Fraser Perring

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Fraser John Perring (geboren am 5. August 1973 in Canterbury)[1] ist ein britischer aktivistischer Leerverkäufer,[2] der die Börsenkurse einer Reihe von Unternehmen erheblich unter Druck gesetzt hat. Seine Analysen zum Geschäftsgebaren der Wirecard AG trugen wesentlich zum Zusammenbruch dieses Zahlungsabwicklers bei.

Herkunft und Bildungsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fraser Perring ist Sohn eines Landwirts und lebte in seiner Kindheit und Jugend in Canterbury; seine Schulzeit verbrachte er unter anderem in einem Internat.[1] An der Nottingham Trent University erlangte er einen akademischen Abschluss in Rechtswissenschaften und Psychologie.[3]

Wertpapiergeschäfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perring arbeitete vor seinem beruflichen Einstieg in den Wertpapierhandel als Kellner, Koch und Sozialarbeiter.[4] Als Sozialarbeiter wurde er 2012 von seinem Arbeitgeber nach dem Vorwurf entlassen, Dokumente gefälscht zu haben. Ihm wurde untersagt, zukünftig in England als Sozialarbeiter tätig zu sein. Er verklagte daraufhin seinen früheren Arbeitgeber und erhielt 2013 im Rahmen eines Vergleichs 24.000 Pound Sterling.[5]

Im Sommer 2012 begann er damit, sich durch den Handel mit Wertpapieren seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zunächst als Daytrader. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Kauf und Verkauf von Pennystocks des Alternative Investment Market.[1] Perring, der in Börsenforen wiederholt Unternehmensaktien kommentierte, startete im April 2013 eine Website, auf der er unter dem Titel Erratic Market Coverage Unternehmensanalysen veröffentlichte.[4] 2013 gründete er zusammen mit Matthew Earl, einem weiteren britischen Leerverkäufer,[6] Zatarra Research, die im Februar 2016[7] eine kritische Analyse zu Wirecard vorlegte. 2016[3] gründete er zudem mit zwei Partnern Viceroy Research; das Unternehmen ist seit 2019 in Delaware registriert und publizierte bis einschließlich November 2021 insgesamt 21 Berichte über börsennotierte Unternehmen.[6] Perring handelt auf eigene Rechnung.[4] Er gibt an, auch Mittel eines wohlhabenden Investors einzusetzen, nennt dessen Namen jedoch nicht.[8]

Die Publikation kritischer Berichte geht mit Wetten auf fallende Aktienkurse der analysierten Unternehmen einher. Von diesen Shortselling-Wetten waren unter anderem Wirecard, Steinhoff, ProSiebenSat.1 Media, Grenke, ReconAfrica, Adler Group, S&T und Tesla betroffen.[6][9][10]

Konflikte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach Perring davon, dass er pro Woche zwischen 30 und 50 Morddrohungen erhalte.[6]

Nach seinen Angaben sei er Ende 2016 von zwei Männern physisch angegriffen worden, diese drohten ihm beziehungsweise seiner Familie und forderten ihn auf, den Wirecard-Bericht zurückzuziehen.[11] Ferner sei er Opfer eines Einbruchs geworden, seine Krankenakte sei gehackt und ins Internet gestellt worden.[12] Die Bafin ermittelte im Wirecard-Fall gegen ihn wegen des Verdachts auf Kursmanipulation.[8] Wegen angeblich falscher beziehungsweise unvollständiger Behauptungen im Wirecard-Bericht erwirkte die Staatsanwaltschaft Ende 2018 beim Amtsgericht München einen Strafbefehl gegen Perring. Dieser legte Einspruch ein. Im Mai 2019 wurde das Verfahren gegen Perring gegen Zahlung einer Geldauflage in niedriger fünfstelliger Höhe eingestellt.[13]

