i-Campus Schweinfurt

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Erster Rohbau auf dem i-Campus im Jahre 2018.
Zentrales Hörsaalgebäude für das Wirtschaftsingenieurwesen, für 5 Studiengänge

Der i-Campus Schweinfurt (auch: Johann-Lorenz-Bausch-Campus) ist ein Projekt für einen internationalen Hochschulcampus der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS), der im Carus-Park in Schweinfurt aufgebaut wird. Das Projekt läuft im Rahmen der Internationalisierung der Hochschule, mit neu eingeführten englischsprachigen Studiengängen in Schweinfurt (seit 2014) und Würzburg (seit 2016), die THWS i-Campus genannt werden.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der i-Campus Schweinfurt der THWS wird auf einem einstigen Kasernenareal im Rahmen des neuen Ortsteils Carus-Park aufgebaut, der im Nordwestlichen Stadtteil liegt. In Nachbarschaft zum i-Campus befindet sich ein großer Sportpark, mit dem Sachs-Stadion. Der i-Campus liegt 1 km nordwestlich der Innenstadt und 1,5 km nördlich des Mains. Das Areal befindet sich an der Niederwerrner Straße, einer Ausfallstraße (B 303) Richtung Bad Kissingen und zur A 71 Richtung Erfurt und zur A 7 Richtung Kassel.

Der Campus 1 der THWS liegt 500 m südlich vom i-Campus und besitzt zu ihm zwei direkte Verbindungen über die Richard-Strauß- und die Richard-Wagner-Straße. Zum i-Campus führt von der Innenstadt die Stadtbuslinie 21 Mozartstraße. Vom 1,5 km (Luftlinie) südlich gelegenen Hauptbahnhof führt der Campus-Express als direkte Stadtbuslinie zum Campus 1.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

i-Campus (Aussprache deutsch) steht für internationalen Campus. Seit 2018 taucht in Veröffentlichungen der Stadt Schweinfurt auch der neue Name Johann-Lorenz-Bausch-Campus auf. Johann Lorenz Bausch war ein Mitbegründer der 1652 in Schweinfurt ins Leben gerufenen Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der heutigen Nationalen Akademie der Wissenschaften, heute mit Sitz in Halle an der Saale.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzug der US-Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahrzeichen der Ledward Kaserne: ehemaliges Hauptquartier der US-Heeresgarnison Schweinfurt

2014 wurde die 1945 gegründete U.S. Army Garrison Schweinfurt komplett aufgelöst. Fortan stand u. a. die Ledward Kaserne für den Aufbau eines neuen Stadtteils zur Verfügung (siehe: Carus-Park, Aufbau des Carus-Parks).

Idee für i-Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Bemühungen zu einer Nachnutzung der Ledward Barracks führten zunächst zu keinem Ergebnis, bis am 13. August 2013 eine unerwartete Wende veröffentlicht wurde. Die damalige Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt FHWS (heute: Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt THWS) war intern bereits zuvor zur Überzeugung gekommen, dass angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge eine internationalere Ausrichtung der Hochschule nötig sei. Fast gleichzeitig hatten die Amerikaner ihren Rückzug aus Schweinfurt verkündet. Im Januar 2013 trafen sich der Präsident der FHWS Professor Dr. Robert Grebner und Schweinfurts Oberbürgermeister Sebastian Remelé zu einem ersten Gespräch, bei dem Grebner die bereits weit gediehene Idee des i-Campus vorstellte.[1] Später stand jedoch hinter dem Projekt i-Campus wieder ein Fragezeichen, bis schließlich am 18. April 2015 offiziell bekannt gegeben wurde, dass die Entscheidung für den Bau des i-Campus von der Bayerischen Staatsregierung endgültig gefallen ist und Mittel bereitgestellt werden.[2]

Zuvor, im September 2014 waren bereits die ersten 60 Studenten aus aller Welt zu den beiden Studiengängen in englischer Sprache, Wirtschaftsingenieurwesen und Logistik, nach Schweinfurt gekommen, die zunächst in vorhandenen Räumlichkeiten im Campus 1[3] angeboten werden.[4] Sie laufen im Rahmen der seitdem bestehenden Bachelor-Studiengänge mit der Bezeichnung i-Campus THWS[3] und sind nach dem sogenannten Twinprogramm aufgebaut, was eine Wechsel zwischen den Studiengängen ermöglicht.[3]

Planung und Baubeginn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baugrube des i-Campus im Januar 2018

Im Februar 2016 erhielt der gemeinsame Entwurf der Hamburger Architekten Wiking und Froh und des Berliner Landschaftsarchitekten Frank Kiessling den ersten Preis eines ausgelobten städtebaulichen Ideenwettbewerbes und wurde Grundlage für das Projekt.[5] Im November 2018 war bereits der Rohbau für den ersten Neubau fertiggestellt, ein großes Gebäude, in dem die Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen zusammengefasst wird. Zum Wintersemester 2020/21 wurde das Gebäude eröffnet.

Da die Konversion der Militärflächen in Schweinfurt, im Gegensatz zu anderen Städten und der Conn-Kaserne im Landkreis Schweinfurt, sehr schnell voranschritt, wurde sie als Turbokonversion bekannt.[6]

Angebot und geplanter Endausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Realisiert werden sollen alle nachfolgend aufgeführten Pläne in drei Stufen bis 2030.[7]

i-Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auditorium Maximum im Campus 1 am südlichen Ende der zukünftigen Hochschulachse Schweinfurt

Im Rahmen des Angebotes THWS i-Campus werden bereits am Standort Schweinfurt seit dem Wintersemester 2014/15 im bestehenden Campus 1 für Studenten aus Deutschland und aller Welt englischsprachige Bachelor-Twin-Studiengänge der Fachrichtungen Logistics (Logistik) und Business and Engineering (Wirtschaftsingenieurwesen) angeboten.[3] In Würzburg gibt es seit dem Wintersemester 2016/17 englischsprachige Studiengänge in International Management. Das Angebot soll auf bilinguale (Deutsch/Englisch) Bachelor-Twin-Studiengänge[8] erweitert werden, eventuell auch mit den Fachrichtungen Maschinenbau in Schweinfurt und Informatik in Würzburg. Im Laufe der Zeit soll der i-Campus-Studienbetrieb in Schweinfurt vom Campus 1 vollständig in den Carus-Park verlegt werden. Im Campus 1 soll dann wieder, wie ursprünglich, ausschließlich Lehrbetrieb in deutscher Sprache stattfinden.

Die Abteilung Schweinfurt der THWS hat sich auf die MINT-Fächer spezialisiert, was im i-Campus fortgeführt werden soll: „Die Ausrichtung des geplanten THWS i-Campus bietet ein mit den Unternehmen stark vernetztes, international ausgerichtetes, anwendungsorientiertes (MINT-) Studienangebot.“ (THWS-Präsident Professor Dr. Robert Grebner)[9]

Neue Baumaßnahmen für das Angebot THWS i-Campus sind ausschließlich in Schweinfurt geplant. Neben dem neuen Hauptgebäude sollen später hierfür weitere Gebäudekomplexe westlich einer neuen Nord-Süd-Campusachse entstehen. Diese Achse verläuft in Verlängerung zur Richard-Strauß-Straße, welche mittig auf das Haupt-Eingangsportal des bestehenden Campus 1, mit dem Auditorium maximum, führt. Die Richard-Strauß-Straße und die Nord-Süd-Campusachse sollen einmal zusammen die Hochschulachse Schweinfurt bilden.

i-factory[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum i-Campus wird bei der i-factory das i englisch ausgesprochen, das hier nicht für international sondern für Informationstechnologie steht. In der i-factory werden Wissenschaft und Wirtschaft in einem Netzwerk zusammengebracht, um den neuen Herausforderungen begegnen zu können. Beteiligt sind örtliche große und mittelständische Unternehmen. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart übernahm die Planung.[10] „Die i-factory möchte Unternehmen direkten Zugang zu innovativen Forschungseinrichtungen der FHWS in den Fächern Informatik, Elektrotechnik, Mechatronik und Maschinenbau ermöglichen.“[9]

Zur Industrie 4.0 ist eine Digitale Fabrik in Planung:[9] „Diese ist eine, in einem 3D-Modell visualisierte, virtuelle Musterfabrik, in der voll automatisierte, mehrstufige Fertigungsverfahren kostengünstig in allen Details entwickelt und getestet werden können.“[9] Die Idee der i-factory stammt, gleichsam wie vom i-Campus, von THWS-Präsident Professor Dr. Robert Grebner.[11]

Die THWS bekam zudem ein Lehrzentrum mit dem ersten Studiengang Deutschlands für Robotik, mit 350 Studienplätzen. Er zielt schwerpunktmäßig auf die Programmierung und Anwendung für Robotersysteme mit künstlicher Intelligenz. „In fünf Jahren wollen wir die ersten Robotik-Ingenieure entlassen“, hofft TH-Präsident Grebner. Im Rahmen des i-factory-Konzepts wird als erstes von drei Gebäuden das Robotik-Gebäude für die beiden Studiengänge Robotik (Deutsch) und Robotics (Englisch) errichtet. Das Gebäude soll 2025 fertiggestellt sein.[12]

Außenstelle des Fraunhofer IPA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) übernahm die Planung der i-factory und eröffnete 2020 eine Außenstelle in Schweinfurt, in der Alten Bahnhofstraße. Zentrales Forschungsfeld ist die künstliche Intelligenz (KI) und deren Einsatz für eine nachhaltig optimierte Wertschöpfung (noW) mit der Arbeitsgruppe KI-noW in Schweinfurt.[13]

Siehe auch: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, Arbeitsgruppe KI-noW, Schweinfurt

Industrie on Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen könnten auch Projekträume im i-Campus Schweinfurt mieten (Industry on Campus).[9] „Sie ist noch ein Gedankenexperiment, sieht Produktionsflächen und Büros, Labor- und Seminarräume für Studierende der Hochschule und für die Industrie vor. Eine Verschmelzung also von Industrie und TH, die am Standort des einzigen Maschinenbau-Studiengangs in Unterfranken naheliegt.“[14]

i-Company[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine i-Company (das i wird hier ebenfalls englisch ausgesprochen und hat dieselbe Bedeutung wie bei der i-Factory) soll in Kooperation der THWS mit dem Landkreis Haßberge und der IHK Würzburg-Schweinfurt aufgebaut werden.[9]

„Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft fördern soll auch das Pilotprojekt i-Company. Diese Kooperation von FHWS, dem Landkreis Haßberge und der IHK Würzburg-Schweinfurt soll kleinen und mittelständischen Unternehmen ausgewählte Studierende der Hochschule für Praktika und Projektarbeiten vermitteln. Der besondere Service der FHWS: Durch die i-Company werden organisatorische Aufgaben von der Hochschule übernommen. Beispielsweise sind keine Einzelverträge der Unternehmen mit internationalen Studierenden nötig. Rechtliche und versicherungstechnische Fragen sind bereits geklärt, sodass die Betriebe unkompliziert auf qualifizierte Studierende mit internationaler Erfahrung oder Herkunft zurückgreifen können. Zusätzlich übernimmt die i-Company die Koordination von Projektarbeiten an der Hochschule, die von Unternehmen beauftragt werden.“[9]

Studentendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vier Kasernenblocks um den Ehrenhof an der Niederwerrner Straße werden zu Studentenwohnheimen umgebaut und sollen ein Studentendorf bilden. Der Ehrenhof wurde in Marie-Curie-Platz umbenannt und soll mit seiner Wiese als Treffpunkt und Mitte des Dorfes dienen.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweinfurter Tagblatt: i-Campus: Das Trumpf-Ass in der Hand, 13. August 2013, S. 21
  2. Main Post, Online-Ausgabe vom 20. April 2015: Fachhochschule in Schweinfurt wird international
  3. a b c d FHWS International. Abgerufen am 14. August 2018.
  4. Schweinfurter Tagblatt: Die ersten Internationalen, 5. Februar 2015, S. 21
  5. Hannes Helferich: So lebt es sich künftig in Ledward. In: mainpost.de. 17. Oktober 2017, abgerufen am 20. Februar 2019.
  6. a b TV Touring Schweinfurt, 13. Juli 2016
  7. Schweinfurter Tagblatt, 25. Februar 2016
  8. schweinfurter 3/13: Zweisprachig studieren, S. 19
  9. a b c d e f g Wirtschaft in Mainfranken. Zeitschrift der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt: Der „i-Dreiklang“ der FHWS, März 2014, S. 28 f.
  10. mainpost.de: „Der Industrie 4.0 auf der Spur“, 30. September 2018. Abgerufen am 2. März 2019.
  11. Wirtschaft in Mainfranken: „Mit i-Campus und i-Factory neue Impulse setzen“, Mai 2016, S. 9
  12. mainpost.de: Roboter made in Schweinfurt, 12. März 2020. Abgerufen am 13. April 2020.
  13. Fraunhofer IPA/Pressemitteilung 22. Oktober 2020: Zukunftsweisend: KI-Forschungsteam nimmt Arbeit auf. Abgerufen am 22. Februar 2021.
  14. Schweinfurter Tagblatt, 25. Februar 2016"