Platen (pommersches Adelsgeschlecht)

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Stammwappen der Herren und Grafen von Platen

Die Herren und Grafen von Platen sind ein altes pommersches Adelsgeschlecht von Rügen, das 1252 erstmals urkundlich mit dominus Otto, advocatus des Fürsten Jaromar II. von Rügen (1255 auch Otto cum plata genannt) erscheint. Die Stammreihe beginnt um 1396 mit Hennig von Platen.[1] Die ältere Linie ist in Schweden reichssässig. Es gibt auch einen dänischen Zweig.

Die jüngere Linie, die Grafen von Platen-Hallermund, zählte zu den standesherrlichen Familien und führte somit von 1829 bis 1919 das Prädikat Erlaucht. Sie zählt seit 1709 zum Hochadel. Sie wurde mit dem Kurfürstlich-hannoverschen Generalpostmeister, Geheimrat und Oberhofmeister Franz Ernst Freiherr von Platen, Herr auf Schloss Linden, am 20. Juli 1689 (Wiener Diplom) in den Grafenstand erhoben, allerdings mit Primogenitur Beschränkung auf den ältesten Sohn und die älteste Tochter. 1704 erwarb dieser Zweig der Familie die reichsfreie Grafschaft Hallermund und wurde deshalb am 7. August 1709 in das Niederrheinisch-Westfälische Reichsgrafenkollegium aufgenommen.[2] Allerdings, wie im Hofkalender (Gotha) von 1917 fest-gehalten wurde, als Personalisten, was einen diskreten Hinweis darauf bedeutet, dass man das betreffende Territorium nicht für ganz ausreichend für einen Reichsstand erachtete.

Die Familie von Platen (Rügen-Pommern) ist nicht zu verwechseln mit der mit ihr nicht verwandten Familie von Platen (brandenburgisches Adelsgeschlecht) anderen Wappens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Granza von Platen erbaute um 1170 das heutige Gutshaus Granskevitz im Ortsteil Granskevitz (Schaprode) als Stammburg der Familie von Platen. Bis 1945 war das Gut in Familienbesitz, erst unter den von Platen, später dann - durch Heirat der Tochter Margarete von Platen - unter dem Namen von Schultz. Das Gut wurde 1991 durch die von Karl von Schultz 1910 gegründete Nordsaat Saatzucht GmbH zurückerworben.

Der heute am Ortseingang von Schaprode befindliche Denkstein von 1368, „Mordwange“ genannt, soll vermutlich an den hier erschlagenen Knappen Reimar oder Reinwart von Platen und seine Söhne erinnern, die aus unbekannten Gründen erschlagen wurden.

1418´kam das Gut Rheinsberg in den Besitz der Familie von Platen. Medeyo von Platen verpfändete urkundlich 1418 zwei Anteile an dem Hause, der Stadt und dem Lande Rheinsberg an Claus Lüderitz und Achim von Arnim; 1444 den Rest an Hans von Restorf. 1424 ist Achim Platen der Inhaber der Herrschaft Rheinsberg. Nach dem Tod von Joachim von Platen im Jahr 1464 heiratete seine Tochter Anna von Platen Berend von Bredow, der im folgenden Jahr von den Grafen Johann und Jacob von Lindow mit dem Hause, der Stadt und dem Lande Rheinsberg belehnt wurde.

