DR-Baureihe 99.23–24

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Baureihe 99.23–24
99 7236
99 7236
Nummerierung: 99 231–247
ab 1970: 99 7231–7247
Anzahl: 17
Hersteller: LKM Babelsberg
Baujahr(e): 1954–1956
Bauart: 1’E1’ h2t
Gattung: K 57.10
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Länge über Puffer: 12.500 mm
Höhe: 03.650 mm
Breite: 02.645 mm
Fester Radstand: 04.800 mm
Gesamtradstand: 08.700 mm
Leermasse: 47,5 t
Dienstmasse: 60,5 t
Reibungsmasse: 47,5 t
Radsatzfahrmasse: 09,5 t
Höchstgeschwindigkeit: 40 km/h
Indizierte Leistung: 515 kW (700 PS)
Anfahrzugkraft: 102,97 kN (10,5 Mp)
Treibraddurchmesser: 1000 mm
Laufraddurchmesser: 0550 mm
Steuerungsart: Heusinger mit Kuhnscher Schleife
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 500 mm
Kolbenhub: 500 mm
Kesselüberdruck: 14 bar
Anzahl der Heizrohre: 114
Anzahl der Rauchrohre: 032
Rostfläche: 02,8 m²
Strahlungsheizfläche: 10,4 m²
Überhitzerfläche: 30 m²
Verdampfungsheizfläche: 95,5 m²
Wasservorrat: 8 m³
Brennstoffvorrat: 4 t Kohle
Bremse: K-GP mZ
Lokbremse: saugluftgesteuerte Druckluftbremse Bauart Hardy mit Zusatzbremse Bauart Knorr, umgebaut auf einlösige Druckluftbremse mit Steuerventil KNORR EMV10 und Zusatzbremse. Alle Kuppelradsätze einseitig von vorn abgebremst
Zugbremse: Saugluftbremse Bauart Hardy, umgebaut auf Druckluftbremse Bauart Knorr
Kupplungstyp: Balancierhebelkupplung, in Eisfeld Mittelpufferkupplung Bauart Janney

Die Fahrzeuge der Baureihe 99.23 sind von der Deutschen Reichsbahn beschaffte meterspurige Dampflokomotiven (Neubaulokomotiven). Bei der Einreihung in den Betriebspark erhielten sie die Betriebsnummern 99 231 bis 99 247.

Geschichte und technische Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ersatz des teilweise überalterten und überdies heterogenen Lokomotivbestands der Harzquer- und Brockenbahn sowie der Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn beschaffte die Deutsche Reichsbahn zwischen 1954 und 1956 insgesamt 17 Neubaulokomotiven. Die Konstruktion wurde von den Einheitsloks der DR-Baureihe 99.22 abgeleitet. Die Neubauloks sind allerdings durchgängig in Schweißkonstruktion gefertigt, sie verfügen anstelle des Barrenrahmens der Einheitsloks über einen geschweißten Blechrahmen, eine aufwändigere Laufwerkskonstruktion und vollständig geschweißte Kessel mit Mischvorwärmer.

Die ersten sieben Exemplare (99 231 bis 99 237) waren ursprünglich mit zwei jeweils aus dem Laufradsatz am jeweiligen Lokomotivende und dem benachbarten Kuppelradsatz gebildeten Krauss-Helmholtz-Lenkgestellen ausgerüstet. Wegen Problemen mit dem Bogenlauf bildete man bei den Maschinen des zweiten Bauloses aber aus dem vorderen Laufradsatz und dem ersten und zweiten Kuppelradsatz dreiachsige Schwartzkopff-Eckhardt-Lenkgestelle.[1][2][3][4] Die Lokomotiven der ersten Bauserie wurden entsprechend Anfang der 1960er-Jahre beziehungsweise 1973/74 (als letztes 99 7231) umgebaut. Auf die zunächst geschwächten Spurkränze der Treibradsätze verzichtete man später zu Gunsten eines besseren Bogenlaufes ganz. Da nur der dritte, also der Treibradsatz, und der vierte Kuppelradsatz fest im Lokomotivrahmen gelagert sind, ein spurkranzloser Radsatz jedoch keine Seitenführungsarbeit übernehmen kann, verfügen die Lokomotiven seitdem über keinen festen Radstand mehr, sondern nur über eine sogenannte geführte Länge, welche bereits durch Richard von Helmholtz, dem Entwickler des Krauss-Helmholtz-Gestells, theoretisch als zweckentsprechend erachtet worden war.

