Gau Saarpfalz

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Gaue der NSDAP im Deutschen Reich im Jahr 1944

Der Gau Saarpfalz trug seinen Namen ab 1937 und war eine Verwaltungseinheit der NSDAP, die 1935 zunächst als Gau Pfalz-Saar gebildet wurde und 1940 den Namen Gau Westmark erhielt.

Geschichte und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gaue der NSDAP in den Jahren 1926, 1928, 1933 (obere Reihe), sowie 1937, 1939, 1943 (untere Reihe)

Der Gau bestand seit 1925 als Gau Rheinpfalz, dessen erster Gauleiter Fritz Wambsganß 1926 durch Josef Bürckel abgelöst wurde. Der Regierungsbezirk Pfalz mit dem Zentrum Speyer gehörte zum Freistaat Bayern. Der Gau wurde zu einer Hochburg des Nationalsozialismus, wobei die NSDAP bei der Reichstagswahl im Juli 1932 einen Stimmenanteil von 43,7 Prozent erreichte.[1] Daneben bestand seit 1926 der Gau Saar im Saargebiet, das bis 1935 nicht zum Deutschen Reich gehörte. Mit der Wiedereingliederung wurde am 13. Januar 1935 der Gau Pfalz-Saar gebildet, der ab 1937 Gau Saarpfalz hieß. Dem Gauleiter gelang es nicht, die Pfalz von Bayern herauszulösen, de facto hatte die bayrische Regierung aber kaum noch Einfluss. Die Gauleitung hatte bis 1940 ihren Sitz in Neustadt an der Weinstraße,[2] dann bis 1945 in Saarbrücken. Eine Gauführerschule bestand in Annweiler am Trifels.[3]

Während seiner Tätigkeit als Reichskommissar in Wien nach dem Anschluss Österreichs zwischen 1938 und 1940 wurde Bürckel als Gauleiter durch seinen langjährigen Stellvertreter (seit 1927) Ernst Ludwig Leyser vertreten. Die NS-Pläne sahen nach dem siegreichen Westfeldzug im Frühjahr 1940 eine Annektierung des deutschsprachigen Teils Lothringens vor, das seit 1918 als Département Moselle Teil von Frankreich war. Gauleiter Bürckel wurde die Leitung der Zivilverwaltung in Lothringen, dem CdZ-Gebiet Lothringen, übertragen und das Gebiet somit faktisch seinem Herrschaftsbereich angeschlossen. Der Gau trug auf Weisung Adolf Hitlers seit dem 7. Dezember 1940 den neuen Namen Gau Westmark, in dem 1940 2,6 Millionen Einwohner lebten und der ca. 14.000 km² umfasste. Bürckel wurde 1940 zum Reichsstatthalter für das Saarland ernannt. Nach Bürckels Tod am 28. September 1944 übernahm Willi Stöhr kommissarisch das Amt und wurde am 30. Januar 1945 offiziell zum letzten Gauleiter der Westmark ernannt.

Verwaltungspolitisch stellte der Gau Westmark kein einheitliches Territorium dar. Zu einer staatlichen Zusammenlegung der drei von Bürckel kontrollierten territorialen Verwaltungseinheiten zu einem zentralistisch organisierten Reichsgau kam es nicht mehr.

Der stellvertretende Gauleiter Leyser saß von 1933 bis Kriegsende 1945 für den Wahlkreis 27 im Reichstag und übernahm Mitte Januar 1934 die Leitung der Josef-Bürckel-Stiftung. 1930 war kurzzeitig Fritz Schwitzgebel Stellvertreter, der später Oberbürgermeister in Saarbrücken wurde. Stöhr wurde am 8. September 1944 zum Bevollmächtigten des Gauleiters und Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau im Gau ernannt, bevor er die Nachfolge des Gauleiters antrat. Ende März 1945 setzte er sich ab. Richard Imbt war der Hauptamtsleiter für Kommunalpolitik, späterer Oberbürgermeister von Kaiserslautern und zuständig für das besetzte Metz.

Gauleiter Rheinpfalz:

Gauleiter Saar:

Gauleiter Pfalz-Saar, Saarpfalz bzw. Westmark:

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freund, Wolfgang: Rassen- und Bevölkerungspolitik in einem expandierenden Gau: Rheinpfalz-Saarpfalz-Westmark, in: John, Jürgen/Möller, Horst/Schaarschmidt, Thomas (Hg.): Die NS-Gaue – Regional Mittelinstanzen im zentralistischen „Führerstaat“, München 2007, S. 334–347.
  • Franz Maier: Biographisches Organisationshandbuch der NSDAP und ihrer Gliederungen im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz, 2. Aufl. Mainz 2009 ISBN 978-3-7758-1408-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weimarer Republik 1918-1933, Reichstagswahlen, Wahlkreis Pfalz. www.wahlen-in-deutschland.de, 5. Juli 2014, abgerufen am 3. Dezember 2016.
  2. www.findbuch.at: Adreßbuch 1940, S. 43
  3. www.europese-bibliotheek.nl: Annweiler