Hafnarfjörður

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Stadt Hafnarfjörður
(Hafnarfjarðarkaupstaður)
Hafnarfjörður Coat of Arms.svg
Basisdaten
Staat: IslandIsland Island
Region: Höfuðborgarsvæðið
Wahlkreis: Suðvesturkjördæmi
Sýsla: kreisfrei
Einwohnerzahl: 29.799 (1. Januar 2019)
Fläche: 143 km²
Bevölkerungsdichte: 208,38 Einwohner/km²
Postleitzahl: 220, 221, 222
Politik
Gemeindenummer 1400
Bürgermeister: Haraldur Líndal Haraldsson
Kontakt
Adresse der Gemeindeverwaltung: Ráðhúsi Hafnarfjarðar
Strandgötu 6
220 Hafnarfirði
Website: www.hafnarfjordur.is
Karte
Lage von Stadt Hafnarfjörður

Koordinaten: 64° 4′ 0″ N, 21° 57′ 0″ W

Hafnarfjörður ['hapnarˌfjœrðʏr] (dt. „Hafenfjord“) (ndt. „Hannenfjord“) ist eine isländische Stadt in der Region Höfuðborgarsvæðið im Südwesten Islands.

Am 1. Januar 2019 hatte die im südlichen Bereich des Ballungsraums um die Hauptstadt Reykjavík liegende Stadt 29.799 Einwohner.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafnarfjörður vom Hafen aus gesehen

Das Gemeindegebiet Hafnarfjörðurs besteht aus zwei nicht zusammenhängenden Gebieten. Das Gebiet mit der Stadt Hafnarfjörður selbst grenzt im Westen an Sveitarfélagið Vogar, im Norden und Osten an Garðabær und im Süden an Grindavíkurbær. Im Südosten dieses Gebiets liegt der Berg Helgafell. Am Stadtrand befindet sich am See Hvaleyrarvatn das 32 ha große Waldgebiet Höfðaskógur.[1]

Das weiter südlich liegende Gebiet um Krýsuvík befindet sich südsüdwestlich des Sees Kleifarvatn, es ist von der Gemeinde Grindavíkurbær umschlossen.

Die Stadt Hafnarfjörður liegt an der Küste des gleichnamigen Fjords. Kleinere Seen auf dem Gemeindegebiet sind der Ástjörn und der Hvaleyrarvatn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dank der günstigen Lage an einem Naturhafen hat die Stadt eine lange Besiedelungsgeschichte zu verzeichnen. Sie findet schon im Landnámabók Erwähnung. Im Mittelalter war sie Zankapfel zwischen den Engländern, deren Schiffe den Ort erstmals 1418 anliefen. Hafnarfjörður wurde 1391 erstmals in einer deutschen Urkunde erwähnt und 1486 zum ersten Mal als Handelsplatz von Hamburger Hansekaufleuten genannt.[2] Kaufleute der deutschen Hanse, die ungefähr ab 1500 hier vermehrt aktiv waren, machten den Ort zum wichtigsten Handelsplatz der Hanse auf Island.[3] Hafnarfjörður wurde wie Bergen in Norwegen eine offizielle Hansestadt und gehört auch heute noch – wie Stykkishólmur im Westen Islands – der Neuen Hanse, der Interessengemeinschaft der ehemaligen Hansestädte, an.[4] Auch die Dänen erkannten und nutzten die günstige Lage und den Hafen für den Im- und Export. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts war der Fischfang der wichtigste Erwerbszweig.

1890 war Hafnarfjörður mit 616 Einwohnern eine der größten Ortschaften Islands, so dass erwogen wurde, den Ort offiziell als "Stadt" anzuerkennen.[5] Am 1. Juni 1908 wurde Hafnarfjörður als fünftem Ort auf Island das Stadtrecht verliehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hafnarfjörður 1 400 Einwohner. Erst nachdem Hafnarfjörður Stadtrecht bekommen hatte, begann man 1909 mit den Planungen und dem Bau einer Kirche, vorher musste man zum Gottesdienst ins benachbarte Garðabær gehen oder reiten. Als die Hafnarfjarðarkirkja 1914 eingeweiht wurde, war sie so groß, dass ein Drittel aller Einwohner der Stadt in ihr Platz fand.[6] 1920 lag die Einwohnerzahl der Stadt bei 2 366, 1940 bei 3 686, 1960 bei 7 160 und 1980 bei 12 312.[7] Heute ist es nach Reykjavík und Kópavogur die drittgrößte Stadt des Landes.