Weil Viceroy Research 2018 falsche Angaben über die Capitec Bank gemacht habe, verhängte die südafrikanische Financial Sector Conduct Authority 2021 eine Strafe von 50 Mio. Rand (umgerechnet 2,8 Mio. Euro) gegen Perrings Unternehmen.[14] Dieser kündigte Berufung an.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Perring steht in der Kritik, weil er mit seinen kritischen Analysen als Leerverkäufer auch finanzielle Interessen verfolge. Andere Stimmen sehen in ihm und ähnlich agierenden Marktteilnehmern ein notwendiges Korrektiv, um gravierende Missstände in Unternehmen aufzudecken.[6] Fabio De Masi, vormals Obmann für die Fraktion der Partei Die Linke im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages, meinte im Oktober 2021:

„Es ist nie gut, wenn eine einzelne Person die Märkte bewegen kann. Das gilt (...) auch für Fraser Perring. Aber der Grund, warum er den Markt beeinflussen kann, ist, dass unsere Finanzaufsicht vielleicht manchmal zu langsam ist. Das ist für mich die größere Sorge.“

Fabio De Masi: Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Interview mit Fraser Perring (Min. 11:40 bis Min 17:55) im Rahmen der Dokumentation Der Fall Wirecard: Von Sehern, Blendern und Verblendeten des Bayerischen Rundfunks, erreichbar seit dem 20. Dezember 2020 im YouTube-Kanal des Senders

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Roddy Boyd: Fraser Perring: Chronicles of Deceit, Part I. In: ffj-online.org. 4. November 2019, abgerufen am 22. September 2022 (englisch).
  2. Zum Begriff des aktivistischen Leerverkäufers siehe Katja Langenbucher, Daniel Hau, Jasper Wentz: „Aktivistische Leerverkäufer“ – eine Überlegung zur Markteffizienz und deren Grenzen im Kapitalmarktrecht. In: Zeitschrift für Bankrecht und Bankwirtschaft. Band 31, Nr. 5, 2019, S. 307–316, doi:10.15375/zbb-2019-0505.
  3. a b Johann Harscoët: Fraser Perring, du côté clair-obscur de la finance. In: L'Echo. 17. November 2020, abgerufen am 22. September 2022 (französisch).
  4. a b c Absturz der Grenke-Aktie: Wie der Shortseller Fraser Perring Unternehmen zerstört. In: Börse am Sonntag. 18. September 2020, abgerufen am 22. September 2022.
  5. Greg Farrell, Anders Melin: Short Seller Rose From Social Work to Steinhoff Win. In: Bloomberg News. 18. Januar 2018, abgerufen am 23. September 2022 (englisch).
  6. a b c d e f g Olivier Holmey: Der Leerverkäufer, vor dem sich Unternehmen fürchten. In: faz.net. 23. November 2021, abgerufen am 22. September 2022 (kostenpflichtig).
  7. Ingo Malcher: Die Rückkehr des Zerstörers. In: Zeit (online). 29. Januar 2021, abgerufen am 23. September 2022.
  8. a b Katharina Slodczyk: Der Mann mit der Brechstange. In: Manager Magazin, Heft 8-2020, 24. Juli 2020.
  9. Michaela Seiser: Der Spekulant Fraser Perring nimmt S&T ins Visier. In: faz.net. 18. Dezember 2021, abgerufen am 23. September 2022.
  10. Der Mann, der Wirecard auffliegen ließ: Fraser Perring wettet nun auch gegen Tesla. In: Focus Online. 9. Januar 2022, abgerufen am 23. September 2022.
  11. Der gefürchtete Londoner Shortseller. In: tagesschau.de. 16. September 2020, abgerufen am 22. September 2022.
  12. Reinhard Keck: Der talentierte Mr. Perring. In: Focus Online. 28. Oktober 2021, abgerufen am 22. September 2022.
  13. Thomas Steinmann: Wie die Ermittler die Wirecard-Chefs vom Haken ließen. In: Capital. 18. November 2020, abgerufen am 22. September 2022.
  14. Londiwe Buthelezi: Regulator fines Viceroy R50m for falsely accusing Capitec of being a 'loan shark'. In: news24.com. 8. September 2021, abgerufen am 22. September 2022 (englisch).