Elbling

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Elbling (Begriffsklärung) aufgeführt.
Blätter und Trauben der Rebsorte Weißer Elbling

Der Elbling (von lat. albus, weiß) ist eine weiße Rebsorte. Er gilt als die älteste Weinsorte Europas. Bereits von den Römern im Moselgebiet angebaut, war er bis ins Mittelalter auch die häufigste deutsche Rebsorte, wurde ab dem 17. Jahrhundert dann allerdings mehr und mehr von den Sorten Riesling und Silvaner verdrängt. Als reichhaltiger Traubenträger war er früher beliebt bei denen, die den Zehnten in Wein entrichten mussten.

Die Traube ergibt einen unkomplizierten trockenen und unverfälschten Weißwein, der sich auch hervorragend zur Sektherstellung eignet. Der Wein des Elblings ist säurebetonter (→ Säure (Wein)) als die meisten Neuzüchtungen, er schmeckt spritzig und fruchtig.

Der Rote Elbling ist eine rottraubige Mutation des Weißen Elblings und wird als weißer Wein klassifiziert. Die Farbe ist hellrot bis lachsfarben.

Schwarz- und Blau-Elbling hingegen sind keine Varianten des Elbling, sondern Spielarten des Trollinger.

Siehe auch die Artikel Weinbau in Deutschland, Weinbau in Frankreich, Weinbau in Luxemburg und Weinbau in der Schweiz sowie die Liste der Rebsorten.

Herkunft[Bearbeiten]

Der Weiße Elbling ist eine der ältesten Rebsorten Deutschlands und wie der Weiße Räuschling wahrscheinlich im Rheintal entstanden. Wegen der sprachlichen Ähnlichkeit der Synonyme Alben und Elben mit den lateinischen Wörtern Albuelis, Albuelos und Vitis alba entstand die Vorstellung, dass die Römer spätestens im 4. Jahrhundert den Elbling über Gallien an den Rhein gebracht hätten. Tatsächlich erwähnten Plinius der Ältere und Columella in ihren Schriften im 1. Jahrhundert n. Chr. die Vitis alba. Andererseits weisen die Synonyme Allemand, Raisin blanc des Allemands, oder auch Rheinelbe eher auf eine deutsche Herkunft hin.[1] Nach Marcel Aeberhard wurde der Elbling unter dem Namen «Elseser» schon im 13. Jahrhundert in einem Hofrecht des Schweizer Klosters Engelberg erwähnt. Die Notiz betraf einen Rebberg auf einem Lehensgut in Wingreis am Bielersee.[2] Hieronymus Bock erwähnt die Sorte im Jahr 1577 in seinem Kreutterbuch.

Lange wurde der Elbling der Rebsortenfamilie des Heunisch zugezählt. Da er kleinere Beeren als die meisten Heunisch-Varianten zeigt, wird er auch „Kleinbeeriger“ oder umgangssprachlich „Keenbeerich“ genannt. Der „Französische Heunisch“, dort „Gouais Blanc“ genannt, ist sehr wahrscheinlich eng verwandt dem Elbling.

Wie Dr. Regner von der Höheren Bundeslehranstalt in Klosterneuburg ausführt, wurde in den 1990er Jahren durch DNA-Analysen festgestellt, dass der Elbling eine spontane Kreuzung zweier Sorten mit heunischen und fränkischen Anteilen sei. Als heunische Sorte konnte zweifelsfrei Weißer Heunisch identifiziert werden. Als fränkische Sorte kann ein Traminer-Sämling angenommen werden (Genetisch ist auch die Abstammung des Riesling vom Heunisch – der andere Elternteil ist ebenfalls ein Traminer-Sämling – bewiesen). [3]

Verbreitung[Bearbeiten]

Hauptanbaugebiete des Elblings sind Mosel-Saar-Ruwer und Sauer, an der Mosel jedoch fast ausschließlich oberhalb von Trier, also am Oberlauf der Mosel, z. B. in Nittel mit 75 % Anbaufläche, (aber nicht am Unterlauf der Saar), wo mehr Kalkstein als Schiefer vorkommt. Weitere größere Anbauorte sind Palzem, Kreuzweiler, Dilmar, Esingen, Helfant, Bilzingen, Wincheringen, Söst, Rehlingen, Köllig, Onsdorf, Wellen, Temmels, Tawern, Fellerich, Oberbillig, Wasserliesch; auf der linken Moselseite Igel, Liersberg, Wasserbilligerbrück, Langsur, Mesenich (Langsur), Grewenich und Metzdorf.[4]

Außerdem sind auch noch größere Anpflanzungen in Baden und Sachsen bekannt.

Die Anbaufläche in Luxemburg umfasst 115,9 ha (Stand 2008, Quelle: [5]) ; dies entspricht 9 % der gesamten Anbaufläche.

In Deutschland waren im Jahr 2007 580 Hektar (= 0,6 % der Rebfläche) [6] mit der Rebsorte Elbling bestockt. Im Jahr 2006 waren noch 583 Hektar [7] Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 1999 immerhin 1043 Hektar [8] erhoben wurden.

