Helmut Lang

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Selbstporträt 2007

Helmut Lang (* als Peter Scepka[1] am 10. März 1956 in Wien) ist ein österreichischer Modedesigner, der in den 1990er Jahren mit minimalistisch-avantgardistischer Damen- und Herrenmode im oberen Preissegment weltweite Bekanntheit erlangte und bis heute zu den wichtigsten internationalen Modeschöpfern dieser Zeit zählt.

Die von Lang 1986 gegründete Modemarke Helmut Lang war von 1999 bis 2006 im Besitz von Prada und gehört seither als Helmut Lang New York LLC einem japanischen Textilkonzern. Seit 2005 wird das Modelabel ohne Lang geführt, welcher sich seither als Künstler betätigt.

Werdegang und Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im 22. Wiener Gemeindebezirk gebürtige Peter Scepka wuchs bei seinen Großeltern auf, die eine Schuhmacherei in Ramsau am Dachstein betrieben.[2] Ab 1966 lebte er bei seinem Vater und dessen zweiter Ehefrau in Wien, wo er die Hauptschule besuchte und 1976 an der Handelsakademie seinen Abschluss als „Kaufmann für höhere Aufgaben“ machte.[3] Nach einer Zeit als Kellner und Barkeeper[4] eröffnete er 1979[5] mit 23 Jahren als Autodidakt eine Mode-Boutique namens Bou Bou[6] in Wien, in der er selbst entworfene Kleidung verkaufte.[7] Die Idee hierzu hatte er gehabt, nachdem er schlichte Kleidung für sich selbst hatte maßschneidern lassen, auf die ihn sein Umfeld ansprach.[8] 1980 präsentierte er seine erste Prêt-à-porter-Kollektion.[9] Wegen des großen Erfolges im Rahmen einer Wien-Ausstellung 1986 im Centre Pompidou in Paris nannte er sich schließlich Helmut Lang nach seinem dritten Vornamen sowie dem „Familiennamen der Großeltern mütterlicherseits“[10][11] und gründete das nach ihm benannte Mode-Unternehmen. Seine erste Laufsteg-Modenschau für Damenmode fand noch im selben Jahr in Paris statt. Seine schlicht-nüchterne, tragbare Mode stand im krassen Gegensatz zu den extravaganten Entwürfen der damaligen Pariser Modegrößen, wie Thierry Mugler, Claude Montana oder Jean-Paul Gaultier. 1987 kam eine Herren-Kollektion hinzu. 1988 kehrte Lang nach Wien zurück.

Von 1986 bis 1997 ließ er von der Wiener Manufaktur Ludwig Reiter Schuhe für seine Kollektionen produzieren. Ausgangspunkt war ein schlichter rahmengenähter Halbschuh seines Großvaters, der in den 50er Jahren von Ludwig Reiter erzeugt wurde und den Helmut Lang nun als fixen Kollektionsbestandteil in Serie produzieren ließ. Später kamen viele weitere Modelle hinzu, die zumeist auf Klassikern von Ludwig Reiter wie Trainer und Maronibrater basierten.

Anfang der 1990er Jahre gelang ihm mit seinen minimalistischen Kreationen aus Kombinationen von High-Tech-Stoffen wie Nylon und Gummi der internationale Durchbruch. Allerdings widerstand er lange, seine Geburtsstadt Wien zu verlassen, wo er zuletzt in der Esslinggasse 5 im ersten Bezirk lebte. Von 1993 bis 1996 unterrichtete Lang als Professor der Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst Wien. 1994 begann eine Zusammenarbeit mit dem Fotografen Juergen Teller, der von Models in Langs Backstage-Bereich Fotos schoss, die Lang wiederum als Kampagnenbilder für seine Mode verwertete. Bis Ende der 1990er Jahre zeigte Lang seine Kreationen während der Modewochen in Paris.

Lang übersiedelte schließlich Anfang 1998 nach New York und wurde im April 2000 als erster nicht-amerikanischer Modeschaffender in den Council of Fashion Designers of America (CFDA) aufgenommen, von welchem er 1996 den International Award erhalten hatte und 2000 als bester Herrenmode-Designer (der Verleihung blieb er fern) ausgezeichnet wurde.[12] In dieser Zeit präsentierte Lang seine Mode bei den Modewochen in New York. Seine erste Modenschau nach dem Umzug, für Herbst/Winter 1998/99, ließ er in einem weißen Studio filmen, streamte sie auf seiner Webseite und verteilte sie auf CD-ROM gepresst an die Journalisten.[13][14] Mitte Juli 1998 entschied er, seine Kollektionen in New York zeitlich vor den Schauen in Mailand, London und Paris zu präsentieren, nämlich am 17. September und nicht erst Anfang November. Calvin Klein, Donna Karan und andere folgten Langs Beispiel,[15] und so wurde die New York Fashion Week, welche bis dahin zeitlich immer nach den europäischen Schauen stattgefunden hatte, ab Herbst 1999 dauerhaft sechs Wochen vorverlegt. Seither werden die internationalen Modenschauen im jährlichen Modekalender in New York eingeläutet.[16] Werbeanzeigen für Helmut Lang wurden in dieser Zeit, ungewöhnlicherweise, in der Zeitschrift National Geographic geschaltet und auf den Dächern von New Yorker Taxen platziert.[17]

