Kongregation für die Glaubenslehre

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Basisdaten
Name: Kongregation für die Glaubenslehre
(Congregatio pro doctrina fidei)
Sitz: Palazzo del Sant’Uffizio
00120 Città del Vaticano
Präfekt: Erzbischof Luis Ladaria SJ
(seit 2017)
Sekretär: Erzbischof Giacomo Morandi
(seit 2017)
Beigeordneter Sekretär: Erzbischof Augustine Di Noia OP
(seit 2013)
Untersekretär: Matteo Visioli
(seit 2017)

Die Kongregation für die Glaubenslehre (lateinisch Congregatio pro doctrina fidei, oft kurz Glaubenskongregation genannt) ist eine von Papst Paul III. mit der Apostolischen Konstitution Licet ab initio vom 21. Juli 1542 als Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis (dt. „Kongregation der römischen und allgemeinen Inquisition“) gegründete Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Ihre Aufgabe ist es, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und vor Häresien zu schützen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palazzo del Sant’Ufficio Rom, Sitz der Kongregation für die Glaubenslehre

Die Kongregation für die Glaubenslehre ist die älteste der neun Kongregationen der römischen Kurie. Sie wurde von Papst Paul III. am 21. Juli 1542 als Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis gegründet.[2] Hierzu wurde im selben Jahr ein zuständiges Kollegium von sechs Kardinälen ernannt, die als Generalinquisitoren mit Sonderrechten unter anderem zur Ernennung weiterer Inquisitoren ausgestattet waren. Die Römische Inquisition versuchte, das Vordringen des Protestantismus nach Italien zu verhindern. Ein eigener Index für verbotene Bücher wurde erstellt, der Index Librorum Prohibitorum. Die bekanntesten durch die Römische Inquisition verurteilten Personen sind Giordano Bruno (1600) und Galileo Galilei (1633). 1798 wurde der Kirchenstaat von Napoleon annektiert und die Römische Inquisition abgeschafft. Sie wurde zwar 1814 wieder eingesetzt, besaß jedoch im 19. Jahrhundert einen bereits völlig anderen Charakter, da sie keine Exekutivmittel mehr besaß, sondern nunmehr auf die Macht des Wortes beschränkt war. Papst Pius X. änderte 1908 mit der Apostolischen Konstitution Sapienti consilio den Namen in Sacra Congregatio Sancti Officii (deutsch: „Heilige Kongregation des Heiligen Offiziums“).

Gegen Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils ordnete Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio Integrae servandae vom 7. Dezember 1965 die Aufgaben und die Struktur der Kongregation neu und gab ihr den heutigen Namen. Erster Präfekt war von 1965 bis 1968 der italienische Kardinal Alfredo Ottaviani, der seit 1959 schon Sekretär des Heiligen Offiziums war; Präfekt des Heiligen Offiziums war bis zu diesem Zeitpunkt stets der jeweilige Papst selbst gewesen. Sein Nachfolger war der kroatische Kardinal Franjo Šeper, welcher das Amt bis 1981 innehatte. Von 1981 bis zum Tod von Johannes Paul II. 2005, wurde die Kongregation durch Joseph Kardinal Ratzinger geleitet. Nach dessen Wahl zum Papst wurde der US-amerikanische Erzbischof William Joseph Levada bis zum 2. Juli 2012 sein Nachfolger im Amt des Präfekten der Glaubenskongregation. Mit gleichem Datum wurde der Deutsche Gerhard Ludwig Müller zum neuen Präfekten ernannt und am 16. März 2013 durch Papst Franziskus übergangsweise[3] und am 21. September 2013 dauerhaft im Amt bestätigt.[4]

Gemäß Artikel 48 der von Papst Johannes Paul II. 1988 promulgierten Apostolischen Konstitution über die römische Kurie, Pastor Bonus[5], hat die Kongregation für die Glaubenslehre die Aufgabe, „die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen.“

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze der Kongregation für die Glaubenslehre steht ein Kardinalpräfekt, dem ein Sekretär und ein Untersekretär zur Seite stehen.

Die Glaubenskongregation ist in drei Sektionen aufgeteilt:

  • Sektion für die Glaubenslehre
  • Disziplinarsektion
  • Ehesektion

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kongregation selbst besteht aus 23 Mitgliedern, Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen, die vom Papst für jeweils fünf Jahre berufen werden. Mitglieder der Kongregation sind zurzeit:

Kardinäle

Erzbischöfe

Bischöfe

Veröffentlichte Schreiben (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus aktuellen Anlässen veröffentlicht die Glaubenskongregation offizielle Dokumente; hierbei wird unterschieden zwischen Dokumenten zur Doktrin, Dokumenten zur Disziplin und Dokumenten zu sakramentalen Fragen.[18] Darüber hinaus existiert die Sammlung „Documenti e Studi“ [19]. Die Dokumente werden wiederum in verschiedene Kategorien unterteilt: Instruktionen, Lehrmäßige Noten, Antworten zu Anfragen, Notifikationen und Allgemeine Schreiben.

Dokumente zur Doktrin (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Donum vitae
Siehe auch: Dominus Iesus
Siehe auch: Dignitas personae

Dokumente zur Disziplin (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeines Dekret in Bezug auf die Straftat der versuchten Weihe einer Frau (19. Dezember 2007)[23]
  • Ordnung für die Lehrüberprüfung (29. Juni 1997)[24]
  • Urteil der Kirche unverändert (zur Freimaurerei) (26. November 1983)[25]

Großinquisitoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sekretäre des Heiligen Offiziums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präfekten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1965 war der Papst selbst Präfekt des Heiligen Offiziums.

Sekretäre der Glaubenskongregation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pastor Bonus, Apostolische Konstitution von Papst Johannes Paul II. vom 28. Juni 1988, Art. 48.
  2. Vgl. Gerd Schwerhoff: Die Inquisition: Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit; München 2004, S. 98.
  3. Dikasterien der römische Kurie übergangsweise bestätigt, Radio Vatikan, 16. März 2013
  4. Personaländerungen in der Kurie - Müller bestätigt - Neuer Nuntius in Berlin, Radio Vatikan, 21. September 2013
  5. Text der Apostolischen Konstitution (PDF)
  6. a b Nomina di Cardinali Membri dei Dicasteri della Curia Romana, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 6. Mai 2006.
  7. Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag; kein Text angegeben für Einzelnachweis mit dem Namen TB_24-11-2003.
  8. Nomina di membro della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 26. Januar 2008.
  9. a b c d Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Oktober 2010.
  10. a b Nomina di membro della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 21. April 2012.
  11. a b c Nomina di Cardinali Membri dei Dicasteri e degli Organismi della Curia Romana, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 21. April 2012.
  12. Nomina di Membro della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 22. November 2016, abgerufen am 22. November 2016 (italienisch).
  13. Nomina di Membro della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 14. Januar 2017, abgerufen am 14. Januar 2017 (italienisch).
  14. Nomina di Membro della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 15. Juli 2017, abgerufen am 15. Juli 2017 (italienisch).
  15. a b Nomina di membri della Congregazione per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 22. September 2009.
  16. Nomina di membro della Congregazion per la Dottrina della Fede, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 1. Dezember 2012.
  17. Nomina di Membri della Congregazione per la Dottrina della Fede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Mai 2014, abgerufen am 2. Juni 2014 (italienisch).
  18. Dokumentensammlung zu sakralen Fragen
  19. Collana “Documenti e Studi”
  20. Inter insigniores in der deutschen Übersetzung auf der Homepage des Heiligen Stuhls
  21. Deutsch: [1]
  22. Text der Erklärung
  23. Text des Allgemeinen Dekrets
  24. Text der Ordnung
  25. Wortlaut des Urteils

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 41° 54′ 4″ N, 12° 27′ 22″ O