Gründlach

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Gründlach
Gründlach durchfließt Heroldsberg

Gründlach durchfließt Heroldsberg

Daten
Gewässerkennzahl DE: 24234
Lage Mittelfranken, Bayern, Deutschland
Flusssystem Rhein
Abfluss über Regnitz → Main → Rhein → Nordsee
Quelle In Kleingeschaidt
49° 33′ 25″ N, 11° 10′ 32″ O
Quellhöhe ca. 405 m ü. NN
Mündung Nahe Eltersdorf in die RegnitzKoordinaten: 49° 32′ 35″ N, 10° 58′ 39″ O
49° 32′ 35″ N, 10° 58′ 39″ O
Mündungshöhe 278 m ü. NN
Höhenunterschied ca. 127 m
Länge ca. 20 km
Einzugsgebiet 99,2 km²[1]

Abfluss am Pegel
(35,3 % des Einzugsgebiets)[2]
NNQ
MNQ
MQ
MHQ
HHQ (1995)
8 l/s
41 l/s
259 l/s
4,67 m³/s
8,06 m³/s

Die Gründlach ist ein rechtsseitiger Zufluss der Regnitz in Mittelfranken (Bayern) und ein Gewässer II. Ordnung.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründlach entspringt in Kleingeschaidt, fließt durch das gemeindefreie Gebiet Geschaidt und anschließend durch Heroldsberg, wo sie am Wasserwerk mit dem von Kalchreuth kommenden Bosenbach zusammenkommt. Am südlichen Ortsrand fließt die bei Günthersbühl (Stadt Lauf an der Pegnitz) auf ca. 420 m ü. NN (49° 32′ 7″ N, 11° 12′ 54″ O) entspringende Simmelberger Gründlach zu und die Gründlach unterquert die Gräfenbergbahn. Ab dort bildet sie die Grenze zwischen Heroldsberg und Geschaidt, später zwischen dem Kalchreuther Forst und Geschaidt. Im Sebalder Reichswald durchquert sie die gemeindefreien Gebiete Kraftshofer Forst, in dem der Verlauf des Baches sehr windungsreich ist, und Neunhofer Forst.

Nach der Unterquerung der A 3 erreicht die Gründlach Nürnberger Stadtgebiet. Hier kann es im Herbst und im Frühjahr zu Überschwemmungen der Landstraße nach Kalchreuth kommen. Kurz nachdem sie den Wald verlässt, wird südlich der „Lachgraben“ abgezweigt, welcher Neunhof am Nordrand passiert. Der Kothbrunngraben, welcher östlich von Buchenbühl entspringt, fließt bei Boxdorf zu. Bei Großgründlach fließt der Gründlach der Nonnengraben zu. Danach durchquert sie Kleingründlach und mündet schließlich nach etwa 20 km nahe Eltersdorf in die Regnitz.

Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bosenbach (rechts)
  • Simmelberger Gründlach (links)
  • Gockerlersbr. Graben (rechts)
  • Nonnengraben (rechts)
  • Kothbrunngraben (links)
  • Weidengraben (rechts)
  • Schwalbenzahlgraben (links)
  • Bucher Landgraben - Hirschsprunggraben (links)
Typische Mäanderbildung des Gründelbachs

Morphologischer Flusstyp[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige regulierte Abschnitte im Bereich von Ortschaften mit insgesamt nur geringem Anteil an der Gesamtlänge ausgenommen, fließt die Gründlach überwiegend in freien Windungen im eigenen Schwemmland (Alluvion). Das Fließgewässer weist nur einen Hauptarm auf, dessen Seitenentwicklung in der alluvialen Überschwemmungsfläche zu Erosion an den konkaven Steilufern (Prallhang) und Ablagerung (Akkumulation) an den konvexen Bänken der Innenufer (Gleitufer) führt. Die Naturabschnitte zeichnen sich durch einen hohen Totholzanteil aus.

Abflussregime[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründlach weist ein komplexes Abflussregime auf. Die mittlere Abflusskurve zeigt einen mehrgipfeligen Jahresverlauf und entspricht dem Regen-Schnee-Regime (pluvio-nivales Regime). Die Wasserführung des Gewässers wird durch Regen und Schneeschmelze bestimmt.[3][4]

Gewässergüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturnaher, totholzgeprägter Fließgewässerabschnitt der Gründlach nördlich von Boxdorf (Nürnberg)

Biologische Gewässergüte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die biologische Gewässergüte des Fließgewässers auf Grundlage des Saprobiensystems ist im Oberlauf bis östlich zur Autobahn A3 mit der Güteklasse II bewertet. Die Gründlach weist in dem waldgeprägten Abschnitt nur mäßige Belastungen auf. Dies entspricht dem guten Zustand nach der europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Im Nürnberger Stadtgebiet, westlich der A3 dominiert aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung im Umfeld des Gewässers die Güteklasse II–III (mäßigen Zustand gemäß WRRL).

Die Gewässergüte hat sich seit 1974 kontinuierlich verbessert. In der Vergangenheit erfolgten in sommerlichen Trockenperioden unzulässige Entnahmen von Wasser bei niedrigem Wasserstand aus der Gründlach. Im Zuge der Beileitung von Beregnungswasser für die Landwirtschaft aus der Rednitz (Überleitung von Altmühl und Donau) durch den Wasserverband Knoblauchsland waren diese Entnahmen nicht mehr notwendig.[5][6]

Chemischer Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründlach befindet sich im Oberlauf bis zur A 3 in einem guten chemischer Zustand nach WRRL. Das Fließgewässer und der Grundwasserkörper weist infolge der intensiven landwirtschaftlichen Bodennutzung im Nürnberger Stadtgebiet hingegen eine sehr hohe Nitratbelastung von über 50 mg/l auf. Daher wird der chemischen Zustand als schlecht klassifiziert.[5] Der mit dem intensiven Gemüseanbau und Ackerbau verbundenen Stickstoffüberschuss aus Wirtschaftsdünger und Mineraldünger führt in Verbindung mit den sehr leicht durchlässigen Sandböden des Knoblauchslandes zu stärkeren Grundwasserbelastungen.

Ökologischer Zustand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ökologische Zustand wird im Oberlauf der Gründlach als mäßig eingestuft und im Unterlauf nur unbefriedigend bewertet. Der ökologische Zustand eines Fließgewässer gemäß WRRL vergleicht die im Wasser lebenden Organismen mit dem Bestand, welcher natürlicherweise vorkommen würde. Da die gewässerbezogenen Lebensgemeinschaften (Makrozoobenthos, Phytobenthos, Phytoplankton und Fische) alle anthropogenen Einflussfaktoren und Störgrößen wiedergeben, eignet sich diese Klassifizierung für biologische Qualitätskomponenten des Gewässers. Im Unterlauf sind die am Gewässerboden lebenden wirbellosen Tiere (Makrozoobenthos) und die am Gewässerboden anhaftenden Algen (Phytobenthos) in einem unbefriedigenden Zustand. Die Wasserpflanzen und Aufwuchsalgen stellen Zeigerpflanzen für Nährstoffbelastungen dar. Auch die Fischfauna wird im gesamten Gewässerverlauf nur als mäßig bewertet.[5]

Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) ist die Herstellung des guten oder sehr guten ökologischen Zustands natürlicher Fließgewässer.

Geotop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa einen Kilometer westlich von Heroldsberg ist der Flusslauf als Geotop 572R002 [7] vom Bayerischen Landesamt für Umwelt ausgewiesen. Der Gründelbach mäandert hier über eine längere, unverbaute Strecke und bildet dabei zahlreiche Gleit- und Prallhänge aus.

Fauna und Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischfauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründlach und der Lachgraben bietet Kleinfischen wie Elritze (Phoxinus phoxinus), Moderlieschen (Leucaspius delineatus) und Stichlingen (Gasterosteidae) geeignete Lebensräume.[8]

Biber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geschützte Biber (Castor fiber) kommt an den Gründlachauen im Nürnberger Stadtgebiet vor und bedingt durch seine Dammbauwerke lokale Überschwemmungen. Die Weichholzauen und weit verzweigten Nebengewässer der Gründlach bieten ideale Lebensraumbedingungen für den Nager, der bis Mitte des 20. Jahrhunderts an dem Fließgewässer bereits ausgestorben war. Im Jahr 1970 wurden vier aus Schweden stammende Biber nördlich von Nürnberg an der Gründlach im Sebalder Reichswald wiederangesiedelt.[9][8]

Avifauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steilufer der Gründlach bieten dem Eisvogel (Alcedo atthis) wasserfreie Nistmöglichkeiten. Das gute Angebot an Kleinfischen und Sitzwarten komplettiert die erforderlichen Habitatstrukturen für den farbenprächtigen Leitvogel der Fließgewässer. In den Gründlachauen ist die gefährdete Wasserralle (Rallus aquaticus) beheimatet.[8]

Ausgedehnte Wiesenkomplexe der Grünlachauen bei Neunhof - das Landschaftsschutzgebiet Gründlachtal-Ost ist Lebensraum zahlreicher Wiesenbrüter

Die Grünlachauen im Nürnberger Stadtgebiet, östlich der Erlangener Straße und westlich und südlich von Großgründlach stellen Lebensräume von Wiesen- und Bodenbrütern wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Feldlerche (Alauda arvensis) und Schafstelze (Motacilla flava) dar.[10]

Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf den durch Grund- und Hochwasser geprägten Standorten entlang der Gründlach, östlich der A 3 entwickelten sich blütenreiche Feucht- und Nasswiesen sowie Galeriewälder bestehend aus Weichholzauen.[8]

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gründlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hochwasser-Aktionsplan Main
  2. Bayerischer Hochwassernachrichtendienst (Stand: 6. September 2011)
  3. Hochwassernachrichtendienst Bayern: Abfluss Frauenkreuz / Gründlach. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), abgerufen am 9. Februar 2018.
  4. Etwas Hydrogeographie Mitteleuropas. Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Geomorphologie, abgerufen am 9. Februar 2018.
  5. a b c Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Arif Tasdelen SPD vom 02.03.2017. Bayerischer Landtag, 30. Mai 2017, abgerufen am 9. Februar 2018.
  6. Zustand kleiner Fließgewässer in Nürnberg. Stadt Nürnberg, Stadtentwässerung und Umweltanalytik, 2006, abgerufen am 8. Februar 2018.
  7. Geotop: Gründlach östlich Heroldsberg (572R002) (Abgerufen am 4. März 2014)
  8. a b c d Nürnbergs Landschaftsschätze - Natur vor der Haustür. VGN, Umweltamt der Stadt Nürnberg, Juli 2017, abgerufen am 13. Februar 2018.
  9. Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern Stadt Nürnberg. Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, März 1996, abgerufen am 5. September 2017.
  10. Nadja Danner, Sarah Grünfelder: Lebensraum und Brutpaare*. Stadt Nürnberg, Umweltamt, 7. April 2017, abgerufen am 10. Februar 2018.
  11. Grüne Liste der Landschaftsschutzgebiete in Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU), 15. Juli 2016, abgerufen am 6. August 2017.
  12. Gebietsdaten NATURA 2000: Gebiets-Nr. 6533-471 Gebietsname Nürnberger Reichswald. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), abgerufen am 6. August 2017.
  13. Steckbriefe der Natura 2000 Gebiete 6432-371 Irrhain (FFH-Gebiet). Bundesamt für Naturschutz (BfN), April 2015, abgerufen am 6. August 2017.