Engelhelms

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Engelhelms
Gemeinde Künzell
Koordinaten: 50° 31′ 6″ N, 9° 42′ 28″ O
Höhe: 288 m ü. NHN
Fläche: 2,13 km²[1]
Einwohner: 1977 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 928 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 36093
Vorwahl: 0661

Engelhelms ist ein Ortsteil von Künzell südwestlich der osthessischen Stadt Fulda und kann auf eine über 1500-jährige Geschichte blicken.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt eingebettet in das Tal der Wernau zwischen dem Florenberg und dem Gehrenberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Norden Edelzell, im Nordosten Pilgerzell, im Südwesten Eichenzell und im Westen Bronnzell (ein Fuldaer Stadtteil).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorchristliche Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als älteste Siedlungszeugnisse befinden sich am Steinhauck bronzezeitliche Hügelgräber. Auf dem Kamm des Gehrenbergs zwischen Engelhelms und Schloss Fasanerie verlief in vorfränkischer Zeit ein Fernweg, aus der Wetterau kommend, in Richtung Hohe Rhön mit dem Ziel Thüringen und Grabfeld.

Im 5. Jahrhundert entstand ein Gehöft eines Angehörigen des Volkes der Angeln an einer durch die germanische Völkerwanderung verlassenen und verwüsteten Gegend. Daraus leitet sich der Name Engelhelms ab: als Beschützer der Angeln oder als schützende Behausung des Angeln. In den Jahren darauf wuchs um den Hof Angilhelms eine kleine Siedlung am Fuß des Florenbergs.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fuldaer Land wurde 743 dem Kloster Fulda des Bonifatius unterstellt, der Hofbesitzer Engilhelm hatte Wehrdienst zu leisten. Um 900 errichtete Abt Huoggi auf dem Florenberg eine erste Kirche. Diese erhielt kurze Zeit später eine Wehrmauer zum Schutz vor ungarischen Truppen.

Die darauffolgenden Jahrhunderte waren gekennzeichnet von angreifenden Raubrittern und mehrfachen Besitzerwechseln. 1267 wurde Theodericus, der stellvertretende Pfarrer des Florenbergs, ermordet. Am gegenüberliegenden Ufer der Wernau, umgangssprachlich auch Mühlbach genannt, entstand ein weiteres Dorf An der Breit, das aber – eventuell wegen der Pest – 1396 wieder verlassen und eine Wüstung wurde.

Anfang des 15. Jahrhunderts stritten sich Johann Brutegam und Werner Brunchinrod um die Stelle des Pfarrers. Papst Martin V. vergab 1427 an Brunchinrod den Besitz.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1511 bis 1515 wurde der vierte Kirchenbau auf dem Florenberg errichtet. Er wurde im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt. Nach dem Krieg wurde neben der Kirche eine Schule eingerichtet.

Aus dem Jahr 1708 hat sich ein sogenanntes Salbuch erhalten, in dem die genauen Besitzverhältnisse verzeichnet sind. Es ist die Rede von fünf halben – bedingt durch Erbteilungen – Bauernhöfen, einfachen Hüttnern und einer Mühle. Der Mühlbauer hatte das Recht, den vorbeifließenden Bach mit einem Wehr zu stauen. Daher leitet sich auch der Name der Wernau ab.

Die 1806–1813 durchziehenden napoleonischen Truppen verbrauchten so viele Vorräte, dass die Bevölkerung hungerte und zwei Sack Kartoffeln für einen Acker getauscht wurden. Hundert Jahre später fand man bei Bauarbeiten am Florenberg Gräber mit Überresten französischer Uniformen und Degen.

Nach Aufhebung der Leibeigenschaft und der Frondienste 1808 ging es den Bauern besser, da sie der Obrigkeit keine Abgaben mehr leisten mussten. Die Engelhelmser Landwirtschaft war schwierig, wie ein Steuerkataster von 1866 beschreibt. Demnach waren die Äcker steil und die Erde wurde bei starkem Regen fortgeschwemmt, durch das raue Klima waren die Wiesen zu nass. Daher verdingten sich die Bauern nebenbei in anderen Berufen.

1909 wurde die Schule auf dem Florenberg geschlossen und die Kinder in der 1890 errichteten Gaststätte Zur Kühlen Quelle unterrichtet. Im Jahr 1920 wurde Engelhelms an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.

Am 26. November 1944 wurde Schloss Fasanerie bombardiert und trug erhebliche Schäden davon. Bei zwei Angriffen auf den Ort am 6. Februar und 17. März 1945 starben 21 Menschen.

Am 1. April 1972 wurde Engelhelms im Zuge der Gebietsreform in Hessen ein Teil der Gemeinde Künzell.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 747: 00008 Einwohner
  • 1811: 0211 Einwohner
  • 1895: 0279 Einwohner
  • 1925: 0315 Einwohner
  • 1940: 0397 Einwohner
  • 1950: 0582 Einwohner
  • 1961: 0711 Einwohner
  • 1966: 1000 Einwohner
  • 1970: 1078 Einwohner
  • 1976: 1494 Einwohner
  • 2001: 2163 Einwohner
  • 2005: 2051 Einwohner
  • 2008: 2068 Einwohner
  • 2013: 1977 Einwohner

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 2. Juli 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „Im gespaltenen Schild vorne in Silber ein schwarzes Kreuz und hinten auf Blau eine dreifache silberne Lilie.“[4]

Das schwarze Kreuz stammt aus dem Wappen des Hochstifts Fulda.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wehrkirche auf dem Florenberg (Florakirche), wenige Fußminuten oberhalb Engelhelms und zur Gemarkung gehörig, bietet einen herrlichen Blick über Fulda und die hessische Rhön. Die umgebende Wehrmauer stammt wohl aus dem 10. Jahrhundert, der Kirchturm aus dem 14. Jahrhundert und das Kirchenschiff von 1515. Die Wehrkirchanlage wird von einigen Forschern für die älteste Deutschlands gehalten.

Das Schloss Fasanerie, einen Kilometer südlich von Engelhelms gelegen, gilt als schönstes hessisches Barockschloss. Es entstand 1740 unter Fürstbischof Amand von Buseck als Sommerresidenz und Jagdschloss, Baumeister war Andreas Gallasini. 1816 fiel es an den Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel und wurde von seinem Nachfolger 1825 teilweise klassizistisch umgestaltet.[5]

Heute wird es verwaltet von der Hessischen Hausstiftung des Moritz Friedrich Karl Prinz und Landgraf von Hessen und ist für die Öffentlichkeit zugänglich. In 60 Räumen zeigen barockes Kunstgewerbe, Möbel des Empire und eine umfangreiche Porzellansammlung einen Querschnitt durch annähernd 200 Jahre höfischer Wohnkultur.

Der umgebende, einhundert Hektar große Park ist teils im barocken, teils im englischen Stil gestaltet und enthält ein chinesisches Gartenhaus, ein Restaurant, Reitanlagen und einen nicht öffentlichen Wildpark.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Engelhelms, Landkreis Fulda. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 18. September 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Bevölkerungsstatistik des Landkreises Fulda, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394.
  4. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Engelhelms, Landkreis Fulda, Regierungsbezirk Kassel vom 2. Juli 1969. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1969 Nr. 29, S. 1228, Punkt 992 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,3 MB]).
  5. Schloss Fasanerie