Georg von Platen ließ auf dem 1486 erstmals erwähnten Rittergut Venz (bei Trent auf Rügen) am Ende des 16. Jahrhunderts ein Herrenhaus errichten, das am Ende des 17. Jahrhunderts seine heutige Gestalt erhielt. Jürgen von Platen auf Granskevitz hatte den Hof 1583 durch Tausch erworben. Nach 1608 erbaute die Familie das Herrenhaus Zubzow (bei Trent auf Rügen). Das Gut Lipsitz bei Bergen auf Rügen war von 1730 bis 1829 im Familienbesitz. Auch Krimvitz befand sich zeitweise im Besitz der Platen. Um 1800 erbauen sie das Herrenhaus Silenz (in Kluis). In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut die Familie den Poggenhof in Schaprode auf Rügen. Das Herrenhaus Reischvitz (in Parchtitz) besaß die Familie von Platen in der Zeit 1783 bis 1945 und wieder seit 1992. Nach der Wende sind Bogislav und Margarethe von Platen aus dem Westen zurückgekehrt und haben ihr Familiengut zurückgekauft.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Silber zwei einander zugekehrte schwarze Tierköpfe mit jeweils hängendem schwarzem Flügel. Die Köpfe werden in der heraldischen Literatur meist Meerkatzen[3] oder seltener Katzen,[4] zum Teil auch keiner bestimmten Tiergruppe zugeordnet. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken stehen aus einem Kranz von schwarz-silbernen Rosen hervorgehend drei (silber-schwarz-silber) Straußenfedern.

