Büchenbach (Erlangen)

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49.59027777777810.963888888889288Koordinaten: 49° 35′ 25″ N, 10° 57′ 50″ O

Büchenbach
Stadt Erlangen
Höhe: 288 m
Einwohner: 19.591 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. August 1923
Postleitzahl: 91052, 91056
Vorwahl: 09131
Karte

Links die Statistischen Bezirke 71 (In der Reuth), 75 (Industriehafen), 76 (Büchenbach Dorf), 77 (Büchenbach Nord) und 78 (Büchenbach West) im Stadtteil West sowie der Statistische Bezirk 12 (Steinforst) im Stadtteil Regnitz. Rechts die Gemarkung Büchenbach in Erlangen, die in etwa der historischen Grenze der ehemaligen Gemeinde entspricht.

Büchenbach ist eine Gemarkung im Stadtteil West der kreisfreien Stadt Erlangen im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken. Bis zur 1923 erfolgten Eingemeindung war der 996 erstmals urkundlich erwähnte Ort eine eigenständige Gemeinde. Büchenbach grenzt im Westen an Kosbach, Häusling und Steudach, im Süden an Frauenaurach und im Norden an das Waldgebiet Mönau. Als Ostgrenze wird heute meist der Main-Donau-Kanal betrachtet. Historisch gehört zu Büchenbach aber auch die östlich des Kanals und südlich von Alterlangen gelegene Stadtrandsiedlung einschließlich der Neumühle und der Siedlung Sonnenblick im Statistischen Bezirk 12 (Steinforst), der sich im amtlichen Stadtteil Regnitz befindet.

Am 31. Dezember 2010 lebten nach der heute gebräuchlichen Abgrenzung westlich des Main-Donau-Kanals 16.142 Menschen in den Statistischen Bezirken 71 (In der Reuth), 75 (Industriehafen), 76 (Büchenbach Dorf), 77 (Büchenbach Nord) und 78 (Büchenbach West) (15.163 mit Haupt- und 982 mit Nebenwohnsitz). Hinzu kommen nochmals etwa 3.449 (3.167/281) im Statistischen Bezirk 12 (Steinforst), der unter anderem die Stadtrandsiedlung auf der Gemarkung Büchenbach umfasst.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Besiedlung (bis 996)[Bearbeiten]

Wehrkirche St. Xystus (Sixtus), 2011
Innenraum der Kirche St. Xystus (Sixtus), 2011

Spuren einer Besiedlung im Büchenbacher Raum lassen sich bis etwa 1000 v. Chr. nachweisen. Hervorstechend ist dabei der nahe Büchenbach auf dem Gebiet des Erlanger Stadtteils Kosbach gelegene Kosbacher Altar, ein Grabhügel, in dem vom 10. bis zum 5. Jahrhundert v. Chr. mehrere Bestattungen stattfanden.[2]

Mittelalter und frühe Neuzeit (996 bis 1803)[Bearbeiten]

996 wurde Büchenbach als „marca Buochinebah“ erstmals in einer Urkunde erwähnt. 1008 wurde der Ort durch den römischen König Heinrich II. dem Bistum Bamberg geschenkt, bei dessen Hochstift er bis 1803 verblieb. Büchenbach war Sitz der niederen Gerichtsbarkeit.[3] Seine seit etwa 1000 bestehende Gemeinde St. Xystus gehörte bis 1807 zum Bistum Würzburg, erst dann kam sie an das Bistum Bamberg, das allerdings schon früher Ansprüche erhob.[4]

1468 bestand Büchenbach aus 22 Höfen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Büchenbach zerstört. Bei seiner Übertragung an das Kurfürstentum Bayern hatte Büchenbach 480 Einwohner.[3]

Büchenbach im Königreich Bayern (1803 bis 1923)[Bearbeiten]

Im Zuge der Säkularisation im Heiligen Römischen Reich fiel Büchenbach im Jahre 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Es wurde zunächst mit dem Amt Herzogenaurach zusammengelegt und später dem Bezirksamt Höchstadt an der Aisch zugeordnet.

