Ferrovie del Gargano

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San Severo–Peschici
Streckenlänge:79,0 km (via Apricena Superiore)
73,855 (neue Streckenführung) km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:3000 V =
Maximale Neigung: 30 
Minimaler Radius:200 m
Strecke – geradeaus
von Pescara
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neue Strecke
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0 San Severo
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nach Bari
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(7) San Matteo
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(12) San Marco in Lamis
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12 Apricena Città
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(21) Apricena Superiore
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(23) Apricena Ingarano
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Haltepunkt, Haltestelle
22 Portone
Bahnhof, Station
25 San Nicandro Garganico
   
31 Bivio Capoiale
   
40 San Giacomo di Varano
Bahnhof, Station
45 Cagnano Varano
Bahnhof, Station
52 Carpino
Tunnel
Bahnhof, Station
61 Ischitella
Haltepunkt, Haltestelle
63 Guardiola
Haltepunkt, Haltestelle
63 Baia S. Barbara
Haltepunkt, Haltestelle
64 Sotto la Costa
Haltepunkt, Haltestelle
65 Rodi Porto
Bahnhof, Station
66 Rodi Garganico
Haltepunkt, Haltestelle
68 Mulino di Mare
Haltepunkt, Haltestelle
69 Murgo Nere
Bahnhof, Station
70 Vico del Gargano - San Menaio
Haltepunkt, Haltestelle
71 Bellariva
   
73 Pineta Marzini
Kopfbahnhof – Streckenende
74 Peschici-Calenella

Die Ferrovie del Gargano (FdG) sind eine italienische Privatbahngesellschaft in Apulien, deren normalspurige Stammstrecke die Stadt Peschici mit dem an der Hauptstrecke Bari–Pescara gelegenen Bahnhof von San Severo verbindet. Auch der Personenverkehr auf der Strecke FoggiaLucera wird seit 2009 von den FG durchgeführt. Darüber hinaus sind die FG Betreiber einiger regionaler und überregionaler Buslinien. Auf der Bahnstrecke Foggia–Manfredonia erbringt FdG Leistungen im Auftrag von Trenitalia[1].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strecke der FdG bei Rodi Garganico

Die Hauptstrecke von Foggia her führt auf direktem Wege nach Bari, wodurch der Gargano, eine Landschaft am „Sporn des Stiefels“, ohne Bahnanschluss blieb. Erste Projekte für eine Zweigbahn ins Gargano gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Damals sollte von San Severo aus eine Zweigbahn nach Manfredonia oder Barletta gebaut werden. In den folgenden Jahren wurden unterschiedlichste Streckenführungen diskutiert, aber keine der Varianten wurde genehmigt. Der Erste Weltkrieg verhinderte weitere Bestrebungen zum Bau einer Bahn. Da die finanzielle Lage des italienischen Staates in den 1920er Jahren eine Bauausführung auf Staatskosten in absehbarer Zeit nicht erwarten ließ, bewarb sich 1925 eine private Gesellschaft um die Konzession für eine dampfbetriebene Schmalspurbahn von San Severo nach Menaio mit einer Spurweite von 950 mm. Auch diese wurde nicht genehmigt.

Erst das Konzessionsgesuch der Società Anonima per le Ferrovie e Tramvie del Mezzogiorno (FTM) mit Sitz in San Severo zum Bau einer Bahn von San Severo nach Peschici ein Jahr später hatte Erfolg. Die Erteilung der Konzession war an verschiedene Auflagen geknüpft. So musste der Endbahnhof an den heutigen Standort verlegt werden, und es wurde Normalspur und die Elektrifizierung mit 3000 V Gleichstrom vorgeschrieben.

Der Bahnbau begann 1930. Die Arbeiten schritten zügig voran, so dass die Bahn bereits ein Jahr vor dem geplanten Fertigstellungstermin in Betrieb genommen werden konnte. Der Eröffnungszug am 27. Oktober wurde noch von einer Dampflokomotive gezogen, am 15. November 1931 waren auch die elektrischen Anlagen fertiggestellt, und der reguläre Betrieb konnte mit elektrischer Traktion aufgenommen werden.

