Daniel Hensel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Daniel Hensel, 2014

Daniel Hensel (* 17. April 1978 in Büdingen) ist ein deutscher Komponist, Videokünstler, Musikwissenschaftler und Musiktheoretiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hensel wurde 1994 bis 1999 auf dem Hoch’schen Konservatorium u. a. vom österreichischen Komponisten Gerhard Schedl in Komposition, Kontrapunkt, Tonsatz und Instrumentation unterrichtet. Ab 1999 studierte er Komposition an der Hochschule für Musik in Würzburg bei Heinz Winbeck. Im Jahre 2003 wechselte er zu Manfred Trojahn an die Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Dort bestand er 2004 die Diplomprüfung mit Auszeichnung. Daneben besuchte er die Gruppenstunden des Komponisten Wolfgang Rihm in Karlsruhe. 2005 absolvierte er bei Michael Obst ein Aufbaustudium in Komposition und studierte bei Heinz Winbeck anschließend noch einmal in der Meisterklasse. Von 2009 bis 2011 studierte er Musikwissenschaft bei Peter Ackermann und wurde 2011 mit der Dissertation Die Musik Gerhard Schedls an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main promoviert.

Hensels Werke wurden bei verschiedenen Festivals und Workshops, sowie im Rundfunk gespielt, unter anderem bei den Kasseler Musiktagen 2005 (Uraufführung von Zwischen den Klängen op. 9, Musiker des Kasseler Staatstheaters, Ltg. Bernhard Lang), gesendet auf HR 2. Am 17. Juni 2007 wurden die Reflexionen für Orchester op. 16 bei der Übergabe der deutschen EU-Ratspräsidentschaft als deutscher Beitrag des Pasticcio zur Europahymne im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin von den young.euro.classics unter der Leitung von Sebastian Weigle uraufgeführt. Die Flötistin Carin Levine produzierte im Jahr 2007 ein eigens für sie geschriebenes Flötenstück Hensels im BR Studio Franken. Die Programmierung des Gesang des gesegneten Lebens op.18 mit der 2. Sinfonie Gustav Mahlers, einem Auftragswerk für die Stuttgarter Oper, uraufgeführt von GMD Manfred Honeck stellt sicherlich für Hensel einen bedeutenden, musikalischen Höhepunkt dar.

Der Musikwissenschaftler Christian Heindl stellt in seinem Aufsatz über Daniel Hensel im Programmheft zum 2. Sinfoniekonzert in der Liederhalle Stuttgart am 7. Dezember 2008 fest: „Es mag demnach nicht verfehlt sein, Hensel (der sowohl Mitglied im Deutschen Komponistenverband als auch im Österreichischen Komponistenbund ist) in eine Traditionslinie von Schubert über Mahler und seinen Lehrer Schedl in die Gegenwart zu sehen. Dementsprechend erfüllt sich mit dem heute zur Uraufführung gelangenden Gesang des gesegneten Lebens op.18 nach Hensels eigener Aussage ein Lebenstraum: die gemeinsame Programmierung eines seiner Werke in Verbindung mit Gustav Mahler“.[1]

Mit dem Streichsextett op. 20 Klärchens Lied, einer Auftragsarbeit der Kasseler Musiktage 2009, uraufgeführt vom Ensemble Modern unter der Leitung von Jonathan Stockhammer, beginnt die Zusammenarbeit mit dem Musikverlag Doblinger, eine Wiederaufführung des Werkes erfolgte im Arnold Schönberg Center in Wien durch das ensemble lux. Das ensemble lux spielte auch die Uraufführung des 1. Streichquartettes in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Im Jahr 2011 begann die Zusammenarbeit Hensels mit dem Filmemacher Edgar Reitz. Seit 2012 komponiert Hensel zudem elektroakustische Musik. 2013 begann die Zusammenarbeit mit Marianna Oczkowska und Tomasz Skweres in Wien.

Hensel bearbeitete die „Abschiedssinfonie“ von Joseph Haydn sowie die 8. Symphonie von Ludwig van Beethoven für Kammerensemble, die bei einer China-Tourne des Young-Euro-Classics-Festivalorchestra unter der Leitung von Tang Muhai u. a. in den Städten Shanghai und Tianjin gespielt wurden.

Hensel habilitierte sich 2016 in systematischer Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität zu Halle-Wittenberg[2] und ist dort seitdem "Privat-Dozent". Für das Verfahren entwickelte er zusammen mit dem Softwareentwickler Ingo Jache die Musikanalysesoftware PALESTRiNIZER[3] und veröffentlichte die mit der Software in der Tonalitätsforschung gewonnenen Erkenntnisse in der Habilitationsschrift als "Beiträge zur Musikinformatik, Modus, Klang- und Zeitgestaltung in Lassus- und Palestrina-Motetten".[4] Er lehrt zudem historische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main[5] und ist Lehrkraft für besondere Aufgaben[6] an der Universität des Saarlandes.