Die weite Entfernung zu den Verwaltungseinrichtungen in Höchstadt führte zu Diskussionen um eine Eingemeindung nach Erlangen. Hinzu kam, dass in Erlangen im Zuge der Industrialisierung Arbeitsplätze entstanden, auf die die Büchenbacher angewiesen waren. Ab 1920 verhandelte Büchenbach mit Erlangen über eine Eingemeindung, die allerdings stark umstritten war: Im Büchenbacher Gemeinderat gab es nur eine Mehrheit von einer Stimme. In einer Volksabstimmung 1923 sprachen sich die Büchenbacher mit großer Mehrheit von 80 Prozent (bei einer Wahlbeteiligung von 84 Prozent) für die Eingemeindung aus, die am 1. August 1923 vollzogen wurde.[5] Am Stichtag hatte Büchenbach etwa 1.035 Einwohner.[6]

Büchenbach als Erlanger Stadtteil (seit 1923)[Bearbeiten]

Nach der Eingemeindung veränderte sich die Entwicklung Büchenbachs zunächst kaum. Ab 1932 wurde dann auf dem Büchenbacher Mühlanger die Stadtrandsiedlung errichtet (heute begrenzt vom Regnitzgrund, dem Main-Donau-Kanal, dem Büchenbacher und dem Kosbacher Damm). Durch den Bau des Main-Donau-Kanals wurde diese 1970 von Büchenbach getrennt und wird inzwischen meist zu Alterlangen oder als eigener Stadtteil gezählt. In der Stadtrandsiedlung hat allerdings bis heute der Büchenbacher Sportclub (BSC Erlangen, früher: Sportvereinigung Büchenbach) seinen Sitz, was die historische Zugehörigkeit ausdrückt.

Blick von Südwesten auf Büchenbach, 2011
Elternhaus des bayerischen Landtagsabgeordneten und Zinnfolienfabrikanten David Morgenstern (1814-1882)
Fachwerkhaus im historischen Ortskern, 2011

Ab Ende der 1960er Jahre wurden in Büchenbach dem „Entwicklungsplan Erlangen-West“ folgend fortlaufend neue Baugebiete ausgewiesen. Zunächst entstanden Hochhaussiedlungen entlang des Kanals und am Würzburger Ring im Norden von Büchenbach. Ab 1973 wurde die Siedlung In der Reuth errichtet. Ab etwa 1980 entstanden zwischen dem alten Büchenbach und dem Würzburger Ring Mehr- und Einfamilienhäuser. Etwa 1990 überschritt die Bebauung den Holzweg, einen alten Verbindungsweg zwischen Büchenbach und dem nördlich gelegenen Forstgebiet Mönau. Etwa 2000 wurde die Mönaustraße, die Verbindungsstraße zwischen Büchenbach und Kosbach, erstmals überschritten. Derzeit werden weitere Baugebiete westlich der Mönaustraße erschlossen.

Durch die starke Neubautätigkeit ist Büchenbach mittlerweile ein weitgehend städtisch geprägter Ort. Die gewachsenen dörflichen Strukturen halten sich teilweise noch im gesellschaftlichen und kulturellen Leben im alten Ortskern, dem „Dorf“, wo auch noch einige landwirtschaftliche Betriebe sowie alteingesessene Handwerker und Geschäfte existieren. Auch die historische Bausubstanz ist dort weitgehend erhalten geblieben. Die neuen Bürger Büchenbachs sind aber vielfach nicht in die Strukturen des Dorfes integriert, sondern orientieren sich zur Erlanger Innenstadt.

Büchenbach heute[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Büchenbach wird in der Regel in die drei Gebiete Büchenbach-Dorf (der alte Ortskern), Büchenbach-Nord (zwischen Kanal, Ortskern und Holzweg) sowie Büchenbach-West (westlich des Holzwegs) gegliedert. Das entspricht zum einen der Reihenfolge der Bebauung, zum anderen wurden in Büchenbach-Nord entlang der Büchenbacher Anlage und in Büchenbach-West an der Mönaustraße jeweils Stadtteilzentren mit Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Angeboten geschaffen bzw. sind geplant.

Bildung, Kultur und Freizeit[Bearbeiten]

Das kulturelle Leben in Büchenbach basiert vor allem auf ehrenamtlicher Arbeit, den Kirchengemeinden und einigen Vereinen, die meist dem alten Ortskern entstammen: Die Freiwillige Feuerwehr, die Kolpingsfamilie Büchenbach, die Geschichtswerkstatt und die Sportschützen der SSG Erlangen-Büchenbach[7] mit einer großen Bogensportabteilung.