Personen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erasmus von Platen, (* 5. März 1590; † 15. März 1663), Feldoberst unter Gustav Adolf, von Ferdinand III. in den Freiherrenstand erhoben, heiratet in dritter Ehe Margaretha Katharina von Alvensleben (* 1610; † 1670), älteste Tochter des Gebhard Johann I. von Alvensleben, Herr auf Erxleben.
    • Schloss Linden, Hannover (im Von-Alten-Garten, 1912; zerstört 1945)
      Freiherr Franz Ernst von Platen (* 1631; † 1709) Mit ihm kam das auf Granskevitz ansässige rügensche Geschlecht ins Land und in die Dienste des Hauses Braunschweig-Lüneburg. Seit 1673 verheiratet mit Clara Elisabeth von Meysenbug (* 1648; † 1700 auf Schloss Monbrillant in Hannover); die Gräfin war die Mätresse des Kurfürsten Ernst August von Hannover und vermutlich die Drahtzieherin in der Königsmarck-Affäre, der Ermordung des Grafen Philipp Christoph von Königsmarck 1694 in Hannover. 1688 pachtete Franz Ernst von der Familie von Alten das Rittergut Linden bei Hannover und errichtete dort 1692 ein neues Barockschloss; 1689 wurde er in den Grafenstand erhoben und zugleich Premierminister im Dienste des Herzogs/Kurfürsten Ernst August. 1704 belehnte dessen Sohn, Kurfürst Georg Ludwig, ihn mit der Grafschaft Hallermund.
      • Graf Ernst August von Platen-Hallermund (* 3. August 1674 in Iburg; † 20. September 1726 in Hannover), verheiratet mit Sophia Caroline Eva Antoinette von Offen[5] (* 2. November 1669; † 1726), Tochter des Generalleutnants Jobst Moritz von Offen. Graf Ernst August war Erbherr auf Linden, General-Erb-Postmeister, Oberkammerherr, Wirklicher Geheimer Rat, Oberhauptmann und Drost zu Grohnde u. Ohsen, 1709 Reichsgraf.[6] Sein Sohn:
        • Gut Weißenhaus, Holstein (2005 verkauft)
          Graf Georg Ludwig von Platen-Hallermund (* 14. Februar 1704; † 18. Juli 1772) studierte in Halle/Saale, wurde Oberst über ein Regiment zu Pferde in kurfürstlich-hannoverschen Diensten, zugleich General-Erbpostmeister und Kammerherr und nahm als Generalleutnant seinen Abschied. 1736 verkaufte er das Erb-Postmeisteramt an den hannoverschen Kurfürsten und britischen König Georg II. Für den Erlös erwarb er 1739 und 1740 die holsteinischen Güter Weißenhaus, Futterkamp, Putlos und Barden. Daneben besaß er noch die Herrschaften Stöcken und Linden bei Hannover. Er heiratete 1. Friederike Baronesse de Lorraine gen. Beauvernois und 2. Sabine Hedwig von Steuben (* 15. Apri 1715; † 12. November 1796; Tochter von Christoph Liborius von Steuben (* 1668; † 1738; Herr auf Schnaditz) und Sabina von Geusau (* 1681; † 1761)). Mit Letzterer hatte er vier Töchter und acht Söhne, u. a.:
          • Graf Ernst Franz von Platen-Hallermund (* 1739; † 1818) war kurpfälzischer Geheimrat und braunschweigisch-lüneburgischer General-Erbpostmeister zu Linden und betrieb daneben astronomische Studien. Nach dem Tod seines älteren Bruders wurde der zweitgeborene Ernst Franz, Herr auf Schloss Weissenhaus und Alleinerbe der Platenschen Besitzungen. 1816 verkaufte er Linden an die Altens zurück. Ernst Franz heiratete Friederike Luise (Philippine) Freiin von Münster (1757–1841). Ihr Sohn:
            • Graf Georg Wilhelm Friedrich von Platen Hallermund (* 1785 in Linden; † 1873 in Weißenhaus) heiratete 1809 in Linden Gräfin Julie Marianne Charlotte von Hardenberg (* 1788 in Celle; † 1833 in Weißenhaus). Nach Julies Tod ließ er ihr auf Gut Weißenhaus von Laves ein neugotisches, gusseisernes Denkmal errichten. 1862 erwarb er Schloss Königsbrück bei Melle im Osnabrücker Land. Sein Sohn:
              • Graf Karl Ernst Felix von Platen Hallermund (* 3. August 1810 in Marseille; † 9. November 1887) heiratete: ∞ 1. Mathilde Gräfin Pace (* 1815; † 1850); ∞ 2. Louise Freiin von Hollen (* 1833; † 1895). Insgesamt hatte Graf Karl 23 eheliche Nachkommen, von denen bis auf zwei Töchter alle das Erwachsenenalter erreichten. Neun seiner elf Söhne gründeten wiederum eigene Familien, u. a.:
              • Graf Adolf von Platen-Hallermund (* 1814; † 1889) lebte in Holstein und war seit Juli 1855 Auswärtiger Minister Georgs V. von Hannover. Noch im Mai 1866 sprach er sich für die Notwendigkeit einer hannoverschen Neutralität aus, wandte sich dann aber Österreich zu und lehnte am 15. Juni das preußische Ultimatum ab. Er begleitete Georg V. nach Hietzing und stand seitdem im Mittelpunkt der von dort aus betriebenen antipreußischen Agitation. Hauptsächlich in der Angelegenheit der Welfenlegion hatte sich Platen so kompromittiert, dass ihm seitens der preußischen Regierung der Prozess wegen Hochverrats gemacht wurde und seine Verurteilung in contumaciam (in Abwesenheit) erfolgte.
              • Graf Julius von Platen-Hallermund (* 1816; † 1889) war sein jüngerer Bruder. Oberstleutnant a.D. und zu königlich hannoverschen Zeiten königlicher Oberschenk sowie Generalintendant des Hoftheaters und Hoforchesters. Er wurde 1867 Intendant des Hoftheaters und der königlichen Kapelle in Dresden.
          • Graf August von Platen-Hallermünde (1796–1835), Dichter
            Graf Philipp August von Platen-Hallermund (* 22. Juni 1748; † 8. Juni 1831) war Leutnant in hannoverschen Diensten, dann Ansbacher Oberforstmeister
  • Hans Friedrich von Platen (* 1668; † 1743), war ein königlich-preußischer General der Kavallerie und stammte aus Sagard auf Rügen.
    • Dubislaw von Platen (1714–1787), Sohn des Hans Friedrich, königlich preußischer General der Kavallerie, Gouverneur von Königsberg sowie Ritter des Johanniterordens und Träger des Schwarzen Adlerordens.
    • Leopold Johann von Platen (1726–1780) war dessen jüngerer Bruder und Chef des Dragonerregiments Jung-Platen.
  • Bernhard Ludwig von Platen (* um 1733; † 1774), Offizier und dann als Kolonist der erste wolgadeutsche Dichter.
  • Gottlieb Wilhelm Graf von Platen, der tolle Platen (* 1765 auf dem Gut Krimvitz (Putbus) auf Rügen). Er war bekannt für seine waghalsigen Reiterkunststücke und Held unzähliger Anekdoten aus den Freiheitskriegen. 1807 als Rittmeister im Dragonerregiment von Auer erwarb er bei einem Angriff auf französische Kürassiere in der Schlacht von Heilsberg den Orden pour le merite. 1810 wurde er wegen eines Duells zu den Litthauischen Dragonern versetzt. Im Gefecht bei Möckern am 5. April 1813 wurde er, verwundet, von seinem Trompeter gerettet.[7][8]

