Gerhard Ritzel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gerhard Ritzel (* 12. April 1923 in Michelstadt; † Januar 2000) war ein deutscher Diplomat.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ritzel war ein Sohn des Reichstags- und späteren Bundestagsabgeordneten Heinrich Ritzel (SPD). Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 emigrierte die Familie Ritzel in die Schweiz. Nach einer Zeit der Staatenlosigkeit wurde sie naturalisiert (eingebürgert). Gerhard Ritzel studierte von 1942 bis 1950 Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft, Staatswissenschaften sowie Philosophie in Basel, Genf, Zürich und Heidelberg und wurde 1948 an der Universität Basel zum Dr. rer. pol promoviert.[1]

Er war von 1948 bis 1949 stellvertretender Leiter des Sozialhilfeamtes der Europa-Union in Basel und anschließend in der Privatwirtschaft tätig. Ende 1951 trat er in den Dienst des Auswärtigen Amts. Von 1952 bis 1965 war er Konsul der Vertretungen in Bombay, Colombo, New York City und Los Angeles sowie ab 1963 Legationsrat Erster Klasse in der Zentrale. Er ging 1966 als ständiger Vertreter des Leiters an die Botschaft in Luxemburg.

Von 1966 bis 1969 war Willy Brandt Außenminister im Kabinett Kiesinger. Im März 1968 wurde Gerhard Ritzel persönlicher Referent von Willy Brandt. Als Brandt nach der Bundestagswahl 1969 Bundeskanzler wurde, zog Gerhard Ritzel nach erstem Bekunden vorübergehend mit in das Bundeskanzleramt im Palais Schaumburg.[2] Eigentlich war er kurz vorher als Botschafter für Dahomey (Benin) ausersehen, Brandt machte jedoch die Ernennung rückgängig und berief Ritzel in seinen Arbeitsstab im Range eines Ministerialdirigenten in das Bundeskanzleramt. Im Oktober 1970 kehrte er in den Auswärtigen Dienst zurück. Von 1979 bis 1981, während der Iranischen Revolution, war Ritzel deutscher Botschafter im Iran.

Von 1981 bis 17. September 1982 betreute und koordinierte Ritzel im Bundeskanzleramt, in der Regierung Helmut Schmidt die drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes, Bundesnachrichtendienst (BND), den Inlandsnachrichtendienst Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und den bundeswehrzugehörigen Militärischen Abschirmdienst (MAD). [3] Ritzel fungierte zudem als persönlicher Referent von Helmut Schmidt. Unter der Kanzlerschaft von Helmut Kohl wechselte Gerhard Ritzel zurück in das Auswärtige Amt und wurde Botschafter in Stockholm (Schweden).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp W. Fabry: Zwischen Schah und Ayatollah. Ein Deutscher im Spannungsfeld der Iranischen Revolution. DAMALS-Verlag, 1983.
  2. Kanzleramt. Dünne Decke. In: Der Spiegel, 3. November 1969, pdf
  3. Guillaume. Stramme Liste. In: Der Spiegel, 5. Oktober 1981, pdf


Vorgänger Amt Nachfolger
1962: August von Kameke Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Cotonou, im Königreich Dahomey
1966 bis 1968
1971–1975: Karl Wand
Richard Balken Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Oslo
1970 bis 1974
Otto Erich Sigismund Heipertz
Otto Erich Sigismund Heipertz Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Prag
25. April 1974 bis 18. Mai 1977
Jürgen Diesel
Hans-Georg Wieck Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Teheran
19. Mai 1977 bis 1981
Jens Petersen
Jesco von Puttkamer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Stockholm
1984 bis 1988
Reinhold Schenk