DR-Baureihe V 180

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DR-Baureihe V 180
Leuna 201–205, Buna 201–204
V 180 141
Hersteller: Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg
Anzahl: 2+85 Umbau aus 118.0 82 206 Umbau aus 118.2–4
Nummerierung: V 180 001–087
118 003–087
 

118 503…587
228 505…586
V 180 101–182
118 101–182
228 104…182
V 180 201–399
118 201–406
228 203…390

118 601…806
228 601…806
Achsformel: B’B’ C’C’
Baujahre: 1960–1966 1966–1970
Ausmusterung: bis 1995 (bei der DB AG)
Raddurchmesser: 1.000 mm
Dienstmasse: 78,0 t 79,3 t 78,7 t 93,6 t 95,0 t
Achsfahrmasse: 19,5 t 19,8 t 19,7 t 15,5 t 15,6 t
Motorentyp: 12KVD21 A-2 12KVD21 A-3 12KVD21 AL4
Motorbauart: 2 × 12-Zylinder-V-Motor mit Abgasturbolader 2 × 12-Zylinder-V-Motor mit Abgasturbolader und Ladeluftkühler
installierte Leistung: 2 × 662 kW
(900 PS)
2 × 736 kW
(1000 PS)
2 × 883 kW
(1224 PS)
Leistungsübertragung: hydrodynamisch
Länge über Puffer: 19.460 mm
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Zugheizung: Dampfkessel Bauart „Köthen“
Bremsen Indirekte, einlösige, selbsttätige Einkammer-Druckluftbremse mit Hochabbremsung (Bauart Knorr) + Zusatzbremse

Die Baureihe V 180 der Deutschen Reichsbahn (ab 1970 Baureihe 118, später DB-Baureihe 228) war die größte in der DDR gebaute Diesellok. Hersteller war der Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg.

Die V 180 sollte den Traktionswechsel bei der Deutschen Reichsbahn beschleunigen und deshalb diverse Dampflokomotivbaureihen in den Leistungsklassen oberhalb der V100 ersetzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LKM stellte im Jahr 1959 mit der Achsfolge B'B' die zwei Vorauslokomotiven V 180 001 und 002 fertig. Da die DDR-Industrie noch nicht in der Lage war, alle Bauteile für eine komplett selbstentwickelte Großdiesellokomotive herzustellen, besaßen die Loks noch ein Voith-Getriebe und wurden ohne Heizkessel geliefert. Sie besaßen eine Vielfachsteuerung von Brown, Boveri & Cie. Diese Lokomotiven wurden nicht von der DR übernommen und 1965 und 1966 im Werk Babelsberg verschrottet. Zwei weitere Vorauslokomotiven wurden 1962 gebaut. Es folgte eine Kleinserie von fünf Lokomotiven sowie die erste Serienproduktion bis zur V 180 087 in den Jahren 1963–1965. Die Loks erhielten zwei Zwölfzylinder-Dieselmotoren der Bauform 12 KVD 18/21 A-I in V-Anordnung mit einem Hubraum von ca. 74,8 l und einer Nennleistung von je 662 kW (900 PS) vom VEB Motorenwerk Johannisthal. Für den Einsatz auf Nebenbahnen wurde eine Version mit der Achsfolge C’C’ entwickelt. Im Jahr 1964 wurde V 180 201 fertiggestellt. Es folgten 205 Lokomotiven, wobei die letzten unter der neuen Baureihenbezeichnung 118 ausgeliefert wurden.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lok besitzt einen Leichtbaurahmen. Sie wurde anfangs in einer Version mit zwei zweiachsigen Drehgestellen gebaut. Da sich die Kraft von den unter den Führerständen situierten Getrieben am besten an der Stelle, wo sich die Drehzapfen befinden würden, auf die Drehgestelle übertragen ließ, hatte diese Variante keine Drehzapfen. Die Drehgestelle waren stattdessen über ein Hebelsystem (trapezförmige Spannbandanlenkung) am Rahmen befestigt. Die Primärfederung waren Gummischubfedern mit Metallzwischenlagen, die Sekundärfederung Blattfedern.

Die Lok hatte in der Mitte einen Heizkessel Bauart Köthen stehen, der auch in der DR-Baureihe V 100 Verwendung fand. Um diesen herum waren die Wasserbehälter und die Kühlanlagen für die beiden Dieselmotoren angeordnet, die sich hinter den Führerständen befanden. Unter den hoch angelegten Führerständen liegen die Drei-Wandler-Strömungsgetriebe für 120 km/h. Hier sind die Lichtmaschinen und die Lüfter-Generatoren angeflanscht. Die durch Elektromotoren angetriebenen Kompressoren befinden sich ebenfalls unter den Führerständen. Die Schaltschränke sind an den Rückwänden der Führerstände angeordnet.

Die sechsachsige Ausführung wurde ab Werk mit den weiterentwickelten Motoren 12KVD18/21-A3 mit 736 kW (1000 PS) ausgerüstet. Bei einem späteren Motorentausch erhielten alle Maschinen die nochmals leistungsgesteigerte Version 12KVD18/21-AL4 mit 883 kW (1200 PS) Leistung. Die dreiachsigen Drehgestelle haben Drehzapfen.

Versuchsweise wurden in den 1980er Jahren hochaufgeladene Motoren der Bauart 12KVD18/21-AL5 mit je 1100 kW (1500 PS) Antriebsleistung eingebaut. Da die in der Erprobungsphase befindlichen Motoren unzuverlässig waren und man ohnehin mit den Baureihen 132 und 119 entsprechend leistungsstarke Lokomotiven zur Verfügung hatte, wurde von einem Serienumbau abgesehen.

Bauarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modelldiesellok 118 059 der PIKO Modellbahn
  • Baumusterlokomotiven 001 und 002 (blieben Eigentum des Herstellers, wurden später zerlegt)
  • Vorserie: 003 und 004 (später der Serienausführung angepasst)
  • Kleinserie: 005 bis 009
  • Die Loks 059, 131 und 203 erhielten eine Glasfaserkanzel mit eckigem Design und blendfreier Scheibe, um der Lokomotive ein "repräsentatives Aussehen" zu verleihen.[1] (203 später der Serienausführung angepasst)
  • Neun Werklokomotiven ab Herstellerwerk mit geänderter Getriebeübersetzung (Vmax 85 km/h) und ohne Heizung an Leuna- und Buna-Werke.

Unterbaureihen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 118.0 – vierachsige Ausführung, 2 × 662 kW (900 PS), 120 km/h
  • 118.1 – vierachsige Ausführung, 2 × 736 kW (1000 PS), 120 km/h
  • 118.2–4 – sechsachsige Ausführung, 2 × 736 kW (1000 PS), 120 km/h
  • 118.5 – vierachsige Ausführung, umgebaut aus 118.0, 2 × 736 kW (1000 PS), 120 km/h
  • 118.6–8 – sechsachsige Ausführung, umgebaut aus 118.2–4, 2 × 883 kW (1200 PS), 120 km/h
  • V 240 001 – sechsachsige Ausführung (Prototyp), 2 × 883 kW (1200 PS); umgezeichnet in 118 202, vom Werk für 140 km/h zugelassen, als 118 202 von der DR reduziert auf 120 km/h
  • 118 405 – sechsachsige Ausführung, 2 × 1030 kW (1400 PS) (2 × Dieselmotor des Typs 12 KVD 18/21 AL-4, Getriebe GSR 20/5,5 (1980) / GSR 30/5,7 (1984))
  • 118 625 – sechsachsige Ausführung, 2 × 1104 kW (1500 PS) (2 × Dieselmotor des Typs 12 KVD 18/21 AL-4, Getriebe GSR 30/5,7)
  • 118 124 – vierachsige Ausführung, 2 × 1104 kW (1500 PS) (2 × Dieselmotor des Typs 12 KVD AL 5, Getriebe GSR 30/5,7 mod.), 120 km/h

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Lieferung der sowjetischen Großdiesellokomotiven der DR-Baureihe 130 wurden die V 180 überwiegend im Schnellzugverkehr eingesetzt. Dazu gehörte auch der Einsatz im Transitverkehr von West-Berlin in die Bundesrepublik. Regelmäßig wurde diese Baureihe in Plänen eingesetzt, für die sie eigentlich nicht konstruiert war, z. B. vor schweren Schnellzügen, die sonst durch Dampflokomotiven der Baureihen 01, 01.5, 03 und 03.10 bespannt waren. Die Serie 118.2–4 (.6–8) war universell einsetzbar, da sie bei einer Achslast von 15,6 Tonnen auch auf Nebenbahnen mit leichterem Oberbau eingesetzt werden konnte. Auch besitzt diese Unterbaureihe eine Steilstreckenzulassung. Durch den ausschließlichen Einsatz von Reisezugwagen mit elektrischer Energieversorgung durch die Zugsammelschiene statt der älteren mit Dampfheizung endete der Einsatz dieser Baureihe im Personenverkehr, ähnlich wie bei der Baureihe 110/112. Dazu kam, dass auf den meisten Steilstrecken der Verkehr eingestellt und die Fahrzeuge somit entbehrlich wurden. So schieden 1995 die letzten Exemplare bei der DB AG aus dem Betriebsdienst.

