Diakoniewerk Hohenbrunn

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Evangelisch-Lutherisches Diakoniewerk Hohenbrunn
Zweck: Dienstleistungen für hilfe- und pflegebedürftige Menschen
Vorsitz: Eberhard Engeroff,[1] Heike Winkler[2]
Gründungsdatum: Mutterhaus für kirchliche Diakonie München 1946
Übernahme der Rechtsnachfolge durch die DWH 1974
Sitz: Hohenbrunn (nominell),[3] Strub (Zentralverwaltung)
Website: www.dw-hohenbrunn.de

Das Evangelisch-Lutherische Diakoniewerk Hohenbrunn, (kurz Diakoniewerk Hohenbrunn abgekürzt DWH) ist eine für hilfe- und pflegebedürftigen Menschen tätige diakonische Organisation in Altbayern und hat seinen nominellen Vorstandssitz im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling. Dieser ökonomisch selbständig agierende Träger von diakonischen Einrichtungen ist eines der größten Mitglieder[4] im Diakonischen Werk Bayern e. V., das seinerseits im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e. V. organisiert ist.

Das Diakoniewerk Hohenbrunn entwickelte sich 1974 als Rechtsnachfolgerin aus dem 1946 gegründeten Mutterhaus für kirchliche Diakonie München, das bereits ab 1950 als nichtstaatliche Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR) anerkannt wurde. Seinen nominellen Vorstandssitz hat es im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling.

Die Zentralverwaltung des Diakoniewerks Hohenbrunn ist im Landkreis Berchtesgadener Land in der generationenübergreifend mit mehreren Einrichtungen und eigener Insula-Kirche ausgestatteten Lebenswelt Insula im Bischofswiesener Ortsteil Strub. Einer der auch zeitweise in den Medien stark beachteten Schwerpunkte des größten Standortes Lebenswelt Insula ist die interdisziplinäre Behandlung der Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit Adipositas bei jungen Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren. An weiteren Standorten betreibt das Diakoniewerk Hohenbrunn Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen, u.a. auch mit Schwerpunkt auf die Pflege von Demenz beeinträchtigter Menschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Planungsphase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige protestantische Frauen, die als Flüchtlinge aus dem ehemaligen Reichsgebiet östlich der Oder-Neiße-Grenze in die Diaspora des katholisch geprägten Bayern kamen, planten kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein Mutterhaus zu gründen, das sich bewusst von Bezeichnung und Konzept eines traditionellen „Diakonissenhauses“ abheben und in der Umgebung von München angesiedelt sein sollte.[5] Hans Meiser (1881–1956) als Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Dekan Friedrich Langenfaß unterstützten den Plan. Sie gewannen im Juli 1945 die bisher in der Diakonissenanstalt Neudettelsau tätige Oberin Schwester Klothilde Reutzel, für die Übernahme der Leitung. Bei einem Gespräch am 26. November 1945 zwischen Hans Meiser und Friedrich Hofmann (Pfarrer der Münchner Christuskirche und nach seiner Gründung erster Rektor des Mutterhauses)[6] wurde der Name „Mutterhaus für kirchliche Diakonie“ vom Bischof offiziell unter der Bedingung bestätigt, Zitat[7]: es solle kein „Nachbild von Neudettelsau“ werden. Hofmann pflichtete ihm bei und notierte zu dieser Unterredung in sein Tagebuch, dass er im Vorhaben das Ziel sah, Zitat[7]: „einen Typ der weiblichen Diakonie zu entwickeln, der der Jugend leichter einen Zugang in den kirchlichen Dienst vermittle, als es die Mutterhäuser alten Stils täten.

Gründung, erste Arbeitsfelder und Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung wurde mit der primären Sendefeier am 25. März 1946 vollzogen. Zu Beginn hatte die Innere Mission München nach heutiger Begrifflichkeit, die Trägerschaft inne. In dieser Konstellation war das Mutterhaus zunächst ein eingetragener Verein. Ab 1. April 1946 fand das Mutterhaus erst in einem Hinterhaus des teilzerstörten Stöckerhaus (Landwehrstraße 81) seine erste Heimstätte, später zog es in die Münchner Magdalenenstraße,[5] um zuletzt ein eigenes Haus im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling bei München zu beziehen.

Die Schwestern leisteten anfänglich ihren Dienst für die Münchner Evangelische Bahnhofsmission und in der Jugendarbeit im kriegszerstörten München, einschließlich des Landkreises. Hinzu kam der Einsatz im Flüchtlingslager München-Laim, im Krankenhaus und dazugehörigen Altenheim in Ottobrunn, in der Lagerfürsorge in Traunstein, in der Gemeindekrankenpflege von acht Gemeindestationen in München-Allach, -Laim, -Kreuzkirche, Dachau, Weilheim, Ottobrunn, Grafing und Berchtesgaden sowie im Diakonie-Dorf Herzogsägmühle. Die Aufgaben in Herzogsägmühle umfassten den Dienst an Kriegsverletzten und an körperbehinderten Jugendlichen.

Mit ihrer Aufnahme des Dienstes in der Insula im Bischofswiesener Ortsteil Strub waren die Schwestern auf insgesamt 27 Arbeitsfeldern tätig. Im Zuge der Vorbereitungen zur Errichtung eines festen Standortes an der Insula verstärkte sich der Wunsch der Schwestern nach mehr Selbständigkeit bei der Verwirklichung ihrer Vorhaben. Am 20. Dezember 1949 entschieden sie, sich von der Inneren Mission München als bisherigen Träger ihrer Arbeitsfelder zu trennen.[5] Anschließend wurde dem Mutterhaus vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus am 29. April 1950 die Eigenschaft einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen. Dazu entstand ein Schwesternrat und am 9. Mai erfolgte die Konstituierung eines Kuratoriums.[8][9]

In den 1950ern entwickelte sich zunächst auch noch ein fester Standort in Ottobrunn, an dem ein Krankenhaus, ein Altenheim und eine Berufsfachschule mit zweijähriger Ausbildung für die Krankenpflege eingerichtet wurden.[5] Auch die Zentrale des Mutterhauses fand ab 1955 in Ottobrunn eine vorläufige Bleibe,[5] um dann jedoch später bis 1967 seinen Platz im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling zu finden. Wann und warum der Standort in Ottobrunn trotz seiner Größenordnung aufgegeben wurde, ist derzeit nicht quellensicher zu belegen, hat aber womöglich seinen Grund in der 1974 vollzogenen Neustrukturierung bzw. Aufteilung des Mutterhauses für kirchliche Diakonie München.

Umstrukturierung und Rechtsnachfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1960er setzte eine organisatorische Umstrukturierung des Mutterhauses für kirchliche Diakonie als Ganzes ein, und seit 1967 wird das ehemalige Mutterhaus-Gebäude im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling als „Haus im Wald“ (heute: „Haus 2“) vom Seniorenwohn- und Pflegezentrum Lore Malsch genutzt.[10]

1974 wurde das Mutterhaus für kirchliche Diakonie aufgeteilt in das Diakoniewerk Hohenbrunn und den Verein der Ottobrunner Diakonie-Schwesternschaft. Während die Ottobrunner Diakonie-Schwesternschaft sich dem Evangelischen Schwesternring in Bayern sowie dem Zehlendorfer Verband anschloss,[11] übernahm das Diakoniewerk Hohenbrunn die Rechtsnachfolge des Mutterhauses als Körperschaft des öffentlichen Rechts inklusive des Vermögens und der Trägerschaft für die bereits bestehenden Einrichtungen.[12][13]

Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lebenswelt Insula / Zentrale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bischofswiesener Ortsteil Strub wurde das Gelände der heutigen „Lebenswelt Insula“ während der Zeit des Nationalsozialismus bebaut und erst als Reichssportschule für den BDM und in den 1940er Jahren von der Wehrmacht genutzt. Nach Kriegsende dienten die Gebäude bis 1946 der Spezialorganisation der UNO United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) als Repatriierungslager für Displaced Persons (DP). Ab 1947 boten sie unter Trägerschaft der International Refugee Organization (IRO)[14][12] und in Zusammenarbeit mit dem Lutherischen Weltbund[12] Unterkunft insbesondere für bis dahin nicht repatriierte lettischen Flüchtlinge und einer lettischen Schule.[15] 1949 wechselte die Trägerschaft zur Inneren Mission München über.[12]
Am 6. Mai 1951 wurden nach entsprechenden Umbauten die Gebäude ihrer neuen Nutzung als Evangelisch-Lutherisches Altenheim übergeben und feierlich eingeweiht. Das Internationale Pflegeheim diente vor allem den Kranken und im Rentenalter befindlichen Flüchtlingen. Jene die nicht repatriiert bzw. für die kein Einwanderungsland gefunden werden konnte. Bei diesem Festakt in Anwesenheit zahlreicher hochrangiger in- und ausländischer Ehrengäste wurde auch die von einer Turnhalle zum Gotteshaus umgebauten Insula-Kirche ihrer Bestimmung übergeben.[16][15][17]
Nach dem Rückzug der IRO wechselte die Trägerschaft für die Insula zunächst zur Inneren Mission, die dafür 1950 einen Pachtvertrag über 50 Jahre vom Bayerischen Finanzministerium erhielt. Am 2. Juni 1950 wurde dann zwischen dem Freistaat Bayern, der IRO, dem Lutherischen Weltbund, dem Landesverband der Inneren Mission und dem Mutterhaus ein Vertrag zur künftigen Rechtsträgerschaft, Verwaltung und Führung der Einrichtung geschlossen.[18]

Kern der Lebenswelt Insula ist ein Seniorenwohn- und Pflegezentrum mit der dazu gehörigen Insula-Kirche. Weitere Einrichtungen auf dem Gelände sind eine Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe, ein Kindergarten mit Kinderkrippe und -hort sowie ein Adipositas-Rehabilitationszentrum und eine Adipositas-Wohngruppe.[19] Die Arbeit des Adipositas-Rehabilitationszentrums wurde 2009/2010 insbesondere in Bezug auf die interdisziplinäre Behandlung und Betreuung auch in längeren Fernsehmagazin-Berichten von ARD, ZDF, RTL und BR vorgestellt.[20][21][22][23]

In den Gebäuden der Lebenswelt Insula ist auch die Zentralverwaltung des Diakoniewerks Hohenbrunn untergebracht.

Seniorenwohn- und Pflegezentrum Lore Malsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1967 war im Hohenbrunner Ortsteil Riemerling bei München das Verwaltungsgebäude des Mutterhauses für kirchliche Diakonie München angesiedelt. Das Verwaltungsgebäude wurde dann als Haus im Wald[10] zusammen mit dem Lore Malsch Haus Teil des Seniorenwohn- und Pflegezentrums „Lore Malsch“.[24] In das übliche Konzept einer solchen Einrichtung ist im „Lore Malsch“ inzwischen auch ein Offenes Demenzzentrum integriert.

Im November 2014 entstand im bis dahin schon länger ungenutzten, heute als Haus 2 bezeichneten Haus im Wald[10] auf sechs Etagen für Flüchtlinge die Wohngruppe Riemerling, eine Einrichtung der zur Inneren Mission München gehörenden Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe Feldkirchen.[25]

Das Seniorenwohn- und Pflegezentrum „Lore Malsch“ in Hohenbrunn ist nur noch nomineller Vorstandssitz des Diakoniewerks Hohenbrunn, die Zentralverwaltung ist in der Lebenswelt Insula angesiedelt.

Seniorenwohnanlage Taufkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Seniorenwohnanlage „Am Hachinger Bach“ ist ein Seniorenwohn- und -pflegeheim in Taufkirchen bei München und bietet auch Kurzzeitpflege an.[26]

Pflegezentrum St. Michael[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Pflegezentrum St. Michael in Ottobrunn bietet seit 1998 werktags Tagespflege für hilfsbedürftige Menschen und seit 2013 auch die ersten beiden Wohngemeinschaften für Demenzkranke im Landkreis München.[27][28]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marita Krauss: Evangelisch in München – Karl Buchrucker (1827–1899) Wegbereiter der bayerischen Diakonie. Volk Verlag. München, 2009. ISBN 978-3937-20064-4.
  • Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik. Kürzl. München, 1988.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand des Diakoniewerks Hohenbrunn, online unter dw-hohenbrunn.de
  2. Zentralverwaltung des Diakoniewerks Hohenbrunn, online unter dw-hohenbrunn.de
  3. Impressum der Homepage des Diakoniewerks Hohenbrunn, online unter dw-hohenbrunn.de
  4. Daniel Wagner: Diakonie – Unbekannter Riese, wohlvertrauter Zwerg. Veröffentlichung der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern. München, 2015.
  5. a b c d e Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik. Kürzl. München, 1988. S. 14–54.
  6. Helmut Baier: Liebestätigkeit unter dem Hakenkreuz. Die Innere Mission München in der Zeit des Nationalsozialismus. Verein für bayerische Kirchengeschichte. Nürnberg, 2008. S. 55 und 139.
  7. a b Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik, ebenda. S. 18.
  8. Entscheidungen in Kirchensachen. In: Band 5 "1959/61". De Gruyter. Berlin, 1967. S. 180.
  9. Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik, ebenda. S. 61 ff.
  10. a b c Chronik, online unter lore-malsch.de
  11. Zu Ottobrunner Diakonie-Schwesternschaft e.V., Webseite vom Zehlendorfer Verband für Evangelische Diakonie, online unter zehlendorfer-verband.de
  12. a b c d Lebenswelt Insula, Abschnitt Geschichte, online unter dw-hohenbrunn.de
  13. Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik, ebenda. S. 157 ff.
  14. Ieva Zake: American Latvians Politics of a Refugee Community. Transaction Publishers. New Brunswick, 2010. S. 32. ISBN 978-1412-81451-5.
  15. a b berchtesgaden-evangelisch.de Zur Insula-Kirche auf der Homepage der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Berchtesgadens
  16. Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik, ebenda. S. 47–53.
  17. Internationales Pflegeheim. In: Süddeutsche Zeitung vom 7. Mai 1951. Süddeutscher Verlag. München, 1951.
  18. Christiane Schiedeck: Ottobrunner Chronik, ebenda. S. 63.
  19. Webseiten zur Lebenswelt Insula – Lage, Chronik, online unter dw-hohenbrunn.de
  20. Adipositas-Rehazentrum INSULA, Beitrag im Fernsehmagazin Brisant der ARD vom 21. April 2010, online unter YouTube
  21. Adipositas-Rehazentrum INSULA, Beitrag im Fernsehmagazin hallo deutschland des ZDF vom 11. April 2010, online unter YouTube
  22. Adipositas-Rehazentrum INSULA, Beitrag im Fernsehmagazin Explosiv – Das Magazin bei RTL, online unter YouTube
  23. Adipositas-Rehazentrum INSULA, Beitrag im Fernsehmagazin Gesundheit! des BR, online unter YouTube
  24. Webseiten zu Seniorenwohn- und Pflegezentrum Lore Malsch, online unter lore-malsch.de
  25. Wohngruppe Riemerling. Webseite der Kinder- und Jugendhilfe Feldkirchen. München, 2016. Abgerufen am 23. Januar 2016.
  26. Webseiten zur Seniorenwohnanlage Taufkirchen, online unter dw-hohenbrunn.de
  27. Webseiten zum Pflegezentrum St. Michael, online unter dw-hohenbrunn.de
  28. Heike Woschée: Ottobrunn – Demenz-WG eröffnet im Münchner Wochenanzeiger am 13. Juni 2013, online unter wochenanzeiger.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]