Hensel ist Mitglied folgender Verbände: Deutscher Komponistenverband, Österreichischer Komponistenbund, Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik, Gesellschaft für Musikforschung, Anton Bruckner Institut Linz und der GEMA.

Seit 2013 ist Hensel auch als Videokünstler in Kombination mit seinen elektronischen Stücken aktiv.[7]

Zusammen mit dem österreichischen Musikwissenschaftler Christian Heindl und dem ehemaligen Schedl-Schüler und Komponisten Roman Pawollek setzt sich Hensel aktiv für Aufführungen der Werke Schedls ein.[8] Dies führte in eine Kooperation des Wiener Vereins für zeitgenössische Musik il rilievo und der Alten Schmiede[9] sowie des Studios für Neue Musik Würzburg[10]. Sein Werk, „Der Scheintod“, aus des Knaben Wunderhorn, wurde vom Ensemble Platypus und der Solistin Ursula Langmayr im Österreichischen Kulturforum in der Österreichischen Botschaft in Berlin uraufgeführt. Seit 2017 komponiert Hensel auch Kinderlieder nach James Krüss[11].

Hensel ist mit der Soziologin Dorota Ewa Hensel[12] verheiratet, das Paar lebt in Büdingen und hat drei Kinder.

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Op. 6: Requiem der jungen Hoffnungen, i. A. des Heinrich Schütz Chors Hannover. UA.:7. Januar 2006 in Springe durch den Heinrich Schütz Chor und Mitgliedern des Niedersächsischen Staatsorchester unter Peter Francesco Marino, sowie Nan Li und Nastassia Nass
  • Op. 7: Duo für Viola und Tuba, UA.: 20. April 2005 Fürstenhaus Weimar, Garth Knox und Gerard Bouquet
  • Op. 8: Traumgebilde op. 8 für vier Blockflöten und Orff - Instrumente zu vier Spielern, UA.: Kirche St. Martha Nürnberg. Blockflötenklasse Jeremias Schwarzer und Schlagzeugklasse Prof. Hermann Schwander, Ltg. Daniel Hensel
  • Op. 9: Zwischen den Klängen für Kammerensemble, im Auftrag der Kasseler Musiktage, Projekt Klangsplitter, UA.: 30. Oktober 2005, durch Mitglieder des Staatstheaters Kassel unter Bernhard Lang
  • Op. 14: Sonate für Flöte allein, i. A. von Carin Levine, produziert am 7. Februar 2007 im BR - Nürnberg, Studio Franken
  • Op. 16: Reflexionen für Orchester, i. A. von Europa, der blaue Stern, UA.: 17. Juni 2007, Konzerthaus am Gendarmenmarkt Berlin, durch die young.euro.classics unter Sebastian Weigle
  • Op. 17 Konzert für Klavier und Orchester, UA.: 10. Juni 2008, Hfm - Würzburg, Theater in der Bibrastraße, Barbara Anton-Kügler Klavier, Orchester der HfM - Würzburg, Ltg. Marko Zdralek
  • Op. 18 Gesang des gesegneten Lebens für großes Orchester, Auftragswerk der Staatsoper Stuttgart, Prof. Heinz Winbeck gewidmet, UA.: 7. Dezember 2008, Liederhalle Stuttgart, Orchester der Staatsoper Stuttgart, Ltg. Manfred Honeck
  • Op. 19 Die junge Magd, nach Georg Trakl, für Sopran, Flöte, Klarinette und Streichquartett.
  • Op. 20 Streichsextett, „Klärchens Lied“, i. A. der Kasseler Musiktage 2010, UA.: 7. November 2009, Kulturbahnhof Kassel, Ensemble Modern, Ltg. Jonathan Stockhammer.
  • Op. 21 Echos und Gesänge aus dem Innern, für Violine solo, Rafal Zambrzycki-Payne gewidmet
  • Op. 22 Fleur du Mal, dramatische Arie für Tenor und großes Orchester, Bem: Maestro Manfred Honeck gewidmet
  • Op. 23 Cardillac-Suite, Stummfilm-Musik für Edgar ReitzCardillac-Suite, für Orchester
  • Op. 24, Nr. 1 Studie Nr. 1, Musik für Computer, realisiert in Csound
  • Op. 24, Nr. 2 Studie Nr. 2, Musik für Computer, realisiert in Csound
  • Op. 25 Duo für Violine und Violoncello, Selbstzerstörung und Abgesang, UA.: 19. April 2013, Alte Schmiede Wien, durch Marianna Oczkowska und Tomasz Skweres.
  • Op. 28 Der Scheintod, aus des Knaben Wunderhorn, für Fl., Kl., Pf., Sopran, Vl. und Vc., im Auftrag der ÖGZM. UA: 23.6.16 im Österreichischen Kulturforum in der Österreichischen Botschaft in Berlin durch das Ensemble Platypus
  • Op. 30 Böhmischer Friedhof, für Sopran und Orchester nach Jörg Bernig.

