Tolkmicko

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Tolkmicko
Wappen von Tolkmicko
Tolkmicko (Polen)
Tolkmicko
Tolkmicko
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Elbląg
Gmina: Tolkmicko
Fläche: 2,28 km²
Geographische Lage: 54° 19′ N, 19° 31′ OKoordinaten: 54° 19′ 13″ N, 19° 30′ 54″ O
Einwohner: 2789
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 82-340
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: NEB
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 503: Elbląg–Pogrodzie
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 10 Schulzenämter
Fläche: 225,30 km²
Einwohner: 6814
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 30 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2804093
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Andrzej Lemanowicz
Adresse: Rynek 10
48-210 Biała
Webpräsenz: www.tolkmicko.pl



Tolkmicko ([tɔlkˈmitskɔ], deutsch Tolkemit) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tolkemit, am Ostufer des Frischen Haffs und nordöstlich von Elbing, auf einer Landkarte von 1910

Die Stadt liegt in der historischen Region Westpreußen am Frischen Haff, wo sie einen Hafen hat, etwa zwanzig Kilometer nordöstlich der Stadt Elbing (Elbląg).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtzentrum
Hafem am Frischen Haff
Gotische Pfarrkirche (14. Jahrh.)
Tolkmicko um 1750
Bahnhofsgebäude

Ursprünglich befand sich an der Stelle der heutigen Ortschaft eine pruzzische Siedlung. Das Stadtrecht erhielt die Ansiedlung im Preußischen Ordensland nach Kulmer Recht durch den Komtur des Deutschen Ordens Ludwig von Schippe, vermutlich um 1296. Die erste urkundliche Erwähnung eines Ortes Tolkemit stammt aus dem Jahre 1326. Vier Jahre später wurde das erste Mal eine Kirche erwähnt. Am 21. März 1351 erneuerte der Hochmeister des Deutschen Ordens Heinrich Dusemer das Stadtrecht. Zusammen mit dem Dorf Neuendorf (jetzt Nowinka) erhielt Tolkmicko das Fischereirecht.

Am 3. April 1440 traten die Stände der Stadt dem gegen den Deutschen Orden opponierenden, separatistischen Preußischen Bund bei, der sich 1450 ohne Absprache mit dem Heiligen Römischen Reich und der Römischen Kurie freiwillig der Krone Polens unterstellte. 1450 huldigten Rat, Schöffen und die Gemeinde dem Hochmeister Ludwig von Ehrlichhausen (1450–1467). Im darauf folgenden Dreizehnjährigen Krieg zwischen dem Orden und den Städten des Preußischen Bundes legte 1454 der Bürgermeister des Ortes einen Treueschwur auf den polnischen König Kasimir IV. Daraufhin plünderten und brandschatzten die Ritter des Deutschen Ordens zwei Jahre später die Stadt. Am 8. Juli 1457 wurde Johann von Baysen Eigentümer von Tolkemit.

1466 wurde die Stadt nach dem Zweiten Frieden von Thorn, durch den eine vorläufige Zweiteilung Preußens besiegelt wurde, Teil des autonomen Polnisch-Preußen, das mit Polen assoziiert war.

1525 während der Einführung der Reformation im Ordensland wurde unter Schutz der Ordenstruppen in der Tolkemiter Pfarrkirche evangelisch-lutherischer Gottesdienst abgehalten. Dieses tat der ehemalige Mönch Bommler, Sohn des Bürgermeisters von Tolkemit. Tolkemit blieb aber beim Fürstbistum Ermland und blieb damit katholisch.

Durch Feuersbrunst gingen Dokumente der Stadt verloren, wurden aber durch Abschriften des Domkapitels in Frauenburg ersetzt.

Durch sein staatsstreichartiges Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag, das darauf abzielte, das autonome Preußen Königlichen Anteils in eine polnische Provinz umzuwandeln, kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[2][3] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem nun nur noch bedingt autonomen Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 vornehmlich als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4] Als befremdend wurde auch die Verfolgung der Evangelischen und der Juden durch polnische staatliche und kirchliche Behörden wahrgenommen.

Während des Polnisch-Schwedischen Krieges weilte der schwedische König Gustav II. Adolf vom 11. bis zum 12. Juni 1626 in der Stadt. Zwei große Brände, 1634 und 1694, zerstörten teilweise die Stadt, die sofort wieder aufgebaut wurde. Ab 1697 sind noch die Kirchenbücher mit Eintragungen der Einwohner vorhanden.

Der Ausbruch der Pest halbierte 1710 die Zahl der Einwohner. 1720 wurde am Marktplatz eine Brauerei errichtet. Bei einem erneuten großen Brand wurde die Stadt am 29. Juli 1767 zerstört, dabei wurden auch das Brauhaus, die Kirche und das Rathaus vernichtet; die Stadt wurde wieder aufgebaut, und sämtliche Häuser erhielten Ziegeldächer.

