Ewald Lienen

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Ewald Lienen
Spieler – Tag der Legenden 2016 19.jpg
Ewald Lienen, 2016
Personalia
Geburtstag 28. November 1953
Geburtsort LiemkeDeutschland
Größe 176 cm
Position Stürmer
Junioren
Jahre Station
1961–1971 VfB Schloß Holte
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1971–1974 VfB Schloß Holte
1974–1977 Arminia Bielefeld 96 (24)
1977–1981 Borussia M'gladbach 115 (23)
1981–1983 Arminia Bielefeld 60 (12)
1983–1987 Borussia M'gladbach 126 (13)
1987–1992 MSV Duisburg 154 (23)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1989–1993 MSV Duisburg Amateure
1993–1994 MSV Duisburg
1995–1997 CD Teneriffa (Co-Trainer)
1997–1999 Hansa Rostock
1999–2002 1. FC Köln
2002–2003 CD Teneriffa
2003 Borussia Mönchengladbach
2004–2005 Hannover 96
2006–2008 Panionios Athen
2009–2010 TSV 1860 München
2010 Olympiakos Piräus
2010–2011 Arminia Bielefeld
2012–2013 AEK Athen
2013–2014 Oțelul Galați
2014–2017 FC St. Pauli
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ewald Lienen (* 28. November 1953 in Liemke) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und ehemaliger Fußballtrainer. Seit Dezember 2014 ist er beim FC St. Pauli angestellt, zunächst als Cheftrainer und seit Mitte Mai 2017 als Technischer Direktor.[1]

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur an der Hans-Ehrenberg-Schule in Bielefeld-Sennestadt spielte Lienen von 1974 bis 1992 als Stürmer in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga. Von 1974 bis 1977 gehörte er zum Zweitligakader von Arminia Bielefeld, mit dem er 1977 in der Relegation zur 1. Bundesliga scheiterte. Im Anschluss stand er bis 1981 im Erstliga-Kader von Borussia Mönchengladbach, mit dem er die größten Erfolge seiner aktiven Karriere erreichte: 1978 wurde er mit der Borussia Vizemeister, im folgenden Jahr UEFA-Pokalsieger. 1980 erreichte Lienen mit der Borussia erneut das Finale des UEFA-Pokals, das gegen Eintracht Frankfurt verloren wurde.

Von 1981 bis 1983 spielte Lienen erneut für Bielefeld, ehe er 1983 nach Mönchengladbach zurückkehrte, wo er bis 1987 blieb. 1984 stand Lienen mit Gladbach im DFB-Pokal-Finale, in dem sich der FC Bayern München im Elfmeterschießen durchsetzte. 1987 schloss er sich dem Deutschen Amateurmeister und Nordrhein-Oberligisten MSV Duisburg an, mit dem er 1989 wieder in die zweite Bundesliga und 1991 in die erste Bundesliga aufstieg. Im Sommer 1992 beendete Lienen seine aktive Karriere.

Er bestritt 333 Spiele in der 1. Bundesliga, in denen er 49 Tore erzielte. In der 2. Bundesliga kam er 171 mal zum Einsatz (27 Treffer).

