Dachser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dachser Group SE & Co. KG

Rechtsform SE & Co. KG
Gründung 1930
Sitz Kempten (Allgäu),
Deutschland Deutschland
Leitung Burkhard Eling (CEO), Alexander Tonn (COO Road Logistics), Edoardo Podestà (COO Air & Sea Logistics), Stefan Hohm (Chief Development Officer – CDO), Robert Erni (CFO)[1]
Mitarbeiterzahl ca. 31.756 (2021)[2]
Umsatz 7,1 Mrd. EUR (2021)

Konsolidierter Nettoumsatz[2]

Branche Logistik
Website www.dachser.de

Die Dachser Group SE & Co. KG [ˈdaksɐ] mit Sitz in Kempten (Allgäu) ist ein deutsches Logistikunternehmen in Familienbesitz. Dachser ist in den Geschäftsfeldern Europa-Logistik (European Logistics), Luft- & Seefracht (Air & Sea Logistics) sowie Lebensmittel-Logistik (Food Logistics) vertreten. Im Bereich Kontraktlogistik werden neben dem Transport auch Lagerung und Mehrwertdienstleistungen angeboten.

Geschichte des Unternehmens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Unternehmen 1930 von Thomas Dachser. Mitten in der Weltwirtschaftskrise begann Dachser im Jahr 1930 mit dem Transport von Allgäuer Käse in das Rheinland. 1934 wurde in Memmingen die erste Zweigniederlassung eröffnet, vier Jahre später erfolgte die Eröffnung einer Niederlassung in Neuss im Rheinland. Dachser wurde 1938[3] zum führenden Speditionsunternehmen im Allgäu.

Im Zweiten Weltkrieg wurden die Fahrzeuge und auch das Fahrpersonal des Unternehmens fast zur Gänze vom Staat eingezogen. Alle Niederlassungen wurden im Krieg zerstört. Bald nach dem Krieg wurde das Geschäft wieder aufgenommen, 1949 erfolgte der Eintrag der „Thomas Dachser Spedition“ ins Handelsregister. In den 1950er Jahren begann das große Wachstum des Unternehmens. Im Inland wurden eine Vielzahl von Niederlassungen eröffnet, per Land, Luft und See internationale Verkehre aufgenommen. 1951 eröffnete am Münchner Flughafen das erste Luftfrachtbüro. Zum Ende des Jahrzehnts verfügte das Unternehmen über 1.000 Mitarbeiter, die einen Umsatz von mehr als 70 Millionen DM erwirtschafteten.

Im Jahr 1969 war das Unternehmen eines der Gründungsmitglieder der Kombiverkehr KG. Ziel der Gesellschaft war die Vernetzung des Schienenverkehrs mit dem Straßenverkehr. Ihr Zweck war unter anderem, für ihre Kommanditisten den Transport von Lastfahrzeugen und von Wechselaufbauten ohne Zugmaschine auf der Schiene zu organisieren. Dies war mit ein Grund, dass Dachser bis 1971 seinen gesamten Fuhrpark auf Wechselbrücken umstellte. Die gewählten Außenmaße der austauschbaren Ladungsträger wurden auch von anderen Herstellern und Transportunternehmen übernommen und so in der Branche zum Standard.

Hauptniederlassung in Kempten

1979 starb der Firmengründer Thomas Dachser. Seine Unternehmensanteile wurden von seinen beiden Töchtern Christa Rohde-Dachser und Annemarie Simon übernommen.

1982 bot das Unternehmen seinen Kunden die Lagerung und den Transport für temperaturempfindliche Lebensmittel an. Damit entstand der neue Geschäftsbereich Frischdienst (heute Food Logistics). 1994 führte das Unternehmen zur Packstückidentifikation die NVE (Nummer der Versandeinheit) ein. Damit etablierte sich der Barcode in der Transportlogistik als eindeutige Identifikationsnummer. Im Jahr 1999 kaufte das Unternehmen den französischen Logistik-Dienstleister Graveleau, um sein Netzwerk in Europa und Nordafrika zu erweitern. Seitdem expandiert Dachser in Asien, Europa und den Vereinigten Staaten.[4]

Von Januar 2005 bis Ende 2020 war der Enkel von Firmengründer Thomas Dachser, Bernhard Simon, Sprecher der Geschäftsführung. Durch Akquisition der Haugstedt-Gruppe im Jahr 2005 baute das Unternehmen sein Netzwerk in Nordeuropa aus.[5] Außerdem wurde das Joint Venture „Logimasters & Dachser“ in Brasilien gegründet und mit dem Erwerb des Logistikers E.S.T. die Präsenz in Tschechien gestärkt.[6] 2010 erwarb Dachser das britische Logistikunternehmen Ja Leach Transport Ltd. in Rochdale.[7]

Anfang des Jahres 2013 erwarb das Unternehmen das spanische Luft- und Seefrachtspeditionsunternehmen Transunion. So expandierte das Unternehmen auch in Spanien, der Türkei, in Argentinien, Peru und Mexiko.[8] Im Januar 2013 übernahm Dachser den spanischen Logistikdienstleister Azkar mit Firmenzentrale in Coslada; damit wuchs man um über 3.000 Mitarbeiter an 91 Standorten in Spanien und Portugal.[9] Im Oktober 2013 erwarb das Unternehmen die Mehrheit bei der finnischen See- und Luftfrachtspedition Oy Waco Logistics Finland. Das Unternehmen mit Hauptsitz im südfinnischen Vantaa unterhält weitere Standorte in den Wirtschaftszentren Lahti, Oulu, Tampere und Vaasa.[10]