Drei Lokomotiven, die 118 548, 550 und 552, waren dem Regierungszug der DDR zugewiesen. Die Loks waren im April 1990 zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam Hbf im grenzüberschreitenden S-Bahn-Vorlaufverkehr im Einsatz.[2] Die 118 552 ist die letzte betriebsfähige Lok der ITL und dort seit 2015 als 118 552 in altroter Farbgebung wieder im Einsatz. 118 548 und 550 wurden 1992 verkauft; letztere im Jahr 2003 in Neumark (Sachs) verschrottet.[3] Am 28. Oktober 2000 hatte 118 548 in Haspelmoor einen schweren Unfall, sodass sie nicht mehr repariert werden konnte und später in Altenbeken ebenso verschrottet wurde.[4]

Noch 2005 wurden einige Loks bei der Mitteldeutschen Eisenbahn (MEG, eine 80%ige Tochter der DB Cargo Deutschland AG) auf den Strecken um Saalfeld/Saale und Bad Lobenstein eingesetzt, da bei anderen Baureihen wiederholt Schwierigkeiten auftraten. Die letzte bei der MEG betriebsfähige V 180 (MEG 206) wurde im April 2015 abgestellt und dem Eisenbahnmuseum in Wittenberge übergeben. Die anderen Loks der MEG sind abgestellt oder Leihgaben an Eisenbahnvereine. Einige andere Privatbahnen haben diese robuste Baureihe noch im Einsatz. Die sechsachsigen Leuna (jetzt InfraLeuna) 204 und 205 wurden an die ITB-Eisenbahngesellschaft verkauft. Davon ist ex InfraLeuna 205 betriebsfähig. Die meisten stammen aus dem DR-Betriebsmittelpark. So sind 9 der noch vorhandenen 42 Maschinen betriebsfähig (Stand November 2015).[5]

Musealer Erhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 118 075: im Deutschen Technikmuseum Berlin, letzter Betriebszustand, weitgehend original
  • 118 118: Museum Bw Schwerin
  • 118 119: Museum Bw Lutherstadt-Wittenberg, Privat
  • 118 141: Museum Bw Chemnitz-Hilbersdorf
  • 118 202: als V 240 001 Verkehrsmuseum Dresden
  • 118 505: war als V 180 005 erste Serienlok, Museum Bw Arnstadt
  • 118 578: Museum Bw Weimar
  • 118 585: Eingang Betriebsgelände der ITL in Pirna
  • 118 586: Museum Bw Staßfurt
  • 118 617: Eisenbahnmuseum Tuttlingen
  • 118 683: bei OSEF e. V. Löbau als Leihgabe des DB-Museums Nürnberg (bis 2022)[6]
  • 118 692: Historischer Lokschuppen Wittenberge
  • 118 731: Museum Bw Weimar
  • 118 748: Historischer Lokschuppen Wittenberge
  • 118 749: Museum Bw Arnstadt
  • 118 770: Museum Bw Glauchau
  • 118 776: Museum Bw Schwarzenberg
  • 118 782: Museum Bw Chemnitz-Hilbersdorf
  • 118 788: Museum Bw Weimar
  • 118 802: Museum Bw Leipzig Süd / DB Museum Halle (Saale)
  • BUNA 201: Museum Bw Gera
  • BUNA 202: Museum Bw Staßfurt
  • BUNA 203: Museum Bw Weimar

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Die Großdiesellokomotive V 180 - Das Erfolgsmodell aus Babelsberg". In: "Das war die DR".
  2. Video, siehe ab 3:50
  3. 275050 - Die V180 der Deutschen Reichsbahn. In: www.v180-online.de. Abgerufen am 30. September 2016.
  4. 275048 - Die V180 der Deutschen Reichsbahn. In: www.v180-online.de. Abgerufen am 30. September 2016.
  5. erhaltene V 180
  6. 118 683-2 beim OSEF e. V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Barteld: Die 118 auf Thüringer Schienen - Die Lokomotivbaureihe zwischen Schnellzugeinsatz und Steilstrecke. Berga/Elster 2005, ISBN 3-935961-07-3.
  • Konrad Koschinski: Die V 180 der DR. Eisenbahn-Journal, Sonderausgabe 3/2002, Fürstenfeldbruck 2002, ISBN 3-89610-097-1.
  • Andreas Stange, Andreas Räntzsch: Die Baureihe V 180 – Streckendiesellok der Deutschen Reichsbahn. Freiburg 1995, ISBN 3-88255-180-1.
  • Jan Reiners: Die dicke Babelsbergerin. transpress, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-71406-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: DR-Baureihe V 180 – Sammlung von Bildern