Charakteristisch für Langs hochpreisige, puristische Mode waren Trend-unabhängige, zeitlose Entwürfe, eng geschnittene, schwarze Anzüge, der vorherrschende Einsatz der Farben schwarz, beige und weiß, die unkonventionelle Gegenüberstellung von hochwertigen Stoffen mit High-Tech-Materialien oder auch Latex und PVC, sowie Applikationen aus Canvas-Stoffbändern. Für seinen dekonstruktivistischen Stil und seine intellektuellen Entwürfe wurde Lang mit den japanischen Avantgardisten Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto verglichen.[18] Lang war für Kreative und Intellektuelle der „Vater der Coolness“ und sicherte sich bei seinen Anhängern einen gewissen Kult-Status.[19][20] Die Marke Helmut Lang bestand aus einer Damen- und einer Herrenlinie, welche bei Modenschauen in einer Show zusammen präsentiert wurden. Von 1996 bis 2000 gab es die Helmut Lang Jeans Zweitlinie[21] sowie Unterwäsche von Helmut Lang. Zwischen 2000 und 2002 wurden in Zusammenarbeit mit Procter & Gamble drei Parfüms – zunächst Helmut Lang (Damen), Helmut Lang Pour Homme (Herren) und später Helmut Lang Cuiron (Herren) – lanciert, deren Produktion nach dem Verkauf des Unternehmens eingestellt wurde. Die ersten beiden Düfte wurden auf Drängen Langs produziert, obwohl der Hersteller Lang von diesen Duftkompositionen abgeraten hatte.[22] In New York war ab 2000 eine eigene Helmut Lang Parfümerie betrieben worden.

Lang verkaufte 1999 zunächst 51 % seines Unternehmens an die Prada-Gruppe und, nach turbulenten Jahren, schließlich im Oktober 2004 auch den Rest seiner Anteile. 2002 hatte Prada die Präsentation der Kollektionen nach Paris zurückgeholt. Im Frühjahr 2005 schied Lang aus dem Unternehmen aus. Es gab Helmut Lang Boutiquen in Wien, München, Mailand, Paris, Tokio, Hong Kong und New York. Nach dem Verkauf der Marke Helmut Lang wurden diese Läden sukzessive geschlossen.

2009 erhielt Lang das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Lang lebt derzeit in seinem Haus in Long Island bei New York und betätigt sich als Künstler.

Modemarke Helmut Lang heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Modemarke Helmut Lang wurde 2006 – nach verlustreichen Jahren – von Prada an die US-amerikanisch-japanische Firmengruppe Link Theory Holdings Co. Ltd verkauft, zu welcher auch die Modemarke theory gehört. Link Theory führt die Marke Helmut Lang mit Sitz in New York City seit 2007 als Helmut Lang New York LLC mit eigenen Geschäften im gehobenen Preissegment weiter. Lang selbst ist daran nicht beteiligt. CEO von Helmut Lang New Yok LLC ist seither Andrew Rosen, der New Yorker Firmengründer von theory.

Link Theory, Teil der Fast Retailing Gruppe, setzte das Ehepaar Nicole und Michael Colovos, Gründer von Habitual Jeans, als Designer für sowohl die Damen- als auch die Herrenkollektion ein und ernannte 2010 den ehemaligen Issey Miyake Designer Naoki Takizawa, welcher auch sein eigenes Modelabel betreibt, für die Herrenkollektion von Helmut Lang.[23] Die Herrenmode von Helmut Lang wurde allerdings 2010 vorübergehend eingestellt und erst 2014 mit dem New Yorker Designer Alexandre Plokhov neu lanciert. Das Ehepaar Colovos verließ das Unternehmen im Februar 2014. Die Damenmode, inklusive der 2012 ins Leben gerufenen, preisgünstigeren Damen-Zweitlinie Helmut, wird seither von einem internen Designteam konzipiert.[24] Die Damenmode von Helmut Lang wurde von Herbst 2011 nach sechsjähriger Abwesenheit von den Laufstegen bis zum Ausscheiden der Colovos' wieder bei der New York Fashion Week präsentiert.[25] Plokhov verließ Helmut Lang Anfang 2017. Andrew Rosen hat seither keine neuen Chef-Designer eingesetzt, sondern im März 2017 die Herausgeberin des britischen Dazed-Magazins, Isabella Burley, zur "Haus-Redakteurin" (editor-in-residence) bei Helmut Lang ernannt.[26] Der Hood by Air Designer Shayne Oliver wurde für eine Sonderkollektion für Damen und Herren verpflichtet.[27]

