Steinhoff International Holdings

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Steinhoff International Holdings N.V.
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Rechtsform Naamloze vennootschap
ISIN NL0011375019
Gründung 1. Juli 1964[1]
Sitz Amsterdam, Niederlande
Leitung Danie van der Merwe
Mitarbeiter 112.000 (2016)[2]
Umsatz 13,059 Mrd. Euro (GJ 2016)[2]
Branche Einzelhandel/Möbelindustrie
Website steinhoffinternational.com

Steinhoff International Holdings ist ein börsennotierter weltweit tätiger Möbelkonzern mit Sitz in Amsterdam und operativer Hauptzentrale in Sandton (Johannesburg/Südafrika), dessen Wurzeln in der deutschen Möbelindustrie liegen. 2016 waren rund 112.000 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 gründete der deutsche Unternehmer Bruno Steinhoff in Westerstede (Niedersachsen) das ursprüngliche Unternehmen Steinhoff als Bruno Steinhoff Möbelvertretungen und -vertrieb. Steinhoff spezialisierte sich schnell auf den Import von Möbeln aus dem damaligen Ostblock. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm das Unternehmen einige der ehemaligen Zulieferbetriebe in den neuen Bundesländern und baute die Produktion in Osteuropa auf. 1998 wurde das Unternehmen neu strukturiert und als Steinhoff International Holdings Ltd an der Börse in Johannesburg notiert. Durch weitere Übernahmen vor allem in Afrika, Australien und Großbritannien wuchs der Konzern in den 2000er Jahren stark an; die ostdeutschen Möbelfabriken wurden geschlossen.

Nach der Übernahme der französischen Möbelhandelskette Conforama von PPR im Jahr 2011 galt Steinhoff in Europa als zweitgrößter Möbelhändler nach Ikea.[3]

Im August 2015 kündigte Steinhoff International Holdings an, sein Erstlisting mit Wirkung zum 7. Dezember 2015 an die Frankfurter Wertpapierbörse zu verlegen. Hierzu sollten sämtliche Aktien der südafrikanischen Steinhoff International Holdings Limited in Aktien der niederländischen Holdinggesellschaft Steinhoff International Holdings N.V. mit Sitz in Amsterdam[4] getauscht werden, die an der Frankfurter Börse und als Zweitlisting weiterhin an der Johannesburger Börse gelistet sein soll. Die Geschäftsführung solle in Südafrika bleiben.[5] Es gab eine Razzia von Steuerfahndern der Staatsanwaltschaft Oldenburg bei der europäischen Tochter von Steinhoff.[6] Am 4. März 2016 entschied die Deutsche Börse, Steinhoff ab dem 21. März 2016 in den MDAX aufzunehmen.[7]

Im März 2016 kündigte Steinhoff an, sich auf eine Übernahme des auf Elektrogeräte spezialisierten Einzelhändlers Darty geeinigt zu haben. Steinhoff wollte damit einer Fusion von Darty mit dessen Konkurrenten Fnac zuvorkommen, wurde in einem Bieterwettstreit aber von Fnac überboten[8]. Gleichzeitig sagte Steinhoff eine zuvor geplante Übernahme der Home Retail Group ab.[9]

Im Juni 2016 wurde bekannt, Steinhoff wolle den britischen Discounthändler Poundland, der in seinen Läden alle Artikel für jeweils ein Pfund verkauft, übernehmen.[10] Im August 2016 gab Steinhoff bekannt, auch den größten US-Matratzenhändler Mattress Firm für 3,4 Milliarden Euro kaufen zu wollen.[11]

Am 5. Dezember 2017 wurden Unregelmäßigkeiten in der Bilanz von Steinhoff eingeräumt, woraufhin CEO Markus Jooste seinen sofortigen Rücktritt einreichte. Die Steinhoff-Aktie verlor am Folgetag 60 Prozent ihres Kurses[12] und sank noch in derselben Woche zeitweise auf einen Kurs von 35 Cent.[13] Das Unternehmen wurde nach dem Rücktritt von Jooste übergangsweise vom Großaktionär und Aufsichtsratschef Christo Wiese geführt, am 14. Dezember 2017 trat dieser von sämtlichen Ämtern mit sofortiger Wirkung zurück.[14] Heather Sonn, die als unabhängiges Mitglied im Aufsichtsrat sitzt, übernahm kommissarisch diese Aufgaben.[15] Am 19. Dezember 2017 wurde Danie van der Merwe zum CEO ernannt.[16] Bis zum 21. Dezember 2017 verlor die Aktie des Unternehmens binnen 14 Tagen über 90 Prozent ihres Wertes. Seine Marktkapitalisierung betrug nur noch 17,15 Milliarden Rand (1,144 Mrd. € zum Kurs vom 17. Januar 2018).[17]

Anfang 2018 leiteten die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und die Staatsanwaltschaft Oldenburg unabhängig voneinander Untersuchungsverfahren ein.[18]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Steinhoff-Konzern zählen einige große Möbelhersteller und Möbelhändler:

  • Steinhoff Europe
    • Abra Meble (Möbelhandel in Polen)
    • Bensons for Beds (Bettenfachgeschäfte in Großbritannien)
    • Conforama (Möbelhandel in Frankreich und Südeuropa)
    • Harveys (Möbelhandel in Großbritannien)
    • kika und Leiner (Möbelhandel in Österreich und Zentral-/Osteuropa)
    • LIPO Einrichtungsmärkte (Möbelhandel in Schweiz, Zentrallager in Deredingen betrieben von Global Warehouse AG)
    • Poco (Möbelhändler in Deutschland)
    • Puris Bad GmbH (Badmöbelproduzent in Brilon)
    • Impuls Küchen GmbH (Küchenmöbelproduzent in Brilon)
    • Quattro mobili (Möbelhandel in Ungarn)
    • Steinpol Central Services (Möbelproduktion in Polen)
    • Steinhoff UK (Möbelproduktion in Großbritannien)
  • Steinhoff Africa
    • JD Group – Einzelhandelsgesellschaften im südlichen Afrika
    • KAP Industrial – südafrikanische Produktions- und Logistikgesellschaften
    • Pepkor – Holdinggesellschaft mit verschiedenen Einzelhandelmarken
  • Steinhoff Asia Pacific (mehrere Möbelhändler in Australien und Neuseeland)
    • Freedom
    • Snooze
    • BayLeatherRepublic

Aktionärsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktionärsstruktur (Stand: 31. März 2018)
Anteil Anteilseigner
6,20 % Christo Wiese
5,24 % Coronation Fund Managers, Südafrika
4,57 % Bruno Ewald Steinhoff
3,11 % OppenheimerFunds, Inc., USA
2,95 % GIC Private Limited, Singapur
2,12 % The Vanguard Group, USA
1,62 % Markus Jooste
1,29 % Norges Bank, Norwegen
1,21 % BlackRock, USA
1,05 % Dimensional Fund Advisors, USA
50,73 % Streubesitz

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Steinhoff International Holdings – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.steinhoff-moebel.de/de/ueber-uns/unternehmen-steinhoff/historie.html
  2. a b Steinhoff International Holdings: Annual Report 2016. Abgerufen am 7. Dezember 2016 (PDF, englisch).
  3. nwzonline.de 11. September 2012
  4. http://www.steinhoffinternational.com/downloads/2015/blocker/STEINHOFF%20PROSPECTUS%207%20Aug%202015.pdf
  5. handelsblatt.com
  6. http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/steinhoff-international-boersengang-ohne-chef/12688024.html
  7. http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Indexumbau-ante-portas-ProSieben-vor-Ostern-im-DAX-und-Steinhoff-im-MDAX-4762986
  8. Bieter für Elektronik-Händler Darty schaukeln sich hoch. Abgerufen am 12. August 2016.
  9. http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Steinhoff-in-Grossbritannien-mit-Sieg-und-Niederlage-im-Uebernahmegeschaeft-4788468
  10. ROUNDUP: Steinhoff erwirbt 23 Prozent an Poundland und erwägt Übernahmeofferte 15.06.2016 | Nachricht | finanzen.net. Abgerufen am 12. August 2016.
  11. Steinhoff kauft Mattress Firm: Poco-Mutter legt sich auf US-Matratzen. In: handelsblatt.com. Abgerufen am 12. August 2016.
  12. http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/dramatischer-kurssturz-steinhoff-aktie-faellt-unter-1-euro-ceo-jooste-tritt-nach-neuen-unregelmaessigkeiten-zurueck-5852093
  13. Möbelunternehmen aus Westerstede: Hauptaktionär geht – Krise bei Steinhoff spitzt sich zu. In: Nordwest-Zeitung, 15. Dezember 2017. Abgerufen am 15. Dezember 2017.
  14. wiwo.de
  15. [1]
  16. https://www.euwid-holz.de/news/sonstiges/einzelansicht/archive/2017/december/Artikel/van-der-merwe-wird-zum-ceo-von-steinhoff-ernannt.html
  17. Steinhoff on brink of dropping off JSE's top 100 company list. In: Fin24.com, 21. Dezember 2017.
  18. Pressebericht Tagesschau vom 15. Februar 2018