Frank Meisler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Frank Meisler (Dezember 2012)

Frank Meisler (* 1925 in Danzig, Freie Stadt Danzig; † 24. März 2018 in Jaffa) war ein deutsch-britisch-israelischer Architekt und Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Meisler wuchs in Danzig auf, das seit 1919 als Freistaat vom Deutschen Reich getrennt war. Sein Vater betrieb ein kleines Transportgewerbe, das er unter dem antisemitischen Druck der Nationalsozialisten auf die andere Seite der Grenze, nach Polen, verlegen musste. Ende August 1939 konnten ihm seine Eltern zusammen mit 14 anderen jüdischen Kindern noch die Flucht mit dem letzten der drei Kindertransporte aus Danzig ermöglichen. Die dreitägige Eisenbahnfahrt wurde von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde sowie auf der deutschen Strecke von einem Gestapo-Polizisten begleitet und verlief über Berlin-Friedrichstraße nach Hoek van Holland und von dort zum Bahnhof Liverpool Street Station in London. Drei Tage nach seiner Abreise wurden seine Eltern verhaftet, später in das Warschauer Ghetto deportiert und im KZ Auschwitz ermordet. In London lebten zwei Schwestern seiner Mutter und seine Großmutter, die schon einige Jahre früher aus Deutschland geflohen waren. Hier wuchs Frank Meisler auf. Von seinen Eltern erfuhr er nichts mehr, die in Großbritannien kursierenden Informationen über die Situation in den Konzentrationslagern und über die Judenvernichtung ließen den Jugendlichen zu der bitteren Erkenntnis kommen, dass er eine Waise (“I’m an orphan”) sei.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte Meisler an der Manchester University Architektur. Nach erfolgreichem Abschluss war er unter anderem am Bau des Flughafens Heathrow beteiligt. 1956[2] übersiedelte er nach Israel, wo er sich in der Altstadt von Jaffa niederließ und auch ein Bildhaueratelier betrieb. Die Werke Meislers sind außer in Jaffa, Jerusalem und Tel Aviv unter anderem in New York, Moskau, San Juan (Argentinien), Danzig, London und Berlin zu finden. Seine Skulpturen stehen im öffentlichen Raum. Das eigene Erlebnis des Kindertransports führte dazu, dass Meisler zu diesem Thema schließlich eindrucksvolle Bronzeskulpturen schuf.

Meisler starb am 24. März 2018 in Jaffa. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Givʿat Brenner.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enthüllung der Gedenktafel in Danzig

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur und Kunst allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnmal in Jantarny
Toraschrein der Golden Rosen-Synagoge, Dnipro

Skulpturengruppen zu den Kindertransporten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meislers Skulpturengruppen, entstanden aus eigenem Erleben, zeigen Gemeinsamkeiten sowie unterschiedliche gestalterische Details und wurden inzwischen zur europäischen „Route“ der Kindertransporte.[9]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Frank Meisler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Meisler, Interview, bei BBC, 26. Juni 2013.
  2. Bildhauer Frank Meisler gestorben. In: Berliner Zeitung. 27. März 2018, S. 13.
  3. Trauer um Frank Meisler. In: Jüdische Allgemeine. 25. März 2018. Abgerufen am 25. März 2018.
  4. Biografie auf der Homepage (Memento vom 10. Januar 2010 im Internet Archive)
  5. Meldung@1@2Vorlage:Toter Link/www.tel-aviv.diplo.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2019. Suche in Webarchiven.)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf der Website der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Tel Aviv (hebräisch)
  6. Honorowi Ambasadorowie Gdańska - Wybrzeze24.pl. Abgerufen am 30. März 2018 (polnisch).
  7. Przejrzyście i czytelnie – nowy system tablic pamiątkowych. Abgerufen am 3. Februar 2019 (polnisch).
  8. Anlass war das V. Welttreffen der Danziger.
  9. Craig A. Spiegel: Returning ‘home’ after fleeing on the Kindertransport. In: Cleveland Jewish News. 14. August 2009 (englisch).
  10. What I didn’t know was that the Berlin statue was originally visualised by Frank as one group of children heading to life. The city (possibly National, I don’t know) authorities rejected it as “looking like children going on a picnic” and insisted that the dark side also be shown – hence the two groups in Berlin and (later) in Hamburg, where the metal colour heightens the contrast even more. Mitteilung von Andrew King auf The Kindertransport sculptures of Frank Meisler.
  11. 3 Bilder von der Skulpturengruppe in Gdańsk
  12. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas: »An der Weichsel gegen Osten. Mein Leben zwischen Danzig, London und Jaffa« von Frank Meisler – Lesung mit Alexander Beyer vom 8. Dezember 2016. Abgerufen am 11. Mai 2017.