Flugplatz Eberswalde Finow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Flugplatz Eberswalde Finow
17-05-23-Fotoflug Barnim-a RR71072.jpg
Kenndaten
ICAO-Code EDAV
Koordinaten

52° 49′ 38″ N, 13° 41′ 37″ OKoordinaten: 52° 49′ 38″ N, 13° 41′ 37″ O

Höhe über MSL 35 m (115 ft)
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 2 km südwestlich von Eberswalde,
55 km nordöstlich von Berlin
Straße Bundesautobahn 11
Basisdaten
Eröffnung 1938
Betreiber Baukontrakt GmbH
Passagiere 20000
Flug-
bewegungen
12000
Start- und Landebahn
10/28 1480 m × 50 m Beton
Webseite
edav.eu



i7 i10 i11 i13

Blick vom Tower auf das Vorfeld

Der Flugplatz Eberswalde Finow ist ein deutscher Verkehrslandeplatz bei Eberswalde.

Gegenwärtige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MiG-21 in der Luftfahrthistorischen Sammlung Finowfurt

Der Flugplatz ist für Maschinen mit einem MTOW bis 14 t zugelassen. Bis zum Abzug der sowjetischen Truppen sind Flugzeuge bis 150 t betrieben worden.[1]

Ambulanzflüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die schnelle und rund um die Uhr vorhandene Verfügbarkeit des Flugplatzes, ist er besonders für meist sehr kurzfristig durchgeführte Ambulanzflüge attraktiv. Auch für Organtransporte wird der Flugplatz verwendet, da viele Kliniken in der Nähe und durch die A 11 auch Krankenhäuser in Berlin in Reichweite sind.

Geschäftsreisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Finow Air Service GmbH bietet Charterflüge ab Eberswalde Finow an. Dazu stehen verschiedene Propeller- und Turboprop Flugzeuge zur Verfügung.

Luftfahrtmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem westlichen Teil des Platzes in der Nähe des Ortes Finowfurt befindet sich auf dem Gelände das Luftfahrtmuseum Finowfurt. Dort werden unter anderem ausgemusterte Flugzeuge der militärischen und zivilen Luftfahrt gezeigt. Auch ein Flugsimulator zur Benutzung durch Besucher befindet sich auf dem Areal.

Auf dem Gelände fand 2007 sowie 2011 das Chaos Communication Camp des Chaos Computer Club statt.

Solarpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Flugplatzgelände, in unmittelbarer Nähe zur Piste, entstand unter dem Generalunternehmer Solarhybrid AG bis Ende 2011 das zum damaligen Zeitpunkt europaweit größtes Photovoltaik-Kraftwerk.[2] Es bedeckt eine Fläche von rund 315 Hektar, kostete 178 Mio. € und hat eine Leistung von insgesamt 84,7 MWp.[3]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tower-Gebäude

Der Flugplatz verfügt über eine Start-/Landebahnbefeuerung sowie in Hauptanflugrichtung eine PAPI.[4] Die Piste wurde 1971 während der militärischen Nutzung auf eine Länge von 2520 m ausgebaut, welche jedoch heute nicht mehr genutzt wird. Im Zuge des Baus des Solarparks Finow wurde die RWY 10/28 auf 1480 Meter verkürzt.

Der Flugplatz verfügt über eine Flughafenfeuerwehr und ist in die ICAO-Brandschutzkategorie 3 eingeordnet, diese kann auf Anforderung auf Kategorie 5 erhöht werden.

Es sind eine Flugplatztankstelle (AV-Gas, Mogas, Jet A1)[5], Flugvorbereitungsräume, Parkplätze, Hangars und Gastronomie vorhanden.[6]

Nutzungsänderungsplanungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Standortplanungen für den zukünftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) wurde auch der Flugplatz Finow als möglicher Standort geprüft[7] und später abgelehnt.[8]

Die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg prüfte ab 2007 einen Antrag der Betreibergesellschaft, eine Erweiterung für Linienverkehr mit Maschinen bis 85 t zu genehmigen, um z. B. einen durch Studien ermittelten Bedarf für Billigfluglinien in Finow für den Einzugsbereich Berlin abzudecken. Die Entfernung vom Flugplatz Finow zum Stadtzentrum von Berlin beträgt rund 55 Kilometer. Im Mai 2008 wurden die Pläne jedoch abgelehnt, da dies mit den Zielen zur Flughafenplanung und dem Entwurf des Landesentwicklungsplanes Berlin-Brandenburg nicht zu vereinbaren sei.[9] Im August 2017 brachte sich die Betreibergesellschaft des Flughafens Eberswalde-Finow erneut als Ersatz für den Berliner Flughafen Tegel ins Gespräch und kündigte eine Klage an, sollte dieser über die Eröffnung des Flughafens BER hinaus offengehalten werden.[10]

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen am Flugplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Flugplatz haben sich mehrere Luftfahrtunternehmen und Gewerbebetriebe, wie die KAPI electronics GmbH, welche Flugdatenschreiber entwickeln und montieren, sowie die Finow Air Service GmbH angesiedelt. In einem Container befindet sich zudem ein Bistro für Piloten und deren Passagieren.[11]

Circa 50 Meter vom Tower entfernt befindet sich ein Schießstand.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930er Jahre und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Landkäufe und Vorbereitungsarbeiten erfolgten 1937, 1938 begann der eigentliche Ausbau, zunächst als mit Grasbahnen ausgestatteter Einsatzhafen. Im Juli 1939 wurde der Platz dem Luftzeugamt Jüterbog-Altes Lager unterstellt und von 1940 bis 1941 zwei befestigte Landebahnen von 1050 bzw. 960 Metern Länge angelegt. Am Nordrand entstanden fünf Werft- und Flugzeughallen, Bahnanschlussgleise und die Nebengebäude wie Unterkunfts- und Lagerbaracken. Im Juni 1941 war die Kernbauphase abgeschlossen. Stationiert waren sowohl Transport- wie auch Schuleinheiten, ab 1943 erfolgten auch Segelfluglehrgänge. Im März 1943 wurde Finow erstmals durch alliierte Bomber angegriffen.

Die ersten Einsatzeinheit der Luftwaffe, die den Platz im Januar 1944 belegte, war die mit Bf 110 und Ju 88 ausgerüstete 2. Staffel der Nachtjagdgruppe 10. Das KG 200, dem die Erprobung alliierter Beuteflugzeuge oblag, richtete am Platz eine Werft zur Wartung US-amerikanischer B-17-Bomber ein. Auch moderne Nachtjäger He 219, geflogen von der 3./Nachtjagdgruppe 10, waren von September 1944 bis Februar 1945 in Finow stationiert. Weitere Einheiten waren unter anderem Teile der Jagdgeschwader 3 und 11 sowie der Schlachtgeschwader 3 und 151. Am 26. April 1945 wurde der Fliegerhorst von den deutschen Truppen geräumt, wobei die Startbahnen, die Gebäude und nicht mehr startbereite Flugzeuge gesprengt wurden. Kurz darauf besetzten sowjetische Truppen das Gelände.

Nutzung durch die sowjetischen Luftstreitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetische MiG-29 Anfang der 1990er Jahre in Finow
Sowjetische Mi-8 und MiG-Kampfflugzeuge 1993 in Finow

Ende April 1945 wurde der Flugplatz von sowjetischen Truppen besetzt. Nach der Einnahme landete am 2. Mai 1945 erstmals ein mit Jak-9 und P-40 ausgerüstetes sowjetisches Jagdfliegerregiment in Finow. Im Jahr 1951 wurde es auf MiG-15 und 1954 auf MiG-17 umgerüstet, bevor es 1956 zum Flugplatz Lärz verlegt wurde. Bis 1969 erfolgte eine weitere Zwischennutzung durch das mit Il-28 ausgerüstete 207. Frontbombenfliegerregiment. Vier Jahre nach einer 1965 vollzogenen Umrüstung auf Jak-28 wurde das Regiment in den russischen Fernen Osten verlegt. Die schließlich letzte in Finow stationierte Einheit war das 787. Jagdfliegerregiment, welches im September 1970 vom Flugplatz Groß-Dölln dorthin verlegt wurde. Seine Ausrüstung bestand zunächst aus MiG-21, ab 1975 MiG-23 und ab 1982 auch MiG-25. Im Ergebnis des politischen Entspannungsprozesses zum Ende der achtziger Jahre wurden die MiG-25 1989 in die Sowjetunion zurückgeführt. Als Ersatz, vor allem für die MiG-23, wurden dem Jagdfliegerregiment im selben Jahr MiG-29 zugeführt.

Während der Nutzung durch die sowjetischen/russischen Luftstreitkräfte war dem Flugplatz zuerst der Deckname LEGALNY (ЛЕГАЛЬНЫ, dt.: Legal)[12], in den 1970er Jahren SCHITNAJA (ЖИТНАЯ, dt.: Korn-…) und später in den 1980er Jahren NARSAN (НАРЗАН, Mineralwasserquelle in Kislowodsk) zugeordnet.[13] Ein Neuausbau erfolgte 1983, die Start- und Landebahn wurde mit einer dünnen Asphaltschicht und weiteren 120 mm Beton überzogen. Die Bauarbeiten wurden vom VEB Autobahnbaukombinat, Betriebsteil Straßenbau Weimar (heute Vinci/Eurovia) durchgeführt.

