Eizellspende

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Die Eizellspende, auch als allogene Eizelltransplantation bezeichnet, ist eine der Methoden der Reproduktionsmedizin zur Erfüllung des Kinderwunsches bei ungewollter Kinderlosigkeit. Sie wird angewandt, wenn in den Eierstöcken einer Frau wegen fortgeschrittenen Alters oder als Folge einer Erkrankung keine Follikel heranreifen. Die Eizellspende wird auch im Rahmen einer Leihmutterschaft durchgeführt.

Zur Eizellspende werden die Eierstöcke einer Spenderin medikamentös stimuliert, um mehrere Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen, die anschließend, meist unter Narkose, durch Punktion entnommen werden. Diese Eizellen werden durch In-Vitro-Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) mit Sperma befruchtet und der Empfängerin transferiert (Embryotransfer) oder für einen späteren Transfer kryokonserviert.

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eizellspende ist in Europa gesetzlich unterschiedlich geregelt. Es gibt Länder, in denen sie verboten ist, dazu gehören Deutschland, Schweiz, Italien, Litauen, Norwegen und Türkei.[1] In den meisten anderen europäischen Ländern gibt es dazu keine gesetzlichen Regelungen, vielmals wird sie geduldet. In den Ländern, in denen die Eizellspende gesetzlich erlaubt ist und praktiziert wird (dazu gehören Frankreich, Vereinigtes Königreich, Spanien, Niederlande, Belgien, Tschechische Republik, Slowakei, Polen, Ukraine, Österreich), unterliegt sie zum größten Teil Regelungen, die eine Ausbeutung der Spenderin verhindern sollen.[2]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind alle reproduktionsmedizinischen Verfahren durch das Embryonenschutzgesetz (Dezember 1990) geregelt.

Im § 1 Absatz 1 bis 3 steht dazu folgendes:

(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
  1. auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt,
  2. es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt,
 6. einer Frau einen Embryo vor Abschluss seiner Einnistung in der Gebärmutter entnimmt, um diesen auf eine andere Frau zu übertragen oder ihn für einen nicht seiner Erhaltung dienenden Zweck zu verwenden, oder
 7. es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen (Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf sie einen menschlichen Embryo zu übertragen.
Die Eizellempfängerin hat keine strafrechtlichen Konsequenzen zu befürchten
(3) Nicht bestraft werden
  1. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 1, 2 und 6 die Frau, von der die Eizelle oder der Embryo stammt, sowie die Frau, auf die die Eizelle übertragen wird oder der Embryo übertragen werden soll.

Es ist den Frauenärzten/Reproduktionszentren in Deutschland ebenfalls verboten, vorbereitende Maßnahmen für eine Eizellspende durchzuführen.

Inzwischen gibt es Juristen, welche die Vereinbarkeit des Embryonenschutzgesetz mit dem Grundgesetz zumindest infrage stellen. Auch die Reproduktionsmediziner sind bestrebt eine Lockerung der gesetzlichen Möglichkeiten zu erreichen.[3] [4]

Durch die vorhandene gesetzliche Regelung in Deutschland sind die Kinderwunschpaare gezwungen, die Behandlung im europäischen Ausland oder in einem anderen Land der Welt durchführen zu lassen, man nennt dieses Phänomen auch „Befruchtungstourismus“. In den an Deutschland angrenzenden europäischen Ländern gibt es sehr viele reproduktionsmedizinische Zentren, die zum Teil auch mit deutschen Ärzten zusammenarbeiten oder aber von diesen federführend unterstützt werden.

Die politische Partei FDP fordert die Zulassung der Eizellspende in Deutschland.[5][6] In der politischen Partei SPD gibt es Parlamentarier wie Brigitte Zypries und Sonja Steffen, die eine Zulassung der Eizellspende in Deutschland befürworten.[7][8]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich erlaubt seit 2015 nach einem Urteil des Österreichischen Verfassungsgerichtshofes die Eizellspende. Auch Frauenpaaren, die in einer Lebensgemeinschaft leben, wird die Eizellspende ermöglicht.[9]

Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im April 2010 entschieden, wenn ein Staat künstliche Befruchtung zulässt, dürfe er die Eizellspende nicht verbieten.[1] Das Gericht urteilte, es sei eine „nicht durch objektive und vernünftige Gründe zu rechtfertigende“ Ungleichbehandlung, wenn Paare, die eine Eizellspende benötigen, von der künstlichen Befruchtung ausgeschlossen sind. Im November 2011 wurde diese Entscheidung durch die Große Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte wieder aufgehoben. Ein Verbot widerstrebe nicht dem Recht auf Familienplanung.[10]

Häufigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Extrapolation von Zahlen aus Ländern, in denen die Eizellspende erlaubt ist (USA, Großbritannien etc.), ist davon auszugehen, dass bei etwa 1000–3000 Patientinnen pro Jahr in Deutschland ein Bedarf für eine Eizellspende aus medizinischer Indikation besteht[11][12][13] In Europa waren im Jahr 2008 insgesamt 13.609 Frauen Empfängerinnen von gespendeten Eizellen,[14] 2010 wurden in Europa 25.187 Zyklen der Eizellspende gemeldet[15] und 2013 waren 40.244 Frauen in Europa Empfängerinnen von Eizellspenden.[16]

