Erwin Quedenfeldt

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Erwin Quedenfeldt (* 1869 in Essen; † 1948 in Bischofswiesen), in der Literatur auch in der Schreibweise Quedenfeld,[1][2] war promovierter deutscher Fotochemiker, Fotograf und Erfinder.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Quedenfeldts frühes Leben ist kaum etwas bekannt. Er studierte an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Fach Chemie, worin er 1896 promovierte. 1897 heiratete er Emma Rohde, die Tochter eines Kaffeeimporteurs. Danach arbeitete er in der photochemischen Industrie. 1900 entwickelte er einen Kapselblitz mit komprimiertem Blitzpulver und erhielt darauf ein Patent. Er erfand den Haushalts-Lampensockel mit Schraubgewinde, gepresstes Blitzpulver, die Schmelzsicherung und die elektrische Zündung. Von 1903 bis 1921 leitete er eine Fotoschule in Düsseldorf, die „Rheinische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie“. Schülerin war hier von 1920–21 Hanna Seewald. Ab 1905 machte er zahlreiche fotografische Aufnahmen mittelalterlicher Bauten am Niederrhein, die er von 1909 bis 1915 unter den Titeln Baukunst am Niederrhein und Einzelbilder vom Niederrhein in Katalogen und per Abonnement anbot. Er dokumentierte in mehr als 1600 im Selbstverlag veröffentlichten und auf Karton aufgezogenen Bromsilberbildern die Dörfer und Landschaften um Düsseldorf. Eine vollständige Serie überließ er der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf.

Um 1910 entwickelte Quedenfeldt das auf ihn patentierte, fotomechanische Erwinotypie-Kunstdruckverfahren.

Quedenfeldt war, wie viele Künstler seiner Zeit, nach dem Ersten Weltkrieg politisch radikal. Er war wichtiges Mitglied des von Adolf Uzarski und Herbert Eulenberg[3] mitgegründeten „Aktivistenbundes 1919“, einer linken Künstlergemeinschaft, die mit der Künstlergruppe Junges Rheinland und den Anarcho-Syndikalisten kooperierte. Düsseldorf war damals eine Hochburg der anarcho-syndikalistischen Bewegung. Die Freie Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) hatte hier zeitweise bis zu 20.000 Mitglieder.

Quedenfeldt war Vorsitzender des Düsseldorfer Monistenbundes (1917/1918).

In dem Haus seiner Frau Emma in der Rosenstraße 28 in Pempelfort[4], wo Quedenfeldt in seinem Fotoatelier auch die Arbeiten anderer ausstellte, trafen sich Künstler der Avantgarde, etwa Gert Wollheim, Otto Pankok und andere Protagonisten der Düsseldorfer Szene. 1923 verließ Quedenfeldt nach einer persönlichen Krise Düsseldorf. Ab 1928 arbeitete er mit Hermann Schiebert in Wien zusammen.

Nach 1931 lebte er ohne festen Wohnsitz in Österreich. 1938 tauchte er wegen seines Sohns Harald, von Beruf Bühnenbildner und im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv, unter. Quedenfeldt starb nach einem unruhigen Wanderleben 1948 in Bischofswiesen bei Berchtesgaden, wo er seit 1946 gemeldet war.[5]

Seine Fotografien sind heute begehrte Sammlerobjekte.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 18. Juni bis 10. August 2001 zeigte die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf in der Ausstellung „Baukunst am Niederrhein. Fotografien von Erwin Quedenfeldt“ eine Auswahl ihrer vollständigen Sammlung der Niederrhein-Fotos von Quedenfeldt, welche die ULB Düsseldorf vollständig digitalisiert hat. Einige von diesen sind in der 2016 im LVR-Landesmuseum in Bonn gezeigten Ausstellung „bilderstrom. Der Rhein und die Fotografie 2016–1853“ zu sehen.

Die Ausstellung „Das zweite Gesicht. Metamorphosen des fotografischen Porträts“, die 2002 im Deutschen Museum stattfand, zeigte neben Fotografien von Louis Ducos du Hauron, László Moholy-Nagy, Man Ray, El Lissitzky, Raoul Hausmann, Hannah Höch und anderen auch Bilder von Quedenfeldt.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einzelbilder vom Niederrhein. Selbstverlag, Düsseldorf 1909 (Digitalisat)
  • Die Praxis des Gummidruck-Verfahrens. Einfacher und Kombinations-Gummidruck mit Selbstpräparation. Verlag M. Eder, Leipzig 1909

In zahlreichen Veröffentlichungen wurden Quedenfeldts Fotografien verwendet:

  • Fritz August Breuhaus: Landhäuser und Innenräume. Verlag der Hofbuchhandlung Ernst Ohle, Düsseldorf 1911 (Die Illustrationen sind von Erwin Quedenfeldt erstellte photographische Wiedergaben der nach Breuhaus' Original-Entwürfen ausgeführten Landhäuser und Innenräume)
  • Richard Klapheck: Die Baukunst am Niederrhein. 2 Bände. Bagel, Düsseldorf 1915–1916 (mit Fotografien von Erwin Quedenfeldt Digitalisat Band1, Digitalisat Band2).
  • Werner Jansen: Heimatlande. Der schöne Niederrhein. Franz Ludwig Habbel, Regensburg 1920 (mit zahlreichen Fotografien auf Tafeln von Erwin Quedenfeldt)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sachsse (2003)
  2. Heidtmann (1978)
  3. Sandra Labs: Johanna Ey und die Avantgarde der Düsseldorfer Kunstszene. Diplomica Verlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8428-8121-1, S. 29 (online)
  4. Rosenstraße 28: E(=Eigentümer) Quedenfeldt, Erwin, Ehefrau; Quedenfeldt, Erwin, Photochemiker, Rhein. Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie, in Adreßbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf, 1910, S. 282
  5. Erwin Quedenfeldt. Kurzbiografie mit weiteren Quellenangaben im Portal fotografenwiki.org, abgerufen am 3. Juni 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin Quedenfeldt: 1869 - 1948. Essen 1985 (Ausstellungskatalog zu: Fotografische Sammlung im Museum Folkwang Essen, 20.6. - 4.8.1985).
  • Erwin Quedenfeldt: Einzelbilder vom Niederrhein, 1904-1911. Boss, Kleve 1989, ISBN 3-89413-180-2 (anlässlich der Ausstellung "Erwin Quedenfeldt", Fotografien vom Niederrhein, vom 18. Juni bis 5. August 1989).
  • Irmgard Siebert: Der Künstlerfotograf Erwin Quedenfeldt - Dokumentar des Niederrheins und Vordenker der autonomen Fotografie. In: 'Das Paradeis fanden wir ...' Streifzüge durch die Bücherwelten der ULB Düsseldorf. Hrsg. von Irmgard Siebert. Frankfurt am Main 2017 (Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderband 121), S. 11-44.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]