Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik

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Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik, Untertitel: Report aus dem Innern der Macht, ist ein 2017 im Siedler Verlag erschienenes Sachbuch des deutschen Welt-Journalisten Robin Alexander. Die Hörbuch-Version aus dem John Verlag wurde von Helmut Winkelmann eingesprochen. Das Buch erreichte den ersten Platz auf der Spiegel-Bestsellerliste (Ausgabe 13/2017, Hardcover Sachbücher) und blieb dort drei Wochen, danach weitere drei Wochen auf Platz zwei.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Buch berichtet Alexander, dass Angela Merkel und ihr Kabinett aus CDU/CSU und SPD, anders als zuvor in den Medien dargestellt, zu Beginn der Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 ursprünglich erwogen hatten, Migranten an der Grenze zurückzuweisen, und warum es doch nicht zur Schließung der Grenzen kam.

Beleuchtet werden insbesondere die Vorgänge im Umfeld des Wochenendes 12./13. September 2015, als die Bundesregierung eine Woche, nachdem Angela Merkel die Grenzöffnung verfügt hatte, einen Anlauf unternahm, die Grenze zwischen Österreich und Bayern für alle Personen ohne Pass oder Visum wieder zu schließen. Mit Hinweis auf die Drittstaatenregelung sollten auch Asylsuchende zurückgewiesen werden.

Eine wichtige Rolle spielte dabei Dieter Romann, der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, der die Einzelheiten der geplanten Grenzschließung organisatorisch und logistisch vorbereitete. In letzten Abstimmungen zwischen Merkel, dem damaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, der der Grenzschließung einen Tag vorher zugestimmt hatte, und Bundesinnenminister Thomas de Maizière kurz vor dem geplanten Termin wurde der Beschluss dahingehend geändert, dass „Drittstaatsangehörigen ohne aufenthaltslegitimierende Dokumente und mit Vorbringen eines Asylbegehrens die Einreise zu gestatten ist“, auch wenn sie aus einem sicheren Drittstaat oder sicheren Herkunftsland kommen.[2]

„So bleibt die deutsche Grenze an diesem Wochenende für alle offen. Aus der ‚Ausnahme‘ der Grenzöffnung wird ein monatelanger Ausnahmezustand, weil keiner die politische Kraft aufbringt, die Ausnahme wie geplant zu beenden. Die Grenze bleibt offen, nicht etwa, weil Angela Merkel es bewusst so entschieden hätte, oder sonst jemand in der Bundesregierung. Es findet sich in der entscheidenden Stunde schlicht niemand, der die Verantwortung für die Schließung übernehmen will.“[3]

Absatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch wurde breit rezipiert und war bereits kurz nach Erscheinen ein Bestseller: Das Börsenblatt notierte einen Sprung „von Null auf Rang eins“,[4] der Buchreport dokumentierte drei Wochen auf Platz 1 der Bestsellerliste Hardcover Sachbücher und insgesamt elf Wochen in den Top 10.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Huffington Post hebt CDU-Jungpolitiker Ahmed Agdas hervor, dass Buch sei „insgesamt spannend geschrieben“ und beschreibe „auch für den Laien verständlich die dramatischen Monate deutsch-europäischer Politik“. Dabei verzichte der Autor „fast zu offensichtlich darauf, sich in etwaige Lager zuordnen zu lassen“.[6]

Für die taz zeigt sich Barbara Dribbusch kritischer: Das Buch komme „als Dokumentation einer Entscheidungsschwäche von Merkel, Thomas de Maizière & Co daher“, wirke „aber gerade dadurch manipulativ“. Zudem verenge die Personalisierung den Blick und sei ein „Vereinfachungsangebot“.[7]

Im Gegensatz bezeichnet Eckhard Stuff für Kulturradio das Werk, welches sich lese wie ein Krimi, als „das wichtigste politische Buch des Frühjahrs 2017“.[8]

Positiv äußert sich auch Thomas Jäger für den Focus: Das Buch sei „so reizvoll und eloquent geschrieben, dass man es in einem Rutsch durchlesen“ müsse. Über den Stil amerikanischer Enthüllungsjournalisten hinaus habe Alexander „eine klarere, nachdenkenswertere und wirksamere Ausdrucksform“ gefunden, was sich inhaltlich zeige, „indem er Leerstellen und Bruchstücke lässt, wo sie wahrscheinlich auch genau hingehören“.[9]

Differenziert fällt das Urteil des SZ-Rezensenten aus. Die Schwäche des Buches sei, dass der Autor „seinem Ärger über die Kanzlerin Luft“ mache, doch liefere es „auch tiefe Einblicke ins Innenleben der Politik“.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik. Report aus dem Innern der Macht. Siedler, München 2017, ISBN 978-3-8275-0093-9.
    • als Hörbuch: Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik. Report aus dem Innern der Macht. John Verlag, München 2017, ISBN 978-3-942057-79-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zum Buch bei buchreport. Abgerufen am 18. April 2017.
  2. S. 11–25
  3. S. 26
  4. Aktuelle Bücher-Bestsellerlisten / Topseller auf Achterbahnfahrt. In: boersenblatt.net. 24. März 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  5. Die Getriebenen - buchreport. In: buchreport.de. Abgerufen am 17. Oktober 2017.
  6. Ahmed Agdas: Rezension: "Die Getriebenen" von Moral, Zwängen und Stimmungen. In: huffingtonpost.de. 29. Mai 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  7. Barbara Dribbusch: „Die Getriebenen“ von Robin Alexander: Manipulativer Politkrimi. In: taz.de. 6. April 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  8. Eckhard Stuff: Robin Alexander: "Die Getriebenen. Merkel und die Flüchtlingspolitik". In: Kulturradio. 4. April 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  9. Thomas Jäger: Die Getriebenen: Robin Alexanders Buch rechnet mit der Flüchtlingspolitk ab. In: Focus Online. 1. Juli 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.
  10. Stefan Braun: Die Botschaft: Merkel ist schuld. In: sueddeutsche.de. 18. April 2017, abgerufen am 17. Oktober 2017.