Georg Gottstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Georg Gottstein (geb. 1868 in Breslau; gest. 1935 ebenda) war ein deutscher Chirurg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gottstein entstammte einer seit langem in Schlesien ansässigen Familie jüdischer Konfession. Nach Berlin hatte Breslau die größte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich. Gottsteins Vater Jakob Gottstein (1832–1895)[1] war in Breslau Professor für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.[2][3]

Georg Gottstein studierte an der Universität Breslau Medizin. 1895 wurde er zum Dr. med. promoviert.[4] Die Ausbildung in Chirurgie durchlief er bei Johann von Mikulicz, der die ersten Schritte in die Endoskopie wagte.[5] Bei ihm habilitierte er sich 1902 mit einer tierexperimentellen Arbeit.[6] Bei Hermann Küttner widmete er sich der Urologie. Als apl. Professor wurde er 1909 Leiter der chirurgischen Abteilung vom Israelitischen Krankenhaus in Breslau. Unabhängig von Ernst Heller beschrieb er die Kardiomyotomie. 1908 gehörte er zu den Gründern der Breslauer Chirurgischen Gesellschaft. Mit Hermann Küttner, Carl Partsch und Karl Goebel saß er als Schriftführer 14 Jahre im Vorstand.Bei der letzten Hauptversammlung zu Lebzeiten Küttners am 25. November 1931 wurde er mit Küttner, Partsch und Goebel wiedergewählt. Die Gesellschaft zählte damals 52 ordentliche und 40 außerordentliche Mitglieder. Alle Sitzungsberichte der Breslauer Chirurgischen Gesellschaft von 1908 bis 1939 sind im Zentralblatt für Chirurgie abgedruckt. Sie sind „auch heute noch lesenswert“ (Kozuschek). Bereits nach dem Tode von Partsch im Mai 1932 und noch während Küttners Erkrankung im Juni 1932 hatte Gottstein bis Ende 1932 den Vorsitz übernommen. Am 25. Januar 1933 trat die Gesellschaft im Israelitischen Krankenhaus zusammen. Dort noch Chef und Gastgeber, wurde Gottstein im Sitzungsbericht nicht erwähnt.[7] Als Jude war er offenbar Ende Januar 1933 von seinen Posten als Chefarzt und 1. Schriftführer zurückgetreten – oder dazu genötigt worden.[8] Mit 67 Jahren gestorben, wurde er auf dem Alten Jüdischen Friedhof (Breslau) begraben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Technik und Klinik der Oesophagoskopie. Fischer, Jena 1901.
  • Über die operative Behandlung des Cardiospasmus. Zentralblatt für Chirurgie 31 (1904), S. 1362-1363.
  • Die Rectosigmoskopie. Urban & Schwarzenberg 1926.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Handbuch der Urologie, 5 Bde. 1926/1929.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian v. Deuster: Gottstein, Jacob. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 505 f.
  2. Deutsche Biographische Enzyklopädie (2008)
  3. Nathan Koren: Jewish Physicians: A Biographical Index
  4. Dissertation: Versuche zur Heilung der Tetanie mittelst Implantation von Schilddrüse und Darreichung von Schilddrüsenextract : nebst Bemerkungen über Blutbefunde bei Tetanie.
  5. Jahrbuch der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau, Band 25
  6. Habilitationsschrift: Die gleichzeitige doppelseitige Vagotomia supradiaphragmatica beim Hunde und ihr Einfluss auf die Cardia.
  7. Zentralblatt für Chirurgie 25 (1933), S. 1468–1479
  8. Waldemar Kozuschek: Die Breslauer Chirurgische Gesellschaft und die Südostdeutsche Chirurgenvereinigung in Schlesien (1909–1945), in: Dieter Rühland, Friedrich Wilhelm Eigler: Die regionalen Chirurgenvereinigungen in Deutschland. Oberhausen 1999, S. 243–278
  9. Heinz Sarkowski: Der Springer-Verlag – Katalog seiner Veröffentlichungen 1842–1945