Die neun Pforten

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Filmdaten
Deutscher Titel Die neun Pforten
Originaltitel The Ninth Gate
Produktionsland Frankreich, Spanien
Originalsprache Englisch, Französisch
Erscheinungsjahr 1999
Länge 128 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Roman Polański
Drehbuch John Brownjohn
Produktion Roman Polański
Musik Wojciech Kilar
Kamera Darius Khondji
Schnitt Hervé de Luze
Besetzung
Synchronisation

Die neun Pforten ist ein Mystery-Thriller von Roman Polański aus dem Jahr 1999 mit Johnny Depp in der Hauptrolle. Der Film basiert auf dem Roman Der Club Dumas (El club Dumas) des Autors Arturo Pérez-Reverte aus dem Jahr 1993.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Antiquar und „Buch-Detektiv“ Dean Corso aus New York hat sich auf die Beschaffung sehr seltener Bücher spezialisiert. Um ersehnte Stücke zu ergattern, schreckt er auch vor Betrügereien nicht zurück.

Corso wird von dem exzentrischen Verleger-Millionär und Sammler Boris Balkan für einen besonderen Auftrag engagiert. Balkan besitzt eine Sammlung wertvoller Bücher, die alle eines gemein haben: sie haben den Teufel zum Inhalt. Er zeigt Corso seine neueste Erwerbung, das Buch „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“, geschrieben im 17. Jahrhundert von Aristide Torchia. Balkan hat das Buch von dem Sammler Andrew Telfer erworben, der ihm diesen Schatz nur einen Tag vor seinem Selbstmord verkauft hat.

Von diesem Werk existieren weltweit nur noch drei Exemplare, allesamt in privatem Besitz. Laut Balkan sind zwei davon allerdings Fälschungen und nur eines authentisch. Corso soll die beiden anderen Exemplare in Portugal und Frankreich überprüfen, mit seinem Exemplar vergleichen und so herausfinden, welches das Original ist.

Das Buch soll einen Weg beschreiben, den Teufel herbeizurufen und in neun Schritten in sein Reich einzuziehen – vorausgesetzt, man ist in der Lage, die versteckten Rätsel des Buches zu entschlüsseln und deren Botschaft richtig zu deuten. Das Buch enthält als Hinweise dazu neun Holzschnitte, welche als eine Art Bilderrätsel die Lösung enthalten sollen. Es wird vermutet, dass der Autor seine Inspiration für sein Werk aus dem Delomelanicon hat, einer Schrift, die angeblich von Luzifer persönlich verfasst wurde. Torchia wurde deswegen von der Inquisition festgenommen und zusammen mit seinen restlichen Büchern auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Corso trifft bei seiner Suche immer wieder auf eine geheimnisvolle Unbekannte, die plötzlich auftaucht und wieder verschwindet. Er gerät immer mehr in seltsame und gefährliche Situationen, aus welchen er dann von dieser geheimnisvollen Frau gerettet wird. Die Abbildungen auf den Holzschnitten scheinen auch Parallelen zu von ihm real erlebten Ereignissen aufzuweisen.

Corso reist zuerst nach Toledo und sucht zunächst die Buchrestauratoren Pablo & Pedro Ceniza auf. Die Zwillingsbrüder hatten Andrew Telfer einst das Buch verkauft. Von diesen erfährt er, dass das Buch zwar von Telfer bezahlt wurde, er allerdings selbst nicht sonderlich daran interessiert war, sondern von seiner Frau Liana zum Kauf überredet wurde. Im Anschluss reist er weiter nach Sintra und nach Paris, um die beiden anderen Exemplare zu überprüfen. Während seiner Ermittlungen hält Corso seinen Auftraggeber Balkan immer wieder telefonisch auf dem Laufenden, dieser scheint auch jederzeit zu wissen, wo er sich gerade aufhält.

Bei Durchsicht des ersten Exemplars bei Victor Fargas in Portugal stellt Corso fest, dass es einige kleine Unterschiede zu Balkans Ausgabe aufweist. In jedem der beiden Bücher sind drei der neun Holzschnitte mit dem Kürzel LCF signiert – diese sollen von Luzifer persönlich gefertigt worden sein. Die Motive dieser Holzschnitte weichen von denen in den anderen Exemplaren in Details ab. Seine Schlussfolgerung: in jedem der erhaltenen Bücher befinden sich drei „teuflische“ Originale und sechs abweichende Variationen. Daher muss Corso alle drei Bücher finden und die Schnitte miteinander vergleichen, um für seinen Auftraggeber die echten Bilder herauszufinden.

Als Corso nochmals zu Fargas zurückkehrt, muss er feststellen, dass dieser in seinem Teich ertrunken ist und sein Buch – nachdem die mit LCF signierten Holzschnitte herausgerissen wurden – im Kamin fast verbrannt wurde. In Paris angekommen versteckt Corso Balkans Buch in seinem Hotelzimmer und nimmt nur Fotokopien mit zu Baronesse Kessler, der Besitzerin des dritten Exemplars. Diese erzählt ihm, dass nach der Verbrennung des Buchautors Torchia ein Geheimbund mit dem Namen „Orden der Silbernen Schlange“ gegründet wurde, um an Torchia zu erinnern und seine Geheimnisse zu bewahren. Doch Corso wird, während er die Holzschnitte miteinander vergleicht, hinterrücks niedergeschlagen. Als er wieder zu sich kommt, ist die Baronesse erwürgt und ihr Büro steht in Flammen.

Corso kehrt in sein Hotelzimmer zurück, wo er feststellen muss, dass sein Exemplar gestohlen wurde. Er hat zunächst die mysteriöse Frau in Verdacht, aber es stellt sich heraus, dass Liana Telfer dahintersteckt. Zusammen mit der Frau verfolgt er Telfers Wagen zum Schloss ihrer Familie, wo sie die Versammlung einer Sekte okkulter Teufelsanbeter leitet und aus dem Buch vorträgt. Balkan platzt in die Versammlung, bringt eigenhändig Liana Telfer um und flieht mit dem Buch. Corso, der von der mysteriösen Frau davon abgehalten wurde einzugreifen, folgt ihm und findet ihn in einer alten Burg in Südfrankreich. Ein Bild dieser Burg fand er zuvor auf einer Postkarte, die in Baronesse Kesslers Buch steckte und von Balkan an diese adressiert war.

Balkan glaubt, er habe die Lösung in den Bildern gefunden und dadurch übernatürliche Kräfte und Unsterblichkeit erlangt. Nachdem er die Holzschnitte ausgebreitet hat, beginnt er mit einem Ritual, welches ihm teuflische Macht verleihen soll. Corso, der Balkan aufhalten will, kann nur unbeteiligt zusehen, nachdem er halb durch einen morschen Boden gebrochen ist. Balkan ist so fest von seiner neu gewonnenen Macht überzeugt, dass er sich in seinem Wahn selbst mit Benzin übergießt und anzündet. Corso sieht, dass der Zauber nicht funktioniert und Balkan langsam verbrennt. Er erlöst ihn von seinen Qualen, indem er ihn erschießt. Dann nimmt er alle LCF-Holzschnitte an sich.

