Hephata (Schwalmstadt)

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Kirche und Mahnmal in Hephata, Schwalmstadt
Mahnmal zur Erinnerung an die in der NS-Zeit getöteten Einwohner Hephatas
Straßenschild auf dem Hephatagelände – Es erinnert an Elisabeth Seitz, die in Hadamar getötet wurde

Hephata Hessisches Diakoniezentrum e.V. ist eine Einrichtung der Diakonie in Schwalmstadt-Treysa. Dort werden Menschen in den Bereichen Behindertenhilfe (für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen), Jugendhilfe, Altenhilfe, Sozialpsychiatrie, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe, Neurologische Klinik und der Akademie für soziale Berufe betreut, gefördert und ausgebildet. In den letzten Jahrzehnten wurde ein Netz differenzierter Dienstleistungen in Hessen, Thüringen und Nord-Bayern aufgebaut. Sitz des Vereins ist Marburg.[1]

Hephata geht zurück auf ein aramäisches Wort und bedeutet Tue dich auf. Nach Mk. 7,34 sagte Jesus dieses Wort zu einem Mann, der taub und stumm war, um ihn zu heilen.

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hephata erbringt seine Leistungen in den Bereichen Behindertenhilfe, Jugend-, Familien- und Berufshilfe, Förderschulen und Kindertagesstätte, Soziale Rehabilitation, Kliniken sowie in der Akademie für soziale Berufe.

Die Einrichtung beschäftigt 2659 Menschen, davon 1887 Frauen und 772 Männer. Das entspricht 1731 Vollzeitkräften (Jahresbericht 2012/2013).

Behindertenhilfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden Menschen mit Behinderung in der Einrichtung in Wohneinrichtungen und Werkstätten unterstützt. Während die Menschen in früheren Zeiten überwiegend im Zentralbereich der Einrichtung wohnten und arbeiteten, leben sie heute vielfach in Außenwohngruppen und im Betreuten Wohnen in der Stadt und der Region. Infolge des bereits laufenden Prozesses der Dezentralisierung werden weitere folgen.

Hephata Akademie für soziale Berufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hephata Akademie ist die einrichtungseigene Bildungsstätte für soziale Berufe. Hier werden staatlich anerkannte Altenpfleger und Altenpflegehelfer, Erzieher, Heilerziehungspfleger, Diakone und Heilpädagogen auf Fachschul- und Fachhochschulniveau ausgebildet. In Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Darmstadt kann man am Standort Hephata Soziale Arbeit studieren. Berufstätige aus der Einrichtung können sich ebenso wie Interessierte von außerhalb fort- und weiterbilden. Außerdem werden Fachtagungen zu Themen aus dem sozialen Bereich veranstaltet.

Die Akademie pflegt internationale Partnerschaften, unter anderem mit der französischen Universität Montpellier III, der I.R.T.S in Lille und der bosnisch-herzegowinischen Universität Sarajevo.

Förderschule Hephata[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Förderschule Hephata ist als überregionales Beratungs- und Förderzentrum tätig; sie befindet sich in Trägerschaft der Hephata Diakonie und umfasst Schulen für Erziehungshilfe, Lernhilfe, Praktisch Bildbare, Kranke und Körperbehinderte. Zugehörig ist zudem die Friedrich Trost-Schule als Berufsschule für Praktisch Bildbare, Körperbehinderte, für Lern- und Erziehungshilfe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Einrichtung geht zurück in die Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Im Jahr 1864 gründete Franz von Roques, Pfarrer und Metropolitan, in Treysa das Kurhessische Diakonissenhaus, das seinen Hauptsitz später nach Kassel verlegte. Im Jahr 1901 wurde das Hessische Brüderhaus als Ausbildungsstätte für Diakone durch Pfarrer Hermann Schuchard im ehemaligen Mutterhaus des Kurhessischen Diakonissenhauses eingerichtet.

Auch aus Hephata wurden während des Dritten Reichs Menschen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen im Rahmen der Aktion T4 zuerst in andere Einrichtungen verlegt und später unter anderem in der NS-Tötungsanstalt Hadamar getötet. Mit der Errichtung eines Mahnmals vor der Hephata-Kirche erinnert die Einrichtung an die Opfer und bekennt sich zu ihrer Verantwortung.

1945 wurde bei der Kirchenkonferenz von Treysa, die in Hephata tagte, die Evangelische Kirche in Deutschland und das Evangelische Hilfswerk, die Vorläuferorganisation des Diakonischen Werks, gegründet.

Diakonische Gemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis heute sind Diakone und der Kirche verbundene Mitarbeiter in der Diakonischen Gemeinschaft Hephata organisiert. Von der Gemeinschaft gehen Impulse zur Wahrnehmung des diakonischen Auftrages und zum spirituellen Leben in Hephata und an den Einsatzstellen der Mitglieder aus.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farbenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Farbenhaus gestalten Menschen mit Behinderung zusammen mit Menschen ohne Behinderung Kunstwerke und malen Bilder. Ihre Kunst fand in hessenweiten Ausstellungen (unter anderem im LWV Hessen und im Flughafen Frankfurt) große Beachtung.

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik spielt in der Einrichtung eine große Rolle. In der Kirchengemeinde ist eine Kantorin eingestellt, die unter anderem einen Handglocken-Chor leitet. Die Band Jukas spielt Coverversionen bekannter Hits und eigene Lieder mit deutschen Texten. Die Band Katrin und die Quietschboys treten bundesweit ebenfalls mit Coverversionen von Rock ’n’ Roll-Liedern auf.

Schlaflabor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das erste Schlaflabor in Deutschland wurde Anfang der 1970er Jahre in der Neurologischen Klinik des Hessischen Diakoniezentrums Hephata eröffnet.[2] Hier hat auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) ihren Sitz.

Festtage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßig am zweiten Wochenende im September werden die Hephata-Festtage gefeiert. Hier stellen sich die verschiedenen Bereiche der Einrichtung vor, daneben sind unter anderem der Festtagsmarkt und ein integratives Zeltlager, bei dem Menschen aus Hephata und Gäste von außerhalb drei Tage gemeinsam leben und feiern, feste Bestandteile des Programms. Etliche Aktionskünstler, Theater- und Musikgruppen, deren Repertoire von Volksmusik über Schlager bis Pop und Rock reicht, treten auf. Im Abschlusskonzert haben traditionell bekannte Showgrößen ihren Auftritt, die auch gleichzeitig die Schirmherrschaft der Veranstaltung innehaben. 2007 übernahm Roberto Blanco diesen Part, 2008 traten das Duo Astrid und Freddy Breck (bei einem seiner letzten Auftritte) auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oswald, Philipp: Die Brüderschaft des Hessischen Brüderhauses. Treysa ? 1978 (Broschüre mit zahlreichen historischen Quellen).
  • Thormann, Helmut E.; Göbel, Peter: Verlegt, vernichtet, vergessen ...? Leidenswege von Menschen aus Hephata im Dritten Reich; eine Dokumentation. Hephata (Eigenverlag), Schwalmstadt-Treysa 1985.
  • Thormann, Helmut E.: Abtransportiert aus Hephata - ermordet in Hadamar, Eichberg, Weilmünster, Idstein, Herborn ... Das Gedenk- und Mahnzeichen in Hephata - eine Dokumentation. Hephata, Schwalmstadt-Treysa 1992.
  • Der Beginn der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 1945 in Hephata. Treysaer Kirchenkonferenz vom 27. bis 31. August 1945. Tagung anlässlich der 50. Wiederkehr der Treysaer Kirchenkonferenz, 23. Juni 1995, 24. Juni 1995. Hephata Hessisches Diakoniezentrum, Schwalmstadt-Treysa 1995.
  • Schöpner, Erwin; Braun, Ingelore; Mauch, Gerhard: 1901–2001: Herausforderungen und Antworten. 100 Jahre Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des Hessischen Brüderhauses. Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des Hessischen Brüderhauses, Elisabeth-Seitz-Str., 34613 Schwalmstadt, Schwalmstadt 2001.
  • Lies, Jan Martin: 100 Jahre Kirche in Hephata 1906–2006. Hephata Diakonie, Schwalmstadt-Treysa 2006, ISBN 3-9808942-3-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hephata (Schwalmstadt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.hephata.de/impressum.php
  2. Hephata Klinik (Patientenflyer). Hephata Diakonie, S. 2, archiviert vom Original am 7. Oktober 2009, abgerufen am 26. August 2008 (PDF; 165 kB).