitglieder tatsächlich frei zur Gestaltung der inneren Prozesse von Lehre, Forschung und Verwaltung sind. Sie ist deswegen als gemeinnützige Treuhandstiftung organisiert, die von einer gGmbH getragen wird. Diese Gesellschaft dient ausschließlich dem Hochschulleben. Ohne eigene Ziele zu verfolgen, verwaltet sie als echte Treuhänderin die Hochschule im eigenen Namen, aber nicht im eigenen Interesse. Ihre Gesellschafter akzeptieren, dass sie alle Rechte der Hochschule lediglich zu „treuen Händen“ bekommen haben, also unter der Bedingung, von diesen Rechten nicht zu eigenem Vorteil Gebrauch zu machen.[33] Auf diese Weise soll sich die Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung „selbst gehören.“[34]

Studierendengemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Studierenden der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung und der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte haben sich zur Cusanus Studierendengemeinschaft e.V. zusammengeschlossen. Die Mitglieder dieses gemeinnützigen Vereins verstehen sich als „Pioniere einer Hochschulinitiative“ und organisieren eine Vielzahl eigener Aktivitäten im Rahmen etwa von Bildungsveranstaltung und dem studentischen Wohnen.[35] Insgesamt spielte und spielt die Studierendengemeinschaft bei Gründung, Finanzierung und Organisation des Lehrbetriebes eine tragende Rolle.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung sind an der Herausgabe folgender Reihen und Zeitschriften beteiligt:

  • Kritische Studien zu Markt und Gesellschaft (Hrsg. v. Silja Graupe, Jakob Kapeller und Walter Ötsch, Metropolis, Marburg).[36]
  • International Journal of Pluralism and Economics Education (IJPEE), Inderscience, Genf. Mitglied des Editorial Boards (Silja Graupe)[37]
  • Jahrbuch Ökologie, S. Hirzel-Verlag, Mitherausgeber (Reinhard Loske)[38]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Person: Die Biografie von Reinhard Loske. Abgerufen am 8. Mai 2020.
  2. Wer wir sind. Abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  3. Neuaufstellung der Cusanus Hochschule und ihrer Studiengänge. 12. März 2019, abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  4. Name und Logo. Abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  5. Name und Logo. Abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  6. Cusanus Hochschule wird zur Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. 7. Februar 2020, abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  7. Cusanus Hochschule wird zur Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. In: Eifel - Zeitung. 12. Februar 2020, abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  8. Britta Mersch: Die Abweichlerin - Campus Porträt mit Silja Graupe. (PDF) Deutsche Universitätszeitung, März 2015, abgerufen am 28. Juli 2015.
  9. Cusanus Hochschule zieht ins Rathaus. Trierischer Volksfreund, 29. Oktober 2014, abgerufen am 28. Juli 2015.
  10. Studiengänge von hoher gesellschaftlicher Relevanz. (PDF) Cusanus Hochschule, 22. Januar 2015, abgerufen am 28. Juli 2015.
  11. Wir sind eine Hochschule! (PDF) Cusanus Hochschule, 29. Mai 2015, abgerufen am 28. Juli 2015.
  12. Wahl von Prof. Dr. Silja Graupe zur komissarischen Übergangspräsidentin. Cusanus Hochschule, 23. November 2017, abgerufen am 4. August 2018.
  13. Zur Person: Die Biografie von Reinhard Loske. Abgerufen am 10. Oktober 2019.
  14. Loske Reinhard. Abgerufen am 10. Oktober 2019.
  15. Engagieren Sie sich! Abgerufen am 20. November 2019 (deutsch).
  16. Hans-Peter Linz: Streit in der Cusanus Hochschule: Professoren kündigen. Trierischer Volksfreund, 12. März 2019, abgerufen am 24. Mai 2019.
  17. Neuaufstellung der Cusanus Hochschule und ihrer Studiengänge. 12. März 2019, abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  18. Clemens Beckmann: Bildung: Streit um Namen, Leitbild und Prüfungen. 6. Februar 2020, abgerufen am 21. Dezember 2020.
  19. Hans-Peter Linz: Bildung: Ärger um Cusanus-Hochschule: Politiker bleibt Empfang fern. Abgerufen am 23. Juli 2019.
  20. Neues Studienangebot der Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. 19. März 2020, abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  21. Cusanus Hochschule wird zur Cusanus Hochschule für Gesellschaftsgestaltung. In: Eifel - Zeitung. 12. Februar 2020, abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  22. Volksfreund: Forschung: Cusanus-Hochschule: Anerkennung bis zum Jahr 2024 verlängert. Abgerufen am 15. April 2020.
  23. Darum geht's. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  24. Inhalte & Formate. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  25. Darum geht's. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  26. Inhalte & Formate. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  27. Darum geht's. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  28. Inhalte & Formate. Abgerufen am 15. Mai 2020 (deutsch).
  29. Unser Lehrkonzept. Abgerufen am 10. Oktober 2019 (deutsch).
  30. Unser Lehrkonzept. Abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  31. Hochschulrektorenkonferenz: Die Studiengangsphase in den Wirtschaftswissenschaften. Hrsg.: Hochschulrektorenkonferenz. SZ-Druck & Verlagsservice GmbH, Bonn 2016, S. 9 (hrk-nexus.de [PDF]).
  32. Engagieren Sie sich! Abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  33. Silja Graupe, Harald Schwaetzer und Harald Spehl: Die Vision einer neuen Lehre. (PDF) In: Böll THEMA. Heinrich-Böll-Stiftung e.V., Januar 2014, S. 28–30, abgerufen am 28. Juli 2015.
  34. Akademische Autonomie. Abgerufen am 28. Oktober 2019 (deutsch).
  35. Cusanus Studierendengemeinschaft e.V. Cusanus Studierendengemeinschaft e. V., abgerufen am 30. Juli 2015.
  36. ISSN 1869-9782
  37. International Journal of Pluralism and Economics Education (IJPEE) Inderscience Publishers - linking academia, business and industry through research. Abgerufen am 10. Oktober 2019.
  38. Herausgeber – JAHRBUCH ÖKOLOGIE. Abgerufen am 10. Oktober 2019 (deutsch).