Am 14. August 1981 erlitt Lienen eine schwere Verletzung, als Norbert Siegmann von Werder Bremen ihm mit den Stollen den Oberschenkel aufschlitzte und eine 25 cm lange, tiefe Risswunde zufügte. Lienen rannte mit der klaffenden Wunde an den Spielfeldrand zum damaligen Trainer von Werder Bremen, Otto Rehhagel, den er für das Foul verantwortlich machte, indem er behauptete, Rehhagel habe Siegmann zu dem Foulspiel angestiftet. Die Wunde wurde mit 23 Stichen genäht, nach 17 Tagen begann Lienen wieder mit dem Training. In einem Interview im Jahre 2012 relativierte Lienen jene Situation, indem er sagte, dass die Verletzung zwar schlimm ausgesehen hätte, aber im Grunde vollkommen harmlos gewesen wäre. Rehhagel habe er lediglich im Affekt angegangen.[2]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1989 schloss Lienen die Ausbildung zum Fußballlehrer mit der Bestnote ab und trainierte die Amateure des MSV Duisburg, während er weiterhin in der ersten Mannschaft zum Einsatz kam. Am 24. März 1993 übernahm er den Trainerposten bei der ersten Mannschaft des MSV, den er bis 1. November 1994 innehatte. Zwischen 1995 und 1997 arbeitete er in Spanien als Co-Trainer unter Jupp Heynckes beim damaligen Erstligisten CD Teneriffa. Im Sommer 1997 wurde er dann Trainer bei Hansa Rostock. Mit Rostock verpasste er die Qualifikation für den UEFA-Cup um lediglich einen Punkt; am 1. März 1999 wurde er durch Andreas Zachhuber ersetzt. Zum Saisonbeginn 1999/2000 wurde er Trainer beim Zweitligisten 1. FC Köln, den er zurück in die 1. Bundesliga führte. Am 28. Januar 2002 wurde er in Köln entlassen. Im Sommer 2002 wurde er Trainer beim spanischen Zweitligisten CD Teneriffa, von dem er am 20. Januar 2003 entlassen wurde. Vom 2. März bis 21. September trainierte er Borussia Mönchengladbach. Am 9. März 2004 bis zum 9. November 2005 war er Trainer bei Hannover 96.

2006 ging Lienen in die griechische Super League und trainierte dort den Verein Panionios Athen, mit dem er 2007 in den UEFA-Cup einzog. Im Dezember wurde er in Griechenland als Trainer des Jahres 2007 ausgezeichnet. Als Reaktion auf die Entlassung seines Co-Trainers und Schwiegersohnes Abder Ramdane löste er am 13. November 2008 seinen Vertrag vorzeitig auf.[3]

Am 13. Mai 2009 übernahm er den Trainerposten beim Zweitligisten TSV 1860 München. In den beiden noch ausstehenden Spielen der Saison 2008/09 holte er mit der Mannschaft zwar nur einen Punkt, dieser reichte dem TSV 1860 jedoch zum Klassenerhalt. In der folgenden Spielzeit landete die Mannschaft nach einem schwachen Start am Ende auf dem achten Tabellenplatz. Der zum 150. Gründungsjubiläum des TSV 1860 angestrebte Wiederaufstieg in die Bundesliga wurde damit verpasst. Am 17. Juni 2010 wurde der bis 2011 laufende Vertrag vorzeitig aufgelöst, damit Lienen ein Angebot des griechischen Erstligisten Olympiakos Piräus annehmen konnte. Nach dem Ausscheiden in der Qualifikation zur UEFA Europa League 2010/11 gegen Maccabi Tel Aviv wurde er nach zwei Monaten entlassen.[4]

Am 7. November 2010 wurde er Trainer bei Arminia Bielefeld als Nachfolger von Christian Ziege.[5] Zur Saison 2011/2012 wurde er nach dem Abstieg der Arminia in die 3. Liga durch den ehemaligen Fußballprofi Markus von Ahlen ersetzt.

Anfang Oktober 2012 wurde Lienen Trainer und sportlicher Leiter von AEK Athen. Am 9. April 2013 wurde er von seinen Aufgaben entbunden, nachdem der Verein durch zuletzt vier Niederlagen in Folge erneut in akute Abstiegsgefahr geraten war. Lienen bezeichnete seine Entlassung in der Presse als „absurdes Theater“, da die finanzielle Situation beim Athener Club keinen geregelten sportlichen Betrieb zulasse. Sowohl die Spieler wie auch er selbst hätten zu keiner Zeit gewusst, ob der Club in der Lage sei, die Gehälter zu zahlen oder zumindest die Lebenskosten der Spieler zu decken.[6] Sein Nachfolger wurde Traianos Dellas, der zuletzt als Spieler für den Verein aktiv gewesen und zuvor noch nie als Trainer tätig war.