Durch die Wiedervereinigung West- und Ostpreußens 1772 kam Tolkemit zum Königreich Preußen. 1793 wurde ein neues Rathaus errichtet. 1818 wurde die Stadt Teil des neu gebildeten Landkreises Elbing. Während des polnischen Novemberaufstands von 1830 wurden 240 Soldaten in Tolkmicko stationiert, im selben Jahr wütete die Cholera. 1832 wurde die erste Apotheke des Ortes eröffnet, 1851 schloss die Brauerei und der erste Arzt ließ sich hier nieder. 1862 begann der Bau des Fischerhafens der Stadt. 1900 wurde die Stadt an das Schienennetz angeschlossen und hatte damit Verbindung nach Elbing und Braunsberg.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Tolkemit eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche, einen Hafen und neben einigen gewerbliche Betrieben u.a. auch Schiffsbau.[5] 1939 begann der Bau einer Marmeladenfabrik, der 1940 abgeschlossen wurde. Bei Reimannsfelde befand sich die Außenstelle Hopeehill des KZ Stutthof.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt am 26. Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen und dabei schwer zerstört. Kurz darauf wurde die Region mit der Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Zuwandernde polnische Zivilisten begannen nun, sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Stadtbewohner zu bemächtigen und die Einwohner zu verdrängen. Die Polen führten für Tolkemit den Ortsnamen Tolkmicko ein. Etwa die Hälfte der Einwohner war geflohen, die verbliebenen wurden in den nächsten Jahren von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Tolkemit vertrieben.

Bei einer Verwaltungsreform wurde der Ort 1975 Teil der Wojewodschaft Elbląg. Eine erneute Reform löste die Wojewodschaft auf und Tolkmicko wurde Teil der Wojewodschaft Ermland-Masuren.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1783 1.034 in 212 Haushalten[6]
1802 1.376 [7]
1810 1.217 [7]
1816 1.301 davon 48 Evangelische, 1.245 Katholiken und sechs Juden[7]
1831 1.608 fast nur Katholiken[8]
1864 2.744 am 3. Dezember[9]
1875 2.751 [10]
1880 2.896 [10]
1905 3.386 darunter 142 Evangelische und elf Juden[5]
1933 3.532 [10]
1939 3.866 [10]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gotische Bastei, 14. Jahrhundert
  • Pfarrkirche, 14. Jahrhundert
  • Barocke Kapelle, 18. Jahrhundert

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt wird von der Woiwodschaftsstraße 503 durchquert. Der nächste internationale Flughafen ist der Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig in etwa 100 Kilometer Entfernung.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Tolkmicko besteht aus folgenden Ortsteilen:

polnischer Name deutscher Name (bis 1945) polnischer Name deutscher Name (bis 1945) polnischer Name deutscher Name (bis 1945)
Biała Leśniczówka Łęcze Lenzen Przylesie Louisenthal
Bogdaniec Nadbrzeże Reimannsfelde Rangóry
Brzezina Birkau Nowinka Neuendorf Suchacz Succase
Chojnowo Konradswalde Ostrogóra Scharffenberg Święty Kamień Wiek
Janówek Hansdorf Pagórki Rehberg Tolkmicko Tolkemit
Kadyny Kadinen Pęklewo Panklau Wodynia Klakendorf
Kamienica Elbląska Pogrodzie Neukirchhöhe Wysoki Bór Hohenwalde
Kamionek Wielki Groß Steinort Połoniny
Kikoty Kickelhof Przybyłowo Dünhöfen

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heringsdorf – Mecklenburg-Vorpommern – Deutschland

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Turnow (* 1390), Theologe, der 1426 als Ketzer in Speyer verbrannt wurde
  • Simon Grunau (1470–1530), Dominikaner und Historiograph
  • Augustin Kolberg (1835–1909), Domdekan in Frauenburg und Reichstagsabgeordneter
  • Hans-Adolf Prützmann (1901–1945), Abgeordneter der NSDAP im Reichstag, preußischer Staatsrat, höherer SS- und Polizeiführer, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS und Polizei.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 20, Nr. 6.).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 454, Nr. 63.
  • Westpreußisches Landesmuseum (Hg.): 700 Jahre Stadt Tolkemit. Von der Prußenburg zur Hafenstadt (= Reihe Kabinettausstellung, Heft 34). Münster 1996 (Publikation zur Ausstellung).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tolkmicko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  3. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  5. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig und Wien 1909, S. 595.
  6. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II, Marienwerder 1789, S. 20, Nr. 6.).
  7. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 394–395, Ziffer 739.
  8. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Va
  9. Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gewerbesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867. Siehe: 4. Kreis Elbing, S. 18–25, Ziffer 117.
  10. a b c d http://www.verwaltungsgeschichte.de/elbing.html#ew33elbntolkemit