Alnatura

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Alnatura Produktions- und Handels GmbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1984
Sitz Bickenbach, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Götz Rehn[1]
Mitarbeiter rund 2700 (2015/16)[2]
Umsatz 762 Mio. Euro (2015/16)[2]
Branche Bio-Lebensmittel
Website www.alnatura.de
Stand: 30. September 2016 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2016
Ladenansicht Super Natur Markt
Regal mit Getreideprodukten in einer Filiale der Einzelhandelskette
Götz Rehn, Alnatura-Geschäftsführer und -Gründer

Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH (Eigenschreibweise: AlnaturA) ein deutsches Unternehmen der Bio-Lebensmittel-Branche mit Sitz in Bickenbach im Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen. Unter dem Markennamen Alnatura vertreibt das 1984 gegründete Unternehmen nach ökologischen Gesichtspunkten produzierte Lebensmittel und Textilien, die sowohl von verschiedenen Drogerie- und Einzelhandelsketten als auch in den unternehmenseigenen Alnatura-Biosupermärkten vertrieben werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH wurde 1984 von dem Wirtschaftswissenschaftler Götz Rehn, der bis heute Geschäftsführer ist, als Beratungsunternehmen unter dem Namen Konzeption und Vertrieb natürlicher Lebensmittel Dr. Rehn in Fulda gegründet. Anfängliche Pläne, das Unternehmen als Filiale für Kinderkleidung aus Baumwolle oder als Kette vegetarischer Selbstbedienungsrestaurants zu konzipieren, wurden verworfen. Ein Jahr später folgte die Eintragung von Alnatura als Wort- und Bildmarke. 1986 begann das Unternehmen mit dem Verkauf von Bio-Produkten in den Lebensmittelmärkten von tegut… und den dm-Drogeriemärkten, zunächst mit einem Shop-in-Shop-Angebot. Am 1. Oktober 1987 wurde der erste Alnatura Super Natur Markt in Mannheim eröffnet. 1989 zog das Unternehmen von Fulda an den jetzigen Standort in Bickenbach um.

Laut Unternehmensangaben waren 2005 mehr als die Hälfte aller Führungspositionen mit Frauen besetzt. Im selben Jahr erhielt das Unternehmen den ersten Preis Nachhaltiger Mittelstand 2004 von der EthikBank und Rehn wurde von den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young zum Entrepreneur des Jahres gekürt. 2006 wurde in Köln der 25. Alnatura Super-Natur-Markt eröffnet.[1][3]

Im Jahr 2012 wurde der erste Alnatura Bio-Supermarkt in Kooperation mit der Migros in Zürich eröffnet.[4]

Im Juli 2014 wurde bekannt, dass auf dem Konversionsgelände der ehemaligen Kelley Barracks in Darmstadt ein neues Bürogebäude von Alnatura gebaut werden soll. Mit dem Bau der neuen Unternehmenszentrale wurde 2016 begonnen. Das Gebäude wird nach den neuesten ökologischen Standards errichtet und soll europaweit das größte Bürogebäude werden, dessen Außenfassaden aus Lehm gebaut sind. Für 2018 ist die Verlegung des Sitzes von Bickenbach nach Darmstadt geplant.[5]

Ebenfalls 2014 entschied die Drogeriemarktkette dm, bis dahin mit Abstand größter Handelspartner von Alnatura, Bio-Lebensmittel künftig unter eigener Handelsmarke anzubieten, daher viele Alnatura-Produkte auszulisten. Alnatura konnte dies durch mehr eigene Läden und neue Handelspartner aus der Edeka-Gruppe ausgleichen.[6]

Am 17. März 2016 wurde in der Berliner Friedrichstraße der insgesamt 100. Alnatura Super Natur Markt eröffnet.[7] Ende November 2016 gab es 111 Alnatura Super Natur Märkte in 53 Städten sowie 14.860 Filialen der Handelspartner in 16 Ländern.[4]

Im September 2016 wurden die ersten Eier der Alnatura Bruderküken-Initiative regional ausgeliefert; das Konzept soll nach und nach auf alle Filialen ausgedehnt werden.[8] Ziel der Initiative ist es ausschließlich Eier von Hennen anzubieten, deren männliche Geschwisterküken als Masthähnchen aufgezogen und nicht bereits als Küken getötet werden (siehe auch Zweinutzungshuhn).[9][10]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unternehmenskennzahlen entsprechend der testierten Jahresabschlüsse (Geschäftsjahr jeweils vom 1. Oktober bis zum 30. September; Beschäftigte im Jahresdurchschnitt einschließlich Auszubildende):[11]

Umsatz
(Mio. Euro)
Mitarbeiter Filialen
2005/06 184,9 684 25
2006/07 246,1 996 31
2007/08 305,8 989 40
2008/09 360,5 1172 50
2009/10 399,9 1314 53
2010/11 465,1 1566 65
2011/12 517,6 1763 71
2012/13 594,4 2039 80
2013/14 689,8 2216 96
2014/15 759,9 2446 98

Mitgliedschaften und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alnatura gehört der International Federation of Organic Agricultural Movements (IFOAM) an.[12]

Seit Juni 2012 nehmen die Alnatura-Märkte am Payback-Punkte-Programm teil.[13]

Alnatura ist Sponsor der Demonstrationen von Wir haben es satt! auf und unterstützt die Forderungen der Aktion.[14]

Wie sein Gründer Götz Rehn steht das Unternehmen den Konzepten der Anthroposophie nahe.[15] So wurde der monatlich erscheinenden Unternehmenspublikation Alnatura Magazin im Jahrgang 2011 je eine Sonderbeilage Anthroposophische Perspektiven beigeheftet, und es werden regelmäßig anthroposophische Themen aufgegriffen, beispielsweise im Jahrgang 2010 eine Serie über Anthroposophische Medizin.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen war in den Jahren 2009[17] und 2010[18] unter den Top 3 Deutschlands nachhaltigste Unternehmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, der die ökologischsten Unternehmen Deutschlands auszeichnet.[19] 2011 wurde Alnatura als „Pionier der Bio-Einzelhandelsmärkte“ mit dem 1. Platz und damit dem Titel Deutschlands nachhaltigstes Unternehmen ausgezeichnet.[20][21] 2016 erhielt Alnatura von der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises die Auszeichnung als Deutschlands nachhaltigstes mittelgroßes Unternehmen.[22]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Reaktion auf die kritische Berichterstattung in den Medien zu den untertariflichen Löhnen[23] des nicht tarifgebunden Unternehmens verkündete dieses im April 2010, dass in Zukunft Löhne mindestens in Höhe der Tariflöhne gezahlt werden sollen.[24] Ein genauer Zeitpunkt für die Umsetzung wurde nicht genannt. Vorausgegangen war eine Stellungnahme von Götz Rehn (Gründer und Geschäftsführer), in der Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen, Beitrag zur Altersvorsorge und Wertschöpfungsbeteiligung als freiwillige Leistungen aufgezählt wurden, weswegen seiner Meinung nach das Tariflohnmodell und das Alnatura-Bezahlungsmodell nur schwer vergleichbar seien.[25] Im Juli 2010 verkündete das Unternehmen, dass ab Oktober 2010 alle Beschäftigten mindestens mit Tariflohn bezahlt werden sollen.[26]

Mitbestimmung

Von über 100 Alnatura-Filialen besteht lediglich in einer Filiale, in Freiburg im Breisgau, ein Betriebsrat. Hubert Thiermeyer, Verdi-Landesleiter, kritisierte im November 2015: „Die hohe Kompetenz bei der Qualität der Ware im Biohandel geht nicht automatisch mit einer Kompetenz in sozialen Standards einher.“[27] In einer von zwei Bremer Filialen versuchte ein Teil der Belegschaft 2015, ebenfalls einen Betriebsrat zu wählen, stieß aber auf Widerstand der Geschäftsleitung[28]. Kai Wargalla, eine Mitarbeiterin, erklärte gegenüber Radio Bremen: „Die Wahl wurde durch taktische Spielchen verhindert.“[29]

Fünf Beschäftigte erwirkten daraufhin im Februar 2016 einen Beschluss des Arbeitsgerichts zur Einsetzung eines Wahlvorstands. Eine Beschwerde von Alnatura gegen diesen Beschluss wurde im November 2016 vom Landesarbeitsgericht Bremen abgewiesen. Die Firma kann jetzt noch beim Bundesarbeitsgericht Rechtsmittel einlegen („Nichtzulassungsbeschwerde“).[30] In der zweiten Jahreshälfte 2016 reduzierte Alnatura die Belegschaft der Bremer Filiale Faulenstraße auf 20 Angestellte. Damit reduzierte sich der Anspruch auf nur noch einen Mitarbeiter im Betriebsrat.[31] Wenn der Beschluss des Landesarbeitsgerichts rechtskräftig wird und in der Filiale Bremen-Faulenstraße tatsächlich ein Betriebsrat gegründet wird, hätten die Beschäftigten im Gesamtunternehmen Alnatura Anspruch auf einen Gesamtbetriebsrat.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Alnatura – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Impressum. Abgerufen am 1. März 2017.
  2. a b Jochen Remmert: Bio-Handelshaus aus Bickenbach: Alnatura kriegt die Kurve. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 18. November 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 30. November 2016]).
  3. Alnatura Geschichte. Alnatura-Website.
  4. a b Über uns – Daten und Fakten. alnatura.de.
  5. Startschuss für Alnatura-Zentrale. In: Echo Online, 5. August 2016.
  6. Michael Gassmann: Wie Edeka das dm-Desaster bei Alnatura ausgleicht. In: Die Welt, 15. November 2015, abgerufen am 23. März 2017.
  7. Alnatura und dm. Die Anatomie einer Bio-Krise. In: Wirtschaftswoche, 17. März 2016.
  8. Was sind Eier aus der Bruderküken-Initiative? Alnatura-Website, abgerufen am 23. März 2017.
  9. Bio-Kette führt „Bruderküken“-Eier ein. In: Handeslsblatt, 7. Oktober 2016, abgerufen am 23. März 2017.
  10. Dagny Lüdemann: Verbrüderung mit dem Küken. In: Zeit Online, 13. Oktober 2016, abgerufen am 23. März 2017.
  11. Suchfunktion auf der Startseite von Bundesanzeiger.de (Suchbegriff: Alnatura).
  12. Alnatura als Mitglied und Vertragspartner – alnatura.de (Memento vom 4. Oktober 2006 im Internet Archive)
  13. Alnatura mit deutlichem Umsatzzuwachs. In: Der Handel. 29. Mai 2012, abgerufen am 28. September 2013.
  14. Die FörderInnen des Netzwerks "Wir haben es satt!" wir-haben-es-satt.de, abgerufen am 23. März 2017.
  15. Anthroposophie. Alnatura-Website, abgerufen am 23. März 2017.
  16. Anthroposophische Medizin. Alnatura, archiviert vom Original am 1. Mai 2010, abgerufen am 28. September 2013.
  17. Preistraeger 2009. Deutscher Nachhaltigkeitspreis, 6. November 2009, archiviert vom Original am 13. Mai 2011, abgerufen am 18. November 2012.
  18. Preistraeger 2010. Deutscher Nachhaltigkeitspreis, 26. November 2010, archiviert vom Original am 12. Mai 2011, abgerufen am 18. November 2012.
  19. Jury kürt Deutschlands nachhaltigste Unternehmen. In: Finanznachrichten.de, 9. Juli 2010.
  20. Kristian Frigelj: Die Deutschen vernachlässigen fairen Konsum. In: Die Welt. 6. November 2011, abgerufen am 19. November 2012.
  21. Preistraeger 2011. Deutscher Nachhaltigkeitspreis, 4. November 2011, archiviert vom Original am 11. Februar 2012, abgerufen am 19. November 2012.
  22. Die Alnatura Produktions- und Handels GmbH ist Sieger in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste mittelgroße Unternehmen 2016“. Deutscher Nachhaltigkeitspreis, abgerufen am 23. März 2017.
  23. Arbeitsbedingungen in der Biobranche: Ein Ökokapitalist sahnt ab. In: Die Tageszeitung, 29. März 2010.
  24. Jost Maurin: Ökokapitalist gibt nach: Alnatura will Tarif zahlen. In: taz. 1. April 2010, abgerufen am 1. März 2017.
  25. Informationen zur Einkommensgestaltung bei Alnatura 31. März 2010 (Memento vom 3. April 2010 im Internet Archive)
  26. Jost Maurin: Gehälter bei Öko-Supermarkt: Alnatura zahlt ab Oktober Tariflohn. In: taz. 30. Juli 2010, abgerufen am 1. März 2017.
  27. Jean-Philipp Baeck: Betriebsrat-Zoff beim Bioladen. In: taz. 26. Oktober 2015, abgerufen am 1. März 2017 (auch: taz nord, 28. Oktober 2015, S. 21).
  28. Jean-Philipp Baeck: Fair sind hier nur die Produkte. In: Die Tageszeitung. 1. November 2015, abgerufen am 1. März 2017.
  29. Ärger bei Alnatura in Bremen. Bioladen will keinen Betriebsrat. (Memento vom 28. Oktober 2015 im Internet Archive) radiobremen.de, 28. Oktober 2015.
  30. Eckhard Stengel: Gezerre um Betriebsrat bei Alnatura. In: Frankfurter Rundschau online. 23. November 2016, abgerufen am 23. März 2017.
  31. Simone Schnase: Alnatura verliert vor Landesarbeitsgericht: Ein Betriebsrat wird kommen. In: Die Tageszeitung. (taz.de [abgerufen am 1. März 2017]).