Entwicklung seit 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2014 wurde der erste Abschnitt einer großzügigen Streckenverlegung zur besseren Erschließung von Apricena eröffnet. Mit der Inbetriebnahme des neuen 3,15 km langen Tunnels Monte Tratturale[2] zwischen Apricena und San Nicandro im Juni 2016 verkehren alle Züge über die neue Strecke.[3]

Der aussichtsreiche Abschnitt[4] im Bereich des hoch gelegenen Kreuzungsbahnhofes Apricena Superiore wird somit derzeit nicht mehr bedient. Das in den 1980er Jahren zunehmend verfallene Bahnhofsgebäude[5] wurde in den vergangenen Jahren vorbildlich restauriert. Die FdG prüft Möglichkeiten eines touristischen Museumverkehrs über die alte Bergstrecke.[6]

Für die Erschließung des direkt am Meer gelegenen Streckenabschnittes wurden neue Bedarfshaltestellen eröffnet: Guardiola und Baia S. Barbara, welche sich direkt am Sandstrand befindet. Ferner Rodi Porto, zur besseren Erschließung der Ortschaft sowie die Bedarfshaltestelle Murge Nere.[7]

Die Ferrovie del Gargano konzentrierte sich in den letzten Jahren auf eine verbesserte Anbindung der Ortschaften. Die gesamte Fahrzeit zwischen San Severo und Peschici hat sich in den vergangenen 50 Jahren jedoch kaum verändert und beträgt ca. 1:50 h.[7] Im Sommer 1973 legte der Diretto 9 die gesamte Strecke sogar in nur 1:39 h zurück.[8]

Das Deposito liegt in San Severo.

Fuhrpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FdG sind gekennzeichnet durch einen vielfältigen Triebfahrzeugpark.[9]

Ehemalige Triebfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

E106 (Baujahr 1957) am 6. November 2002 in Vico del Gargano - San Menaio

In den Jahren 1930 und 1931 wurden vier B’B’-Lokomotiven der Gattung L.80[10] in Dienst gestellt. Erbaut waren sie von der Officine Meccaniche Reggiane (OMR). Ihre Höchstgeschwindigkeit betrug 80 km/h. Ende der 1970er Jahre wurde beschlossen, die Lokomotiven grundlegend zu modernisieren und mit neuen Wagenkästen auszustatten.[11] Die rekonstruierten Lokomotiven wurden zwischen 1980 und 1983 in Betrieb genommen. Nach insgesamt fast 60 Einsatzjahren wurden sie Ende der 1990er Jahre ausgemustert.

1934 wurde ein elektrischer Triebwagen in Dienst gestellt, welcher noch als Historischer Triebwagen vorhanden ist. Bis zur Ablieferung der Triebwagen der Baureihe ALe 80 war er bis Anfang der 1980er Jahre im Einsatz.[12]

Ab 1995 wurden für den bevorstehenden Ersatz der lokbespannten Züge sieben Triebwagen der Ferrovia Centrale Umbra gekauft.[9] Diese Triebwagen waren 1957 erbaut und wurden für den Einsatz bei der FdG modernisiert. Nach der Auslieferung der neuen Triebwagenzüge wurde diese Einheiten abgestellt bzw. umgebaut.

Leihfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FS ALn 772 im Jahr 1973, wie er bei der FdG leihweise zum Einsatz kam.

Vor der Modernisierung der L.80-Lokomotiven kam es in den 1970er Jahren häufig zu Ausfällen und Mangel an Triebfahrzeugen. Zum Einsatz kamen dann insbesondere Triebwagen der Bauart ALn 772 der Ferrovie dello Stato Italiane. Der Triebfahrzeugführer wurde von der FS gestellt, als Zugführer und Beimann war ein Mitarbeiter der FdG im Führerstand.[9]

Aktuelle Triebfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ETR 330-103 in Foggia

1981 wurden sechs neue Triebwagen der Baureihe ALe 80 in Dienst gestellt und beendeten die Zeit der FS-Leihfahreuge der Baureihe ALn 772. Mit den neuen Triebwagen konnten auch direkte Verbindungen von Foggia angeboten werden. Bis zu diesem Zeitpunkt verkehrten die Züge nur auf der Strecke von San Severo bis Peschici.[8] Aktuell werden die ALe 80 noch als Reserveeinheiten vorgehalten.

In den Jahren 2006 und 2007 wurden die umgebauten Triebwagenzüge der Baureihe ALe 200 in Dienst gestellt. Ab 2008 folgte schließlich die Inbetriebnahme der neuen Triebzüge ETR 330 (Stadler Flirt).

Die aktuelle Flotte der FdG umfasst (Stand 2019) neben 7 Triebzügen ETR 330 weitere 9 Elektrotriebzüge der Baureihen ALe 80, ALe 200 und ETR 120.[13]

Diesellokomotiven und Bahndienstfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2003 beschafften die FG eine Diesellokomotive, die 1962 von Krupp gebaut wurde und bei der DB die Nummer V 100 1270 bzw. ab 1968 die Nummer 211 070 trug. Nach der Ausmusterung gelangte die Lok über einen Händler (Layritz, Penzberg) zur ÖBB, wo sie aufgearbeitet und neu motorisiert als 2048 020 in den Bestand übernommen wurde.[14] Nach der Ausmusterung bei der ÖBB im Jahr 2003[15] gelangte die Lok über Vossloh Schienenfahrzeug-Technik nach erneuter Aufarbeitung zur FdG, wo sie unter der Nummer V.100 in den Bestand übernommen wurde und für bahndienstliche Aufgaben eingesetzt wird.

Unter den Bahndienstfahrzeugen ist eine Motordraisine der DB-Baureihe Klv 12[16] und ein Kleinwagen, der aus einem Klv 51 der DB umgebaut wurde.[17]

Historischer Triebwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die FdG haben den E.52[18] als historischen Elektrotriebwagen im Bestand. Er wurde 1934 von Officine Ferroviarie Meridionali (OFM) mit einer Achsfolge Bo’Bo’ erbaut und ist im Depot San Severo untergestellt.

Liste der FdG-Triebfahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baureihe Nummern Typ Einsatzjahre Hersteller Anmerkung Bild externer Link
L.80 01–04 Elektrolokomotive 1930–1983 OMR L.80 in San Severo 1974
L.80 Umbau 01–04 Elektrolokomotive 1980–1999 Umbau und neuer Lokkasten L.80 in Cagnano Varano 1996
E.52 01 Elektrotriebwagen 1934–1980er OFM E.52 in Peschici 1974
E.52 Storica 01 Elektrotriebwagen Im Bestand Historisches Fahrzeug von 1934 E.52 in San Severo 2006
ALe 80 01–06 Elektrotriebwagen seit 1981 Stanga ALe 80.01 in Apricena Superiore 1996
E.100 01–07 Elektrotriebwagen 1995–2007 Stanga Baujahr 1957 ex Ferrovia Centrale Umbra E.106 in Peschici 1997
ALe 200 01–03 Doppeltriebwagen seit 2007 Stanga Umbau aus FdG-Baureihe E.100, Baujahr 1957 ex Ferrovia Centrale Umbra ALe 200.03 in Mulino di Mare 2015
ETR 120 01 Elektrotriebwagen seit 2009 Stanga Umbau aus FdG E.106, Baujahr 1957 ex Ferrovia Centrale Umbra ETR 120 (E.106) in San Severo 2014
V 100 01 Diesellokomotive Seit 2003 Krupp Baujahr 1962 V100 Ex ÖBB ex DB[19] V 100 in San Severo 2013
ETR 330 001–004, 101–103 FLIRT Seit 2008 Stadler ETR 330.02 bei San Severo 2013

Parameter der Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Angaben zur Höchstgeschwindigkeit, Steigung und Gefälle beziehen sich auf die Fahrtrichtung von San Severo nach Peschici.[2]

Streckenabschnitt
(Localita)
Höchstgeschwindigkeit
(Vel. Max km/h)
Betriebsverfahren
(Regime Circolazione)
Max. Neigung Max. Steigung
(Ascesa Max. Linea)
Max. Gefälle
S. Severo - Apricena Citta 140 km/h Selbsttätiger Streckenblock
(Blocco elettrico conta-assi)
22 ‰ 22 ‰ 17 ‰
Apricena Citta - S. Nicandro Garganico 130 km/h Selbsttätiger Streckenblock 26 ‰ 26 ‰ 22 ‰
S. Nicandro Garganico - Cagnano Varano 125 km/h Selbsttätiger Streckenblock 26 ‰ 26 ‰ 22 ‰
Cagnano Varano - Carpino 85 km/h Selbsttätiger Streckenblock 30 ‰ 16 ‰ 30 ‰
Carpino - Ischitella 85 km/h Selbsttätiger Streckenblock 29 ‰ 16 ‰ 29 ‰
Ischitella - Rodi Garganico 50 km/h Fernmündlicher Zugleitbetrieb
(Giunto Telefonico)
25 ‰ 11 ‰ 25 ‰
Rodi Garganico - Vico S. Menaio 50 km/h Fernmündlicher Zugleitbetrieb 0 ‰ 0 ‰ 0 ‰
Vico S. Menaio - Peschici Calenella 60 km/h Fernmündlicher Zugleitbetrieb 29 ‰ 25 ‰ 29 ‰

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rete Ferroviaria FdG. Abgerufen am 16. Juli 2018 (italienisch).
  2. a b Ferrovie del Gargano Srl: Prospetto Informativo Rete 2018, Ed. Dicembre 2018. Abgerufen am 30. Juni 2019.
  3. Momento storico/ Inaugurata la galleria che cambierà il trasporto garganico. In: onda radio. Abgerufen am 16. Juli 2018.
  4. Stefano Paolini: E.102 auf der Bergstrecke bei Apricena Superiore. Abgerufen am 6. Juni 2019.
  5. Stefano Paolini: ALe 80.01 am 5. Juli 1996 in Apricena Superiore. Abgerufen am 6. Juni 2019.
  6. Ferrovie del Gargano: Turismo Slow, Twitter, 10. Oktober 2018. Abgerufen am 6. Juni 2019.
  7. a b Ferrovie del Gargano: Orari Ferroviari, in vigore dal 30 giugno all' 1 septembre 2019. Abgerufen am 24. Juni 2019.
  8. a b Pozzorario Generale, valido dal 3 Giugno al 29 Settembre 1973
  9. a b c Il Blog de Ilmondodeitreni.it: La Ferrovia Peschici – San Severo. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  10. Alessandro Muratori: L.80 im Originalzustand San Severo 1974. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  11. Stefano Paolini: Modernisierte E.80 in Cagnano Varano 1996. Abgerufen am 6. Juni 2019.
  12. Alessandro Muratori: E.52 in Peschici 1974. Abgerufen am 6. Juni 2019.
  13. Flotta su rotaia. Abgerufen am 5. Juni 2019 (italienisch).
  14. http://www.privat-bahn.de/211_Lieferliste.html
  15. Fahrzeugportrait Krupp 4380. In: Die Dieselloks des Typs V 100 im In- und Ausland. Karl Arne Richter, abgerufen am 16. Juli 2018.
  16. Stand 01/2009, Bildnachweis bei http://www.trenomania.org/fotogallery/displayimage.php?album=lastup&cat=180&pos=20
  17. Stand 01/2009, Bildnachweis bei http://www.trenomania.org/fotogallery/displayimage.php?album=lastup&cat=180&pos=10
  18. Stefano Paolini: Historischer E.52 in San Severo. Abgerufen am 5. Juni 2019.
  19. Lebenslauf der FdG V 100

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]