Im Februar 2015 gab das Unternehmen seine Umfirmierung in eine SE & Co. KG bekannt. Die Geschäftsfelder Road Logistics und Air & Sea Logistics wurden an die hundertprozentige Tochtergesellschaft Dachser SE übertragen.[11]

Seit dem 1. Januar 2021 ist Burkhard Eling Chief Executive Officer und Sprecher des Vorstands. Er folgt auf Bernhard Simon, der ab Mitte 2021 den Vorsitz im Verwaltungsrat des Unternehmens übernahm.[12][1]

Netzwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dachser in Mecklenburg

Das Europanetz besteht aus Niederlassungen, die durch einen Mix aus Direktfahrten, Plattformen und Hubs täglich miteinander verknüpft sind. Die logistischen Drehkreuze in Europa, die Eurohubs, befinden sich in Überherrn, Bratislava und Clermont-Ferrand.

Die interkontinentale Anbindung erfolgt über das globale Luft- und Seefrachtnetzwerk von Dachser Air & Sea Logistics mit 170 Standorten und lokalen Partnern.[13]

Dachser beschäftigte 2019 an 393 Standorten insgesamt ca. 30.995 Mitarbeiter, bei einem konsolidierten Nettoumsatz von 5,66 Mrd. Euro. Versendet wurden 80,6 Mio. Sendungen mit einem Gesamtgewicht von 41,0 Mio. Tonnen.[14]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard Simon erhielt 2008 von der Deutschen Verkehrszeitung den LEO (Logistics, Excellence, Optimisation)-Award in der Kategorie „Unternehmer des Jahres“.[15] Ebenfalls 2008 kürten die INTES Akademie für Familienunternehmen und die Zeitschrift Impulse Bernhard Simon zum „Familienunternehmer des Jahres“.[16]

Im Rahmen der Studie „Image-Ranking Transport- und Logistikdienstleistungen 2014“ durch das Marktforschungsinstitut Kleffmann im Auftrag des Münchner Wochenmagazins VerkehrsRundschau erhielt Dachser jeweils die höchste Punktzahl in den Kategorien „Allgemeiner Ladungs- und Stückgutverkehr“, „Lebensmittel- und Konsumgüterlogistik“ sowie „Luftfracht und internationale Seecontainerverkehre“.[17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dachser Food Logistics in Bremen geriet im Jahr 2020 aufgrund des Umgangs mit dem damaligen Betriebsrat in die Kritik. Der Vorsitzende des Gremiums wurde in seinen Tätigkeiten herabgestuft, anderen Betriebsräten wurde eine Entgelterhöhung angeboten, wenn sie im Gegenzug ihren Sitz niederlegen. Die Gewerkschaft ver.di stellte Strafanzeige, nachdem eine ehemalige Mitarbeiterin und Betriebsrätin Beweise vorlegte. Am Standort in Memmingen wurde der Betriebsratsvorsitzende außerordentlich gekündigt, konnte jedoch vor dem Arbeitsgericht erfolgreich dagegen vorgehen.[18][19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erker, Paul: Das Logistikunternehmen Dachser: Die treibende Kraft der Familie als Erfolgsfaktor im globalen Wettbewerb. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-37928-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dachser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pressemitteilung: Burkhard Eling startet als CEO von DACHSER – Generationswechsel vollzogen: Mit neuem Vorstands-Team ins neue Jahr. In: dachser.de. 5. Januar 2021, abgerufen am 6. Januar 2021.
  2. a b Fakten. dachser.com, 2020, abgerufen am 25. Mai 2021.
  3. Dachser, corporate history, https://www.dachser.com/en/corporate-history-50#history-section--2 Abgerufen am 7. September 2020.
  4. Graveleau heißt jetzt Dachser. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  5. Dachser kauft Haugsted-Gruppe. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  6. Brasilianisches Joint Venture. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  7. Dachser erweitert Netzwerk in Großbritannien. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  8. Dachser erwirbt Transunion. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  9. Dachser erwirbt Azkar. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  10. Dachser übernimmt Mehrheit an Oy Waco Logistics Finland. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  11. Dachser wechselt Rechtsform zu SE & Co. KG. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  12. Helmut Bünder, Vom Strand in die Logistik-Dynastie; In: FAZ vom 6. Januar 2021
  13. Air & Sea Logistics Network. Abgerufen am 7. April 2020.
  14. Fakten. Abgerufen am 7. April 2020.
  15. Preisträger LEO 2008. Archiviert vom Original am 23. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dvz.de Abgerufen am 29. Juni 2015.
  16. Video-Interview – Bernhard Simon (Dachser GmbH). Abgerufen am 29. Juni 2015.
  17. Dachser holt drei Image Awards. Abgerufen am 29. Juni 2015.
  18. Peter Hanuschke: Strafanzeige gegen Leiter von Dachser Bremen. Auf weser-kurier.de vom 5. Mai 2020, abgerufen am 22. September 2021
  19. Marion Lühring: Vorwürfe aus Absurdistan. In ver.di Publik 5/2020, S. 6

Koordinaten: 47° 44′ 51″ N, 10° 18′ 7,7″ O