Brockenbahn

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Drei Annen Hohne–Brocken
Personenzug im Bahnhof Brocken
Streckennummer:9701
Kursbuchstrecke (DB):325
Streckenlänge:19,0 km
Spurweite:1000 mm (Meterspur)
Maximale Neigung: 33 
Höchstgeschwindigkeit:40 km/h
von Wernigerode
0,00 Drei Annen Hohne 543 m
nach Nordhausen
Steinbach
Dammastbach
2,90 Bk Knaupsholz
3,55 Awanst Steinbruch Knaupsholz (bis 1963)
Wormke
5,36 Schierke 687 m
8,60 Bk Bobbahn
Schwarze Schluftwasser
10,35 Eckerloch 855 m
10,90 Bk Eckerloch
13,60 Goetheweg 956 m
16,60 Bk Brockenmoor
18,96 Brocken 1125 m

Die Brockenbahn ist eine hauptsächlich touristisch genutzte, meterspurige Eisenbahnstrecke der Harzer Schmalspurbahnen (HSB). Sie führt von Drei Annen Hohne an der Harzquerbahn über Schierke auf den Brocken.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brockenbahn verlässt den Bahnhof Drei Annen Hohne (542 m ü. NN) neben der Harzquerbahn in südwestlicher Richtung. Sie kreuzt jedoch – noch in der Ausfahrt – die Straße nach Schierke/Elend und führt danach unmittelbar, verbunden mit einem Anstieg der Strecke, in den Nationalpark Harz. Dies tut sie zunächst am Südabhang der Regensteiner Köpfe, um im Wormketal mittels einer nördlich ausgerichteten Kehrschleife – weit unter dem Hohnekopf – weiter an den Südabhängen des Erdbeerkopfs den Bahnhof Schierke (688 m) zu erreichen. Dieser liegt, weil beim Bau die Weiterführung zum Brockengipfel schon vorgesehen war, einige hundert Meter von der Ortslage Schierke entfernt und zusätzlich 80 Meter höher. Ungefähr auf halber Strecke existierte bis 1963 ein Anschlussgleis zum Granitsteinbruch Knaupsholz. Nach Verlassen des Bahnhofes Schierke führt die Strecke nordwestwärts in Hanglage auf einem längeren Abschnitt durch das Tal der Kalten Bode, das sich südlich und weit unterhalb der Strecke erstreckt. Links taucht der 971 m hohe Wurmberg auf, und die Bahn kreuzt erstmals die Brockenstraße.

Der Graben des Schwarzen Schluftwassers wird mittels einer weiteren Kehrschleife, inmitten derer die Eckerlochbrücke unter der Heinrichshöhe am Kurvenscheitel liegt, ausgefahren. Darauf folgt die Umfahrung der Rabenklippen- und Königsbergabhänge bis zum Bahnhof Goetheweg (956 m), der heute nur noch als Betriebsbahnhof genutzt wird. Anschließend führt die Bahn auf einem Höhenrücken direkt auf den Brocken zu, umrundet ihn in einer Spirale eineinhalbmal, wobei sie die Brockenstraße erneut quert, und endet dann schließlich nach 18,9 Kilometern im Bahnhof Brocken (1125 m).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Königsberg, um 1900
Zug im Januar 1953 auf der Fahrt nach Schierke
Grenzzaun, September 1990

Bereits 1869 gab es einen Entwurf für den Bau einer Eisenbahn zum Brocken, der jedoch abgelehnt wurde. Ein Neuversuch von Wernigerode 1895 glückte hingegen; am 30. Mai 1896 wurde die Baubewilligung erteilt, nachdem Fürst Otto zu Stolberg-Wernigerode die entsprechenden Grundstücke abgetreten hatte. 1897 plante man eine Brockenbahn von Bad Harzburg über Torfhaus, die schon behördlich genehmigt war, aber am Bürgerwiderstand scheiterte. Der erste Abschnitt der "Wernigeröder" Brockenbahn, von Drei-Annen-Hohne nach Schierke, wurde am 20. Juni 1898 eröffnet, die Bauabnahme der Reststrecke bis zum Brocken erfolgte am 4. Oktober 1898. Zunächst wurde die Strecke Schierke–Brocken nur vom 30. April bis zum 15. Oktober bedient, im Winterhalbjahr endeten sämtliche Züge im Bahnhof Schierke. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs war es im Zuge der Kämpfe im zur Festung erklärten Harz vor allem durch Bomben und Granaten zu größeren Schäden an der Strecke gekommen. Der Abschnitt zum Brocken wurde deshalb erst im Jahr 1949 wieder in Betrieb genommen.

Betreibergesellschaft der Brockenbahn war bis zum 5. August 1948 die Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft (NWE), danach gehörte sie der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) des Verkehrswesens, Landesbahnen Sachsen-Anhalt und ab dem 11. April 1949 zur Deutschen Reichsbahn. Erst nach den Deutschen Wintersportmeisterschaften im Jahr 1950, die in Schierke stattfanden, fuhren im Winter Züge zum Brocken. Auch wurde für die Meisterschaften ein Bahnhof Eckerloch errichtet, der aber nach Ende der Meisterschaften wieder aufgegeben und nur noch bedarfsweise als Haltepunkt genutzt wurde. Die Lage des ehemaligen Ausweichgleises des Bahnhofes Eckerloch lässt sich auch heute noch gut erkennen.

Noch bis 1988 verkehrten Güterzüge auf der Brockenbahn.[1] Die Züge brachten bis zu diesem Zeitpunkt noch Kohle, Öl und Baumaterial für die dort stationierten Grenztruppen der DDR und Soldaten der Sowjetunion auf die Brockenkuppe. Die Strecke lag seit 1952 im Sperrgebiet und es wurde zum Betreten ein Passierschein benötigt. Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurde ab dem 14. August der Personenverkehr zwischen Schierke und dem Brocken eingestellt. Im Personenverkehr blieb die Brockenbahn von Drei Annen Hohne bis Schierke in Betrieb, es verkehrten meist nur zwei Personenzugpaare am Tag;[2] allerdings war auch hier ein Passierschein notwendig, da auch Schierke im Grenzgebiet zur Bundesrepublik Deutschland lag.

Bahnhof Brocken am 14. März 1993

Nach der Wiedervereinigung blieb ein Betrieb der Brockenbahn zunächst fraglich, jedoch verhalfen vereinte Anstrengungen von Bahn-Enthusiasten und Politikern unter der Federführung des damaligen Landeswirtschaftsministers, Horst Rehberger, der Brockenbahn zu einer zweiten Chance. Beteiligt war auch die Bundeswehr, da die Brockenbahn zum Abtransport der überflüssig gewordenen militärischen Anlagen auf dem Brocken benötigt wurde. Am 15. September 1991 wurde nach der Sanierung der öffentliche Verkehr auf der Brockenbahn feierlich mit zwei dampflokomotivbespannten Zügen wiedereröffnet. Zum Einsatz kamen dabei beim ersten Zug die Lokomotiven 99 5903, eine Mallet-Lokomotive, die die NWE in den Jahren 1897/98 beschaffte und 99 6001, ein 1939 von der Firma Krupp entwickelter Prototyp, beim zweiten Zug die 99 5902 und die 99 7244, eine Neubaulokomotive der Deutschen Reichsbahn.

Seit der Privatisierung der Schmalspurbahnen im Harz im Jahre 1993 wird die Brockenbahn von den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) betrieben.

Beginnend 2000 wurde auch die Brockenstrecke mit elektronischen Stellwerken und signalisiertem Zugleitbetrieb ausgerüstet. Sie ist damit vollständig signalisiert und mit selbsttätiger Gleisfreimeldung durch Achszähler ausgerüstet. Rückfallweichen machen das manuelle und zeitaufwändige Einstellen der Fahrwege unnötig. Eine Ausnahme ist das Umsetzen im Bahnhof Brocken, wo die Weichen weiterhin ortsbedient sind und eine weitere das Verkehren von Sonderzüge, wenn dafür das Rückdrückgleis im Bahnhof Goetheweg genutzt werden muss. Die Trennungsweiche im Bahnhof Drei Annen Hohne ist elektrisch ferngestellt. Vorher gab es im Bahnhof Schierke ein Einheitsschlüsselwerk und ein Kurbelwerk für die Einfahrsignale. Beide Einrichtungen sind in der HSB-Fahrkartenausgabe im Bahnhof Wernigerode Hbf ausgestellt.

Zugbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Winter fahren zum Brocken maximal sechs Zugpaare am Tag. Davon werden vier von und nach Wernigerode durchgebunden. Im Sommer ist der Verkehr auf täglich elf Zugpaare verdichtet. Der schnellste Zug benötigt 49 Minuten zum Gipfel.

Auf dem Streckenabschnitt Schierke–Brocken gilt von Anfang an ein höherer Sondertarif, bei der HSB gilt für Fahrten zum Brocken ein identischer Preis, unabhängig vom Ausgangspunkt. Damit soll erreicht werden, dass mit Pkw anreisende Brockenbesucher nicht bis Schierke fahren, wo die benötigten Parkplatzkapazitäten nicht bereitzustellen sind. Außerdem soll damit die Abgasbelastung des Hochharzes begrenzt werden.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Brockenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Brockenbahn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Oberverwaltungsgericht Magdeburg, Urteil vom 29. März 1995, Aktenzeichen 4 L 299/93, veröffentlicht in: Landes- und Kommunalverwaltung 1995, S. 326–328 (unter 2.3).
  2. diverse Kursbücher