Das Zweizylinder-Heißdampf-Triebwerk mit einfacher Dampfdehnung treibt den dritten Kuppelradsatz als Treibradsatz an; die Lokomotiven verfügen über Heusingersteuerung mit Kuhnscher Schleife und anfänglich federlosen Druckausgleichskolbenschiebern der Bauart Müller, später umgerüstet auf Trofimoff-Schieber.

Der anstelle des Barrenrahmens der Einheitslokomotiven verwendete Blechrahmen der Neubaulokomotiven war nicht so robust wie ersterer, es traten von Anfang an Risse und Verbiegungen auf, die zu Schwierigkeiten in der Unterhaltung führte. Von 2004 bis 2010 wurden daher zehn Lokomotiven (7232, 7234, 7236, 7237, 7239, 7240, 7241, 7243, 7245, 7247) mit einem neuen, konstruktiv überarbeiteten Blechrahmen und neuen Dampfzylindern in Schweißkonstruktion ausgerüstet (Die 99 7241 erhielt die neuen Zylinder schon 2001). 99 7235 ist Ende 2016 die einzige noch betriebsfähige Lok mit Originalrahmen. Alle anderen Lokomotiven sind noch im Harz vorhanden, aber nicht mehr betriebsfähig und meist in kleineren Lokschuppen an den Strecken z-gestellt.

Lok 99 7231 mit Rollwagengüterzug im Bf Stiege (1990)

Nach der Stilllegung der Schmalspurbahn Eisfeld–Schönbrunn gelangten auch die vier dort eingesetzten Neubaudampfloks (99 231, 99 235–237) zur Lokeinsatzstelle Wernigerode. Sie mussten aber erst bis Herbst 1974 bei der Kupplung und der Bremse den Harzbahnen angepasst werden. Aufgrund der sodann vorhandenen großen Zahl an Neubauloks in Wernigerode wurden diese zeitweise auch auf der Selketalbahn planmäßig eingesetzt. Sie entlasteten auf der Selketalbahn die dorthin von der Harzquer- und Brockenbahn versetzten alten Mallet-Lokomotiven 99.590/ 99 5906.

Alle Maschinen waren zwischen 1976 und 1981 mit Ölhauptfeuerung ausgerüstet, wegen der Energiekrise in der DDR aber 1982–1984 wieder auf Kohlefeuerung zurückgebaut.[5] Sie sind die leistungsfähigsten Schmalspurdampflokomotiven, die bisher auf deutschen Strecken eingesetzt wurden. Mit einem günstigsten Gesamtwirkungsgrad von rund 5,5 % gehören sie außerdem zu den sparsamsten in Deutschland eingesetzten Schmalspurlokomotiven. Bei Versuchsfahrten ergab sich, dass die rechnerisch als Kesselgrenze festgelegte Heizflächenbelastung des ohne Verbrennungskammer ausgeführten Kessels von 55 kg/m²h ohne Probleme auf 68 kg/m²h zu steigern war. Um Kessel und Triebwerk durch zu hohe Belastung nicht langfristig zu schädigen, wurden den Leistungstafeln dann aber doch nur eine Heizflächenbelastung von 60 kg/m²h zu Grunde gelegt; bei dieser Kesselgrenze ergab sich eine höchste effektive Leistung am Zughaken von 585 PSe bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h.

