Flaschenpost (Unternehmen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Flaschenpost SE
Rechtsform Europäische Gesellschaft
Gründung 2012
Sitz Münster
Leitung Stephen Weich, Christopher Huesmann, Julian Pachta, Niklas Plath
Mitarbeiterzahl 4.719[1]
Umsatz 93,2 Mio. EUR[1]
Branche Einzelhandel
Website www.flaschenpost.de
Stand: 31. Dezember 2019

Die Flaschenpost SE (Eigenschreibweise flaschenpost) ist ein deutscher Lieferdienst für Getränke und weitere Lebensmittel mit Sitz in Münster.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flaschenpost GmbH wurde im August 2012 vom Münsteraner Unternehmer Dieter Büchl gegründet.[2] Nach einer Projektierungsphase wurde im Oktober 2014 zum ersten Mal aus einem eigenen Lager in Münster geliefert.[3] Die unerwartet hohe Nachfrage führte schnell zu einer Überlastung der Logistikprozesse, sodass eine Überführung der Testphase in den Regelbetrieb nicht möglich war. Aus diesem Grund wurde der Lieferbetrieb Ende Januar 2015 zunächst wieder eingestellt.[4][5]

Nachdem die betriebsinternen Prozesse für die Bearbeitung einer großen Nachfrage überarbeitet wurden, wurde der Betrieb im April 2016 wiedereröffnet.[6][5][7] Anfang 2016 wurde Stephen Weich Teil des flaschenpost-Managements.[8] Es folgten bald weitere Niederlassungen in Köln und Mannheim. Für eine geplante Expansion kamen 2017 Christopher Huesmann und Niklas Plath ins Team.[2] Mit der Umfirmierung der Flaschenpost GmbH in eine Aktiengesellschaft im August 2018 zog sich der Gründer Dieter Büchl in den Aufsichtsrat zurück, dessen Vorsitz er übernahm.[9] Stephen Weich wurde in den Vorstand berufen; im Oktober 2018 folgten ihm Niklas Plath und Christopher Huesmann.[2] Im Januar 2019 wurde das Unternehmen in die heutige Flaschenpost SE umgewandelt.[10] Der Vorstand wurde im Juni 2020 durch Julian Pachta erweitert.

Am 30. Oktober 2020 kaufte die zur Oetker-Gruppe gehörende Radeberger Gruppe das Unternehmen. Am 2. Dezember 2020 gab das Bundeskartellamt die Übernahme frei.[11][12][13] In der Folge fusionierte Flaschenpost mit dem ebenfalls zur Oetker-Gruppe gehörenden Getränkelieferdienst Durstexpress,[14] was dazu führte, dass zahlreiche Mitarbeiter bei Durstexpress entlassen wurden.[15][16]

Seit dem Spätsommer 2020 liefert die Flaschenpost auch Lebensmittel. Den Anfang machte wiederum der Standort Münster.[17] Die Sortimentserweiterung folgte an weiteren Standorten, darunter im September 2021 Berlin.[18]

3 Flaschenpost-Lieferwagen am Heumarkt in Köln, 2021

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen bietet die Online-Bestellung von Getränken, Lebensmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs an und liefert diese innerhalb von 120 Minuten an den Kunden aus.[19] Es wird keine Liefergebühr erhoben und Pfandflaschen können beim Lieferanten zurückgegeben werden. Mit Stand 2021 bietet Flaschenpost den Lieferservice, ausgehend von über 30 Lagerstandorten,[20] bundesweit in 170 deutschen Städten und Gemeinden an.[21][6] Schwerpunkt ist Nordrhein-Westfalen.

Bestellt werden kann über den Online-Shop auf der Website oder über eine Mobile App für Smartphones und Tablets.[22] An jedem Standort besitzt Flaschenpost bis zu 150 Lieferfahrzeuge. Das Unternehmen beschäftigt deutschlandweit etwa 8000 Mitarbeiter, davon einen Großteil in der Logistik,[23] die eigenen Angaben zufolge bis zu 150.000 Kästen pro Tag ausliefern.[6] In Deutschland war Flaschenpost der erste Online-Sofortlieferdienst für Getränke[24] und ist in diesem Segment Marktführer.[22]

Eigenmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaschenpost vertreibt mehrere Eigenmarken:

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen geriet im Sommer 2020 in die Kritik, da es an einigen Standorten gegen die Bildung von Betriebsräten vorging[25][26] und den Mitarbeitern trotz des Erhalts größerer Millionenbeträge von Investoren wie Vorwerk Ventures sowie Rekordeinnahmen während der Corona-Krise[27] keine klimatisierten Fahrzeuge zur Verfügung stellte.[23] Mitarbeiter fühlten sich systematisch überwacht. „Frühere und aktuelle Mitarbeiter berichten von permanenter Videoüberwachung in den Logistikzentren.“[28]

Im Zuge der Übernahme durch die die Dr. August Oetker KG und der Fusion mit dem ehemaligen Konkurrenten Durstexpress äußerten Mitarbeiter erneut Kritik und sprachen von einem „Klima der Angst“.[29] So berichtete der SWR, Team- und Schichtleiter haben unbezahlte Überstunden leisten müssen, die Fahrer oft nicht pünktlich Feierabend machen können, es habe Probleme beim Arbeitsschutz gegeben und Mitarbeitern, die unverschuldet wegen Krankheit fehlten, sei schnell gekündigt worden.[29] Die taz berichtet im Juni 2021, dass Arbeitnehmer „eine Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber“ unterschreiben. Ein Arbeitsvertrag mit dieser Klausel liege der Zeitung vor.[30]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jahresabschluss per 31. Dezember 2019, veröffentlicht auf bundesanzeiger.de, abgerufen am 20. September 2021
  2. a b c Handelsregisterauszug von flaschenpost-GmbH aus Münster (HRB 13938). Abgerufen am 2. November 2020.
  3. Eröffnung Münster. In: facebook.com. flaschenpost.de, abgerufen am 2. November 2020.
  4. Die flaschenpost wird ab Sonntag eine Pause machen. In: facebook.com. flaschenpost.de, abgerufen am 2. November 2020.
  5. a b Wenn Start-ups vom eigenen Erfolg überrollt werden. In: WiWo Gründer. 17. Juni 2016, abgerufen am 2. November 2020.
  6. a b c Martin Gardt: Hidden Champion „Flaschenpost“: 7.000 Mitarbeiter und dreistelliger Millionenumsatz. In: OMR. 8. Juli 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  7. Der Startschuss ist gefallen! In: facebook.com. flaschenpost.de, abgerufen am 2. November 2020.
  8. https://www.linkedin.com/in/dr-stephen-weich-44b39272/
  9. Handelsregisterauszug von flaschenpost-AG aus Münster (HRB 17464). Abgerufen am 2. November 2020.
  10. Öffentliche Bekanntmachung RegisSTAR. Abgerufen am 2. November 2020.
  11. Exklusiv von Deutsche-Startups & OMR: Oetker-Gruppe kauft Flaschenpost für eine Milliarde. In: OMR. 1. November 2020, abgerufen am 1. November 2020.
  12. Petra Brönstrup: Dr. Oetker will „Flaschenpost“ kaufen. In: WDR. 2. November 2020, abgerufen am 5. November 2020.
  13. Radeberger (Dr. Oetker) kann Flaschenpost erwerben – Bundeskartellamt gibt Fusion frei, bundeskartellamt.de, 2. Dezember 2020.
  14. Durstexpress schlüpft unter die Flaschenpost-Marke. In: businessinsider.de. 20. Januar 2021, abgerufen am 27. März 2021.
  15. Aus Durstexpress wird Flaschenpost: Hunderte Mitarbeiter werden entlassen. In: rtl.de. 3. Februar 2021, abgerufen am 27. März 2021.
  16. Mahnwache: Durstexpress gegen Flaschenpost. In: wdr.de. 27. Januar 2021, abgerufen am 20. April 2021.
  17. Internet World: "Flaschenpost" liefert ab sofort auch Lebensmittel. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  18. Flüssig ist nicht mehr genug: Flaschenpost liefert jetzt auch Lebensmittel
  19. Vytal, Flaschenpost, Oatly – das sind die Food-News der Woche. In: Gründerszene. 4. September 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  20. Unternehmen | wirsindflaschenpost.de. Abgerufen am 22. Juni 2021.
  21. Florian Kolf: Flaschenpost will bundesweit auch Lebensmittel liefern. In: Handelsblatt. 7. Juli 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.
  22. a b Johannes Korsche: Getränke-Lieferanten im Test: Wer ist schneller und günstiger? In: Galileo. 24. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  23. a b Steffen Ermisch, Manuel Heckel: Wer hat Angst vorm bösen Betriebsrat? In: WirtschaftsWoche. 20. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  24. Katrin Hofstetter: „Flaschenpost“ liefert ab sofort auch Lebensmittel. In: Internet World Business. 4. September 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  25. Franz Nestler: Die Mitarbeiter wollen Mitbestimmung, kein Müsli. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  26. Kaufpreis für Flaschenpost deutlich niedriger. In: Getränke News! 4. November 2020, abgerufen am 5. November 2020.
  27. Anne Grüneberg: Lieferdienste boomen in der Corona-Krise. In: RedaktionsNetzwerk Deutschland. 21. August 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  28. Flaschenpost: Mitarbeiter von Getränkelieferant erheben schwere Vorwürfe – „Auf das Schärfste zu verurteilen“ derwesten.de vom 9. Oktober 2019, abgerufen am 15. September 2020.
  29. a b Marcel Kolvenbach: Flaschenpost und Durstexpress – „Ein Klima der Angst“. In: tagesschau.de. 6. November 2020, abgerufen am 20. April 2021.
  30. Simon Zamora Martin: Die prekären Helden. taz vom 25. Juni 2021, S. 13