Zwei Kriminalfälle, die in Island großes Aufsehen erregt haben, stehen mit Hafnarfjörður in Verbindung: Der Fall Guðmundur und Geirfinnur und der Fall Birna Brjánsdóttir.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der alte Leuchtturm ist das Wahrzeichen von Hafnarfjörður
Hafnarfjarðarkirkja und die Musikschule
Lagerhaus Pakkhúsiđ (li., 1865) und ältestes Haus der Stadt (re., 1803)
Fjörukráin

Im Stadtzentrum fallen die vielen Lavahügel auf, um die man sorgsam herumgebaut hat. Hafnarfjörður gilt nämlich als ein Zentrum des Elfenglaubens, dem Umfrageergebnissen zufolge viele Isländer anhängen. Sie sind davon überzeugt, dass diese Lavahügel von Elfen bewohnt seien, deren Behausungen es zu schützen gelte. Erla Stefánsdóttir hat einen Stadtplan von Hafnarfjörður entworfen, in dem die vermuteten Wohnungen der Elfen, Trolle, Zwerge und von anderem verborgenem Volk (Huldufólk) eingezeichnet sind. Besonders viele dieser Lavafelsen und -hügel sind in dem Park Hellisgerði zu sehen, in dem auch die nördlichsten Bonsaibäume der Erde wachsen.[8]

In der Vesturgata ist das Pakkhúsið beachtenswert, ein altes Lagerhaus von 1865, in dem sich heute das Schifffahrtsmuseum der Stadt befindet. Daneben steht das Sívertsenshús, das älteste noch erhaltene Haus der Stadt, das 1803 erbaut wurde.[9] In der Strandgata und Fjarðargata sind ebenfalls noch einige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Auch das Kunst- und Kulturzentrum Hafnarborg am Hafen, in dem Ausstellungen und Konzerte stattfinden, ist weit über die Grenzen Hafnarfjörðurs bekannt.[10]

Unweit südlich des Stadtzentrums erhebt sich die 1993 erbaute St. Josefskirche (Sankti Jósefskirkja), die Pfarrkirche der 1925 zusammen mit einem Krankenhaus gegründeten katholischen Gemeinde, eine der wenigen katholischen Kirchen Islands.[11] In der Nähe steht das 1939 gegründete Karmelklaustur, das einzige katholische Kloster Islands, mit einer 1946 eingeweihten Kapelle, die auch der Öffentlichkeit zugänglich ist.[12]

Außerdem verfügt Hafnarfjörður über ein eigenes Theater sowie über das Isländische Filmmuseum (Kvikmyndasafn Íslands) und ein Post- und Telegraphenmuseum (Póst- og Símaminjasafnið).[13]

Im Stadtzentrum befindet sich die Parkanlage Víðistaðatún, in der sich ein Skulpturenpark mit Werken isländischer und internationaler Künstler befindet. Ebenso im Park findet sich die helle halbrunde Kirche Víðistaðakirkja, die am 28. Februar 1988 eingeweiht wurde.[14] Die Gemeinde war bereits 1977 gegründet, doch die Kapelle, in der die Gottesdienste stattfanden, wurde bald zu klein, so dass 1981 mit dem Bau einer neuen Kirche mit 600 Sitzplätzen begonnen wurde.[15] Die Víðistaðakirkja bildet einen reizvollen Kontrast zur alten 1914 eingeweihten Hafnarfjarðarkirkja (500 Plätze) am Hafen.[16] Das etwas unauffällige Wahrzeichen der Stadt, der Leuchtturm (isl. viti), wurde um 1900 erbaut und steht heute inmitten eines Wohngebietes. Betrachtet werden kann der Leuchtturm nur von den Straßen Vitastígur bzw. Hverfisgata aus, da der Grundstücksbesitzer das Betreten seines Gartens strikt verweigert.

Gegenüber vom Aluminiumwerk Straumsvík sieht man ein Lavafeld: die „Kapellenlava“, Kapelluhraun. Hier hat man eine kleine Figur der Heiligen Barbara gefunden, die jetzt im Nationalmuseum ausgestellt wird.

Ein beliebtes Ausflugsziel am Stadtrand ist der See Hvaleyrarvatn mit einem Arboretum und dem seit den 1960er Jahren angelegten 32 ha großen Waldgebiet Höfðaskógur.[17]

Im Sommer findet im Stadtzentrum und vor allem rund um die (nachgebaute) Stabkirche jedes Jahr ein Wikingerfest mit zahlreichen Aktionen statt. In einem Fjörukráin genannten Bereich wurden neben einem Hotel einige Gebäude in einem der Wikingerzeit nachempfundenen Baustil errichtet.[18]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt besitzt auch einen Fußballverein FH Hafnarfjörður und den Verein Haukar Hafnarfjörður. Das Kaplakriki ist eine Mehrzweckanlage für Sportveranstaltungen.

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hafnarfjörður verbrachte der international renommierte Künstler Ólafur Elíasson seine Kindheit.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hafnarfjörður verfügt über einen größeren Fischereihafen und einige Industrieanlagen.

Gleichzeitig ist Hafnarfjörður eine moderne Industriestadt, die nicht zuletzt wegen des Aluminiumwerks in Straumsvík vor ihren Toren etwa 15–20 % des landesweiten Exportertrages erwirtschaftet. Neben der Straße zwischen Reykjavík und dem Flughafen, der Reykjanesbraut, liegt westlich von Hafnarfjörður ein Industriekomplex mit auffälligen rotweißen Türmen. Wegen der günstigen Preise für elektrische Energie gibt es hier in Straumsvík seit 1969 eine Aluminiumfabrik (→ Schmelzflusselektrolyse). Alle Rohstoffe werden importiert. Ein zweites Werk dieser Art wird in Reyðarfjörður in den Ostfjorden Islands betrieben.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist über die Straße 41 an den Hringvegur, die wichtigste isländische Verkehrsader, angebunden. Westlich der Stadt liegt der Flughafen Keflavík. Es gibt Erwägungen, eine 49 km lange Eisenbahnlinie vom Flughafen nach Reykjavík zu bauen, die Hafnarfjörđur und seine Nachbarstadt Kópavogur in einem 14 km langen Tunnel unterfahren würde, wobei noch nicht geklärt ist, ob die Züge auch in Hafnarfjörður halten würden.[19]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Raumkünstler Ólafur Elíasson (* 1967) verbrachte hier seine Kindheit.

Musikbands[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb Islands besteht eine Städtepartnerschaft mit Akureyri.

Hafnarfjörður ist Mitglied des Städtebundes Neue Hanse.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Hafnarfjörður – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.skogargatt.is/hofdaskogur
  2. Oswald Dreyer-Eimbcke: Isländisches Jahrbuch, S. 88. Hamburg 1991.
  3. Ewald Gläßer: Island, S. 180. Darmstadt 1986.
  4. https://www.hanse.org/hansestaedte/hafnarfjoerour/
  5. Ewald Gläßer: Island, S. 174. Darmstadt 1986.
  6. http://kirkjukort.net/kirkjur/hafnarfjardarkirkja_0197.html
  7. Ewald Gläßer: Island, S. 179. Darmstadt 1986.
  8. Barbara und Jörg-Thomas Titz: Island und Färöer, S. 287. Bielefeld 2003.
  9. Sjóminjasafn íslands, S. 5. Broschüre des Schifffahrtsmuseums (auf Isländisch).
  10. Barbara und Jörg-Thomas Titz: Island und Färöer, S. 288. Bielefeld 2003.
  11. http://kirkjukort.net/kirkjur/sankti-josefskirkja_0348.html
  12. http://kirkjukort.net/kirkjur/kapella-karmelklaustursins_0351.html
  13. Barbara und Jörg-Thomas Titz: Island und Färöer, S. 290. Bielefeld 2003.
  14. https://vidistadakirkja.is/kirkjan/
  15. http://kirkjukort.net/kirkjur/vidistadakirkja_0200.html
  16. https://hafnarfjardarkirkja.is/saga-kirkjunnar/
  17. https://www.skogargatt.is/hofdaskogur
  18. https://zauber-des-nordens.de/hafnarfjoerdur-zwischen-aluminium-und-elfen/
  19. https://icelandmonitor.mbl.is/news/news/2019/04/03/airport_train_still_a_possibility/
  20. vgl. Städtepartnerschaften (Memento vom 2. Februar 2014 im Internet Archive) auf der Website der Stadtverwaltung von Hafnarfjörður (isländisch); Zugriff: 3. August 2014.