Falkenstein (Ludwigsstadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Falkenstein
Koordinaten: 50° 30′ 59″ N, 11° 23′ 46″ O
Höhe: ca. 361 m ü. NHN
Einwohner: (25. Mai 1987)[1]
Postleitzahl: 96337
Vorwahl: 09263
Villa Falkenstein
Villa Falkenstein

Falkenstein ist ein Ortsteil der Stadt Ludwigsstadt im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einöde Falkenstein liegt im tief eingeschnittenen Tal der Loquitz und ist allseits von Wald umgeben. Es mündet dort der Steinbach als rechter Zufluss in die Loquitz. Das im Westen angrenzende Waldgebiet ist das Naturschutzgebiet Falkenstein und Pechleite östlich Lauenstein. Die Bundesstraße 85 führt nach Probstzella (1,8 km nordwestlich) bzw. an der Fischbachsmühle vorbei nach Lauenstein (1,8 km südwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Steinbach an der Haide zur Kreisstraße KC 26 (2 km südöstlich).[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1709 wurde an der Stelle des heutigen Falkenstein eine Brauerei gegründet.[3][4] Mit dem Bau der Eisenhämmer entstand 1765 Falkenstein. Seine Blüte erlebte das Eisenhammerwerk in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Schon früh wurde Falkenstein zum beliebten Ausflugsziel. Zwischen 1821 und 1825 existierte ein Lokal mit Biergarten und Kegelbahn. 1870 wurde das Eisenhammerwerk eingestellt. Das dortige Ausflugslokal und die Brauerei wurden ausgebaut. Seinen Aufschwung und der Beginn der Blütezeit als Ausflugsort erlebte Falkenstein ab 1885 mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke EichichtStockheim. 1885 wurde die Falkensteingemeinde gegründet, ein Zusammenschluss namhafter Persönlichkeiten der Umgebung, welche den Weiler für gesellschaftliche Zusammenkünfte ausgewählt haben.[5] 1809 kaufte die aus dem Fichtelgebirge stammende Familie Schreider das Eisenwerk und brachte es zum wirtschaftlichen Höhepunkt.[6]

Die Teilung Deutschlands löste den wirtschaftlichen Niedergang Falkensteins aus.[5] Vor der Teilung Deutschlands war Falkenstein Sitz der großen Brauerei Bayerische Bierbrauerei Karl Schreider[3][4][7][8] und eines bekannten Ausflugslokals. Durch die Grenzziehung wurde dieses Lokal berühmt, da der historische Grenzverlauf (der unter dem Lokal fließende Steinbach) quer durch die Küche ging. Im so genannten Bierdeckelabkommen von 3./4. Juli 1945 zwischen Sowjets und Amerikanern wurde die Umverteilung des Landes an der ehemals thüringisch-bayerischen Landesgrenze geregelt: Durch den geänderten Verlauf der Demarkationslinie kamen das gesamte Lokal und die Wirtschaftsgebäude der Brauerei Schreider in die amerikanische Besatzungszone und zur sowjetischen Besatzungszone ein Stück der alten Reichsstraße 85.[7][9][10] 1967 versuchte die DDR vergeblich, das sowjetisch-amerikanische Bierdeckelabkommen zu korrigieren.[11] Der Betrieb der Brauerei wurde 1968 eingestellt, zum Abriss kam es in den 1980er Jahren.[12] Am 12. November 1989 wurde der Schlagbaum der Innerdeutschen Grenze bei Falkenstein entfernt und die Grenzsicherungsanlagen abgebaut. Anfang der 1990er Jahre wurde der Betrieb der Hotelgaststätte eingestellt und das Gebäude verfiel in der Folgezeit.[5] 2000 bis 2003 wurde es jedoch wieder instand gesetzt. Heute trägt es den Namen „Villa Falkenstein“, in der regelmäßig kulturelle Veranstaltungen der seit 2005 als Verein aktiven Falkensteingemeinde[13] stattfinden. Die meisten anderen Gebäude der einst stattlichen Siedlung Falkenstein sind mittlerweile abgebrochen worden.[5]

Falkenstein liegt an der Bahnstrecke Hochstadt-Marktzeuln–Probstzella, auf der einst als Teil der Strecke Berlin-München Interzonenzüge fuhren. Bis 1965 hatte Falkenstein einen Haltepunkt an der Strecke.

Baudenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Villa Falkenstein

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 001818 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987
Einwohner * 27 23 15 18 52 39 17 9 2
Häuser[14] * 3 2 2 4 5 1
Quelle [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [22] [23] [1]
* Ort wird zu Steinbach an der Haide gerechnet.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Falkenstein 2 Anwesen (2 Wohnhäuser, 2 Hammerwerke, Bräu-, Schenk- und Kellerhaus). Das Hochgericht übte das bayreuthische Amt Lauenstein aus. Die Grundherrschaft hatte das Kastenamt Lauenstein inne.[24]

Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Lauenstein. Mit dem Gemeindeedikt wurde Falkenstein dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Lauenstein und der 1818 gebildeten Ruralgemeinde Steinbach an der Haide zugewiesen. Am 1. Januar 1978 wurde Falkenstein im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Ludwigsstadt eingegliedert.[15]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner evangelisch-lutherischer Konfession sind nach St. Elisabeth (Steinbach an der Haide) gepfarrt.[24]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Falkenstein (Ludwigsstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 310 (Digitalisat).
  2. Falkenstein im BayernAtlas
  3. a b bierdeckelsammler.net - Bayerische Bierbrauerei Karl Schreider GmbH@1@2Vorlage:Toter Link/www.bierdeckelsammler.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. a b Klaus Ehm: Das große Brauereiverzeichnis Deutschland
  5. a b c d Saalfeld und das Thüringer Schiefergebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 62). 1. Auflage. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2001, ISBN 978-3-412-10800-7.
  6. Thomas Büttner: Die historische Kulturlandschaft des Landkreises Kronach auf der Website landkreis-kronach.de
  7. a b Roman Grafe: Die Grenze durch Deutschland. Eine Chronik von 1945–1990. München 2002, ISBN 3-88680-832-7
  8. Online Bierschilder Archiv: Orte (Memento des Originals vom 22. Mai 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bierschilder.de
  9. Die Spuren der Teilung auf der Website inFranken.de
  10. Der Streifen des Todes, Die Welt Online
  11. Auf den Spuren der ehemaligen Zonengrenze zwischen BRD und DDR auf der Website ludwigsstadt.de
  12. Henry Hatt: Ignorierte Geheimobjekte Hitlers: Kunstraubspuren in Bergwerken. Verlag Hattenhauer, Ludwigsstadt 1995, ISBN 3-930988-00-3
  13. Die Falkeinsteingemeinde (Memento des Originals vom 19. Mai 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.falkensteingemeinde.de
  14. Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
  15. a b H. Demattio, S. 599f.
  16. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 952, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  17. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1126, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  18. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1012 (Digitalisat).
  19. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1126 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1162 (Digitalisat).
  21. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 942 (Digitalisat).
  22. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 693 (Digitalisat).
  23. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 159 (Digitalisat).
  24. a b H. Demattio, S. 470.