Nach einer Untersuchung der ESHRE zu „Cross Border Reproductive Care“[17] gehen in Europa Frauen für insgesamt etwa 24.000–30.000 Behandlungszyklen aus verschiedenen Gründen ins Ausland. Aus Deutschland wird ein Bedarf an schätzungsweise 2000 Behandlungszyklen im Ausland gedeckt. Der größte Teil der Frauen aus Deutschland (80 %) geht ins Ausland, weil in Deutschland die betreffenden Behandlungsmethoden verboten sind (wie bei Eizellspende). Insbesondere gehen deutsche Frauen daher in die Tschechische Republik, nach Dänemark und Spanien.[17] Die Erfolgsraten einer Schwangerschaft nach Eizellspende sind hoch. Die Geburtenrate („Baby take home rate“) liegt zwischen 33 % (UK) und 55 % (USA) pro Embryotransfer.[12][13][18]

Medizinische Probleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwangere haben nach einer Eizellspende, unabhängig von Alter, Mehrlingen und vom angewandten reproduktionsmedizinischen Verfahren, ein erhöhtes Risiko, eine hypertensive Schwangerschaftserkrankung zu entwickeln. Schwangerschaften nach einer allogenen Eizelltransplantation sollten daher engmaschig durch Ärzte mit pränatalmedizinischer Spezialisierung überwacht werden.[19][20] Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Blutungen im ersten Schwangerschaftsdrittel.[21]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eizellspende muss erlaubt werden. In: taz, 3. April 2010
  2. Die Last der späten Mutterschaft. In: Süddeutsche Zeitung
  3. Debatte um spätes Mutterglück entbrannt. In: Rheinische Post, 4. Dezember 2007
  4. Künstliche Befruchtung – Debatte über die Grenzen der Wissenschaft. In: Hamburger Abendblatt
  5. FDP für Eizellspenden und nicht kommerzielle Leihmutterschaft. In: Ärzteblatt. 22. September 2017
  6. Daniel Deckers: Die Kalamitäten der FDP. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 11. Oktober 2017
  7. Melanie Amann, Christiane Hoffmann, Caroline Katschak, Ann-Katrin Müller, Ralf Neukirch und Britta Stuff : Familie für alle. In: Der Spiegel. 32/2015 S. 14–17
  8. Heike Haarhoff: Wird die Eizellspende bald legalisiert? In: taz. 25. November 2013
  9. DiePresse.com: Künstliche Fortpflanzung, Medizin darf mehr nachhelfen
  10. Die Presse:EGMR:Eizellspende ist kein Menschenrecht
  11. The HFEA guide to infertility and directory of clinics. In: HFEA
  12. a b Fertility treatment in 2010. In: HFEA 2012. (Zuletzt gesehen: 16.10.2013).
  13. a b Assisted Reproductive Technology (ART). Report. Network success rate: 2010 national summary. In: CDC, 2012. (Zuletzt gesehen: 16.10.2013).
  14. AP Ferraretti, V Goossens, J de Mouzon, et al.: Assisted reproductive technology in Europe, 2008: results generated from European registers by ESHRE. In: Human Reproduction 2012; 27: 2571–84. PMID 22786779 doi:10.1093/humrep/des255
  15. AP Ferraretti, M Kupka, J de Mouzon, et al. Assisted Reproductive Technology (ART) in Europe, 2010. Results generated from European registers by ESHRE. Preliminary results. ESHRE Jahreskongress, 07.–10.07.2013, London, UK PMID 25069504 doi:10.1093/humrep/deu175
  16. C. Calhaz-Jorge, C. De Geyter, M.S. Kupka, et.al.: Assisted reproductive technology in Europe, 2013: results generated from European registers by ESHRE. In: Human Reproduction 2016: 1-17 doi:10.1093/humrep/dex264
  17. a b F Shenfield, J de Mouzon, G Pennings, et al.: Cross border reproductive care in six European countries. In: Human Reproduction 2010; 25: 1361–8. doi:10.1093/humrep/deq057
  18. Heribert Kentenich, Georg Griesinger: Zum Verbot der Eizellspende in Deutschland: Medizinische, psychologische, juristische und ethische Aspekte. In: Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie 10.5 (2013): 273-278.
  19. Ulrich Pecks, Nicolai Maass, Joseph Neulen: Eizellspende – ein Risikofaktor für Schwangerschaftshochdruck: Metaanalyse und Fallserie. Dtsch Arztebl Int 108 (2011), 23-31, PMID 21285999, doi:10.3238/arztebl.2011.0023
  20. P. C. Klatsky, S. S. Delaney, A. B. Caughey, N. D. Tran, G. L. Schattman, Z. Rosenwaks: The role of embryonic origin in preeclampsia: a comparison of autologous in vitro fertilization and ovum donor pregnancies. Obstet Gynecol. 116 (2010), 1387-92, PMID 21099607
  21. Myriam Baumgarten, Dominic Stoop, Patrick Haentjens, G. Verheyen, F. De Schrijver, Ingeborg Liebaers, Michel Camus,Mary-Louise Bonduelle, Paul Devroey: Oocyte donation is a risk factor for first trimester bleeding and pregnancy induced hypertension but without effect on the perinatal outcome. Hum Reprod 25 (Suppl. I) (2010), Abstract online
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