Dogondoutchi

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Stadtgemeinde Dogondoutchi
Stadtgemeinde Dogondoutchi (Niger)
Stadtgemeinde Dogondoutchi
Stadtgemeinde Dogondoutchi
Koordinaten 13° 38′ N, 4° 2′ O13.6388888888894.0288888888889Koordinaten: 13° 38′ N, 4° 2′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Dosso
Departement Dogondoutchi
Einwohner 71.692 (2012)
Politik
Bürgermeister Bagoudou Souley (2004)
Partei PNDS-Tarayya

Dogondoutchi, kurz Doutchi, ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Dogondoutchi in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Tigerbusch beim Dorf Batama Béri in Dogondoutchi

Dogondoutchi befindet sich am Übergang der Großlandschaft Sudan zur Sahelzone nahe der Staatsgrenze zu Nigeria. Das Stadtbild ist von einem 260 m hohen Tafelberg im Nordosten der Stadt geprägt, der ebenfalls den Namen Dogondoutchi trägt. Dogondoutchi bedeutet „oberer Felsen“.

Das Straßennetz ist zum Teil ringförmig um das Stadtzentrum angelegt. Das Stadtgebiet ist in 15 Stadtviertel, 16 administrative Dörfer, 62 traditionelle Dörfer, vier Weiler und neun Lager gegliedert. Die Stadtviertel heißen Agadez, Bagdad, Bozaroua Doutchi, Bozaroua Koré, Chama, Damago, Danni Konna, Guijia Allage, Guijia Mayaki, Konaoua, Maïzari, Oubandawaki, Sarkin Noma, Tantchia und Wadata.[1] Die Nachbargemeinden Dogondoutchis sind Soucoucoutane im Norden, Matankari im Nordosten, Dan-Kassari im Osten, Kiéché im Südosten, Koré Maïroua im Süden, Tombokoirey II im Südwesten und Falwel im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet um Dogondoutchi war zunächst von den Arewa und den Gubawa besiedelt, die Untergruppen der Maouri darstellen, die wiederum eine Untergruppe der Hausa sind und sich von den anderen Hausa durch besondere Skarifizierungen unterscheiden. Dogondoutchi wurde vermutlich Ende des 18. Jahrhunderts als Dorf der Konawa gegründet, einer Untergruppe der Arewa.

Im Zuge der Besetzung Französisch-Westafrikas drangen die Offiziere Paul Voulet und Julien Chanoine 1899 als erste Franzosen in das zwischen Frankreich und Großbritannien strittige Gebiet vor. 1906 wurde in Dogondoutchi ein britischer Militärposten errichtet, der bald von den Franzosen übernommen wurde. Diese verlegten den Sitz der regionalen Kolonialverwaltung vom Ort Matankari nach Dogondoutchi. Auch der Sarkin, das traditionelle Oberhaupt der Arewa, verlagerte seinen Amtssitz daraufhin von Matankari nach Dogondoutchi, wo er sich bis heute befindet.[2]

Bis 1972 hatten in Niger nur die Großstädte Niamey, Maradi, Tahoua und Zinder den Status einer eigenständigen Gemeinde. In diesem Jahr wurde Dogondoutchi zeitgleich mit sechs weiteren nigrischen Orten zur Gemeinde erhoben.[3] 2008 erlitten bei Überschwemmungen über 5600 Personen materiellen Schaden.[4] Von der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 war Dogondoutchi weniger als andere Orte in Niger betroffen, 240 Einwohner wurden als Katastrophenopfer eingestuft.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Im Jahr 1948 lebten 4.330 Menschen in der Stadt. Bei der Volkszählung 1977 hatte Dogondoutchi bereits 14.629 Einwohner, bei der Volkszählung 1988 20.407 Einwohner und bei der Volkszählung 2001 29.244 Einwohner.[6] Bei der Volkszählung 2012 betrug die Einwohnerzahl 71.692.[7]

Die Konawa bilden gemeinsam mit weiteren Untergruppen der Arewa die Mehrheitsbevölkerung. In der Stadt leben außerdem kleine Gruppen von Zarma, Tuareg und Fulbe.[2]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen im Juli 2004 wurde Bagoudou Souley (PNDS-Tarayya) zum Bürgermeister gewählt.[8] Am 15. April 2010 ernannte der Ministerrat Adamou Hamidou zum Administrator (Administrateur Délégué) der Gemeinde.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Große Moschee und die chefferie liegen einander im alten Stadtzentrum gegenüber. Auf einem Stuhl vor der chefferie hält der Sarkin der Arewa Hof. Hier werden Angelegenheiten der Gemeinde besprochen und Entscheidungen getroffen.[10]

Auch wenn Dogondoutchi mehrheitlich islamisch geprägt ist, bilden die Stadt und nahegelegene Dörfer wie Lougou traditionelle Zentren der animistischen Azna. Typisch für die Azna von Dogondoutchi ist der Bori-Kult.[2] In der Stadt befindet sich auch eine römisch-katholische Pfarrgemeinde, die 1947 von Redemptoristen gegründet wurde und zum Erzbistum Niamey gehört.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Es gibt einen kleinen täglichen Markt in der Mitte des alten Stadtzentrums und einen großen Markt an der Straße nach Niamey, an dem jeden Freitag Markttag ist.[10] Dogondoutchi liegt an der Nationalstraße 1, die hier Teil des Dakar-N’Djamena-Highways ist, und an der nach Tagazar führenden Nationalstraße 23. Die Stadt wird von allen vier großen Busunternehmen des Landes angefahren.[2] In Dogondoutchi befindet sich ein ziviler Flughafen mit unbefestigter Start- und Landebahn, der Flughafen Dogondoutchi (ICAO-Code: DRRD).[12]

Dogondoutchi ist der Sitz eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen,[13] und der Association d’action contre le SIDA (ASASI). Die Nichtregierungsorganisation widmet sich der Aufklärung über AIDS und organisiert auch kulturelle Veranstaltungen in der Stadt.[10]

Partnergemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Michel Guillon, Bernard Hernandez: Dogondoutchi, petit centre urbain du Niger. In: Revue de géographie alpine. Ausgabe 56, Nr. 56-2, 1968, S. 297–358 (Online-Version).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  2. a b c d  Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 137–139.
  3. Historique de la décentralisation au Niger (PDF-Datei; 91 kB). Website des Programme nigéro-allemand de lutte contre la pauvreté dans les zones de Tillabéri et Tahoua-Nord, veröffentlicht im Mai 2008, abgerufen am 21. Januar 2012.
  4. Situation des dégâts causés par les inondations (2008). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 18. November 2008, abgerufen am 31. März 2012.
  5. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  6. Citypopulation.de: Niger: Die Regionen der Republik Niger sowie alle Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern, abgerufen am 3. Dezember 2014.
  7. Présentation des résultats globaux définitifs du Quatrième (4ème) Recensement Général de la Population et de l’Habitat (RGP/H) de 2012. Institut National de la Statistique, 2014, abgerufen am 21. April 2014 (PDF-Datei, französisch).
  8. Maires du PNDS (PDF-Datei; 24 kB). Website des PNDS-Tarayya, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  9. Conseil des ministres du Niger du 15 avril 2010. Website Temoust.org, veröffentlicht am 16. April 2010, abgerufen am 6. Oktober 2012.
  10. a b c  Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 141.
  11. Saint Gérard Dogondouchti. Eglise Catholique au Niger, 2. November 2010, abgerufen am 11. Oktober 2014 (französisch).
  12. Airports in Niger. Website Aircraft Charter World, abgerufen am 23. Januar 2012.
  13. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  14. Jean-Claude Peyronnet: La solidarité internationale à l’échelle des territoires: état des lieux et perspectives. Annexe 5: Document de travail de l’ambassade de France au Niger sur les coopérations décentralisées dans ce pays. Senat der Französischen Republik, 13. November 2012, abgerufen am 5. Juli 2013 (französisch).