Haunzenbergersöll

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Haunzenbergersöll
Gemeinde Bodenkirchen
Koordinaten: 48° 21′ 43″ N, 12° 23′ 5″ O
Höhe: 480 m ü. NN
Einwohner: 200 (2008)
Eingemeindung: 1828
Postleitzahl: 84155
Vorwahl: 08745
Haunzenbergersöll von Südwesten 2007
Haunzenbergersöll von Südwesten 2007

Das Pfarrdorf Haunzenbergersöll liegt im westlichen Isar-Inn-Hügelland[1] des bayerischen Alpenvorlandes[2] in einer Talsenke, die vom Eschlbach gebildet wird, einem linken Zufluss der Rott, die links in den Inn fließt.

Es ist Teil der „strukturreichen Kulturlandschaft“ und der „schutzwürdigen Landschaft mit Defiziten“ des „Landschaftsraums Rottal und Hügelland um Taufkirchen[3] in der Großlandschaft Alpenvorraum nach der Klassifizierung des Bundesamts für Naturschutz.

Außerdem gehört Haunzenbergersöll zum „unzerschnittenen verkehrsarmen Raum Isar-Inn-Hügelland zwischen Velden und Neumarkt-Sankt Veit[4] nach der Klassifizierung des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

Das Dorf befindet sich am Südrand der Planungsregion Landshut[5] des Bayerischen Landesentwicklungsprogramms[6].

Politisch gehört Haunzenbergersöll zur Gemeinde Bodenkirchen.

Die römisch-katholische Pfarrei St. Johannes der Täufer in Haunzenbergersöll ist Teil des Pfarrverbands Schönberg[7] im Dekanat Mühldorf am Inn in der Seelsorgsregion Nord des Erzbistums München und Freising.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unsicher ist die erste historische Erwähnung des Dorfes. Da der Ortsname Haunzenbergersöll eindeutig aus den beiden Bestandteilen Haunzenberger und Söll (Letzter bis heute die Kurzform des Ortsnamens) gebildet wird, sind zwei Linien zurückzuverfolgen.

Das Adelsgeschlecht der Hau(n)zenberger konnte bislang bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück ermittelt werden und ist als Ministerialengeschlecht des Bistums Passau anzusprechen. Im Raum des späteren Dorfes Haunzenbergersöll trat erstmals 1370 ein Thomas von Hautzenberg als Pflegrichter von Neumarkt an der Rott auf.

Der Namensbestandteil Söll erschien möglicherweise als „Sel“ erstmals 1231 im ersten bayerischen Herzogsurbar.

Beide Namensbestandteile kamen zusammen erst unter Martin Hautzenberger vor, der ab 1454 urkundlich nachweisbar ist und dessen Grabstein von 1469 sich an der Pfarrkirche in Haunzenbergersöll erhalten hat.

Um 1470 war Haunzenbergersöll eine geschlossene Hofmark (Niedergerichtsbezirk der Haunzenberger-Seitenlinie Söll). Die Hofmarksherrschaft kam 1609 zu gleichen Teilen zu den Adeligen Tabertshofer und Neuhaus und im Jahr 1628 als Ganzes zu den Adeligen von Neuhaus auf Zangberg bis 1807.

Im Jahr 1820 wurde eine eigene politische Gemeinde Haunzenbergersöll gebildet, aber schon 1828 (offiziell erst 1849) wurde der Ort aus fiskalischen Gründen zur Nachbargemeinde Bodenkirchen geschlagen.

Siegel des Martin Hautzenperger an einer Urkunde von 1463
Haunzenbergersöll auf den Bayerischen Landtafeln von 1563
Hofmark Haunzenbergersöll auf dem Wening-Stich von 1710
Grenzen der Hofmark Haunzenbergersöll im 18. Jahrhundert
Grenzen der Gemeinde Haunzenbergersöll (1820–28/49)
Haunzenbergersöll 1900
Haunzenbergersöll nach dem Dorfbrand 1902
Denkmalensemble Westliche Hofmarkstraße. Wiederaufbau nach dem Brand von 1902 (Foto von 1950)
Haunzenbergersöll 1904
Haunzenbergersöll 1916
Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer spiegelt sich im Wirtsweiher (Foto von 1956)
Rokoko-Kirchturm der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer von 1791
Neogotische Ausstattung der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer von 1887/98
Heiliges Grab (um 1870) in der Pfarrkirche (Neuaufstellung 2008)

