Kleingründlach

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Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 31′ 38″ N, 11° 0′ 30″ O
Höhe: 302 m ü. NN
Postleitzahl: 90427
Vorwahl: 0911
Karte
Lage der Gemarkung 3426 Großgründlach in Nürnberg
Blick vom Schwemmweiher in Kleingründlach auf das Schloss und die Kirche St. Lorenz in Großgründlach

Kleingründlach ist ein Stadtteil von Nürnberg und liegt nahe der Grenze zum Fürther und zum Erlanger Stadtgebiet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es befindet sich zwischen dem Nachbarstadtteil Großgründlach und der Anschlussstelle Eltersdorf der Autobahn A 73 („Frankenschnellweg“). Die Bahnstrecke Nürnberg–Bamberg führt durch den Stadtteil und hatte dort bis 1991 einen Haltepunkt.

Topographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleingründlach weist eine geringe Reliefenergie auf. Das Gelände fällt in nordwestliche Richtung sanft ab. Westlich des Frankenschnellwegs (BAB A73) liegt mit einer Höhe von 283 Meter über Normalnull der tiefste Punkt von Nürnberg und Kleingründlach.[1]

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die flache Keuperlandschaft von Kleingründlach liegt in der naturräumlichen Haupteinheit Fränkisches Keuper-Lias-Land und der Naturraum-Einheit Mittelfränkisches Becken.[2] Im Arten- und Biotopschutzprogramm der Stadt Nürnberg wurden weitere naturräumliche Untereinheiten gebildet. Der Ortsteil befindet sich in der Naturraum-Untereinheit Knoblauchsland.[1]

Fließgewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname stammt vom Regnitz-Nebenfluss Gründlach, der den Ort durchfließt. An der Gründlach liegen die Mittel- und die Obermühle.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landschaftsraum von Kleingründlach wird bestimmt durch quartäre Tallfüllungen der Gründlach und ihrer Nebengewässer. Zudem treten pleistozäne, kiesige Flussschotter hinzu. Eingebettet ist das Auesystem in die Keuperlandschaft des nördlichen Knoblauchslandes, in welcher Blasensandstein zutage tritt.[3]

Auf den grundwasserbeeinflussten Standorten entlang der Fließgewässer haben sich Gleyeböden entwickelt. Im Bereich des Blasensandsteins kommen Braunerdeböden vor.[4]

Fauna und Flora[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teichkomplex[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick über den Mühlweiher in Kleingründlach in Richtung Großgründlach

Der südlich von Kleingründlach befindliche Teichkomplex ist aus naturschutzfachlicher Sicht überregional bedeutsam. Der Biotopkomplex besteht aus Mühlweiher, Schwemmweiher und einigen kleineren Teichen, wobei der Mühlweiher einer der ökologisch wertvollsten kleinen Stillgewässer in Nürnberg ist. Ein ausgedehnter Röhrichtbestand am Mühlweiher bietet einigen Wasservögeln geeignete Brutplätze und er stellt ein wichtiges Laichgewässer für eine Reihe von Amphibienarten wie Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), Grasfrosch (Rana temporaria) und Erdkröte (Bufo bufo-Komplex) dar. Schwalben bieten die Röhrichtbestände des Weihers geeignete Schlafplätze während der Zugzeit. Der Schwemmweiher wird vom Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), einer streng geschützten Fledermausart im Frühjahr und Herbst als Rast- und Durchzugsgebiet genutzt.[1]

Nasswiesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleingründlach weist bereichsweise hohe Grundwasserstände auf. Auf diesen feuchten Standorten haben sich wertvolle und überregional bedeutsame Nasswiesen entwickelt, welche Bestände der gefährdeten Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) und der Kurzflügeligen Beißschrecke (Metrioptera brachyptera) beherbergen. Seltene Pflanzenarten wie Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und Wasser-Kreuzkraut (Jacobaea aquatica) kommen auf den Feucht- und Nasswiesen vor.[1][5]

Offenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stöckelwiesen in Kleingründlach

Die kleinräumige landwirtschaftliche Nutzung der Offenlandschaften um Kleingründlach hat geeignete Lebensräume für eine Reihe von bodenbrütenden Vogelarten wie Kiebitz (Vanellus vanellus), Feldlerche (Alauda arvensis) und Rebhuhn (Perdix perdix) geschaffen.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1351 wurde der Rodungsort erstmals urkundlich erwähnt. Anfangs war der Ort ein Weiler bestehend aus drei Höfen und der Mittelmühle, die Gebäude mit den landwirtschaftlich genutzten Flächen unterstanden Nürnberger Grundherren. Die Reichsstadt Nürnberg übte das Hochgericht aus.

Kleingründlach war politisch eigenständig bis zur Eingemeindung im Jahre 1811 nach Eltersdorf. Nach Großgründlach wurde der Orte 1912 eingegliedert. Im Rahmen der Gemeindegebietsreform im Jahre 1972 wurde der Ortsteil mit Großgründlich aus dem Landkreis Fürth ausgegliedert und kam zur Stadt Nürnberg.[7]

Südlich der Kleingründlacher Straße sind umfangreiche Überreste einer frühneuzeitlichen Straße im Zuge von Kanalbauarbeiten im Jahre 2016 gefunden worden.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obermühle und Mühlweiher in Kleingründlach (Sandsteinbau, linkes Gebäude)

Am südlichen Ortseingang befindet sich westlich der Kleingründlacher Straße eine alte, unter Denkmalschutz stehende Wassermühle mit dazugehörigem Mühlweiher. Die so genannte Obermühle ist ein stattlicher, zweigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Satteldach und stammt im Kern aus dem 17. Jahrhundert.[9][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleingründlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d WGF Landschaft: Grundlagenermittlung im Gründlachtal: Recherche, Auswertung und Zusammenführung der Datengrundlagen. Stadt Nürnberg, Umweltamt, Juli 2017, abgerufen am 11. März 2018.
  2. Karte der Naturraum-Haupteinheiten und Naturraum-Einheiten in Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. März 2018.
  3. UmweltAtlas Bayern Geologie. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 11. März 2018.
  4. BayernAtlas: Übersichtsbodenkarte von Bayern 1:25.000. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische Vermessungsverwaltung, abgerufen am 11. März 2018.
  5. Nürnbergs Landschaftsschätze. VAG, Juni 2017, abgerufen am 11. März 2018.
  6. Erfassung von bodenbrütenden Vogelarten in Nürnberg. Stadt Nürnberg, Umweltamt, November 2017, abgerufen am 11. März 2018.
  7. Michael Diefenbacher,‎ Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2. Auflage. Tümmel Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 978-3-921590-69-0, S. 545.
  8. Neubau einer Kanalisation - Unterbrechung der Bauarbeiten aufgrund archäologischer Funde bis Frühjahr 2017. Stadt Nürnberg, SUN, September 2016, abgerufen am 7. August 2018.
  9. Bayerischer Denkmalatlas. Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, abgerufen am 11. März 2018.
  10. Bayerische Denkmalliste Nürnberg. Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, 14. Februar 2018, abgerufen am 11. März 2018.