Verlegte Werke

  • Streichsextett "Klärchens Lied", Musikverlag Doblinger. ISMN-979-0-012-19986-1
  • Duo für Violine und Violoncello op. 25. Selbstzerstörung und Abgesang. Musikverlag Doblinger. ISMN-979-0-012-20275-2.
  • Henriette Bimmelbahn. Drei Lieder für Gesang und Gitarre ad lib. nach Texten aus den Bilderbüchern Henriette Bimmelbahn, Der blaue Autobus, Die besonders nette Straßenbahn von James Krüss und Lisl Stich. Musikverlag Doblinger. ISMN-979-0-012-20604-0.

Publikationen

  • Wilhelm Friedemann Bach. Epigone oder Originalgenie, verquere Erscheinung oder großer Komponist? Ibidem, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8382-0178-8.
  • Von der Einheit in der Vielfalt oder der Lust am Subjektiven: Die Musik Gerhard Schedls, dargestellt an seiner Instrumentalmusik. Ibidem, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8382-0278-5.
  • (Hrsg.): Anleitung zum General-Bass (1805), einschließlich der Biographie: Karl Weigl: Emanuel Aloys Förster (1913). Ibidem, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8382-0378-2.
  • Beiträge zur Musikinformatik, Modus, Klang- und Zeitgestaltung in Lassus- und Palestrina-Motetten. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-658-18272-4 (Print), ISBN 978-3-658-18273-1 (electronic)
  • Elementar-Lehrbuch der Harmonie- und Generalbasslehre, Reprint der Ausgabe Linz 1841, mit handschriftlichen Eintragungen Anton Bruckners, kommentiert und mit einer Studie versehen von Daniel Hensel, hrg. von Andreas Lindner/Klaus Petermayr, Linz 2017, ISBN 978-3-903196-01-8.

Aufsätze

  • Simon Sechter, seine Fundamentalbass-Theorie und ihre Auswirkungen auf die musikalische Konstruktion im Werk Anton Bruckners. In: Andreas Lindner und Klaus Petermayr (Hrsg.): Bruckner-Jahrbuch 2011–2014. Linz 2015, ISBN 978-3-902681-30-0.
  • Das Handexemplar Bruckners des „Elementar-Lehrbuchs der Harmonie- und Generalbasslehre von Johann August Dürrnberger“. In: Andreas Lindner und Klaus Petermayr (Hrsg.): Brucknerjahrbuch 2015–17. Linz 2017, ISBN 978-3-903196-00-1.

Filme

  • Studie Nr. 1, sonische Visualisierung von op. 24, Nr. 1 (3:21 min; online)
  • Studie Nr. 1, Verfilmung als Videoanimation von op. 24, Nr. 1 (3:19 min; online)
  • Studie Nr. 2, Verfilmung als Videoanimation von op. 24, Nr. 2 (9:45 min; online)

Wettbewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aufführungspreis Gmünd/Kärnten: Die musikalische Welt des Wassers, für das Streichquartett: Im Nebel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Daniel Hensel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Heindl im Programmtext der Uraufführung
  2. [1]
  3. PALESTRiNIZER
  4. [2]
  5. http://www.hfmdk-frankfurt.info/index.php?id=528&no_cache=1&tx_mnmportrait_pi1%5Buid%5D=2632
  6. https://www.uni-saarland.de/fachrichtung/musikwissenschaft/institut/personen/mitarbeiter/pd-dr-daniel-hensel.html
  7. Daniel Hensels youtube-Channel
  8. Programm des Konzertes Musiksalon Schedl in der Österreichischen Nationalbibliothek, an dem Heindl als Moderator, Pawollek und Hensel als Komponisten beteiligt waren
  9. Programm des Kooperationskonzertes in Wien
  10. Programm des Kooperationskonzertes in Würzburg (Memento vom 22. Dezember 2014 im Internet Archive)
  11. http://www.campus-halensis.de/artikel/der-musikwissenschaftler-daniel-hensel-schreibt-kinderlieder-nach-james-kruss/
  12. http://www.ibidemverlag.de/Unser-Verlagsprogramm/Gesellschaftswissenschaften/Transmigration-als-soziales-Phaenomen.html Transmigration als soziales Phänomen