Harpullia

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Harpullia
Harpullia pendula

Harpullia pendula

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae)
Unterfamilie: Dodonaeoideae
Gattung: Harpullia
Wissenschaftlicher Name
Harpullia
Roxb.

Harpullia ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Die etwa 27 Arten sind vom Indischen Subkontinent über China, Indochina und Südostasien bis Malesien sowie Australien und auf pazifischen Inseln verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütenstand mit Blüten im Detail von Harpullia pendula.
Fruchtstand und Laubblatt von Harpullia pendula.
Offene Früchte von Harpullia pendula.

Erscheinungsbild und Blätter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harpullia-Arten wachsen als Sträucher oder mittelgroße Bäume. Junge Pflanzenteile und Blüten besitzen einfache Haare und Stern- oder manchmal Drüsenhaare (Trichome, Indument), sie können einzeln oder zu mehreren zusammen stehen.[1][2][3][4]

Die wechselständig an den Zweigen angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und unpaarig gefiederte Blattspreite gegliedert. Bei manchen Arten sind Blattstiel und Blattrhachis geflügelt (beispielsweise Harpullia frutescens). Die meist wechselständig oder fast gegenständig an der Blattrhachis angeordneten ein bis neun Paare Fiederblätter sind oft ganzrandig, manchmal gezähnt. Bei Harpullia mabberleyana ist nur ein Fiederblatt vorhanden[5]. Es sind keine Nebenblätter vorhanden.[1][2][3][4]

Blütenstände und Blüten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harpullia-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). End-, pseudoend- oder seitenständig stehen einzeln oder in thyrsenförmigen Gesamtblütenständen zusammengefasste, traubige Blütenstände. Bei einigen Arten liegt Kauliflorie vor, bei ihnen stehen die Blüten einzeln oder tuffweise zu mehreren direkt am Ast oder Stamm. Es sind relativ kleine Trag- und Deckblätter vorhanden.[1][2][4]

Die funktional eingeschlechtigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf freien Kelchblätter überdecken sich dachziegelartig und sind haltbar oder fallen früh ab. Die Kelchblätter sind alle gleich oder die äußeren zwei sind etwas kleiner. Die fünf freien Kronblätter sind entweder etwas fleischig, fast keilförmig mit schmaler bis breiter Basis und zurückgebogenem oberen Ende, ohne Schuppen und etwas größer als die Kelchblätter oder sie sind fast pfriemlich, deutlich genagelt, innen mit zwei öhrchenähnlichen dünnen Schuppen und etwa doppelt solang wie die Kelchblätter. Der relativ kleine Diskus ist ganzrandig oder seltener fünflappig. In den männlichen Blüten sind fünf bis acht Staubblätter vorhanden; sie sind fast so lang wie die Kronblätter und in den Blütenknospen längsgefaltet. Die Staubfäden sind kahl. Die Staubbeutel sind ellipsoid. In den weiblichen Blüten sind die höchstens kurzgestielten, oberständigen, meist zwei-, drei- oder selten vierkammerigen Fruchtknoten kugel- oder eiförmig sowie seitlich abgeflacht und behaart. Jede Fruchtkammer enthält jeweils nur eine oder zwei hängende Samenanlagen. Der kurze oder lange, schlanke, gebogene und im oberen Bereich gedrehte Griffel ist im unteren Bereich behaart und besitzt Narbengewebe bis fast zu seiner Basis.[1][2][3][4]

Früchte und Samen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die die meist abgeflachten, meist zwei- oder drei-, selten bis zu vierfächerigen, lokuliziden Kapselfrüchte sind zwischen den Fruchtfächern eingekerbt, dabei sind die gerundeten Fruchtlappen je nach Art aufrecht oder ausgebreitet. Das Perikarp, die Fruchtwand, ist pergamentartig oder holzig hart. Bei Reife öffnen sich die Kapselfrüchte und enthalten ein oder zwei Samen je Fruchtfach.[1][2]

Die fast kugeligen, ellipsoiden oder eiförmigen Samen besitzen eine glänzende, schwarze, dünne, harte Samenschale (Testa).[4][1][2] Das Hilum bedeckt weniger als 1/6 des Samens. Oft besitzen die Samen einen weißen oder orangefarbenen, fleischigen Arillus. Der Arillus ist auf einen schmalen Ring um das Hilum beschränkt oder besteht aus einem basalen sarkotestaartigen Teil und einem oberen freien Teil der bis fast bis zum oberen Ende des Samens reicht.[1][2][4] Der Arillus besitzt keine Anhängsel. Der gekrümmte Embryo besitzt zwei fleischige Keimblätter (Kotyledonen).[1][2]

Chromosomensätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 30.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbreitung der Samen erfolgt hauptsächlich durch Vögel, vielleicht auch durch Säugetiere und Echsen.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die etwa 27 Harpullia-Arten kommen in Sri Lanka, Indien, im südöstlichen China, Malesien, Australien (acht Arten in Northern Territory, Queensland, New South Wales), Neukaledonien und Tonga vor.[1][2] Die Gattung Harpullia entstand auf der Neuguinea-Australischen Platte und breitete sich von dort aus nach Neukaledonien und bis zum Südostasiatischen Festland.[6] Neuguinea ist mit 15 Arten das Zentrum der Artenvielfalt.

Die Harpullia-Arten gedeihen hauptsächlich im Unterholz von Primär- oder manchmal Sekundär-Regenwäldern, manchmal wachsen sie in niedrigen oder offenen Wäldern, gelegentlich in Savannen oder im Gebüsch von Küstendünen. Sie gedeihen in Höhenlagen von 0 bis zu 2000 Meter.[1]

Laubblätter und Blütenstand von Harpullia arborea
Früchte von Harpullia arborea
Laubblätter und Früchte von Harpullia hillii
Laubblätter von Harpullia frutescens mit geflügelter Blattrhachis

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Harpullia wurde 1824 durch William Roxburgh in Flora Indica; or descriptions of Indian Plants, Volume 2, S. 441–442[7] aufgestellt. Typusart ist Harpullia cupanioides Roxb.[8][9] Die Gattungsname Harpullia ist vom indischen Trivialnamen from Harpulli der Art Harpullia cupanioides abgeleitet.[4]

Die Gattung Harpullia gehört zur Unterfamilie Dodonaeoideae innerhalb der Familie Sapindaceae.[10]

Es gibt seit 2011 etwa 27 Harpullia-Arten:[10][9][1][11][4]

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harpullia cupanioides wird als Feuerholz und zur Produktion von Holzkohle verwendet und die Borke wird als Fischgift genutzt.[12]

Harpullia arborea und Harpullia pendula (Trivialname Australian Tulipwood) werden in den Tropen als Zierpflanzen verwendet.[10]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nianhe Xia & Paul A. Gadek: Sapindaceae: Harpullia, S. 7 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 12 – Hippocastanaceae through Theaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2007. ISBN 978-1-930723-64-1 (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen und Systematik)
  • J. K. A. Müller: Pollen morphology and evolution of the genus Harpullia (Sapindaceae-Harpullieae), In: Blumea, Volume 31, Issue 1, 1985, S. 161–218.
  • J. R. M. Buijsen, Peter C. van Welzen & R. W. J. M. van der Ham: A phylogenetic analysis of Harpullia (Sapindaceae) with notes on historical biogeography, In: Systematic Botany, Volume 28, Issue 1, 2003, S. 106–17: doi:10.1043/0363-6445-28.1.10628.1.106 JSTOR 3093941 (Abschnitte Vorkommen und Systematik)
  • B. H. Wadhwa & Willem Meijer: Sapindaceae. In: M. D. Dassanayake (Hrsg.): A Revised Handbook to the Flora of Ceylon. Volume 12. CRC Press, 1998, ISBN 978-90-5410-270-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • S. T. Reynolds: Flora of Australia, Volume 25, 1985: Harpullia bei Flora of Australia online. (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
  • Pieter W. Leenhouts & M. Vente: Harpullia, S. 598–614 - Volltext-Online, In: F. Adema, P. W. Leenhouts & P. C. van Welzen: Flora Malesiana, Series I, Spermatophyta: Flowering Plants. Volume 11, 3: Sapindaceae. Leiden, The Netherlands: Rijksherbarium. Hortus Botanicus, Leiden University, 1994. ISBN 90-71236-21-8 (Abschnitte Beschreibung, Vorkommen und Systematik)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l Pieter W. Leenhouts & M. Vente: Harpullia, S. 598–614 - Volltext-Online, In: F. Adema, P. W. Leenhouts & P. C. van Welzen: Flora Malesiana, Series I, Spermatophyta: Flowering Plants. Volume 11, 3: Sapindaceae. Leiden, The Netherlands: Rijksherbarium. Hortus Botanicus, Leiden University, 1994. ISBN 90-71236-21-8
  2. a b c d e f g h i j k Nianhe Xia & Paul A. Gadek: Sapindaceae: Harpullia, S. 7 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 12 - Hippocastanaceae through Theaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2007. ISBN 978-1-930723-64-1
  3. a b c d e f G. J. Harden: Eintrag bei der Flora of New South Wales online.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p S. T. Reynolds: Flora of Australia, Volume 25, 1985: Harpullia bei Flora of Australia online.
  5. a b c W. Takeuchi: Notes on Papuasian Sapindaceae: Harpullia mabberleyana sp. nov., Harpullia rhachiptera and Lepisanthes mixta, In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 68, 2011, S. 1–9. doi:10.1017/S0960428610000247
  6. J. R. M. Buijsen, Peter C. van Welzen & R. W. J. M. van der Ham: A phylogenetic analysis of Harpullia (Sapindaceae) with notes on historical biogeography, In: Systematic Botany, Volume 28, Issue 1, 2003, S. 106–17. JSTOR 3093941
  7. William Roxburgh: Flora Indica; or descriptions of Indian Plants, Volume 2, 1824, S. 441–442 - Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  8. Harpullia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 2. Januar 2014.
  9. a b Datenblatt bei Australian Plant Name Index = APNI.
  10. a b c Harpullia im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 2. Januar 2014.
  11. Barry J. Conn, 2008: Harpullia beim Census of Vascular Plants of Papua New Guinea.
  12. Harpullia cupanioides bei asianplant.net.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Harpullia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien