Frank Meisler

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Frank Meisler (2011)

Frank Meisler (* 1925 in Danzig, Freie Stadt Danzig; † 24. März 2018 in Jaffa) war ein deutsch-britisch-israelischer Architekt und Bildhauer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Meisler wuchs in Danzig auf, das seit 1919 als Freistaat vom Deutschen Reich getrennt war. Sein Vater betrieb ein kleines Transportgewerbe, das er unter dem antisemitischen Druck der Nationalsozialisten auf die andere Seite der Grenze, nach Polen, verlegen musste. Ende August 1939 konnten ihm seine Eltern zusammen mit 14 anderen jüdischen Kindern noch die Flucht mit dem letzten der drei Kindertransporte aus Danzig ermöglichen. Die dreitägige Eisenbahnfahrt wurde von einem Mitglied der jüdischen Gemeinde sowie auf der deutschen Strecke von einem Gestapo-Polizisten begleitet und verlief über Berlin-Friedrichstraße nach Hoek van Holland und von dort zum Bahnhof Liverpool Street Station in London. Drei Tage nach seiner Abreise wurden seine Eltern verhaftet, später in das Warschauer Zwangsghetto deportiert und im KZ Auschwitz ermordet. In London lebten zwei Schwestern seiner Mutter und seine Großmutter, die schon einige Jahre früher aus Deutschland geflohen waren. Hier wuchs Frank Meisler auf. Von seinen Eltern erfuhr er nichts mehr, die in Großbritannien kursierenden Informationen über die Situation in den Konzentrationslagern und über die Judenvernichtung ließen den Jugendlichen zu der bitteren Erkenntnis kommen, dass er ein Waise (“I'm an orphan”) sei.[1]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs studierte Meisler an der Manchester University Architektur. Nach erfolgreichem Abschluss war er unter anderem am Bau des Flughafens Heathrow beteiligt. 1956[2] übersiedelte er nach Israel, wo er sich in der Altstadt von Jaffa niederließ und auch ein Bildhaueratelier betrieb. Die Werke Meislers sind außer in Jaffa, Jerusalem und Tel Aviv unter anderem in New York, Moskau, San Juan (Argentinien), Danzig, London und Berlin zu finden. Seine Skulpturen stehen im öffentlichen Raum. Das eigene Erlebnis des Kindertransports führte dazu, dass Meisler zu diesem Thema schließlich eindrucksvolle Bronzeskulpturen schuf.

Meisler starb am 24. März 2018 in Jaffa. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Givat Brenner.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1999 wurde Meisler von der tschechischen Akademie der Bildenden Künste mit der Goldmedaille „Franz Kafka“ ausgezeichnet.

Im Jahr 2002 erhielt er von der Russischen und der Ukrainischen Akademie der Künste die Ehrendoktorwürde.[4]

2012 wurde Frank Meisler für seine Verdienste um das deutsch-jüdische und das deutsch-israelische Verhältnis mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Die Auszeichnung erhielt er vom deutschen Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, in Tel Aviv.[5]

2014 wurde Meisler der Titel Ehrenbotschafter der Stadt Gdańsk in Israel vom Danziger Stadtpräsidenten Paweł Adamowicz verliehen.[6]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektur und Kunst allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mahnmal in Jantarny
Toraschrein der Golden Rosen-Synagoge

Skulpturengruppen zu den Kindertransporten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Meislers Skulpturengruppen, entstanden aus eigenem Erleben, zeigen Gemeinsamkeiten sowie unterschiedliche gestalterische Details und wurden inzwischen zur europäischen „Route“ der Kindertransporte.[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • On the Vistula Facing East. Deutsch, London 1996, ISBN 0-233-99022-4.
  • Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk (Hrsg.): Zaułkami pamięci. Gdańsk – Londyn – Jaffa. übers. ins Polnische v. Agata Teperek u. Andrzej Szewczyk. Instytut Kaszubski, Gdańsk 2014, ISBN 978-83-63368-40-1.
  • Miłosława Borzyszkowska-Szewczyk, Uwe Neumärker (Hrsg.): An der Weichsel gegen Osten. Mein Leben zwischen Danzig, London und Jaffa. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit dem Instytut Kaszubski w Gdańsku, Berlin 2016, ISBN 978-3-942240-24-6.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Frank Meisler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frank Meisler, Interview, bei BBC, 26. Juni 2013.
  2. Bildhauer Frank Meisler gestorben. In: Berliner Zeitung. 27. März 2018, S. 13.
  3. Trauer um Frank Meisler. In: Jüdische Allgemeine. 25. März 2018. Abgerufen am 25. März 2018.
  4. Biografie auf der Homepage (Memento vom 10. Januar 2010 im Internet Archive)
  5. Meldung auf der Website der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Tel Aviv (hebräisch)
  6. Honorowi Ambasadorowie Gdańska - Wybrzeze24.pl. Abgerufen am 30. März 2018 (pl-PL).
  7. Craig A. Spiegel: Returning ‘home’ after fleeing on the Kindertransport. In: Cleveland Jewish News. 14. August 2009 (englisch).
  8. 3 Bilder von der Skulpturengruppe in Gdansk
  9. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas: »An der Weichsel gegen Osten. Mein Leben zwischen Danzig, London und Jaffa« von Frank Meisler – Lesung mit Alexander Beyer vom 8. Dezember 2016. Abgerufen am 11. Mai 2017.