Thierry Mugler

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Thierry „Manfred“ Mugler (2014)
Ein Abendkleid von Thierry Mugler im Museum
Das Herrenparfüm A*Men lancierte Thierry Mugler 1996.
Ein Cocktailkleid von Thierry Mugler im Museum

Thierry Mugler [tjɛʁi myɡˈle] (* 21. Dezember 1948 in Straßburg) ist ein französischer Modedesigner und Fotograf. Er ist Gründer des Mode- und Kosmetikunternehmens Thierry Mugler SAS mit Sitz in Paris.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Manfred Thierry Mugler wurde 1948 als Sohn eines Arztes in eine ursprünglich aus Linz in Österreich stammende Familie geboren, die in den Nachkriegswirren nach Straßburg gezogen war. Nach einer für ihn schwierigen Kindheit im eher illiberalen, engen Klima der 1950er- und 1960er-Jahre im französischen Elsass machte Mugler im Alter von 14 Jahren eine Ausbildung als Balletttänzer an der Opéra national du Rhin und studierte Kostümdesign an der École supérieure des Arts Décoratifs in Straßburg (seit 2011: Haute École des Arts du Rhin, HEAR). In seiner Freizeit gestaltete er seine eigene Kleidung.

Unternehmensgründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1960er Jahre zog Mugler nach Paris und reiste durch die Welt. Anfang der 1970er Jahre hatte sich Mugler mit seinem Kollegen Claude Montana in Paris ein Apartment geteilt. Zur selben Zeit stellte er als freiberuflicher Designer in der Boutique Gudule seine Entwürfe zur Schau. 1973 kreierte er unter dem Namen Café de Paris seine erste Kollektion. Das Modeunternehmen Thierry Mugler gründete Mugler 1974. Die erste eigene Boutique eröffnete er 1978 in Paris an der Place des Victoires. Im gleichen Jahr präsentierte Mugler erstmals Herrenmode. Für einen Fernsehauftritt David Bowies mit Klaus Nomi und Joey Arias 1979 entwarf Mugler deren Bühnenkostüme.[1]

In einem Interview sagte Mugler, mit der Musik von Beethoven, Mozart, Wagner groß geworden zu sein.[2] So sind auch zahlreiche seiner dramatischen, fast rüstungsartigen und opulent wehrhaften Kostüme der 1980er-Jahre stark von dem Heldinnen-Frauenbild der Wagner-Opern und deutschen Heldenepen inspiriert und beeinflusst. Dramatische, oftmals futuristische Designs, betont schmale Taillen und Accessoires wie metallische Büstenhalter, riesige Schulterpolster, Nieten und Latex waren Muglers Markenzeichen. Seine hochpreisige Prêt-à-porter Mode der folgenden zwei Jahrzehnte war meist elegant, exaltiert und gleichzeitig streng, mit dominierenden Farben, ohne viele Muster.

Expansion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1980er und frühen 1990er Jahre waren die Glanzzeiten des Hauses Mugler. 1994 kam die Zweitlinie Mugler zum Modeportfolio hinzu, für die der damals noch unbekannte Nicolas Ghesquière als Designer angeheuert wurde. Muglers Modenschauen waren inszenierte Happenings. Seine Modenschau in der Pariser Konzerthalle Zénith anlässlich des 10-jährigen Bestehens im Jahr 1984 machte er öffentlich und verkaufte 6.000 Eintrittskarten. Ab 1992 durfte Mugler als eingeladenes Mitglied des Pariser Modeverbands seine Damenmode bei den Haute-Couture-Modenschauen präsentieren. Anfang der 1990er Jahre traten neben Prominenten wie Jerry Hall, Diana Ross oder Ivana Trump die damaligen Supermodels Linda Evangelista, Claudia Schiffer, Christy Turlington, Cindy Crawford oder Naomi Campbell bei Muglers Modenschauen auf.[3]

Ab 1992 arbeitete Mugler mit dem französischen Kosmetikunternehmen Clarins zusammen und entwickelte in den Folgejahren über die 1990 gegründete Thierry Mugler Parfums SA verschiedene Parfüms für Damen und Herren, darunter der erfolgreiche Duft Angel (seit 1992). Von dem Damenduft Angel wurden 1998 in Frankreich mehr Exemplare verkauft als von Chanel No. 5. Seither sind über 70 weitere Parfüms von Thierry Mugler erschienen (zum Teil in limitierter Auflage oder eingestellt). Clarins beteiligte sich ab 1992 auch finanziell an Muglers Modeunternehmen.

Abstieg der Marke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1990er Jahre, in den Zeiten der minimalistischen Mode, verlor die extravagante Modemarke Mugler ihre Anziehungskraft. In der Folge übernahm 1997 der Kosmetikkonzern Clarins Fragrance Group (unter anderem Parfüm-Lizenznehmer von Loris Azzaro, Porsche Design und Swarovski) die Marke Thierry Mugler zu 100 %.[4]

Clarins löste die Modesparte Thierry Mugler Couture 2002 nach hohen Verlusten auf und schloss alle 14 Mugler-Boutiquen (unter anderem in Hamburg). Ein Produktionsbetrieb und vier Ladengeschäfte wurden 2003 an Balmain verkauft. 1999 hatte Mugler bereits nicht an den Pariser Prêt-à-porter Modenschauen teilgenommen, und im Jahr 2000 hatte sich Thierry Mugler das letzte Mal bei den Haute-Couture-Schauen auf dem Laufsteg verbeugt. Noch 2001 war die preiswertere und als Lizenz vergebene Jeans-Linie Only Thierry Mugler neben der Haute-Couture-Modelinie Thierry Mugler Couture im obersten Preissegment für Damen und der hochpreisigen Prêt-à-porter-Linie Mugler für Damen und Herren ins Leben gerufen worden. Das Parfümgeschäft wurde nach dem Ende der Modesparte fortgeführt, und Thierry Mugler selbst blieb bis 2013 künstlerischer Leiter der Mugler-Parfümsparte bei Clarins.

Wiederbelebung der Marke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 entschloss sich Clarins, die Mugler-Modesparte wiederzubeleben. 2008 wurde dazu die Designerin Rosemary Rodriguez verpflichtet, die unter dem Namen Thierry Mugler Edition 2009 ihre erste Kollektion zeigte. Noch 2008 war die Thierry Mugler Beauty Sparte mit dekorativer Kosmetik ins Leben gerufen worden. 2010 wurde eine Produktionslizenz für Herrenmode an den italienischen Konfektionär Inghirami vergeben. Rodriguez wurde 2010 von Nicola Formichetti, zuvor Stilist von Lady Gaga, abgelöst, der den offiziellen Namen der Modemarke 2011 in Mugler verkürzte. Ab 2011 war Mugler wieder bei den Pariser Modenschauen für Damen und Herren mit einer Laufstegpräsentation vertreten. 2012 wurde eine Handtaschenlinie auf den Markt gebracht. Für die Damenmode zeichnete bis 2013 Sébastien Peigné verantwortlich, das Ressort der Herrenmode füllte Romain Kremer.

Nach seinem Rückzug aus dem Modegeschäft im Jahr 2002 hatte Mugler unter anderem Bühnen-Kostüme für den Cirque du Soleil (2003) und Beyoncé Knowles (2009) kreiert. Im Frühjahr 2013 kehrte er in sein ehemaliges Unternehmen zurück und wurde als Berater für die Modesparte des Hauses Mugler bei Clarins angestellt.[5] Außerdem betreibt er ein Design-Unternehmen namens Le Studio Mugler. Mitte 2013 wurde eine Lizenzvereinbarung mit dem italienischen Modehersteller Ittierre bezüglich der Mugler-Kollektionen getroffen. Formichetti wechselte Ende 2013 zu Diesel. Seit Dezember 2013 ist der Georgier David Koma Chefdesigner bei Mugler.[6] Bei den Pariser Modewochen Anfang 2014 war die Marke Mugler nicht vertreten.

Tätigkeit als Autor & Regisseur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mugler veröffentlichte zwei Bücher (1988 und 1999) und drehte Musikvideos (für George Michael). Ab Anfang der 2000er Jahre zog er nach New York City, veränderte sein Aussehen durch Schönheitsoperationen und Bodybuilding und nennt sich seit 2007 statt Thierry nun „Manfred“.[7]

Ende 2013 präsentierte Mugler sein Kabarett-Programm Mugler’s Follies in Paris.[8] und am 23. Oktober 2014 feierte die neue Grand Show des Friedrichstadt-Palast BerlinTHE WYLD – Nicht von dieser Welt“ ihre Weltpremiere, für die Thierry Mugler als Autor und Regisseur tätig war.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. STRANGE PARTY REPORT – THE EAST VILLAGE EIGHTIES REMEMBERED. Auf mothernyc.com, abgerufen am 17. Februar 2017
  2. Elle-Portraits: Mugler, elle.de, abgerufen: 23. Januar 2014
  3. Thierry Mugler is back after a decade in the fasion wilderness, telegraph.co.uk, 21. Mai 2009
  4. Voguepedia – Thierry Mugler. In: Vogue. vogue.com, 10. April 2009, archiviert vom Original am 2. Februar 2014, abgerufen am 15. Februar 2017 (englisch).
  5. Thierry Mugler kehrt zurück zum Modehaus Mugler, stylebook.de, 24. April 2013
  6. David Koma wird Kreativdirektor von Mugler, vogue.de, 13. Dezember 2013
  7. Andrew Belonsky: Thierry Mugler Transforms Himself Into A Monster. Am 4. Juni 2007 auf queerty.com, abgerufen: 15. Februar 2017
  8. Cabaret-Show von Thierry Mugler in Paris, vogue.de, 23. Dezember 2013