Flaschenpost (Unternehmen)

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Flaschenpost SE
Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2012
Sitz Münster
Leitung Stephen Weich, Christopher Huesmann, Julian Pachta, Niklas Plath
Mitarbeiterzahl ca. 7.000[1]
Umsatz 200 Millionen Euro[1]
Branche Einzelhandel
Website www.flaschenpost.de
Stand: 4. November 2020

Die Flaschenpost SE ist ein deutscher Lieferdienst für Getränke mit Sitz in Münster.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flaschenpost GmbH wurde im August 2012 vom Münsteraner Unternehmer Dieter Büchl gegründet.[2] Nach einer Projektierungsphase wurde im Oktober 2014 zum ersten Mal aus einem eigenen Lager in Münster geliefert.[3] Die unerwartet hohe Nachfrage führte schnell zu einer Überlastung der Logistikprozesse, sodass eine Überführung der Testphase in den Regelbetrieb nicht möglich war. Aus diesem Grund wurde der Lieferbetrieb Ende Januar 2015 zunächst wieder eingestellt.[4][5]

Nachdem die betriebsinternen Prozesse für die Bearbeitung einer großen Nachfrage überarbeitet wurden, wurde der Betrieb im April 2016 wiedereröffnet.[6][5][7] Es folgten bald weitere Niederlassungen in Köln und Mannheim. Für eine geplante Expansion kamen 2017 Christopher Huesmann, Niklas Plath und Stephen Weich ins Team.[2] Mit der Umfirmierung der Flaschenpost GmbH in eine Aktiengesellschaft im August 2018 zog sich der Gründer Dieter Büchl in den Aufsichtsrat zurück, dessen Vorsitz er übernahm.[8] Stephen Weich wurde in den Vorstand berufen; im Oktober 2018 folgten ihm Niklas Plath und Christopher Huesmann.[2] Im Januar 2019 wurde das Unternehmen in die heutige Flaschenpost SE umgewandelt.[9] Der Vorstand wurde im Juni 2020 durch Julian Pachta erweitert.

Am 30. Oktober 2020 kaufte die Oetker-Gruppe das Unternehmen. Die Entscheidung des Kartellamts steht (Stand: 5. November 2020) noch aus.[10][11]

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen bietet die Online-Bestellung von Getränken und Produkten des täglichen Bedarfs an und liefert diese innerhalb von 120 Minuten an den Kunden aus.[12] Es wird keine Liefergebühr erhoben, und Pfandflaschen können beim Lieferanten zurückgegeben werden. Flaschenpost bietet seinen Lieferservice, ausgehend von 21 Lagerstandorten,[13] bundesweit in 135 deutschen Städten an.[6] Schwerpunkt ist hierbei Nordrhein-Westfalen.

Bestellt werden kann über den Online-Shop auf der Website oder über eine Mobile App für Smartphones und Tablets.[13] An jedem Standort besitzt Flaschenpost bis zu 150 Lieferfahrzeuge. Das Unternehmen beschäftigt deutschlandweit etwa 7.000 Mitarbeiter, davon einen Großteil in der Logistik,[14] die eigenen Angaben zufolge bis zu 100.000 Kästen pro Tag ausliefern.[6] In Deutschland war Flaschenpost der erste Online-Sofortlieferdienst für Getränke[15] und ist in diesem Segment Marktführer.[13]

Eigenmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaschenpost vertreibt mehrere Eigenmarken:

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen geriet im Sommer 2020 ähnlich wie weitere jüngst gegründete Start-Ups in die Kritik, da es an einigen Standorten gegen die Bildung von Betriebsräten vorging[16][1] und den Mitarbeitern trotz des Erhalts größerer Millionenbeträge von Investoren wie Vorwerk Ventures sowie Rekordeinnahmen während der Corona-Krise[17] keine klimatisierten Fahrzeuge zur Verfügung stellte.[14] Mitarbeiter fühlen sich systematisch überwacht. „Frühere und aktuelle Mitarbeiter berichten von permanenter Videoüberwachung in den Logistikzentren.“[18]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kaufpreis für Flaschenpost deutlich niedriger. In: Getränke News! 4. November 2020, abgerufen am 5. November 2020.
  2. a b c Handelsregisterauszug von flaschenpost-GmbH aus Münster (HRB 13938). Abgerufen am 2. November 2020.
  3. flaschenpost.de. Abgerufen am 2. November 2020.
  4. flaschenpost.de. Abgerufen am 2. November 2020.
  5. a b Wenn Start-ups vom eigenen Erfolg überrollt werden. In: WiWo Gründer. 17. Juni 2016, abgerufen am 2. November 2020.
  6. a b c Martin Gardt: Hidden Champion „Flaschenpost“: 7.000 Mitarbeiter und dreistelliger Millionenumsatz. In: OMR. 8. Juli 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  7. flaschenpost.de. Abgerufen am 2. November 2020.
  8. Handelsregisterauszug von flaschenpost-AG aus Münster (HRB 17464). Abgerufen am 2. November 2020.
  9. Öffentliche Bekanntmachung RegisSTAR. Abgerufen am 2. November 2020.
  10. Exklusiv von Deutsche-Startups & OMR: Oetker-Gruppe kauft Flaschenpost für eine Milliarde. In: OMR. 1. November 2020, abgerufen am 1. November 2020.
  11. Petra Brönstrup: Dr. Oetker will „Flaschenpost“ kaufen. In: WDR. 2. November 2020, abgerufen am 5. November 2020.
  12. Vytal, Flaschenpost, Oatly – das sind die Food-News der Woche. In: Gründerszene. 4. September 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  13. a b c Johannes Korsche: Getränke-Lieferanten im Test: Wer ist schneller und günstiger? In: Galileo. 24. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  14. a b Steffen Ermisch, Manuel Heckel: Wer hat Angst vorm bösen Betriebsrat? In: WirtschaftsWoche. 20. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  15. Katrin Hofstetter: „Flaschenpost“ liefert ab sofort auch Lebensmittel. In: Internet World Business. 4. September 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  16. Franz Nestler: Die Mitarbeiter wollen Mitbestimmung, kein Müsli. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  17. Anne Grüneberg: Lieferdienste boomen in der Corona-Krise. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 21. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  18. Flaschenpost: Mitarbeiter von Getränkelieferant erheben schwere Vorwürfe – „Auf das Schärfste zu verurteilen“ derwesten.de vom 9. Oktober 2019, abgerufen am 15. September 2020.