Zum Stand 2014 unterhielt Link Theory weltweit Helmut Lang Geschäfte in New York (6x), Kalifornien (2x), Atlanta, Chestnut Hill (Massachusetts), London, Paris, Shanghai (2x) und Tokio. Ende 2014 wurden die ursprünglichen und 2005 vorübergehend eingestellten Parfüms Eau de Parfum (Damen), Eau de Cologne (Herren) und Cuiron (Herren) von Helmut Lang New York LLC wieder auf den Markt gebracht.[28]

Helmut Lang als Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008

2007

  • Next Ever After, The Journal Gallery. New York.[29]
  • Selective Memory Series, Purple Institute. Paris.[30]

2002–2004

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. Paris.[31]

1998

  • Helmut Lang, S/S 99. online.[32]

1997–2002

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. New York.[33]

1988–1997

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. Paris.[34]

1986

  • Viennese Modernism. Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou, Paris.[35]

Gruppen Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010

2009

  • INDUSTRIAL LIGHT MAGIC, Goethe Institute, New York.

1998

Kollaborationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2005

  • VB53. Fondazione Pitti Immagine, Florence.[39]

2001

1999

  • VB38.Galerie Analix Forever, Geneva.[41]

1992

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ab 19 zerbricht Dummheit die Schönheit sueddeutsche.de, August 2016
  2. "Vater des Minimalismus" derstandard.de, 10. März 2006
  3. Glamour vom Dachstein spiegel.de, 17. Oktober 1994
  4. Der Herr des Maibaums derstandard.at, 28. August 2008
  5. Helmut ohne Lang faz.net, 25. Januar 2005
  6. Designer Robert La Roche: Die Welt als Brille und Vorstellung profil.at, 28. November 2013
  7. Helmut Lang wird 60 diepresse.com, 10. März 2016
  8. Mit unfehlbarer Hand faz.net 25. Januar 2005
  9. Das Suchen bleibt welt.de, 29. Juli 2001
  10. Helmuts Längen, weltwoche.de, 15. April 2004
  11. Peter Scepka Helmut Lang unternehmen24.at, abgerufen: 9. Juli 2017
  12. CFDA: Past Winners, cfda.com, abgerufen am 13. März 2015 (englisch).
  13. “A Shock to the System”: Helmut Lang on His Industry-Changing Fall 1998 Virtual Show vogue.com, 9. Februar 2016
  14. Eight Fascinating Fashion Designer Longreads racked.com, 6. Mai 2015
  15. Helmut Lang - Biography fashion-forum.org, abgerufen: 10. Juni 2017
  16. Moment 75: Helmut Lang changes the calendar, wwd.com, 1. November 2010
  17. Helmut Lang und die Zukunft des Minimalismus, parapluie.de, Frühjahr 2001
  18. About: Helmut Lang, slamxhype.com (engl.), abgerufen: 1. Oktober 2010
  19. Helmut Lang als Künstler - Ein Meister der Coolness sieht schwarz, Der Spiegel, 31. August 2008
  20. Helmut Lang, W Magazine, Oktober 2008
  21. Helmut Lang: The Enduring Legacy of Fashion's Greatest Artist grailed.com, 15. Februar 2017
  22. Lang to debut scents and shop, WWD (via accessmylibrary.com, engl.), 17. März 2000
  23. Helmut Lang: Naoki Takizawa als neuer Stylist, fashionmag.com, 20. April 2010, abgerufen am 13. März 2015.
  24. Parallele Modewelten, bilanz.ch, 4. Januar 2012
  25. Helmut lang returns to the runway with a Richard Serra–inspired show, nymag.com, 10. September 2011
  26. A new era of Helmut Lang is coming dazed, com, April 2017
  27. Helmut Lang Names Isabella Burley Its First-Ever Editor in Residence; HBA’s Shayne Oliver to Collaborate vogue.com, 13. März 2017
  28. The Return of Helmut Lang’s Cultish ‘90s Perfume, vogue.com, 13. Oktober 2014
  29. [1] Silva, Horacio "Now Hanging, Helmut Lang's Artwork", The New York Times, Dezember 2007.
  30. [2], Purple Fashion, Purple Institute, 2007.
  31. Style.com [3], Condenet, 2007.[4][5][6][7][8][9][10]
  32. hl-art"Helmut Lang Bio".
  33. Style.com [11], Condenet, 2007. [12][13][14]
  34. [15][16]
  35. Zahm, Olivier "Langfroid, Artforum International, Oktober 1995, abgerufen am 13. März 2015 (englisch).
  36. MMK Frankfurt am Main | Museum für Moderne Kunst: Ausstellung Details ::: MMK Frankfurt am Main. Abgerufen am 29. Juni 2017 (deutsch).
  37. hl-art"Helmut Lang Bio".
  38. [17]
  39. Lapo Cianchi: Vanessa Beecroft : VB53. (Memento vom 7. Juli 2007 im Internet Archive) 2006, abgerufen am 13. März 2015 (englisch).
  40. Deitch Projects Vanessa Beecroft VB45. 2006.
  41. Sidonie von Grasenabb: A Space, Not and Ac. Artnet, 8. April 2005.
  42. hl-art "Helmut Lang Bio".