Nach der politischen Wende in den Warschauer Pakt-Staaten verließen die letzten Kampfflugzeuge (MiG-29), nunmehr den Russischen Luftstreitkräften zugehörig, den Flugplatz Finow am 11. Mai 1993 in Richtung Ross, Weißrussland.[14]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Juni 2013 verunglückte ein Kunstflugpilot mit einer Zlin Z-526 AFS-V während einer Flugshow im Rahmen des Roadrunner Festivals am Flugplatz tödlich. Nach jahrelangen Flugunfalluntersuchungen wurde 2017 bekanntgegeben, dass der Pilot aufgrund eines illegal durchgeführten Tiefflugs, unterhalb der vorgeschriebenen Höhe von 450 Metern und eines Steuerfehlers bei der Rollbewegung in die Normalfluglage maßgeblich zum Absturz der Maschine beigetragen hat. Außerdem hatte die Maschine einen Kraftstoffmangel und nicht für den Kunstflug zugelassene Reservetanks an den Flügeln. Der Pilot starb als das Flugzeug verkehrt herum in den Solarpark Finow geflogen ist und die Maschine, wie man auf Zuschauervideos sieht, explodierte.[15]

Nahegelegene Flugplätze und Flughäfen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

EDBW Flugplatz Werneuchen (ca. 22km Entfernung)

EDAY Flugplatz Strausberg (ca. 31km Entfernung)

EDDT Flughafen Tegel (ca. 39km Entfernung)

EDON Flugplatz Neuhardenberg (ca. 45km Entfernung)

EDCE Flugplatz Eggersdorf (ca. 47km Entfernung)

EDDB Flughafen Schönefeld/ Berlin Brandenburg International (ca. 50km Entfernung)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alexander Selin, Oberbefehlshaber der Russischen Luftstreitkräfte von 2007 bis 2012, begann seine militärische Laufbahn als Jagdpilot beim 787. Jagdfliegerregiment in Finow.[16]

Der Fernsehsender Kabel Eins drehte 2017 für seine Dokuserie "Achtung Kontrolle" drei Folgen[17] auf dem Flugplatz Eberswalde Finow. Dabei wird gezeigt, wie ein Ambulanzflug und der Sachsenmarathon 2017 auf dem Flugplatz landet und abgefertigt wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934–1945 – und was davon übrig blieb. Band 1. Berlin & Brandenburg. VDM, Zweibrücken 2001, ISBN 3-925480-52-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Flugplatz Finow – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.edav.eu/chronik.html Flugplatzchronik
  2. In Brandenburg entsteht Europas größtes Solarstrom-Kraftwerk. In: Schwäbische Zeitung vom 30. November 2011
  3. Projekte der ehemaligen Solarhybrid AG Stand 2012 (Memento vom 3. März 2012 im Internet Archive)
  4. Für Piloten. In: edav.eu. Flugplatz Eberswalde Finow GmbH, abgerufen am 13. Dezember 2016.
  5. EDAV. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  6. EDAV. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  7. Land Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: Gemeinsamer Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung (LEP FS) 2007: Verordnung zur Änderung der Verordnung über den Landesentwicklungsplan Flughafenstandortentwicklung vom 30. Mai 2006 (GVBl.S.509) (abgerufen am 28. November 2010; PDF; 1,1 MB)
  8. Land Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: Planfeststellungsbeschluss Ausbau Verkehrsflughafen Berlin-Schönefeld vom 13. August 2004, Seiten 350–479 (PDF; 962 kB), S. 382 ff., abgerufen am 15. November 2010
  9. Keine Zulassung für größere Maschinen am Flugplatz Eberswalde-Finow. airliners.de, 5. Mai 2008, abgerufen am 4. Januar 2014.
  10. Brandenburger Flughafenbetreiber prüft Klage gegen Tegel. Abgerufen am 11. August 2017.
  11. EDAV. Abgerufen am 12. Mai 2020.
  12. Stefan Büttner: Rote Plätze – Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994, AeroLit, Berlin, 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 78
  13. Lutz Freundt: Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945–1994. Typenkatalog der Luftfahrzeuge, Flugplatzanlagen und Schutzbauten, Flugplätze A-F (Bd. 1), Freundt Eigenverlag, Diepholz 1998, ISBN 3-00-001493-4, S. 59f.
  14. Lutz Freundt: Sowjetische Fliegerkräfte Deutschland 1945–1994. Flugplätze (Teil 2) und Truppenteile (Bd. 2), Freundt Eigenverlag, Diepholz 1998, ISBN 3-00-002665-7, S. 52.
  15. Viola Petersson: Flugunglück: Abschlussreport zum Absturz veröffentlicht. 16. Oktober 2017, abgerufen am 12. Mai 2020.
  16. Кто командует российской авиацией. aviaport.ru, 29. August 2008, abgerufen am 27. November 2010 (russisch, Titel: „Wer die russischen Luftstreitkräfte befehligt“, Quelle: Kommersant).
  17. Achtung Kontrolle! - Montag: Leben im Sturzflug! Turbulenzen am Flugplatz Finow. 11. Dezember 2017, abgerufen am 12. Mai 2020.