Als sich Corso in Balkans Wagen setzt, überrascht ihn abermals die geheimnisvolle Frau. Vor der mittlerweile brennenden Burg lieben sich die beiden leidenschaftlich. Am nächsten Morgen verrät ihm die Unbekannte, dass Balkans Teufelsbeschwörung nicht funktioniert habe, weil die neunte Grafik eine Fälschung gewesen sei. Sie verschwindet wieder, hinterlässt ihm jedoch einen Hinweis auf die von ihm bereits zuvor aufgesuchten Buchrestauratoren in Spanien. Als er dort ankommt, findet er ihren Laden verlassen vor, stößt aber auf die letzte echte Seite. Auf dieser ist auch eine Frau abgebildet, die der geheimnisvollen Unbekannten ähnlich sieht. Im Hintergrund ist die Burg mit einem grellen Licht zu sehen. Corso kehrt zurück, und im Sonnenuntergang öffnet sich ihm das Burgtor (die „neunte Pforte“) in grellem Licht.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Château de Puivert, der Ort des Showdowns
  • Der englische Originaltitel heißt übersetzt „Die neunte Pforte“, nicht „Die neun Pforten“.
  • Bevor der Film beginnt, fährt die Kamera während des Vorspanns durch insgesamt neun Pforten, wobei die neunte Pforte jedoch ein helles Licht offenbart.
  • Die Kombination, die Balkan in das Bedienfeld des Aufzugs eingibt, um zum Bücherraum zu gelangen, ist 666; auch Balkans Zahlenkombination zur Öffnung des Bücherraumes ist 666, oft als die Zahl des Teufels bezeichnet. Das Erscheinungsjahr des Buches wird mit 1666 angegeben.
  • Das Taxi, in dem Dean Corso in New York zur Buchhandlung „Bernie's Rare Books“ fährt und seinen Freund dort tot auffindet, trägt die Nummer „6X67“. Das X steht im Römischen für die Zahl 10. Spricht man diese Zahl aus, wird daraus sixte(e)nsixtyseven – das Todesjahr des Autors Aristide Torchia.
  • Die oben erwähnte Burg (Château de Puivert in Südfrankreich) taucht im Film mehrfach auf. Zu Beginn hängt in Balkans Bibliothek ein beleuchtetes Bild der Burg und in Baronesse Kesslers Exemplar der „Neun Pforten“ findet Corso eine Postkarte der Burg. Inhalt: „Sorry Frieda, I saw it first. Boris“. Absender der Karte ist Boris Balkan. Die Anschrift lautet „Frieda Kessler, 17, Quai d'Anjou, 75004 Paris“ und befindet sich auf der Île Saint-Louis.
  • Die „geheimnisvolle Frau“ wird gespielt von Emmanuelle Seigner, der dritten Ehefrau von Regisseur Roman Polański.
  • Im Film sieht man die „geheimnisvolle Frau“ mehrmals mit sich ändernden Augenfarben; beim Sex mit Corso verändert sich zudem ihr Gesicht, und zweimal sieht man sie durch die Luft schweben. Das Buch, das sie in der Szene in der Hotellobby liest und auf das sie Corso anspricht, ist „How To Win Friends And Influence People“ von Dale Carnegie.
  • Neben anderen Personen raucht auch Johnny Depp im Film ständig Zigaretten. Dass insbesondere der Protagonist des Films als starker Raucher dargestellt wird, führte in den USA zu Protesten und schließlich dazu, dass der Film auf einigen US-Sendern nicht mehr ausgestrahlt wurde. Zudem erscheint es auch unsinnig für die Handlung, da extrem seltene und teure Bücher wie die im Film dargestellten (einmal wird ein Wert von 1 Million US-Dollar für das Buch erwähnt) ausschließlich mit Handschuhen angefasst werden würden und ein erfahrener Antiquar wie Corso in deren Gegenwart – geschweige denn direkt über dem Buch – niemals rauchen würde. Allerdings stimmt der Film hier mit der Romanvorlage überein, in der Lucas Corso ebenfalls bei der Arbeit mit den wertvollen Büchern ständig raucht. Im Abspann wird auch eine Firma mit dem Namen Film Media Consultants aufgeführt und deren einzige Aufgabe für den Film mit „Product Placement“ angegeben.[2][3]
  • Sowohl die beiden Zwillingsbrüder Pablo & Pedro Ceniza als auch die beiden Handwerker (die sich als Pepe Lopez und Ricardo Herrera vorstellen) werden alle nur von einer einzigen Person gespielt: José López Rodero.
  • Der in Portugal lebende Besitzer des einen Exemplars, Victor Fargas, weist eine auffallende Namensähnlichkeit mit dem österreichischen Schriftsteller Viktor Farkas auf.
  • Der Film wurde im Sommer 1998 in Frankreich, Spanien und Portugal gedreht.[4]
  • Die Produktionskosten wurden auf rund 38 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Film spielte weltweit rund 58 Millionen US-Dollar ein.[5]
  • Filmpremiere war am 25. August 1999 in Spanien, Kinostart in Deutschland am 16. Dezember 1999.[6]

Unterschiede zur Romanvorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Buch taucht die richtige neunte Zeichnung nicht auf.
  • Der Handlungsstrang des Buches, der sich mit den drei Musketieren befasst, wird komplett ausgespart.

Hieraus ergeben sich weitere Änderungen:

  • Boris Balkan erscheint hier in der Rolle, die im Buch Vaio Borja innehat. Die ursprüngliche Rolle Balkans, Inhaber und Liebhaber von Dumas' literarischem Werk, entfällt damit vollständig.
  • Die Witwe Telfer ist hinter den „Neun Pforten“, nicht hinter dem unbekannten Kapitel der drei Musketiere her.
  • Eine Sekte von Teufelsanbetern taucht im Buch in dieser Form nicht auf, dafür entfällt naturgemäß das Treffen des „Club Dumas“ im vorletzten Romankapitel.
  • Corso erlebt im Film Parallelen zwischen seiner Realität und den „Neun Pforten“, im Roman zwischen seiner Realität und den „drei Musketieren“.

Deutsche Synchronfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit José López Rodero spielte zwar derselbe Schauspieler die Rollen von Pablo und Pedro Ceniza; diese wurden jedoch mit Hasso Zorn und Victor Deiß von zwei verschiedenen Synchronsprechern synchronisiert.

Darsteller Deutscher Sprecher[7] Rolle
Johnny Depp Florian Halm Dean Corso
Frank Langella Otto Mellies Boris Balkan
Emmanuelle Seigner Andrea Solter die geheimnisvolle Unbekannte
Lena Olin Katharina Koschny Liana Telfer
Barbara Jefford Bettina Schön Baroness Kessler
James Russo Torsten Michaelis Bernie
José López Rodero Hasso Zorn Pablo Ceniza
Victor Deiß
Jack Taylor Christian Rode Victor Fargas
Allen Garfield Klaus Jepsen Witkin

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein opulent, weitgehend traditionell gestalteter Gruselfilm, der die Konventionen des Abenteuer- und Schauerkinos lustvoll zelebriert, ohne sie allzu sehr zu ironisieren.“

Lexikon des internationalen Films[8]

„Polanski knüpft wieder an seine mystizistischen Anfänge im Genre des Horrorfilms an: Er erzählt vom Buchhändler Dean Corso, der einem Kunden eine Satans-Beschwörungsfibel beschaffen soll und dabei zwischen unheilvolle Mächte gerät. Sein Film kommt durchaus amüsant, atmosphärisch und unterhaltsam daher.“

Film (Ausgabe 12/1999)

„Elegant ironische Teufelei, ein intensiver Film über die Stille, suggestiv erzählt wie ein fesselnder Roman. Sinnlich, witzig, mysteriös.“

Blickpunkt:Film

„Seit langem ist dies mal wieder ein Polanski-Film, der – abgesehen vom rigiden Umgang mit nahezu unbezahlbaren Büchern – durchweg überzeugt: gute Darsteller, eine verwickelte Mystery-Story, gute Musik – auch wenn Kilar hier einmal mehr seinen genialen ‚Bram Stoker’s Dracula‘-Soundtrack kopiert – und eine brillante Fotografie.“

Prisma Online

„Sein neues Teufelswerk beginnt wunderbar ominös […] Mit sanfter Ironie und morbiden Bildern versteht es Polanski, seine Klassiker ‚Rosemaries Baby‘ und ‚Chinatown‘ zu verknüpfen. Doch dann kommt der Showdown mit seiner höllischen Symbolik (Flammen!), die dem Zuschauer nur ein Schulterzucken entlockt. Denn das Übernatürliche ist immer unsichtbar – und unerklärlich.“

cinema.de[9]

„Wer einen Mainstream-Horror-Schocker erwartet, wird entweder enttäuscht oder angenehm überrascht sein. Das ist auch nie Polanskis Filmstil gewesen, weil er viel subtiler erzählt und die Ambiguität von Geschichten liebt. So dürfte er wieder eine künstlerisch anspruchsvolle, cineastische Zuschauergemeinde finden und ganz sicher noch all jene anlocken, die intelligent unterhalten werden wollen und sich gern eine klassisch spannenden Geschichte erzählen lassen, ohne daß die Spezialeffekte dauernd um die Ecke knallen. Denn auch die sind bei Polanski leise, subtil, unauffällig.“

kino.de[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Die neun Pforten. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, März 2009 (PDF; Prüf­nummer: 83 653 V/DVD/UMD).
  2. http://www.articleslash.net/Arts-and-Entertainment/Movies-TV/100872__Why-Do-Movie-Characters-Smoke.html
  3. http://smokefreemovies.ucsf.edu/news/index.html
  4. Internet Movie Database: Drehorte
  5. http://www.boxofficemojo.com/movies/?id=ninethgate.htm
  6. http://www.imdb.de/title/tt0142688/releaseinfo
  7. Die neun Pforten. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 14. September 2014.
  8. Die neun Pforten. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.
  9. cinema.de
  10. kino.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]