Seit 1997 erscheint in Büchenbach die von Ehrenamtlichen getragene Stadtteilzeitung „Puzzle“.[8]

Die Stadt Erlangen unterhält das Freizeitzentrum Scheune, zwei Jugendhäuser und den Abenteuerspielplatz Taubenschlag. Geplant ist die Errichtung eines weiteren kulturellen Zentrums mit Stadtteilbücherei an der Mönaustraße. Außerdem gibt es den kirchlich getragenen und von der Stadt unterstützten Jugendclub Dezibel[9] in der „Apostelkirche“.

In Büchenbach gibt es eine lutherische (Martin-Luther-Kirche) und zwei katholische Kirchengemeinden (Pfarrkirche St. Xystus mit Stuck von Donato Polli, der hier begraben ist, und für Büchenbach-Nord und -West die Gemeinde zu den heiligen Aposteln[10]).

In Büchenbach bestehen drei Volksschulen, die Grundschule Büchenbach-Dorf, die Grund- und Hauptschule Mönauschule (früher Büchenbach-Nord) und die Grundschule Heinrich-Kirchner-Schule. Die nächstgelegene Realschule und das nächstgelegene Gymnasium befinden sich im Schulzentrum West zwischen Stadtrandsiedlung und Alterlangen.

In Büchenbach (in der Regel am zweiten Wochenende im August) und in der Stadtrandsiedlung (Ende Juli) finden jährlich Kirchweihen statt. Außerdem veranstaltet die Scheune jährlich das Würzburger-Ring-Fest.

Wirtschaft und Arbeit[Bearbeiten]

Hafen Erlangen am Main-Donau-Kanal in Büchenbach, 2011
Siemens Gerätewerk in Büchenbach, 2011

Die meisten Einwohner von Büchenbach sind in der Stadt Erlangen oder in Herzogenaurach beschäftigt. In Büchenbach selbst gibt es nur wenige Arbeitsplätze. Südlich des Büchenbacher Ortskernes, entlang der Frauenauracher Straße, entstand ab etwa 1970 das einzige Gewerbegebiet des Ortsteils. Hier befinden sich neben kleineren Unternehmen und Handel der Erlanger Kanalhafen, die Erlanger Müllumladestation mit Wertstoffhof und mehrere Abteilungen der Siemens AG, die unter der Standortbezeichnung Siemens Gerätewerk oder Siemens F80 bekannt sind.

In Büchenbach befinden sich fast ausschließlich Einzelhandel und Dienstleistungen für den täglichen Bedarf, darüber hinaus Baumärkte und ein Elektronik-Geschäft im Gewerbegebiet Frauenauracher Straße. Im alten Ortskern gibt es einige Handwerksbetriebe. Alle anderen Geschäfte müssen in der Erlanger Innenstadt erledigt werden, da die Erlanger Stadtpolitik seit langem Wert auf eine Konzentration des Handels in der Innenstadt legt.

Im Büchenbacher Ortskern sind noch einige landwirtschaftliche Betriebe ansässig. Diese werden allerdings durch die fortschreitende Bebauung zunehmend verdrängt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Stadt Erlangen: Daten zu den statistischen Bezirken; die Zahl für die Stadtrandsiedlung schließt allerdings Schallershof mit ein, das historisch zu Frauenaurach gehört, aber dem statistischen Bezirk der Stadtrandsiedlung (12 Steinforst) zugeordnet ist.
  2.  Martin Nadler: Kosbacher Altar. In: Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2 (Gesamtausgabe online).
  3. a b  Michaela Meyer: Büchenbach. In: Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2 (Gesamtausgabe online).
  4.  Michaela Meyer: Xystus, kath. Gemeinde. In: Christoph Friederich, Bertold Freiherr von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2 (Gesamtausgabe online).
  5.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 601
  6. vgl. zur Eingemeindung: Herbert, Manuela/Meyer, Agnes: 1.August 1923 - 2003. 80 Jahre Erlangen-Büchenbach; In: Puzzle Heft 20 (2003) im Internet Archive.
  7. SSG Erlangen-Büchenbach
  8. Puzzle-Stadtteilzeitung
  9. Website des Jugendclubs Dezibel
  10. Website der Apostelkirche

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Büchenbach (Erlangen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien