Offizier des militärfachlichen Dienstes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Offizier des militärfachlichen Dienstes ist ein Offizier in einer der Laufbahnen des militärfachlichen Dienstes der Bundeswehr. Es handelt sich dabei um eine reine Aufstiegslaufbahn aus den Feldwebel-Laufbahnen.[1]

Definition und Alternativbezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizier des militärfachlichen Dienstes ist, wer einen Dienstgrad trägt, der gemäß Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten den Offizieren vorbehalten ist[2] und gemäß Soldatenlaufbahnverordnung in Verbindung mit der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/7 einer der Laufbahnen des militärfachlichen Dienstes angehört.[1][3][4][A 1]

Informell werden Offiziere des militärfachlichen Dienstes, insbesondere wenn sie als Fachvorgesetzte einen Fachdienstposten bekleiden, auch kurz als „Fachoffiziere“ bezeichnet. Die informell ebenfalls genutzte Alternativbezeichnung „Fachdienstoffiziere“ ist unpräzise und im engeren Sinne falsch, denn eigentlich zählen zu den Fachdienstoffizieren nur Offiziere, die einem der drei Fachdienste (Sanitätsdienst, Geoinformationsdienst und Militärmusikdienst) zugeordnet sind. Zwar findet man in den Fachdiensten auch Offiziere des militärfachlichen Dienstes, aber meist weitaus häufiger Offiziere anderer Laufbahnen.

Befehlsgewalt und Dienststellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offiziere des militärfachlichen Dienstes sind anderen Offizieren hinsichtlich ihrer Vorgesetztenfunktion gleichgestellt und können unabhängig von ihrem Dienstgrad auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung innerhalb der dort gesetzten Grenzen Soldaten der Dienstgradgruppen der Mannschaften, der Unteroffiziere ohne und mit Portepee Befehle erteilen.[5][6]

Gemäß Soldatenlaufbahnverordnung sind die höchsten zu erreichende Dienstgrade für Offiziere des militärfachlichen Dienstes Stabshauptmann und Stabskapitänleutnant.[1] Offiziere des militärfachlichen Dienstes werden entsprechend ihrem Dienstgrad in vergleichbaren Dienststellungen wie Offiziere der Laufbahn des Truppendienstes eingesetzt. Während bei Truppenoffizieren aber häufig die Verwendung als „allgemeiner“ militärischer Führer im Vordergrund steht, dienen Offiziere des militärfachlichen Dienstes häufig in Dienststellungen, die großes Fachwissen und große praktische Erfahrung fordern. Häufig bearbeiten Offiziere des militärfachlichen Dienstes weiter das Fachgebiet, auf dem sie bereits auf niedrigerer Hierarchieebene als Unteroffiziere eingesetzt waren. Offiziere des militärfachlichen Dienstes beschäftigen sich häufig mit Fachfragen der Rüstungs-, Logistik- und Personalplanung, der Materialerprobung, Verfahren der Materialerhaltung, der Durchführung der Flugsicherung oder der Vernetzung der Streitkräfte. Ab der Ebene Bataillon dienen Offiziere des militärfachlichen Dienstes daher häufig in Stabsabteilungen auf einem Führungsgrundgebiet zusammen mit Stabsoffizieren und unterstützen dort unmittelbar ihren Kommandeur oder Befehlshaber bei der Truppenführung. In anderen Teilbereichen der Streitkräfte (beispielsweise im fliegerischen Dienst oder bei den Spezialkräften) übernehmen sie Dienststellungen als Luftfahrzeugführer oder (Teil-)Einheitsführer, die sonst von anderen Offizieren bekleidet werden. Weitere Beispiele:

Aufgrund der geschilderten und ähnlicher Dienststellungen können die allermeisten Offiziere des militärfachlichen Dienstes in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen. Vor allem in ihrem Fachgebiet sind Offiziere des militärfachlichen Dienstes fast immer auch Fachvorgesetzte anderer Soldaten.[5][7] Offiziere des militärfachlichen Dienstes sind als Kompaniechef Einheitsführer und damit Disziplinarvorgesetzte der ihnen truppendienstlich unterstellten Soldaten gemäß Wehrdisziplinarordnung.[8]

Ernennung und Besoldung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung in einen der Dienstgrade für Offiziere in einer der beiden Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes trifft die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) A-1420/7. In einen entsprechenden Dienstgrad können Berufssoldaten und Reservisten ernannt werden. Voraussetzung ist die Zugehörigkeit zu einer der beiden Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes. Die Offiziere des militärfachlichen Dienstes haben unmittelbar vor Ernennung zum Offizier im Dienstgrad Fähnrich (nur Reservisten), Oberfähnrich, Stabs- oder Oberstabsfeldwebel gedient und wurden als Offizieranwärter zum Offizier ausgebildet. Die Ernennung der Offizieranwärter zum Offizier erfolgt in der Regel 36 Monate nach Eintritt in eine der beiden Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes; die Frist kann auf bis zu 18 Monate verkürzt werden, weil die vor Eintritt in eine der beiden Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes in der Bundeswehr in einem Feldwebeldienstgrad abgeleistete Dienstzeit angerechnet werden kann.[A 2][A 3] Vor Ernennung zum Leutnant muss eine Offizierprüfung mit Erfolg abgelegt werden. Mit der Ernennung zum Leutnant werden die Offizieranwärter zu Offizieren.[1][4][A 1] Eine Besonderheit in dieser Laufbahn stellen Verwendungen im Fliegerischen Dienst und im Flugsicherungskontrolldienst dar. Für diese Verwendungen (zum Beispiel Hubschrauberführer, Flugsicherungskontrolloffizier) können Bewerber auch ohne abgeschlossene Feldwebelausbildung zugelassen werden.

Offiziere des militärfachlichen Dienstes werden abhängig vom Dienstgrad und Dienststellung nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 9 bis A 13 besoldet. Offiziere des militärfachlichen Dienstes und des Truppendienstes mit gleichem Dienstgrad und gleicher Dienststellung werden in dieselbe Besoldungsstufe eingruppiert. Das allgemeine Laufbahnziel ist Hauptmann bzw. Kapitänleutnant der Besoldungsstufe A 11. Die Besoldung für Stabshauptleute bzw. Stabskapitänleutnante ist A 13 und entspricht damit der Besoldung des Majors. Nur bis zu 6 % der Gesamtzahl der für Offiziere des militärfachlichen Dienstes ausgebrachten Planstellen können mit A 13 bewertet werden.[9]

Laufbahnwechsel und Beförderung zum Stabsoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Übernahme in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes gemäß Kapitel 12 der Zentralen Dienstvorschrift 20/7 wird jedes Jahr nur einzelnen, besonders leistungsstarken Offizieren des militärfachlichen Dienstes auf eigenen Antrag oder Vorschlag hin ermöglicht. Der Wechsel ist für Haupt- und Stabshauptleute und nach erfolgreicher Teilnahme am Stabsoffizierlehrgang möglich.[4] Nach dem Wechsel der Laufbahn können diese Offiziere (also ehemalige Offiziere des militärfachlichen Dienstes) zum Stabsoffizier befördert werden.

Uniformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offiziere des militärfachlichen Dienstes tragen dieselbe Uniform, insbesondere dieselben Dienstgradabzeichen, wie fast alle anderen Offiziere.[A 4] Sie sind im Hinblick auf ihre Uniform insbesondere nicht von den Offizieren des Truppendienstes, mit denen sie häufig gemeinsam in denselben Teileinheiten dienen, zu unterscheiden.[10][11]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dies Laufbahnen für Offiziere des militärfachlichen Dienstes wurden am 28. August 1968 von der Großen Koalition unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) und Vizekanzler Willy Brandt (SPD) beschlossen. Ziel war es, qualifizierten Unteroffizieren einen Aufstieg in Spezialistenfunktionen zu ermöglichen. Die Laufbahn wurde 1969 durch Änderung der Soldatenlaufbahnverordnung in die Bundeswehr eingeführt.[12] Am 31. Juli 1969 wurden in Neubiberg bei München die ersten Portepee-Unteroffiziere zu Offizieren des Militärfachlichen Dienstes ernannt.

Ähnliche Gruppen anderer Streitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Streitkräften einiger NATO-Staaten findet man den deutschen Offizieren des militärfachlichen Dienstes ähnliche Verwendungen. Eine genaue Entsprechung hinsichtlich Dienststellung und Befehlsgewalt findet sich nicht. Gewisse Ähnlichkeiten insbesondere mit Blick auf ihre fachliche Qualifikation weisen beispielsweise die Warrant Officers einiger Streitkräfte im anglophonen Sprachraum, die Fähnriche der Nationalen Volksarmee und anderer (früherer) Streitkräfte Osteuropas und der Fachoffizier der Schweizer Armee auf. Gemessen am NATO-Rangcode, der hauptsächlich die Vergleichbarkeit hinsichtlich truppendienstlicher Befehlsgewalt herstellen soll, sind die Offiziere des militärfachlichen Dienstes nur mit den „regulären“ Offiziersdienstgraden anderer Streitkräften zu vergleichen, aber eben nicht mit den speziellen Laufbahnen für Warrant Officers oder ähnlicher Laufbahngruppen anderer Streitkräfte, die im NATO-Rangcodesystem eine eigene Gruppe bilden.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b ZDv 20/7 auf Grundlage § 44 der Soldatenlaufbahnverordnung ( TitelErg=Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 19. März 2002, § 44 (Online [abgerufen am 25. März 2014] Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730).)
  2. Für in einem Dienstgrad der Unteroffiziere ohne Portepee in die Laufbahn eingestellte Offizieranwärter, kann die Frist auf bis zu 24 Monate verkürzt werden, weil die vor Eintritt in eine der beiden Laufbahnen der Offiziere des militärfachlichen Dienstes in der Bundeswehr in einem Unteroffiziersdienstgrad abgeleistete Dienstzeit angerechnet werden kann.
  3. An die zumindest anteilig in Wehrübungen abzuleistende Mindestdienstzeit der Reserveoffizieranwärter werden erheblich geringere Fristen als für andere Offizieranwärter geknüpft. Reservisten werden jedoch insoweit mit aktiven Soldaten gleichgestellt, als die Ernennung zum Offizier nicht früher als bei entsprechenden aktiven Offizieranwärtern erfolgen kann.
  4. Nur Sanitätsoffiziere, sowie Offiziere in Marineuniform im Militärmusikdienst und im Geoinformationsdienst unterscheiden sich durch besondere Laufbahnabzeichen (Varianten des Äskulapstabes, Lyra, Globus) von den Offizieren des militärfachlichen Dienstes und den Offizieren des Truppendienstes. Die Offiziere des militärfachlichen Dienstes und des Truppendienstes unterscheiden sich aber hinsichtlich Uniform, insbesondere hinsichtlich ihrer Dienstgradabzeichen, nicht voneinander.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 19. März 2002 (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Neugefasst durch Bek. v. 19. August 2011 I 1813. Zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 5 G v. 8. April 2013 I 730).
  2. vgl. Art. 1, Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF – Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 14. Juli 1978 (BGBl. I S. 1067), die zuletzt durch Artikel 1 der Anordnung vom 31. Mai 1996 (BGBl. I S. 746) geändert worden ist).
  3. Beachte auch: Anlage (zu § 3). Zuordnung der Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten zu den Laufbahngruppen der Mannschaften, der Unteroffiziere und der Offiziere
  4. a b c Der Bundesminister der Verteidigung; Abteilung Personal-, Sozial- und Zentralangelegenheiten (Hrsg.): ZDv 20/7. Bestimmungen für die Beförderung und für die Einstellung, Übernahme und Zulassung von Soldatinnen und Soldaten. Bonn 27. März 2002, Art. 635 (PDF (Memento vom 26. Oktober 2014 im Internet Archive) [abgerufen am 26. März 2014] DSK AP210100187, Neudruck Januar 2008). i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.reservisten.bundeswehr.de
  5. a b Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Die Vorgesetztenverordnung, S. A 12 1 (Nicht zu verwechseln mit dem Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung – VorgV)).
  6. Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung – VorgV). 4. Juni 1956, § 4 (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129).
  7. Bundesminister für Verteidigung (Hrsg.): Verordnung über die Regelung des militärischen Vorgesetztenverhältnisses (Vorgesetztenverordnung – VorgV). 4. Juni 1956 (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Zuletzt geändert durch Art. 1 Nr. 2 V v. 7. Oktober 1981 I 1129).
  8. Wehrdisziplinarordnung (WDO). (HTML) In: Gesetze im Internet. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, 16. August 2001, abgerufen am 5. November 2014 (vom 16. August 2001 (BGBl. I S. 2093), die zuletzt durch Artikel 7 des Gesetzes vom 28. August 2013 (BGBl. I S. 3386) geändert worden ist).
  9. Anlage I (zu § 20 Absatz 2 Satz 1) Bundesbesoldungsordnungen A und B. (HTML [abgerufen am 25. März 2014] Bundesbesoldungsordnungen (BBesO) gelten nur für Berufs- und Zeitsoldaten und sind Anlage zum Bundesbesoldungsgesetz (BBesG)).
  10. Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF – Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 14. Juli 1978 (BGBl. I S. 1067), die zuletzt durch Artikel 1 der Anordnung vom 31. Mai 1996 (BGBl. I S. 746) geändert worden ist).
  11. Hartmut Bagger, Führungsstab der Streitkräfte I 3 , Bundesministerium der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 37/10. Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr. Juli 1996. Neudruck von Oktober 2008. Bonn 16. Juli 2008, 4 Kennzeichnungen, S. 539 (Digitalisat (PDF; 3,5 MB) – Neudruck Oktober 2008 ersetzt Erstausgabe von Juli 1996). Digitalisat (Memento des Originals vom 19. September 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dmb-lv-westfalen.de
  12. Bundesgesetzblatt Jahrgang 1969 Teil I Nr. 43, Fünfte Verordnung zur Änderung der Soldatenlaufbahnverordnung vom 28. Mai 1969