Die elf betriebsfähigen Loks werden heute hauptsächlich auf der Harzquerbahn und im Brockenverkehr von Wernigerode und Nordhausen Nord aus eingesetzt. Ihre Betriebsnummern änderten sich von 99 231 ff. mit Einführung der Computernummern 1970 in 99 7231 ff. und nach dem Einbau der Ölfeuerung in 99 0231 ff. Die HSB nutzt auch weiterhin das Baureihenschema der Deutschen Reichsbahn von 1970.

Ausschnitt einer technischen Zeichnung der Dampflokomotive Nummer 99 7242-3 der Deutschen Reichsbahn

Fahrzeugliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebsnummer Betriebszustand Einsatzort/

Abstellort

Bemerkungen Bild
99 7231 z-gestellt Lokschuppen Ilfeld Seit 2001 abgestellt
Die Harzquerbahn. DR 99 7231-6 at Bahnhof Stiege, DDR, May 1990.jpg
99 7232 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert
99 7232 ausfahrt Drei Annen Hohne.jpg
99 7233 z-gestellt Lokschuppen Ilfeld
99 7234 HU Dampflokwerk Meiningen Rekonstruiert
Drei Annen Hohne 99 7234.jpg
99 7235 betriebsfähig Wernigerode
99 7235 Sophienhof 25.04.12.JPG
99 7236 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert

trägt Schilder 99 236

99 236 am 17.7.17.jpg
99 7237 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert
99 7237 Nordhausen-Nord 28.04.12.JPG
99 7238 z-gestellt Lokschuppen Wernigerode-Westerntor Seit 2013 abgestellt
HARZER SCHMALSPUR BAHNEN WERNIGRODE GERMANY (4846200282).jpg
99 7239 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert
99 7239 in der Est Wernigerode.jpg
99 7240 betriebsfähig Gernrode Rekonstruiert
Thumkuhlental mit 99 7240 08.06.12.JPG
99 7241 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert
HSB 997241 am Bahnhof Steinerne Renne - EI206.jpg
99 7242 z-gestellt Benneckenstein seit 2009

ausgeschlachtet

Bahnhof Stiege, Harzquerbahn, DDR. 99 7242-3. April 1990 (3717182165).jpg
99 7243 betriebsfähig Rekonstruiert
Lokomotive 99-7243 at Schierke - geo-en.hlipp.de - 13699.jpg
99 7244 abgestellt Hasselfelde
DR 99 7244 at Stiege, Harz, GDR, Aug 1989 (3444965987).jpg
99 7245 Reparatur und Kessel-HU Wernigerode-Westerntor Rekonstruiert
HSB 99 7245-III.JPG
99 7246 z-gestellt seit 1996 Lokschuppen Benneckenstein
99 7247 betriebsfähig Wernigerode Rekonstruiert
99 7247-2 Schierke, 2014 (03).JPG

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Weisbrod, Hans Wiegard, Hans Müller, Wolfgang Petznick: Deutsches Lok-Archiv: Dampflokomotiven 4 (Baureihe 99). transpress, Berlin 1995, ISBN 3-344-70903-8, S. 53–57.
  • Klaus J. Vetter: Das große Handbuch deutscher Lokomotiven. Bruckmann, München 2001, ISBN 3-7654-3764-6, S. 191–192.
  • Horst J. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Schmalspur-Dampflokomotiven. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1971, ISBN 3-440-03818-1, S. 60–61.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EK-Themen 18, Brockenlok 99.22, Eisenbahn-Kurier, Freiburg 1995
  2. Obermayer: Taschenbuch Deutsche Schmalspur-Dampflokomotiven. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart 1971, ISBN 3-440-03818-1
  3. Kühne: Alles über DDR-Dampfloks, transpress, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-613-71335-2
  4. Webseite des Freundeskreises Selketalbahn (siehe Weblinks)
  5. Michael U. Kratzsch-leichsenring, Dirk Endisch: Dicke Brocken nicht nur für den Brocken. In: eisenbahn-magazin. Nr. 2, 2017, ISSN 0342-1902, S. 24.