Weitere bekannte Namensträger[11]

Epitaph Balthasar von Platens (1642–1716) in der St. Johanneskirche (Schaprode)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band X, Band 119 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1999, ISSN 0435-2408
  • Carl Gustav von Platen: Geschichte des Geschlechtes von Platen in 3 Bänden
    • 1: Geschichte und Genealogie des Rügenschen Geschlechtes von Platen vom 12. - 16. Jahrhundert sowie Gesamt-Geschichte des Prignitzer <Märk.> Geschlechtes v. Platen
    • 2: Lebensläufe und Stammtafeln der jüngeren Platen-Linien
    • 3: Lebensbilder aus alter und neuer Zeit (Erinnerung und Bewährung)
  • Der Berliner Hochverrathsproceß gegen den königlich hannöverschen Staats-Minister Grafen Adolf von Platen zu Hallermund: Mit den staatsrechtlichen Gutachten der Herren St.-R. Zachariae und R.-R. Neumann. [Onno Klopp]. München: Weiß, 1868, Digitalisat
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1903. Vierter Jahrgang. S.683ff
  • Hofkalender (Gotha)1917, II. Abteilung, S.178

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Grafen von Platen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Genealogisches Handbuch des Adels Band Fü I, Seite 294, C.A. Starke-Verlag, Glücksburg, 1951
  2. Genealog. Handbuch, aaO
  3. Julius Theodor Bagmihl: Pommersches Wappenbuch. Bd. 3, Stettin 1847, S. 142. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Martin Carl Wilhelm von Wölckern auf Kalchreuth: Beschreibungen aller Wappen der fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adelichen jeztlebenden Familien im Königreich Baiern. Teil 1, Nürnberg 1821, S. 214. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. die historische Schreibweise von Offeln führt teilweise in der Literatur zur Verwechslung mit von Uffeln
  6. Stammbaum - Ahnenforschung in Kur-Hannover (Memento vom 8. Oktober 2007 im Internet Archive) In: stammbaum-ahnenforschung.de
  7. Friedrich Christoph Förster: Geschichte der Befreiungs-Kriege 1813, 1814, 1815. G. Hempel, 1864, S. 209. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  8. Siehe auch Bernhard von PotenPlaten, Gottlieb Wilhelm Graf von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 26, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 256 f.
  9. Nordisk familjebok / Uggleupplagan. 21. Papua - Posselt 1915, S. 1029–1030
  10. Nordisk familjebok / 1800-talsutgåvan. 12. Nådemedlen - Pontifikat 1888, S. 1365–1366.
  11. Genealogisches Handbuch des Adels, Band A XIII, Seiten 398 ff, C.A. Starke-Verlag, Limburg, 1975
  12. Nobilitatis status: od. der edle und löbliche Adel-Stand: XX . de Platen, 1727
  13. lexikus.de: Chronik der Stadt Wolgast: Von der Nahrung und dem Gewerbe der Einwohner der Stadt Wolgast - Von den Predigern in Wolgast, [hier Todesjahr 1715 statt 1716]
  14. Kreis Segeberg: Karl Graf von Platen-Hallermund, Landrat in Segeberg von 1892-1901
  15. Wer ist wer?: Das Deutsche who's who, Band 3, Arani, 1908, S. 1051. (eingeschränkte Vorschau bei Google Book Search).