Jenbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Jenbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Jenbach
Wappen von Jenbach
Jenbach (Österreich)
Jenbach
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Schwaz
Kfz-Kennzeichen: SZ
Fläche: 15,23 km²
Koordinaten: 47° 24′ N, 11° 47′ OKoordinaten: 47° 23′ 36″ N, 11° 46′ 36″ O
Höhe: 563 m ü. A.
Einwohner: 7.021 (1. Jän. 2016)
Postleitzahl: 6200
Vorwahl: 05244
Gemeindekennziffer: 7 09 17
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Südtiroler Platz 2
6200 Jenbach
Website: www.jenbach.at
Politik
Bürgermeister: Dietmar Wallner[1] (ÖVP)
Gemeinderat: (2016)
(19 Mitglieder)
4 SPÖ,
9 ÖVP – Bürgermeisterliste Dietmar Wallner,
5 FPÖ,
1 Grüne
Lage der Marktgemeinde Jenbach im Bezirk Schwaz
Achenkirch Aschau im Zillertal Brandberg Bruck am Ziller Buch in Tirol Eben am Achensee Finkenberg Fügen Fügenberg Gallzein Gerlos Gerlosberg Hainzenberg Hart im Zillertal Hippach Jenbach Kaltenbach Mayrhofen Pill Ramsau im Zillertal Ried im Zillertal Rohrberg Schlitters Schwaz Schwendau Stans Steinberg am Rofan Strass im Zillertal Stumm Stummerberg Terfens Tux Uderns Vomp Weer Weerberg Wiesing Zell am Ziller Zellberg TirolLage der Gemeinde Jenbach im Bezirk Schwaz (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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Gemeindeamt von Jenbach
Gemeindeamt von Jenbach
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Jenbach ist eine Marktgemeinde mit 7021 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016) im Bezirk Schwaz, Tirol, Österreich. Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Schwaz.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jenbach liegt im Unterinntal 36 km östlich der Landeshauptstadt Innsbruck zwischen den Ausläufern des Karwendelgebirges und dem Rofangebirge, südlich des Achensees. Touristisch gehört Jenbach zur Silberregion Karwendel.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch in Tirol, Eben am Achensee, Stans, Wiesing

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Ortsansäßigen wird oft angenommen, der Ortsname leite sich von „Jenseits des Baches“ ab, aufgrund des ähnlichen Wortlautes. Frühere Namen Jenbachs, wie Umbach oder Ymbach, deuten jedoch auf eine andere Möglichkeit hin, nämlich dass sich „Jenbach“ von „Um den Bach [herum]“ ableitet, was mit der Geschichte Jenbachs als eine Siedlung am Bach gut vereinbar wäre. Die Schreibweise „Innbach“ vom Fluss Inn ist eine weitere Theorie für die Namensherkunft.[2] Eine eindeutige Herkunftsfeststellung kann jedoch nicht getroffen werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jenbach konnten Besiedelungen aus dem Ende der frühen Bronzezeit und aus der frühen La-Tène-Zeit nachgewiesen werden.

Erstmalige Erwähnung und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Mal wurde Jenbach in einer Urkunde von 1269 erwähnt. Ab 1410 entstanden in Jenbach – unter Führung der Fugger – Schmelzhütten für die Verhüttung von Silber und Kupfer vom Schwazer Erzberg.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Versiegen des Erzreichtums bei Schwaz und der Stilllegung der Kupfer- und Silberhütte wurde ab 1685 eine Eisenhütte betrieben. Diese war 1773/74 bis auf ein Drittelanteil auf das Ärar übergegangen; 1865 wurde der Staat Alleinbesitzer. 1870 wurde die Hütte an die „Salzburg-Tiroler-Montangesellschaft“ verkauft. 1881 erwarben Julius & Theodor Reitlinger um 75.000 Gulden im dritten Anlauf von dieser Gesellschaft das Werk und modernisierten es. Unter anderem wurde eine Drahtseilbahn zur Erzförderung auf die Schwader errichtet. Ab 1916 übernahm der Sohn von Julius, Friedrich Reitlinger, den Betrieb.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1938, nach dem Suizid Friedrich Reitlingers, im Zuge des Anschlusses, ging das Werk zunächst in Staatsbesitz über und wurde 1939 an Ernst Heinkel verkauft („arisiert“).

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Februar 1945 warfen im Rahmen der alliierten Operation Clarion (deutsch: Fanfarenstoß) sechs B-24 Liberator-Bomber rund 12 t Bomben auf das Primärziel, den Güterbahnhof, um Bewegungen der Reichsbahn (z. B. Truppennachschub) in Deutschland und Österreich für die bevorstehende Invasion zu unterbinden.[3] Fünf Tage später, beim 2. Bombenangriff, warfen um 14:20 Uhr sieben B-24 Bomber der 12. US-Luftflotte rund 19 t Bomben wieder auf den Bahnhof und auf das Gelände der kriegswirtschaftlich nicht bedeutsamen Sensen-Union. Vermutlich wurde deren großes Betriebsgelände mit den ortsansässigen und strategisch wichtigen Heinkel-Flugzeugwerken verwechselt. Heinkel in Jenbach lieferte unter anderem Zubehörteile für den Raketenjäger Me-163, die V1-Flugbombe und die V2-Rakete. Der Bahnhof von Jenbach war nur ein Ausweichziel des Luftangriffs auf Augsburg. Es kamen dabei acht Menschen um und 35 Häuser wurden zum Teil schwer beschädigt.[4] Im April 1945 strömten vor der in Süddeutschland schnell vorrückenden Französischen Befreiungsarmee (CC1 bis CC5) unter General Charles de Gaulle immer mehr versprengte SS-Einheiten, unter ihnen auch der Generalstab Heinrich Himmlers, nach Jenbach und suchten in den Alpentäler Schutz in der angeblich vorhandenen Alpenfestung. Sie verbreiteten alleine schon durch die bloße Anzahl und ihre fanatische Entschlossenheit, „bis zur letzten Kugel zu kämpfen“, Angst und Schrecken im Dorf.[5] Am 20. April 1945 erfolgte der letzte schwere Luftangriff, eine Kombination aus Bordwaffenbeschuss von mittleren Bombern der 75th Wing der USAAF und Bombenabwürfen mit „Fliegenden Festungen“ Boeing B-17, bei denen es aber zum Glück keine Personenschäden gab.[6]

Nachkriegszeit bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Heinkel-Werke wurden nach 1945 nicht restituiert, sondern verblieben bis 1955 unter „öffentlicher Verwaltung“. 1959 wurde die „Jenbacher Werke Aktiengesellschaft“ gegründet, die an der Wiener Börse notierte. Die Firma stellte nun unter anderem Lokomotiven und Dieselmotoren her. 1998 erfolgte ein Besitzerwechsel und eine Namensänderung in „JENBACHER AG“. 2003 wurde die AG von General Electric (GE) übernommen. Die jetzige „GE Jenbacher AG“ ist Weltmarktführer in der Herstellung von Gasmotoren zur dezentralen Stromgewinnung und Blockheizkraftwerken (BHKW) im Bereich von 0,3 - 3 MW (Megawatt).

Im Jahr 2006 ist die Gemeinde dem Klimabündnis Tirol beigetreten.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Jenbach
neue Brücke im Ortszentrum

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zillertalbahn

Wirtschaftliche Bedeutung hat der Ort heute durch die GE Jenbacher, Siko Solar, TIWAG, Katzenberger, Gubert (Beton) und Holz Binder. Im 20. Jahrhundert erzeugten die Jenbacher Werke Eisenbahnwaggons, Diesellokomotiven, Kompressoren u. v. a. Heute werden in der GE Jenbacher praktisch nur noch Blockheizkraftwerke bzw. Gasmotoren erzeugt und in die ganze Welt exportiert. Siko Solar und TIWAG beschäftigen sich mit Energie. Katzenberger und Gubert stellen Beton und Betonfertigteile her. Holz Binder stellt vor allem Leimbinder für Dachkonstruktionen her. Der „Kasbach“ dient einigen Kleinkraftwerken zur Stromversorgung.

Jenbach hat u. a. eine HTL für Gebäudetechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen.

Der Bahnhof Jenbach ist Schnellzughalt und hat als Besonderheit Bahnstrecken in drei verschiedenen Spurweiten:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. tirol.orf.at
  2. jenbach.at
  3. Thomas Albrich, Arno Giesinger: Im Bombenkrieg, Tirol und Vorarlberg, 1943–1945. 1992, ISBN 3-85218-087-2, S. 244.
  4. Thomas Albrich, Arno Giesinger: Im Bombenkrieg, Tirol und Vorarlberg, 1943–1945. 1992, S. 245.
  5. Gemeindechronik von Jenbach
  6. Thomas Albrich, Arno Giesinger: Im Bombenkrieg, Tirol und Vorarlberg, 1943–1945. 1992, S. 253.