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr -
Baden unter 0,5
Franken unter 0,5
Hessische Bergstraße -
Mittelrhein unter 0,5
Mosel 570
Nahe unter 0,5
Pfalz unter 0,5
Rheingau -
Rheinhessen -2
Saale-Unstrut unter 0,5
Sachsen 8
Stargarder Land unter 0,5
Württemberg -
TOTAL Deutschland 2007 580

Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, Seite 198ff. [9]

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten]

In der Ampelographie wird der Habitus folgendermaßen beschrieben:

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist wollig behaart mit leicht rötlichem Anflug. Die gelblichen, leicht bronzefarbenen Jungblätter sind auf der Unterseite dicht behaart.
  • Die großen Blätter sind rundlich, entweder nicht gebuchtet oder dreiflappig und nur schwach gebuchtet. Die Stielbucht ist geschlossen oder gar überlappt. Das Blatt ist scharf gezähnt. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist blasig rau.
  • Die zylinderförmige Traube ist mittelgroß und dichtbeerig. Die länglichen Beeren sind mittelgroß und von hellgrüner bis gelbgrüner Farbe.

Der Elbling treibt mittelfrüh aus. Dadurch entgeht er meist eventuellen Frühjahrsfrösten und gedeiht auf mittelguten Lagen. Der Blütezeitpunkt liegt ebenfalls spät.

Der Elbling ist eine uralte Kultursorte. Er ist zwar empfindlich gegen Spätfrost, kommt aber mit wesentlich weniger Stickstoff als andere Reben gut zurecht, eignet sich daher besonders für einen naturnahen, „kontrolliert umweltschonenden Weinbau“. Die Rebstöcke können ein sehr hohes Alter erreichen und haben schon nach 40 bis 50 Jahren oberschenkeldicke Stämme.

Abkömmlinge[Bearbeiten]

Bislang wurde der Elbling kaum zur Neuzüchtung von Rebsorten genutzt. Christian Oberlin kreuzte den Elbling mit Riesling zum Elbriesling.

Synonyme[Bearbeiten]

Andere Bezeichnungen für diese Rebsorte sind:

Albana (verwendet in Italien, aber nicht mit der Sorte Albana zu verwechseln), Albe, Alben, Albich, Albig, Albuelin, Albuelis (gemäß Plinius), Allemand, Allemand Blanc, Alsacien, Alva, Biela zrebnina, Bielovacka, Bielovcka, Blesec, Blesez, Bourgeois, Burgauer, Burgeger, Burgegger, Burger (verwendet im Elsass), Burger Elbling (in der Schweiz), Burgundertraube grûn, Burgyre, Dickelbling, Elbai Fehér, Elbe, Elbele, Elben, Elben Fehér, Elber, Elbinger, Facum, Facun, Facun blanc, Farantbily, Faucun, Frankenthal blanc, Foelschert (verwendet in Luxemburg und dt. Grenzregion für "Roten Elbling"), Frankenthal Blanc, Gelbelbling, Gelber Elbling, Gemeine Traube, Geschlachter Burger, Gonais blanc, Gouais Blanc (verwendet in Frankreich, ist wahrscheinlich eine eigenständige Sorte der Heunisch - Familie), Grobe, Grobburger, Grobelbling, Grobriesling, Gros Blanc, Großriesler, Großriesling, Gwess (verwendet in der Schweiz), Hartalbe, Hartelbling, Haussard, Hierländer, Kleinberger (früherer Hauptname), Klämmer, Kleinbeere, Klember, Klemmer, Klemplich, Kristaller, Kratkopeccelj, Kurzstingel, Kurzstingl, Kurzstingler, Marmont vert, Marmot, Mehlweiße, Mouillet, Nässlinger, Nürnberger, Pecek, Plant Commun, Plant Madame, Räifrench, Rheinalben (im Elsass), Rheinelbe, Schlitzer, Seretonina, Spizelbe, Srebonina, Süßgrober, Süßgrobes, Verdin Blanc, Vert Blanc, Vert Doux, Weißalbe, Weißelben, Weißelbling, Weißer Dickelbling, Weißer Elbling, Weißer Silvaner, Welsche, Welschel und Zahe.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Herkunft alter Rebsorten (PDF) Abgerufen am 10. Juni 2010.
  2. Aeberhard Marcel: Geschichte der alten Traubensorten. Aarcadia Verlag, Solothurn 2005, ISBN 9783908579045
  3. Heunisch x Fränkisch, ein wichtiger Genpool europäischer Rebsorten (Vitis vinifera L sativa), Regner F. ; Stadlbauer A.  ; Eisenheld C. in Wein-Wissenschaft; ISSN 0375-8818 , 1998, vol. 53, no3, Seiten 114-118
  4. Verein der Freunde des Elblingweines Obermosel e.V., Nittel
  5. Veröffentlichung des Statistikamts (PDF) Seite 144
  6.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2008/2009, (PDF Datei; 454 kB). Mainz 2008.
  7.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2007/2008, (PDF Datei; 430 kB). Mainz 2007.
  8.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2004/2005, (PDF Datei; 777 kB). Mainz 2004.
  9. Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008(PDF; 519 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]