Frisches Haff

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Landsat-Foto des Frischen Haffs
Blick auf das Frische Haff vom Glockenturm in Frauenburg
Frisches Haff bei Tolkemit

Das Frische Haff (polnisch Zalew Wiślany, russisch Калининградский залив) ist ein Strandsee der Ostsee.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haff erstreckt sich von Elbing bis Fischhausen. Er ist 860 km2 groß, 80 km lang und bis zu 18 km breit. Die 70 km lange und 2 km breite Frische Nehrung trennt das Haff von der Danziger Bucht. Der einzige Durchlass zwischen dem Haff und der Ostsee ist das 380 m breite und 3 bis 5 m tiefe Neue Tief bei Pillau.

In das Haff münden die Nogat, der Elbingfluss, die Passarge und der Pregel.

Quer durch das Frische Haff verläuft die Grenze zwischen Polen und der russischen Exklave Kaliningrad. Die bedeutendsten Städte am oder in unmittelbarer Nähe zum Frischen Haff sind Kaliningrad (Königsberg) und Baltijsk (Pillau) in Russland sowie Elbląg (Elbing) in Polen.

Aktuell gibt es polnische Planungen, durch den polnischen Teil der Frischen Nehrung bei Skowronki (Vogelsang) einen Kanal zwischen der Ostsee und dem Haff zu bauen. Damit soll der Hafen der Stadt Elbląg reaktiviert werden, der momentan darunter leidet, dass die einzige schiffbare Verbindung zur Ostsee, das Pillauer Seetief, auf russischem Gebiet liegt. Das Projekt ist allerdings aufgrund der ungewissen Auswirkungen auf das Ökosystem des Frischen Haffs stark umstritten. Im Mai 2016 verabschiedete die polnische Regierung eine Resolution zum Bau des Kanals und dessen Finanzierung aus dem Staatshaushalt in den Jahren 2017–2022.[1]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitweise hieß das Haff auch „Friesisches Haff“, eine Bezeichnung‚ die von den ersten deutschen Siedlern auf der Nehrung, den Friesen, stammt. Der Begriff wurde im Laufe der Zeit zu „Fries’sches Haff“ und später zu „Frisches Haff“. In dem Buch Speculum Germaniae oder ein kurtzer geographischer Bericht von dem gesammten Teutschland von 1676 wird die Lage von Fischhausen, Frauenburg oder Tolkemit am „frischen Haff“ erwähnt.[2]

Auf Russisch heißt das Frische Haff Kaliningrader Bucht (Калининградский залив, Kaliningradski saliw). In der DDR wurde es auch Weichsel­haff genannt, was der wörtlichen Übersetzung aus dem Polnischen entspricht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1924 bis 1939 kam es zum epidemieartigen Auftreten einer Fischvergiftung im nördlichen Teil des Haffs, die heute weltweit als Haffkrankheit (engl. Haff disease) bezeichnet wird.

Bis 1945 gehörten das Frische Haff und die Frische Nehrung zum Deutschen Reich. Als die Rote Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs nach Westen vordrang, schnitt sie zehntausenden ostpreußischen Flüchtlingen den Landweg ab, weshalb diese den Weg über das zugefrorene Frische Haff nahmen. Tausende erfroren oder starben durch sowjetische Luftangriffe, welche sowohl aus Bombardierungen der Eisdecke als auch aus Maschinengewehrbeschuss bestanden.

Infolge des Potsdamer Abkommens wurde das Gebiet im Norden unter sowjetische, im Süden unter polnische Verwaltung gestellt. Heute ist der südliche Teil somit zu Polen gehörig, der nördliche ist Teil der Oblast Kaliningrad (Russland).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Regierungsbeschluss: Kanal durch die Frischen Nehrung wird gebaut. In: Ermland-Masuren-Journal.de. 29. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2016 (de-de).
  2. Speculum Germaniae.... Nürnberg, 1676. Beispiel: Frauenburg am frischen Haff, S. 458

Koordinaten: 54° 28′ 35″ N, 19° 46′ 4″ O