Gerald Häfner

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Gerald Häfner 2014

Gerald Häfner (* 3. November 1956 in München) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Er war zwischen 1987 und 2002 dreimal Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2009 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. Häfner ist Publizist, Waldorflehrer und (Mit-)Gründer zahlreicher Initiativen und Stiftungen.

Ausbildung, Beruf, Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1978 bis 1984 studierte Häfner Germanistik, Waldorfpädagogik, Sozialwissenschaften und Philosophie in München, Witten und Bochum.

Er ist freiberuflicher Publizist mit den Schwerpunktthemen Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie.

Gerald Häfner lebt in München, ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Parteipolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er gehörte zu den Mitbegründern der Partei Die Grünen. In den Gründungsjahren der Partei war er 1979 bis 1980 Kreisvorsitzender in München sowie 1980 bis 1981 Geschäftsführer und Pressesprecher des Landesverbandes Bayern, später Bezirksvorsitzender in Schwaben. Von 1991 bis 1994 war Häfner Landesvorsitzender in Bayern.

Mitglied des Deutschen Bundestages[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Häfner war insgesamt zehn Jahre lang (1987–1990, 1994–1998 und 2001–2002) Mitglied des Deutschen Bundestages für die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Dort war er rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

1994 bis 1998 war er Mitglied und Obmann im Rechtsausschuss, im Geschäftsordnungsausschuss und im Ausschuss Deutsche Einheit.

Häfner war von April 2001 bis Oktober 2002 zum dritten Mal Bundestagsabgeordneter. Er rückte für Claudia Roth nach, da diese als Parteisprecherin wegen des Prinzips der Trennung von Amt und Mandat ihr Bundestagsmandat niederlegen musste. In der 14. Legislaturperiode war er demokratiepolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Mitglied im Europaausschuss und stellvertretendes Mitglied im Innenausschuss des Deutschen Bundestages.

Häfner hat eine Reihe von Gesetzentwürfen zur Stärkung der Demokratie, der Bürgerrechte und der Bürgerbeteiligung in den Deutschen Bundestag eingebracht. Diese enthielten zahlreiche konkrete und ausgearbeitete Vorschläge zur Verbesserung der Demokratie, der Transparenz sowie der demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger, von der Verbesserung des Wahlrechtes, der Neuregelung der Politik(er)finanzierung und der Verankerung der Informationsfreiheit bis hin zur Einführung von Volksbegehren und Volksentscheid. Er hat darüber hinaus viele fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe initiiert, vom Alternativentwurf zum Transplantationsgesetz bis hin zum ersten Entwurf eines Nichtraucherschutzgesetzes und zahlreichen Vorstößen zur Parlamentsreform. Häfner war auch Mitautor mehrerer Verfassungsentwürfe sowie Sachverständiger für Demokratie- und Verfassungsfragen, Bürgerbeteiligung bzw. Parlamentsreform unter anderem für die Landtage von Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz sowie für mehrere Parlamente im europäischen und internationalen Ausland.

Mitglied des Europäischen Parlaments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Häfner, 2015

Gerald Häfner wurde am 7. Juni 2009 für Bündnis 90/Die Grünen in das Europäische Parlament gewählt. Er gehörte zu drei Kandidaten, mit denen sich die deutschen Grünen für Personen öffnen wollten, die aus Vereinen und Initiativen, statt aus Parteigliederungen nominiert wurden. Sven Giegold vertrat Attac, Barbara Lochbihler kam von Amnesty International und Häfner von Mehr Demokratie. Er gehörte der Fraktion Grüne/EFA an. Als Abgeordneter war er Mitglied im Ausschuss für konstitutionelle Fragen und im Rechtsausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss. Darüber hinaus war er stellvertretender Vorsitzender der Korea-Delegation und stellvertretendes Mitglied in der ASEAN- sowie der Kaukasus-Delegation des Europäischen Parlamentes.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häfner ist (Mit-)Gründer von verschiedenen Initiativen, insbesondere im Bereich von Demokratie, Bürgerrechten und Verfassung sowie verschiedener Stiftungen. Zu nennen sind unter anderem Mehr Demokratie (dessen Vorstandssprecher er von 1999 bis 2009 war), die Freie Internationale Universität, die Aktion Dritter Weg, Aktion Volksentscheid, Democracy International e.V. (Gründungsvorsitzender seit 2011), die Stiftung Mitarbeit (Mitglied im Kuratorium), Volksentscheid gegen Atomanlagen, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und die Petra-Kelly-Stiftung. Zwischen 1990 und 1992 war er Gründer und Mitglied im Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder.

Tatigkeit als Co-Leiter der Sozialwissenschaftlichen Sektion des Goetheanum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Häfner, Mitbegründer der Grünen in Deutschland, einstmals für diese im Europa-Parlament und Mitbegründer von Democracy International wurde neu als Co-Leiter der Sozialwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum bestätigt.[1]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerald Häfner erhielt verschiedene Auszeichnungen, so 2001 das „Silberne Mikrofon“ als bester Redner der Abgeordneten des Deutschen Bundestages in der 14. Wahlperiode oder 2005 den „National Leadership Award für Politische Innovation“ des Economic Forum Deutschland in der Kategorie Verbesserung des politischen Systems.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Häfner: Erfahrungen, Stand und Perspektiven der direkten Demokratie in Deutschland und Österreich. In: Jos Verhulst & Arjen Nijeboer (Hrsg.): Direkte Demokratie. Fakten, Argumente, Erfahrungen. Democracy International, Brüssel 2009, ISBN 978-90-78820-02-4.
  • Michael Efler, Gerald Häfner, Roman Huber, Percy Vogel: Europa: nicht ohne uns! Abwege und Auswege der Demokratie in der Europäischen Union. VSA Verlag, Hamburg 2009, ISBN 3-89965-360-2.
  • Gerald Häfner: Direkte Demokratie erkämpfen. Von der gesteuerten Demokratie zum Kampf um das Steuerruder. In: Müller, U., Giegold, S., Arhelger, M. (Hrsg.): Gesteuerte Demokratie? Wie neoliberale Eliten Politik und Öffentlichkeit beeinflussen. VSA-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-89965-100-6.
  • Gerald Häfner: Die Renaissance der Brüderlichkeit. In: Jacques Attali: Brüderlichkeit. Eine notwendige Utopie im Zeitalter der Globalisierung. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2003, ISBN 3-7725-2235-1.
  • Gerald Häfner: Deutsche Einheit durch die Hintertür. In: W. Schulz, Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.): Der Bündnis-Fall: politische Perspektiven 10 Jahre nach der Gründung des Bündnis 90. Ed. Temmen, Bremen 2001, ISBN 3-86108-796-0.
  • Gerald Häfner: Denkschrift zu einer Verfassung für den Bund deutscher Länder. In: Vom Grundgesetz zur deutschen Verfassung. Denkschrift und Verfassungsentwurf. Nomos, Baden-Baden 1999, ISBN 3-7890-2506-2.
  • Gerald Häfner: Der Tod im Leben von Petra Kelly und Joseph Beuys. In: Petra Kelly, Joseph Beuys: Diese Nacht, in die die Menschen... FIU-Verlag, Wangen 1994, ISBN 3-928780-07-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gerald Häfner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quelle: E i n N a c h r i c h t e n b l a t t Für Mitglieder und Freunde der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft 20. September, 2015 | 5. Jahrgang, Nr. 17 Herausgegeben von der ‹Initiative Entwicklungsrichtung Anthroposophie›.