Hecken-Kälberkropf

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Hecken-Kälberkropf
Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), Illustration

Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), Illustration

Systematik
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Tribus: Scandiceae
Untertribus: Scandicinae
Gattung: Kälberkröpfe (Chaerophyllum)
Art: Hecken-Kälberkropf
Wissenschaftlicher Name
Chaerophyllum temulum
L.

Der Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum), auch Taumel-Kälberkropf, Taumel-Kerbel oder Betäubender Kälberkropf[1] genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kälberkröpfe (Chaerophyllum) innerhalb der Familie der Doldengewächse (Apiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppeldoldiger Blütenstand mit vielen weißen Blüten
Stängel des Hecken-Kälberkropfs. Deutlich zu erkennen der „Kälberkropf“ und die rötlichen Flecken.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hecken-Kälberkropf wächst als zweijährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 1,40 Metern. Sie treibt aus einem rübenförmigen „Wurzelstock“ mehrere Stängel. Die verzweigten Stängel sind rund, aber leicht kantig und mit Borsten bedeckt, die bei Berührung für schmerzhaften Hautkontakt sorgen. Zur Basis hin fallen die Stängel durch dunkelrote Flecken auf sowie durch keulenartige Verdickungen an den Verzweigungen, die dieser Pflanzengattung den Trivialnamen Kälberkropf eingebracht haben. Die Blätter des Taumel-Kälberkropfes sind rauhaarig und doppelt gefiedert. Der Geruch des Hecken-Kälberkropf ist schwach würzig, an Möhren und Kümmel erinnernd.

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Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten gruppieren sich in sechs- bis zwölfstrahligen, doppeldoldigen Blütenstand. Die weißen Blüten sind nur 2 bis 4 Millimeter breit.

Die Doppelachänen sind kahl und etwa 1 Zentimeter lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 24.[2]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit ist Mai bis Juli. Blütenökologisch handelt es sich vormännliche „Nektar führende Scheibenblumen“ mit männlichen und zwittrigen Blüten (andromonözisch). Sie werden von Insekten bestäubt.

Die Früchte verbleiben im Winter an der Pflanze (Wintersteher). Die Teilfrüchte werden beim Anstoßen der reifen, trockenen Stängel weit fortgeschleudert (Tierstreuer); vermutlich werden sie auch durch den Wind verbreitet. Die Früchte reifen von Juli bis September.

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitungsgebiete des Hecken-Kälberkropf liegen im Großteil Europas außer in den nördlichsten und südlichsten Regionen, weiters in den nordwestafrikanischen Staaten Marokko, Algerien und Tunesien, in der nördlichen Türkei und der nördlichen Kaukasusregion.[3]

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Die österreichischen Vorkommen sind häufig bis selten; in Osttirol ist der Hecken-Kälberkropf ausgestorben; die Kärntner Vorkommen sind unbeständig. Im Alpenbereich Österreichs sowie dem nördlichen und südöstlichen Alpenvorland gilt er als gefährdet.[4]

Der Hecken-Kälberkropf wächst an Waldrändern und auf Wiesen. Er wächst bevorzugt auf stickstoffreichen, feuchten Fluren, breitet sich aber durchaus auch in trockenerem Gelände aus. Die Pflanze samt sich reichlich aus, ist aber trotzdem in manchen Gegenden stark zurückgegangen. Im pflanzensoziologischen System ist der Hecken-Kälberkropf eine Kennart der Knoblauchhederich-Saumgesellschaft (Alliario petiolati-Chaerophylletum temuli).

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chaerophyllum temulum wurde 1753 von Carl Linné in Species Plantarum, Band 1, Seite 258 erstbeschrieben[5]. Ein Synonym für Chaerophyllum temulum ist Chaerophyllum temulentum L..[3]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tiere, die den Kälberkropf fressen, erleiden Lähmungen – sie taumeln. Die Giftwirkung ist wahrscheinlich auf den Gehalt am Polyin Falcarinol zurückzuführen. Vermutungen in der älteren Literatur über ein noch nicht isoliertes Alkaloid (Chaerophyllin) ließen sich nicht bestätigen. Für Menschen ist der Taumel-Kälberkropf aufgrund des geringen Toxingehalts nur schwach giftig. Frühere Berichte über starke bis tödliche Vergiftungen sind vermutlich auf Verwechslungen mit dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum) zurückzuführen.

Es gibt noch weitere Kälberkropfarten, wie den Behaarten Kälberkropf, den Knolligen Kälberkropf oder den Gold-Kälberkropf. Diese sind jedoch nicht giftig.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Hecken-Kälberkropf bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Alfbunkel, Taumelkerbel (Schlesien), Todtenkerbel (Thüringen), Tollkörbel und Tollkürbel.[6]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  •  Siegmund Seybold: Flora von Deutschland und angrenzender Länder. Ein Buch zum Bestimmen der wild wachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 93. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01413-2.
  • Dietmar Aichele: Was blüht denn da? Der Fotoband, 5. Aufl., Kosmos, Stuttgart, 2004, 446 S., ISBN 3-440-10281-5
  • Eberhard Teuscher, Ulrike Lindequist: Biogene Gifte, Gustav Fischer, Stuttgart 1994, ISBN 3-437-30747-9
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chaerophyllum temulum L., Betäubender Kälberkropf. In: FloraWeb.de.
  2.  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 700-701.
  3. a b Chaerophyllum temulum im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 21. Dezember 2011.
  4.  Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S. 838.
  5.  Carl von Linné: Species Plantarum. 1. Auflage. 1. Band, Stockholm 1753, S. 258 (Chaerophyllum mit Chaerophyllum temulum eingescannt bei Biodiversity Heritage Library, Online).
  6. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 89. (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chaerophyllum temulum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien