Gelbe Narzisse

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Gelbe Narzisse
Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus)

Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Amaryllidoideae
Tribus: Narcisseae
Gattung: Narzissen (Narcissus)
Art: Gelbe Narzisse
Wissenschaftlicher Name
Narcissus pseudonarcissus
L.

Die Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus),[1] auch Osterglocke oder Osterglöckchen (weil sie in der Regel um Ostern herum blüht), Falscher Narzissus, Trompeten-Narzisse oder regional Aprilglocke, Märzglocke[2] bzw. Märzenbecher genannt – im Grimmschen Wörterbuch noch Märzbecher[3] – ist die bekannteste Pflanzenart aus der Gattung der Narzissen (Narcissus) innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Diese Art war die Blume des Jahres 1981.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blüte
Früchte und Samen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gelbe Narzisse wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 30 Zentimetern (Kulturformen können höher sein).[1] Sie bildet als Überdauerungsorgane Zwiebeln aus. Es sind nur (vier bis sechs) grundständige Blatt (Pflanze)|Laubblätter vorhanden.[1] Vegetativ vermehrt sich die Gelbe Narzisse durch Brutzwiebeln.

Die blau-grüne, einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 10 bis 25 Zentimetern lanzettlich und stumpfem oberen Ende.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit liegt je nach Standort zwischen März und April.[1] Auf einem aufrechten, etwas abgeflachten, zweikantigen Blütenstandsschaft stehen die Blüten einzeln.

Die zwittrige Blüten ist dreizählig. Die meist sechs sternförmig abstehenden Blütenhüllblätter sind leuchtend gelb. Die Blütenhüllblätter umgeben die Nebenkrone, beide sind etwa gleich lang.[1] Es sind sechs Staubblätter vorhanden. Die becherförmige, dottergelbe (> 15 Millimeter lang) Nebenkrone[1] ist längsfaltig und besitzt einen krausen oder gelappten Rand.

Inhaltsstoffe und ihre Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanzenteile sind hochgiftig und enthalten hautreizende Wirkstoffe. Bei höheren Mengen drohen Lähmungen und Kreislaufzusammenbrüche sowie Hautreizungen, die sogenannte Narzissendermatitis, eine Kontaktdermatitis. Die höchste Konzentration an Giftstoffen befindet sich in der Zwiebel, weshalb ein Verzehr auch tödlich enden kann.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelbe Narzissen waren ursprünglich nur in Westeuropa und im westlichen Mitteleuropa beheimatet; durch Kultivierung sind sie als Gartenpflanze überall in den gemäßigten Zonen anzutreffen.

In Deutschland ist die Gelbe Narzisse als Wildpflanze (die von der Kulturform sehr verschieden ist, z. B. sind die Blüten erheblich kleiner) in ihren Beständen stark bedroht und entsprechend streng geschützt. Das Pflücken wilder Narzissen ist daher auch verboten. Ein solches Wildvorkommen befindet sich beispielsweise am Misselberg.

Die Gelben Narzisse gedeiht meist an sonnigen bis halbschattigen Standorten auf feuchten, kalkarmen und leicht lehmigen Wiesen. Auch an Bachrändern, hellen Wäldern und in Mittelgebirgen ist sie zu finden. Die Gelben Narzisse kann in Höhenlagen von bis zu 2000 Metern wachsen.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[2]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelbe Narzisse als Schnittblume
Wiese mit Gelben Narzissen im April

Verwendung als Zierpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gelbe Narzisse ist mit allen aus ihr hervorgegangenen Kultursorten und Hybriden die wirtschaftlich bedeutendste unter den Narzissen-Arten. Jedes Jahr zur Blütezeit wird sie in großen Mengen als Schnittblume in den Handel gebracht. Aufgrund der langen Haltbarkeit (bei kühlem Standort bis zu 10 Tage) erfreut sich die Osterglocke einer hohen Beliebtheit in der Floristik. Aber auch ihre Zwiebeln werden für Balkon, Garten und öffentliche Grünanlagen in beträchtlichen Mengen verkauft.

Allerdings mindert das Gift der Narzissen als Schnittblume auch das Wachstum anderer Blumen, weshalb sie immer separat ausschleimen sollten, bevor sie mit anderen Blumenarten in einer Vase kombiniert werden.

Verwendung als Heilpflanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gelbe Narzisse fand wegen ihrer hautreizenden und giftigen Eigenschaften in der Antike Verwendung als Mittel gegen Hautkrankheiten wie Flechten und Geschwüre. Die spätere Volksmedizin setzte sie (wie die Weiße Narzisse) gegen Erkältungskrankheiten und Keuchhusten sowie als Brechmittel ein. Zur medizinischen Verwendung siehe auch Narzissen.

Symbolik und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die symbolische Bedeutung der Osterglocke ist vielseitig. Vor allem steht diese in Verbindung mit den österlichen Feierlichkeiten. Dies ist zurückzuführen auf die Blütezeit im März und April. Im Christentum steht die gelbe Narzisse für die Auferstehung. Das Osterfest ist im Christentum das Fest der Auferstehung Jesu Christi – genau so verhält es sich mit der Osterglocke. Mag sie den Rest des Jahres tot geglaubt sein, erblüht sie ungefähr zum Osterfest erneut. Die Osterglocke steht daher als Symbol des ewigen Lebens.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John W. Blanchard: Narcissus. A Guide to Wild Daffodils. Alpine Garden Society, Woking 1990.
  • Dumont's Gartenhandbuch: Blumenzwiebeln und Knollen. Dumont Buchverlag, Köln 1998, ISBN 3-7701-4336-1.
  • Walter Erhardt: Narzissen – Osterglocken, Jonquillen, Tazetten. Ulmer Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-6489-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Narcissus pseudonarcissus L., Gelbe Narzisse. FloraWeb.de
  2. a b Narcissus pseudonarcisus L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am 26. März 2021.
  3. Märzbecher. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 12: L, M – (VI). S. Hirzel, Leipzig 1885, Sp. 1691 (woerterbuchnetz.de).