Anfang November 2013 wurde Lienen neuer Trainer des rumänischen Erstligisten Oțelul Galați,[7][8] gab diese Position jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vereinseigner im Juni 2014 wieder auf.[9]

Am 16. Dezember 2014 übernahm Lienen die auf dem letzten Tabellenplatz stehende Zweitligaelf des FC St. Pauli und führte sie zu Saisonende auf einen Nichtabstiegsplatz. Sein Vertrag ist bis 30. Juni 2018 gültig.[10] Am 24. Mai 2017 wurde bekannt, dass Ewald Lienen mit sofortiger Wirkung den Posten des Technischen Direktors im Verein übernimmt. Sein Nachfolger als Cheftrainer wurde sein bisheriger Co-Trainer Olaf Janßen. Im Juli 2017 wurde Lienen vom Magazin 11 Freunde als bester „Typ der Saison“ 2016/17 ausgezeichnet.[11]

Am 6. November 2017 erschien in der FAZ ein Artikel unter der Überschrift Ein schwuler Spieler wäre bei uns der Star.[12]

Experte des Pay-TV-Sender Sky[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 2017 wurde bekannt, dass Ewald Lienen im Expertenteam des Pay-TV-Sender Sky tätig sein wird.[13]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lienen kandidierte als parteiloser Kandidat bei den Landtagswahlen 1985 in Nordrhein-Westfalen erfolglos auf Listenplatz sechs für das DKP-nahe Wahlbündnis Friedensliste.[14]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ewald Lienen als Trainer von 1860 München, 2009
  • Sein akribisches Notieren von Beobachtungen auf Notizblöcke während laufender Spiele brachte ihm den Spitznamen Zettel-Ewald ein.
  • Lienen gründete 1987 zusammen mit Spielerkollegen die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballspieler e. V. (VdV).
  • Während seiner Zeit als Fußballprofi betreute er in seinen Urlauben behinderte Kinder.[15]
  • Lienen ist Großneffe des ehemaligen deutschen Fußballnationalspielers Herbert Burdenski.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ewald Lienen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lienen wird Technischer Direktor - Janßen Cheftrainer Hamburger Morgenpost, 24. Mai 2017
  2. 50 Jahre Bundesliga: Das böse Foul an Ewald Lienen. In: Spiegel Online. 27. Dezember 2012, abgerufen am 18. März 2016.
  3. Ein blaues Auge zu viel für Lienen. In: nw-news.de, 13. November 2008. 
  4. Olympiakos Piräus trennt sich von Trainer Lienen
  5. Lienen neuer Arminia-Trainer. In: Arminia Bielefeld, 7. November 2010. Abgerufen am 7. November 2010. 
  6. "Absurdes Theater!" AEK setzt Lienen vor die Tür, Kicker Online vom 9. April 2013
  7. Willkommen, Ewald Lienen !@1@2Vorlage:Toter Link/www.otelul-galati.ro (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. otelul-galati.ro, abgerufen am 7. November 2013 (rumänisch)
  8. Hardy Hasselbruch: Otelul Galati: Doppelte Premiere für Ewald Lienen. In: Kicker Online. 6. November 2013, abgerufen am 6. November 2013.
  9. Lienen wirft bei Otelul Galati hin. Meldung auf sport1.de vom 16. Juni 2014 (abgerufen am 16. Juni 2014).
  10. FC St. Pauli verlängert Vertrag mit Ewald Lienen vorzeitig fcstpauli.com, abgerufen am 2. Mai 2016
  11. 11FREUNDE Meisterfeier 2017, https://www.11freunde.de/meisterfeier/page/2.
  12. Ewald Lienen: „Ein schwuler Spieler wäre bei uns der Star“
  13. Ewald Lienen wird Sky-Experte und will Klartext reden Hamburger Abendblatt 18.August 2017
  14. Angriff über links In: Der Spiegel, 12. Februar 1985, abgerufen am 15. März 2017
  15. Ewald Lienen. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1993 (online).
  16. Ewald Lienen | spielerlexikon. Abgerufen am 20. April 2017.