Schweinfurt Hauptbahnhof

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Schweinfurt Hauptbahnhof
Empfangsgebäude
Empfangsgebäude
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bauform Kopfbahnhof (Gleise 1, 2 und 83)
Durchgangsbahnhof (Gleise 3 – 8)
Bahnsteiggleise 8
Abkürzung NS
IBNR 8000032
Preisklasse 3
Eröffnung 15. Dezember 1874
Webadresse Stationssteckbrief der BEG
Profil auf Bahnhof.de Schweinfurt_Hbf
Lage
Stadt/Gemeinde Schweinfurt
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 2′ 8″ N, 10° 12′ 42″ OKoordinaten: 50° 2′ 8″ N, 10° 12′ 42″ O
Höhe (SO) 217 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern
i16

Schweinfurt Hauptbahnhof (abgekürzt: Schweinfurt Hbf) ist der größte Bahnhof Schweinfurts. Er ist neben dem Bahnhof Schweinfurt Stadt und dem Haltepunkt Schweinfurt Mitte einer von drei betrieblich genutzten Bahnstationen für den Personenverkehr der Stadt. Er besitzt die Bahnhofskategorie 3 und besteht aus einem kombinierten Durchgangs- und Kopfbahnhof, letzterer Bereich wird derzeit nicht genutzt. Die südlichen Gleisanlagen gehören zum Güterbahnhof, mit dem einzigen Containerterminal Unterfrankens. Die wechselvolle Geschichte des Bahnhofs widerspiegelt die neuere deutsche Geschichte, mit einem Boom in den 1930er Jahren, Zweitem Weltkrieg, deutscher Teilung und Wiedervereinigung.

Der Bahnhof liegt auf Oberndorfer Gemarkung und wurde 1874 als Hauptpersonen-, Güter und Rangierbahnhof eröffnet. Er hieß bis 1893 Bahnhof Oberndorf-Schweinfurt, danach bis 1903/1904 Centralbahnhof Schweinfurt und seitdem Schweinfurt Hauptbahnhof.[5] Bis zur Deutschen Teilung verkehrten Schnellzüge zwischen Berlin und Stuttgart über Schweinfurt, mit Kurswagen bestanden Verbindungen bis in die Schweiz und nach Italien. Nach dem Zweiten Weltkrieg verblieben in Schweinfurt als Angebot im Schienenpersonenfernverkehr lediglich Zugläufe in Ost-West-Richtung zwischen Hof (Saale) und Zielen in Südwestdeutschland. Nach der Wiedervereinigung und dem Wiederaufbau der durchgehenden Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen richteten die Deutsche Bundesbahn und die Deutsche Reichsbahn neue Fernverkehrsangebote in Nord-Süd-Richtung ein. Die Deutsche Bahn stellte die Fernverkehrsverbindungen über diese Strecke im Jahr 2001 wieder ein, womit der Schweinfurter Hauptbahnhof seine Fernverkehrsanbindung verlor.

Der Bahnhof soll bis Dezember 2028 im Rahmen der Fernverkehrsoffensive 2030 der Deutschen Bahn mit einer IC Linie Bamberg–Schweinfurt–Würzburg–Stuttgart–Tübingen wieder in das Fernverkehrsnetz eingebunden.[6] Sie soll mit einmaligem Umstieg in Bamberg in die ICE-Züge auf den in den Jahren 2015 und 2017 eröffneten Schnellfahrstrecken des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) die kürzeste Verbindung der Relation Stuttgart–Berlin werden.[7]

Das Erscheinungsbild des heutigen Hauptbahnhofs, einschließlich seiner Umgebung, gilt als Schandfleck und wurde öfters kritisiert.[8][9]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof liegt außergewöhnlich weit vom Stadtzentrum entfernt, im Stadtteil Oberndorf. Der Bahnhof befindet sich 1,6 km (Luftlinie) südwestlich vom Zentralen Omnibusbahnhof der Stadtbusse am Roßmarkt, dem Mittelpunkt der City. Zur Mitte der weiter östlich gelegenen Altstadt, dem Markt, sind es insgesamt ca. 2 km. Der relativ weit von der Innenstadt entfernte Standort des Hauptbahnhofs wurde in den 1870er Jahren gewählt, damit er auch als Güterverkehrszentrum für zukünftige Industrieansiedlungen dienen kann (siehe: Geschichte), weshalb er heute fast komplett von Großindustrie umgeben wird.

Das Empfangsgebäude liegt nördlich der bis zu 230 Meter breiten Gleisanlagen, an Bahnhofsplatz und Hauptbahnhofstraße.[10]

Siehe auch: Straßenverkehr

Umgebende Personen-, Güter- und Busbahnhöfe (ZOB)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abzweigstelle am Ostende des Hauptbahnhofs,
über die Gerolzhöfer Brücke über den Main,
zum Bahnhof Schweinfurt Sennfeld
Bahnhof Oberwerrn
Güterbahnhof Conn Barracks ¹
ZOB Bahnhofsplatz
(Regional- und Fernbusse)
Bahnhof Schweinfurt Stadt
Haltepunkt Schweinfurt Mitte
ZOB Roßmarkt (Stadtbusse)
Nachbargemeinden Bahnhof Schweinfurt Sennfeld ²
Güterbahnhof Bergrheinfeld
Bahnhof Waigolshausen
Containerterminal Schweinfurt Güterumschlag
Hafen Schweinfurt
¹ derzeit nicht in Betrieb
² derzeit nur Güterverkehr

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Königreich Bayern und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1852 erfolgte mit dem ersten Schweinfurter Bahnhof, dem Stadtbahnhof mit Güterbahnhof bei der Eröffnung der Ludwigs-Westbahn von Bamberg der Anschluss Schweinfurts ans Eisenbahnnetz.[11] Die Bahnstrecke wurde 1854 nach Würzburg weitergebaut.[11] Mit dem Bau der Linien nach Bad Kissingen (1871) und Meiningen (1874) wurde Schweinfurt Eisenbahnknotenpunkt.[11]

Hauptbahnhof um 1903. Das Empfangsgebäude wurde 1943 zerstört und um 1950 neu erbaut

Ende Mai 1874 begann der Bau des Rangier- und Zentralbahnhofs in 2,44 km Entfernung vom ersten Schweinfurter Bahnhof (heutiger Stadtbahnhof) und der 1,82 km entfernten Stadtmitte mit dem Rathaus.[11] Am 15. Dezember 1874 wurde der Personen- und Güterhauptbahnhof eröffnet, zunächst mit einem Ringlokschuppen auf der Südseite,[12] ein zweiter kam später hinzu. Zeitgleich mit dem Bahnhof wurde die Bahnstrecke Ebenhausen – Meiningen in Betrieb genommen.[11] Da der Bahnhof zu Oberndorf gehörte, das damals noch eine selbständige Gemeinde war, war seine Bezeichnung zunächst Bahnhof Oberndorf-Schweinfurt.[11] Als die Stadt kaum über die mittelalterlichen Mauern hinausgewachsen war, wurde der Standort des neuen Bahnhofs inmitten von Feldern gewählt, um möglichst viel Raum für die erwartete Industrialisierung um den Bahnhof freizuhalten.[12] Diese Industrieansiedlungen wurden bis Ende der 1930er Jahre verwirklicht.

Ehem. Bahnbetriebsamt (1877)

Das ebenfalls 1874 eröffnete Empfangsgebäude stand unmittelbar östlich des heutigen Gebäudes und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Es war ein ca. 150 m langes,[13] großstädtisches Empfangsgebäude als wuchtige, langgezogene, zweiflügelige Anlage aus Naturstein, mit dem Haupteingang in der Mitte und einem West- und einem Ostflügel. Das Restaurant 1. Klasse im Ostflügel war ein mondäner Saal im Stile eines Grandhotels, mit Wirtschaftsterrasse und auch beim Schweinfurter Bürgertum beliebt.[11][14]

Schweinfurter Straßenbahn
(1895 bis 1921) am Hauptbahnhof,
vor dem Bahnhof-Hotel Wetterich

1877 wurde 200 m östlich des damaligen Empfangsgebäudes das Bahnbetriebsamt eröffnet. Am 22. Juli 1886 fegte ein Orkan über die Stadt, der schweren Schaden anrichtete und die Dächer aller Bahnsteige abriss.[15] 1889 wurde am östlichen Ende der Bahnhofs-Gleisanlagen die Unterführung-Ost (heutige B 286) erbaut.[11] Die relativ große Entfernung vom Hauptbahnhof zur Innenstadt wurde von 1895 bis 1921 mit der ersten kommunalen Straßenbahn Bayerns, der Straßenbahn Schweinfurt, einer Pferdebahn mit einem Straßenbahndepot am Unteren Wall, überbrückt. 1898 wurde im Bahnhof die elektrische Beleuchtung eingeführt.[11] Seit der Eingemeindung Oberndorfs 1919 befindet sich der Hauptbahnhof auf Schweinfurter Stadtgebiet. 1926 eröffnete die Diakonie Schweinfurt die Bahnhofsmission.[16]

1930er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg lag der Hauptbahnhof an der Schnellzugstrecke zwischen Stuttgart und Berlin. Der Sommerfahrplan 1939 verzeichnete folgende D-Zugpaare:[17]

  • D 9/10 Konstanz/Singen – Stuttgart – Schweinfurt – Berlin Anhalter Bahnhof
  • D 11/12 Tübingen/Stuttgart – Schweinfurt – Berlin Anhalter Bahnhof
  • D 13/14 RomSchaffhausen – Stuttgart – Schweinfurt – Halle – Berlin Anhalter Bahnhof
  • D 15/16 Stuttgart – Schweinfurt – Halle – Berlin Anhalter Bahnhof
  • FD 7/8 Stuttgart – Schweinfurt – Leipzig – Berlin Anhalter Bahnhof

Dazu kamen Kurswagenläufe, u. a. von Hamburg, Mailand, Genua (–Ventimiglia) und Neapel.

In Ost-West-Richtung verkehrten Schnellzüge zwischen Zielen in Südwestdeutschland sowie in Sachsen und Schlesien. Das Kursbuch für Sommer 1939 listet folgende Verbindungen auf:

  • D 115/116 Saarbrücken – Mannheim – Würzburg – Schweinfurt – Bamberg – Hof (u. a. mit Kurswagen von/nach Dresden)
  • D 122/123 Schweinfurt – Bamberg – Hof – Dresden (u. a. mit Kurswagen von/nach Saarbrücken und Bad Kissingen)

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amerikanischer Luftangriff auf das Industriegebiet um den Hauptbahnhof 1943

Die örtliche, kriegswichtige Wälzlagerindustrie war eine Schlüsselindustrie für den Panzer- und Flugzeugbau. Deshalb hatte die Stadt die beste Luftverteidigung Deutschlands. Trotzdem wurde das große Areal des Hauptpersonen- und Güterbahnhofs sehr stark zerstört, da es unmittelbar zwischen der Großindustrie lag, worauf sich die amerikanischen Tagesangriffe zielgenau konzentrierten.

Das Empfangsgebäude wurde beim ersten Luftangriff auf die Stadt am 17. August 1943 komplett zerstört, bis auf zwei Säulen, die noch in der Nachkriegszeit vom Standort zeugten. Unweit nördlich des Empfangsgebäudes wurde 1942 der sogenannte Bahnhofsbunker errichtet, der heute noch bestehende Hochbunker A 10 Kirrdorfstraße (heute: Wohlfahrtstraße). Zudem wurden aus Richtung Erfurt, nördlich der Einfahrtskurve in den Hauptbahnhof, die drei Hochbunker A 1 Nutzweg, A 2 Nutzweg und A 3 Am Wasserturm errichtet (der Bunker A 3 besteht heute noch).[18] Sie wurden in dichter Folge entlang der Bahnlinie positioniert, obwohl das Gebiet im heutigen Stadtteil Bergl damals nur wenig bebaut war, da die Bunker auch Zugreisenden dienten, die von einem Luftangriff überrascht wurden. Während Luftangriffen fuhren die Züge aus dieser Richtung nur bis zum Bahnhof Oberwerrn. Reisende mussten dann in die Stadt laufen. Wegen der starken Beschädigungen der Gleisanlagen des Hauptbahnhofs wurde im August 1944 unweit westlich eine Umgehungskurve gebaut, die die bestehende Kurve der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen (Teil der Strecke Berlin–Stuttgart) zu einem Gleisdreieck ergänzte. Genutzt wurde die neue Kurve nur von Güter- und Militärzügen. Das Bahnhofsareal mit den Gleisanlagen war bei Kriegsende von Bomben förmlich umgepflügt, wurde aber schnell wieder in Stand gesetzt.

Deutsche Teilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflokomotive aus den 1950er Jahren am Hauptbahnhof (2012)

Der Hauptbahnhof war nun aufgrund der deutschen Teilung, in deren Folge die Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen zwischen Mellrichstadt und Rentwertshausen unterbrochen wurde, vom Fernverkehr in Nord-Süd-Richtung abgeschnitten. Von 1947 bis 1950 wurde das zweite Gleis auf dieser Strecke in Westdeutschland zwischen Schweinfurt und der Innerdeutschen Grenze abgebaut. In Schweinfurt verblieben während der deutschen Teilung lediglich Fernverbindungen zwischen Südwestdeutschland und Hof (Saale), mit Kurswagenverbindungen bis nach Dresden, trotz der großen Bedeutung der Kugellagerindustrie Schweinfurts mit den Herstellern FAG Kugelfischer, Fichtel & Sachs und SKF, die damals zu den 100 größten Konzernen Deutschlands gehörten.1973 wertete die Deutsche Bundesbahn die Verbindungen etwas auf, indem sie auf der Relation Hof – Bamberg – Schweinfurt – Heidelberg DC-Züge einführte. Die letzten DC-Züge wurden jedoch bereits 1978 wieder in normale Schnellzüge umgewandelt.

1961 wurde die Umgehungskurve an der westlichen Zufahrt zum Hauptbahnhof mangels Bedarf wieder abgebaut. Ende der 1960er Jahre war angedacht, die unter den Gleisen bestehende Fußgängerunterführung nach Norden zu verlängern, unter der Hauptbahnhofstraße hindurch, bis zum nördlichen Gehsteig an der heutigen AOK, mit den Stadtbushaltestellen Richtung Bergl (Linie 11) und Oberndorf (Linie 12). Die Idee wurde nicht umgesetzt. 1971 wurde die Bahnstrecke Bamberg–Schweinfurt-Gemünden elektrifiziert, ein Jahr später folgte die Strecke nach Würzburg. Die Nebenbahnen im Raum Schweinfurt, auf denen noch bis 1970 die im Bahnbetriebswerk Schweinfurt stationierten letzten, von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen beschafften Lokalbahnlokomotiven der Baureihe Bayerische GtL 4/4 (ab 1968 DB-Baureihe 098) eingesetzt wurden, stellte die Bundesbahn in dieser Zeit schrittweise auf Dieseltriebfahrzeuge um, was letztlich zur Schließung des Bahnbetriebswerks Schweinfurt führte, dessen Dampflokomotiven 1974 noch den größten Bestand der Eisenbahndirektion Nürnberg darstellten. Sie wurden letztmals 1975 eingesetzt. 1981 wurde das Bahnbetriebswerk Schweinfurt aufgelöst, die beiden Ringlokschuppen wurden abgerissen.[19] Die letzte Schweinfurter Lokalbahnlokomotive, die 98 886, wurde von der Stadt Schweinfurt erworben und von 1979 bis 1998 als Denkmal vor dem Hauptbahnhof aufgestellt. Anschließend wurde sie als Leihgabe der Stadt für das Fränkische Freilandmuseum Fladungen wieder aufgearbeitet und fährt seitdem Museumszüge auf der Bahnstrecke Mellrichstadt–Fladungen.[20][21]

Deutsche Wiedervereinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugzielanzeiger der Deutschen Reichsbahn (DR) von 1992: D-Zug BerlinErfurt–Schweinfurt–Würzburg

Kurz nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen durchgehend wiedereröffnet, als Teil der einstigen Berlin–Stuttgarter D-Zugstrecke. Kurze Zeit später verkehrten über den Schweinfurter Hauptbahnhof, wie einst vor dem Zweiten Weltkrieg, wieder Schnellzüge der Deutschen Reichsbahn. Zunächst mit der neuen Verbindung Berlin-Lichtenberg – Halle – Erfurt – Meiningen – Schweinfurt – Würzburg. 1993 wurden kurzzeitig das D-Zugpaar 2152/2153 Würzburg–Schweinfurt–Berlin sowie das D-Zugpaar 2154/2155 Würzburg–Schweinfurt–Cottbus angeboten. Bereits ein Jahr später wurde die Reichsbahn-Verbindung nach Cottbus wieder aufgegeben und von der Deutschen Bahn durch das Interregio (IR)-Zugpaar 2204/2205 Würzburg–Schweinfurt–Berlin ersetzt. Im Jahresfahrplan 1995/96 war bereits nur noch der IR 2013/2014 Binz/Stralsund–Schweinfurt–Würzburg verblieben, der ein Jahr später wieder auf einen vormaligen Laufweg der Reichsbahn Würzburg–Schweinfurt–Berlin als IR 2202/2203 Rennsteig reduziert wurde. Zum Fahrplan 1997/98 wurde der Zuglauf auf Stuttgart–Würzburg–Schweinfurt–Erfurt abgeändert und 2001 ganz eingestellt.

Die Deutsche Bahn zeigte keinen Willen, Fernverkehr auf dieser Strecke beizubehalten, obwohl sie durch die deutsche Mitte Berlin und Stuttgart auf kürzesten Weg miteinander verbindet. Die Ablehnung der allgemein erwarteten Intercity-Verbindung begründete die Deutsche Bahn mit einem Weichenproblem am Würzburger Hauptbahnhof. Der Schweinfurter Hauptbahnhof wird somit seit 2001 zum zweiten Mal nicht mehr vom Fernverkehr bedient (bis 2028: siehe Artikel-Einleitung).