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die Liste[8] der geschützten Denkmäler ist der südwestliche Teil der Hofmarkstraße eingetragen. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege beschreibt ihn folgendermaßen beschrieben:

„Das Ensemble umfasst den südwestlichen Teil des Dorfes, der als ein gerader, in die Flur führender Gassenzug mit geschlossener Bebauung ausgebildet ist. Zwei kleinere Wohnhäuser mit Flachsatteldächern, 18./19. Jh., sind der älteste Bestand dieser im Kern wohl planmäßigen Anlage des Dorfes, das ehemals Teil einer Hofmark war; das Schloss gegenüber ist abgegangen. Die Bauten im Westen entstanden nach einem Ortsbrand 1902 und wurden in historisierenden Formen errichtet. Die in ihrer Aufwendigkeit und Erscheinung städtisch anmutenden Gebäude gehen auf die Tradition der hofmärkischen Handwerkersiedlung zurück.“

Zur Pfarrkirche St. Johannes der Täufer befindet sich dort diese Eintragung:

„Katholische Kirche St. Johann Baptist, spätgotische Anlage, 2. Hälfte 15. Jh., Turm 1791 erhöht; mit Ausstattung; Friedhof mit Ummauerung.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Schwarz, Vilsbiburg. Die Entstehung und Entwicklung der Herrschaftsformen im niederbayerischen Raum zwischen Isar und Rott (Historischer Atlas von Bayern, Altbayern 37) München 1976, S. 228–230 (Hofmark Haunzenbergersöll).[9]
  • Haunzenbergersöll – Herrschaft, Hofmark, Kirche. Zur 700-Jahr-Feier am 28. Juni 1980. Vortrag von Rudolf Angermeier, hg. v. Heimat- und Gartenbauverein Haunzenbergersöll, Haunzenbergersöll 1980.
  • Haunzenbergersöll in alten Bildern, hg. v. Heimat- und Gartenbauverein Haunzenbergersöll, Haunzenbergersöll 1981.
  • Niederbayern (Denkmäler in Bayern II), bearb. v. Sixtus Lampl und Wilhelm Neu, München 1986, S. 184 (Geschütze Denkmäler in Haunzenbergersöll).[8]
  • 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Haunzenbergersöll. Gründungsfest mit Fahnensegnung, 18.-21. Juni 1993, hg. v der Freiwilligen Feuerwehr Haunzenbergersöll, Haunzenbergersöll 1993.
  • Martin Gröning, Martin Weindl, Die alten Häuser in Haunzenbergersöll, hg. v. Heimat- und Gartenbauverein Haunzenbergersöll, Haunzenbergersöll 1994.
  • Georg Schwarz, Das obere Binatal zwischen den Flüssen Vils und Rott. Kunst und Kultur in den Pfarreien Aich, Binabiburg, Bodenkirchen, Bonbruck, Egglkofen, Haunzenbergersöll, Treidlkofen (südliches Dekanat Vilsbiburg) und der Gemeinde Bodenkirchen, hg. v. Katholischen Pfarramt Bonbruck, Bonbruck 1994.
  • 50 Jahre Pfarrei Haunzenbergersöll, hg. v. der Pfarrei Haunzenbergersöll, Haunzenbergersöll 2002.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Haunzenbergersöll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Landschaftseinheit „Tertiärhügelland (12)“
  2. Bundesamt für Naturschutz: Karte der naturräumlichen Großlandschaften Deutschlands (Memento vom 6. Oktober 2010 im Internet Archive)
  3. Bundesamt für Naturschutz: Landschafts-Steckbrief „Rottal und Hügelland um Taufkirchen (6001)“
  4. Bayerisches Landesamt für Umwelt: Steckbrief Kulturlandschaft „Altbaierisches Hügelland (34)“
  5. Planungsregion Landshut (13): Homepage
  6. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie: Bayerische Landesentwicklung
  7. a b Pfarrverband Schönberg: Homepage
  8. a b Denkmalliste Haunzenbergersöll
  9. Historischer Atlas von Bayern: Georg Schwarz, Vilsbiburg