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnsteige (Gleis 6 links und Gleis 7 rechts) mit Doppelstockwagen

Der Bahnhof wurde, mit Ausnahme des Empfangsgebäudes, von 2016 bis 2019 für insgesamt 10,5 Mio. Euro umfassend modernisiert und barrierefrei ausgebaut.[22] Fußgängerunterführung und Bahnsteige sind nun neben Treppen auch über drei neue Aufzugsanlagen erreichbar. Ein Taktiles Bodenleitsystem (Blindenleitsystem) wurde eingebaut.[23]

2019 wurde die neben den Gleisen neu erstellte Unterführung-West für Radfahrer und Fußgänger in die Gleistrasse eingeschoben.[24]

Obwohl Schweinfurt mit 76,2 % (2017) die zweithöchste Einpendlerquote[25] Deutschlands besitzt[26] und 39.600 Menschen täglich zur Arbeit in die Stadt pendeln,[26] dazu Tausende Schüler, Studenten und Einzelhandelskunden aus einem weiten Umfeld, zählt der Hauptbahnhof derzeit nur 7000 Reisende und Besucher pro Tag.[27] In neuerer Zeit wurde kritisiert, dass der Bahnhof ein Schattendasein führe. Als Ursachen wurden die große Entfernung zur Innenstadt (siehe: Lage) und eine schlechte Einbindung ins Liniennetz der Stadtbusse genannt, was seit 2019 zu politischen Kontroversen führte.[8]

Siehe auch: Kritik

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage im Netz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl der Schweinfurter Hauptbahnhof derzeit nicht vom Fernverkehr bedient wird, ist er gut ins Netz eingebunden. Mit seiner Lage in der deutschen Mitte und in der Mitte des Schienenkreuzes Frankfurt a. M. / Erfurt / Nürnberg / Stuttgart, mit ihren vier wichtigen ICE-Bahnhöfen.

Gleisanlagen an östlichen Einfahrt in den Hauptbahnhof, mit einem Regionalzug aus Richtung Bamberg
Eingleisig
via Bad Kissingen/Gemünden
Eingleisig/Trasse zweigleisig¹
via Erfurt
Eingleisig
via Stadtlauringen
²
Eingleisig elektrifiziert
via Gemünden (Frankfurt a. M.)
Nachbargemeinden Zweigleisig elektrifiziert
via Bamberg/Nürnberg
Zweigleisig elektrifiziert
via Würzburg/Stuttgart
Eingleisig
via Kitzingen³
¹ Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen, zweites Gleis von 1947 bis 1950 in Folge der deutschen Teilung abgebaut
² Bahnstrecke (Schweinfurt)–Rottershausen–Stadtlauringen, Personenverkehr 1959 und Güterverkehr 1960 eingestellt, Strecke 1961 abgebaut
³ Bahnstrecke Kitzingen–Schweinfurt, derzeit nur Güterverkehr innerhalb Schweinfurts. Personenverkehr 1987 eingestellt, danach noch Militärtransporte der US Army bis 2006. (Siehe auch: Streit um Reaktivierung der Steigerwaldbahn)

Verkehrliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof ist mit täglich 168 Nahverkehrszügen (Regionalexpress und Regionalbahn, 2017)[27] der wichtigste regionale Verteilerknoten für Unterfranken und insbesondere für Mainfranken, aufgrund seiner zentralen Lage in der Region. Im Würzburger Hauptbahnhof verkehren zwar täglich 190 Nahverkehrszüge,[27] aber aufgrund seiner Mainfränkischen Randlage bedienen viele Züge Mittelfranken und Baden-Württemberg. Hingegen gibt es im großen Gegensatz zu Würzburg in Schweinfurt bis 2028 keinen Fernverkehr (siehe: Artikel-Einleitung).

Jedoch bestehen mit einmaligem Umstieg in den nahegelegenen ICE-Stationen Würzburg und Bamberg, die beide an Schnellfahrstrecken liegen, sehr gute Fernverkehrsanbindungen. So ist beispielsweise Berlin Hauptbahnhof von Schweinfurt aus in 3 Stunden und 25 Minuten mit Umstieg in Bamberg in den ICE über die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke erreichbar[7] (siehe auch: Artikel-Einleitung).

Bediente Strecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Personenverkehr werden derzeit folgende Strecken bedient:

Fernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anschluss an das Intercity-Netz 2028[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof wird seit 2001 nicht vom Fernverkehr bedient (siehe: Geschichte, Deutsche Wiedervereinigung). Spätestens bis Dezember 2028 soll er in das Intercity-Netz eingebunden werden (siehe: Artikel-Einleitung).

ICE Umleitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Umleitungen in Folge von Störungen auf Intercity-Express-Strecken im Großraum um Schweinfurt fahren ICE-Züge über den Hauptbahnhof, jedoch meist ohne Halt.[28] In Folge von Streckenerneuerungen kommt es zu lang andauernden Umleitungen von ICE-Zügen über Schweinfurt.[29] Seit der Modernisierung des Hauptbahnhofs (siehe: Geschichte, Gegenwart) sind mehrere Bahnsteiggleise so lang, dass auch längste ICE-Züge bei Bedarf halten können.

Projekt Neubaustrecke Schweinfurt–Fulda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schlechte Anbindung des Tagungs- und Tourismus-Standortes Bad Kissingen will der Landkreis Bad Kissingen mit dem langfristig angelegten Projekt Schienenverkehrs-Entwicklungsachse Fulda-Bad Kissingen-Schweinfurt-Würzburg angehen, mit einer Neubaustrecke für den Fernverkehr von Schweinfurt zum ICE-Bahnhof Fulda. Die technische Umsetzung soll geprüft werden. Für die Entwicklungsachse sprach sich auch die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt aus. Langfristiges Ziel sei das Projekt bis spätestens 2030 soweit auszuarbeiten, dass es in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wird.[30]

Fernbusse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernbusse halten am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Bahnhofsplatz mit Verbindungen in viele Städte Zentraleuropas.

Flughafentransfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkte Fernbusverbindungen vom Hauptbahnhof bestehen zu folgenden Internationalen Flughäfen:

Fernbuslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkte Fernbusverbindungen vom Hauptbahnhof bestehen u. a. zu folgenden Städten:

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DB und Erfurter Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof ist folgendermaßen in das Netz der Deutschen Bahn eingebunden (Stand: Fahrplanjahr 2013/2014):

Zugeinfahrt 2017 von Osten (aus Richtung Stadtbahnhof), am Fußgängersteg nach Oberndorf
Zuggattung Strecke Verkehrsangebot
Regional-Express1 Frankfurt am MainHanauAschaffenburg – (Würzburg) – Schweinfurt HbfBamberg 120-Minuten-Takt
Regional-Express
(Mainfranken-Thüringen-Express)
Würzburg – Schweinfurt HbfMellrichstadt BahnhofGrimmenthalErfurt 120-Minuten-Takt
Regional-Express
(Franken-Thüringen-Express)
Würzburg – Schweinfurt Hbf – Bamberg – ErlangenNürnberg 120-Minuten-Takt
Regionalbahn
(Mainfrankenbahn)
(SchlüchternJossaGemünden (Main) –) Würzburg – Schweinfurt Hbf – Bamberg 60-Minuten-Takt
Erfurter Bahn (EB 40)
(Unterfranken-Shuttle)
Schweinfurt StadtSchweinfurt Hbf – Mellrichstadt Bahnhof (– Meiningen) 60-Minuten-Takt
Erfurter Bahn (EB 50)
(Unterfranken-Shuttle)
Schweinfurt Stadt – Schweinfurt HbfBad Kissingen (–Gemünden (Main)) 60-Minuten-Takt

1 Main-Spessart-Express; Samstags und Sonntags fahren zwei Ausflugszüge pro Richtung ohne den Umweg über Würzburg über die Werntalbahn direkt von Gemünden (Main) nach Schweinfurt.[31]

Schweinfurt Hbf ist ein Taktknoten, d. h. dort treffen sich jeweils zur vollen Stunde die Züge der drei Hauptstrecken und fahren kurz danach wieder ab. Eingebunden in dieses System sind die drei Regional-Express-Verbindungen (RE) und die Züge der EIB-Linie 4. In Richtung Würzburg und Bamberg entsteht durch Überlagerung von jeweils zwei RE-Linien ein Stundentakt, auf den Strecken nach Bad Kissingen und Meiningen bzw. Erfurt ergibt sich durch stündlich alternierende Fahrten der RE- und EIB-Züge ebenfalls ein stündliches Angebot. Auf der Achse Würzburg–Bamberg wird der RE-Takt durch den zusätzlichen Einsatz von Regionalbahnen ergänzt.

Streit um Reaktivierung der Steigerwaldbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit längerer Zeit gibt es Initiativen zur Reaktivierung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Kitzingen – Schweinfurt Hauptbahnhof, der sogenannten Unteren Steigerwaldbahn oder verkürzt Steigerwaldbahn.[32] Anfang 2019 entbrannte schließlich ein heftiger, bis heute andauernder Streit, der zum Politikum wurde. Im August 2019 wurde schließlich ein neues Konzept zur Reaktivierung vom Verkehrsplaner Robert Wittek-Brix vorgestellt. Einer Regionalstraßenbahn als Integralbahn, die aus Richtung Kitzingen ab dem Bahnhof Schweinfurt Sennfeld in einem Ast auf der bestehenden Bahnstrecke zum Hauptbahnhof fahren und in einem zweiten Ast via Innenstadt an die Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen angebunden werden soll.[33]

Siehe: Steigerwaldbahn, Geforderte Wiederinbetriebnahme

Regionalbusse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Regionalbusknoten befindet sich am ZOB am Bahnhofsplatz. Er wird von Regionalbussen der Omnibusverkehr Franken (OVF) und der Verkehrsgemeinschaft Schweinfurt (VSW) u. a. von folgenden Linien angefahren:[34][35]

  • 8130 : Schweinfurt – Aidhausen
  • 8132 : Schweinfurt – Ebertshausen/Reichmannshausen
  • 8134 : Schweinfurt – Werneck – Arnstein
  • 8135 : Schweinfurt – Wipfeld – Dipbach
  • 8136 : Schweinfurt – Rannungen
  • 8137 : Schweinfurt – Schwebheim – Volkach
  • 8139 : Schweinfurt – Obbach – Wasserlosen/Wülfershausen
  • 8148 : Schweinfurt – Werneck
  • 8156 : Schweinfurt – Haßfurt – (Eltmann)
  • 8160 : Schweinfurt – Gerolzhofen – Oberschwarzach
  • 8165 : Schweinfurt – Oberthulba – Hammelburg
  • 8170 : Schweinfurt – Stadtlauringen – Bad Königshofen
  • 8171 : Schweinfurt – Maßbach – Althausen
  • 9305 : Schweinfurt – Herlheim
  • 9306 : Schweinfurt – Untereuerheim – Donnersdorf – Traustadt – Gerolzhofen
  • 9307 : Schweinfurt – Gerolzhofen – Untersteinbach

Stadtverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfurter Bahn und DB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverkehr ist auf zwei Linien der Erfurter Bahn und einer Linie der DB Regionalbahn (siehe: Infobox Regionalverkehr) zwischen Hauptbahnhof, Haltepunkt Schweinfurt Mitte (City) und Bahnhof Schweinfurt Stadt (östlich der Altstadt) möglich.

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverkehr ist mit dem Regionalbus (siehe: Regionalbusse) zwischen dem ZOB Bahnhofsplatz und der Innenstadt möglich.[35] Stadtbushaltestellen der Stadtwerke Schweinfurt der Linien 11 (Roßmarkt – Bergl), 12 (Roßmarkt – Oberndorf), 64 (Industriegebiet Süd) und Campus Express (zur Fachhochschule) befinden sich an der Ostseite des Bahnhofsplatzes.[35][36]

Containerterminal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Güterbahnhof am Hauptbahnhof

Der Güterbahnhof liegt im südlichen Bereich des Hauptbahnhofs. Hier wurde 1988 ein Containerterminal eröffnet, mit zwei Gleisanlagen (bis 700 Meter lang), Freiflächen und klimatisierten Hallen mit eigenen Gleisanschlüssen. Die Firma Translog Transport + Logistik GmbH betreibt den „Railport“ mit Container- und Stahlumschlag (jährlich 10.000 ISO-Container und 150.000 Tonnen Stahl für die ansässige Großindustrie, 2020). Er bedient täglich die Seehäfen Hamburg und Bremerhaven. Hier wickelt die Betreibergesellschaft CLS Container Logistics Schweinfurt GmbH (eine Kooperation der Translog mit der CDN Container Depot Nürnberg GmbH) den Transport und Umschlag für Im- und Exportware in Überseecontainern ab. Der Transport auf der letzten Meile zu den Kunden in Mainfranken wird zum allergrößten Teil mit eigenen Sattelschleppern bewältigt.[37]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptbahnhof besitzt eine relativ große Infrastruktur, mit insgesamt 25 Personen- und Gütergleisen sowie 18 Bahn- und Bussteigen. Das Potenzial wird derzeit (2020) nicht ausgeschöpft.

Bahnsteige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI) für den Schienenverkehr im Europäischen Wirtschaftsraum soll die nutzbare Bahnsteiglänge für den Fernverkehr 400 Meter betragen, was nach Umbau der Bahnsteige (siehe: Geschichte, Gegenwart) bei mehreren Bahnsteigen umgesetzt wurde.

Gleis Bahnsteighöhe
[cm][23]
Bahnsteiglänge
[m][23]
1 38 188
2 38 400
3 38 400
5 35 360
6 35 360
7 35 460
8 35 460
83 32 145

Der Hauptbahnhof hat insgesamt acht Bahnsteiggleise. An sechs von ihnen wird derzeit (2020) Personenverkehr abgewickelt: an fünf durchgehenden Bahnsteiggleisen und einem Stumpfgleis (Gleis 83). Zwei weitere Stumpfgleise direkt vor dem Empfangsgebäude (Gleis 1 und 2) werden gegenwärtig für den planmäßigen Betrieb nicht benötigt, seitdem die Züge aus Richtung Bad Kissingen und Meiningen über den Hauptbahnhof hinaus bis zum näher an der Innenstadt gelegenen Stadtbahnhof verlängert wurden.

Die insgesamt acht Bahnsteiggleise für den Personenverkehr liegen an: einem Hausbahnsteig (Gleis 1); einem Bahnsteig der aus einer Kombination von Zungenbahnsteig (Gleis 2 West), Hausbahnsteig (Gleis 3 Ost) und Mittelbahnsteig (Gleis 2 Ost und Gleis 3 West) besteht; einem Mittelbahnsteig (Gleis 5 und 6) und einer Kombination aus einem Mittelbahnsteig (Gleis 7 und 8) mit einem Stumpfgleis im Osten an einem Zungenbahnsteig (Gleis 83).

Alle Bahnsteige haben eine Höhe von 38 cm, mit Ausnahme des Gleises 83 mit 32 cm. Alle Bahnsteige sind durch eine Unterführung über Treppen und Aufzüge barrierefrei erreichbar.

Da Gleis 4 keine Bahnsteigkante besitzt, weil es ohne trennenden Bahnsteig zwischen Gleis 3 und 5 liegt, kann es nur für durchfahrenden Verkehr genutzt werden (Rangier-, Güterverkehr, Sonderfahrten).

Relaisstellwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Östlich von Empfangsgebäude und Pavillon befindet sich das 1976 in Betrieb genommene Relaisstellwerk der Bauart SpDrL60 der Deutschen Bahn.

Industriegleise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Hauptbahnhof-Südseite führen Industriegleise ins Schweinfurter Werk-Nord der ZF Friedrichshafen AG und ins Werk 2 der Schwedischen Kugellagerfabriken (SKF). Am westlichen Ende des Hauptbahnhofs führt ein Industriegleis zum Schweinfurter Bauhof des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen.

In das große Stammwerk von FAG Kugelfischer (heute Schaeffler) auf der Hauptbahnhof-Nordseite wurde kein Industriegleis gelegt, es hätte das meterspurige Gleis der von 1895 bis 1921 verkehrenden Schweinfurter Straßenbahn queren müssen.

Steg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gleisanlagen werden von einem 180 m langen Fußgängersteg (genannt: Steg) überquert, der die Bahnhofsnordseite mit der Südseite verbindet. Er wurde 1903 errichtet,[11] im letzten Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut. Der Steg besitzt keine Aufzüge und ist an beiden Enden nur über Treppen erreichbar. Er wurde für Berufspendler geschaffen und stellt eine Fußgängerverbindung zwischen den Großfirmen im Stadtteil Oberndorf (Hauptbahnhof-Südseite) und den Bahnsteigen (Hauptbahnhof-Nordseite) her.

Empfangsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unweit westlich des zerstörten Empfangsgebäudes errichtete die Deutsche Bundesbahn in den frühen 1950er Jahren einen modernen Zweckbau im für die damalige Zeit typischen Stil. Mit kleiner, eingeschossiger Schalterhalle und 84 Metern Gebäudelänge[38] ist er nur gut halb so lang und mit zwei Geschossen zudem niedriger als sein größerer bis viergeschossiger Vorgänger. Das neue Gebäude, mit geringeren Anforderungen, widerspiegelt den Fall des Bahnhofs in die Provinzialität, als Folge der Deutschen Teilung (siehe: Geschichte). Unmittelbar östlich des Empfangsgebäudes stand ein Pavillon aus selber Zeit, der durch einen modernen Stahl-Pavillon im Stil des 21. Jahrhunderts ersetzt wurde.

Empfangsgebäude und Bahnhofspavillon beherbergen ein Reisezentrum der Deutschen Bahn, die Bahnhofsmission, eine Packstation sowie sechs Geschäfte, Service- und Gastronomieangebote[27] auf insgesamt ca. 700 Quadratmetern Vermietungsfläche.[27] Diese umfassen Autovermietung, Shops, Café und zwei Spielhallen.[35] Zudem bieten Empfangsgebäude und Umfeld die üblichen Ausstattungen und Leistungen eines Bahnhofs der Kategorie 3 an.[39][40] Im Obergeschoss befinden sich u. a. Büroräume privater Firmen.

Inzwischen gerät das Empfangsgebäude wegen Unansehnlichkeit zunehmend in öffentliche Kritik (siehe: Kritik).

Omnibusdepot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Omnibusverkehr Franken (OVF) unterhält am Hauptbahnhof eines von insgesamt drei Depots.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das größere Potenzial der um den Schweinfurter Hauptbahnhof liegenden Strecken für den Fernverkehr nicht, bzw. ab 2028 nur über eine Intercity-Linie genutzt wird (siehe: Artikel-Einleitung), gab es angesichts von Streckenüberlastungen im Großraum um Schweinfurt Kritik in der Öffentlichkeit. Auch wegen dem Missverhältnis von 168 täglichen Nahverkehrsverbindungen (Regionalexpress und Regionalbahn, 2017)[27] jedoch ohne bzw. ab 2028 nur wenig Fernverkehr. Während beispielsweise der Aschaffenburger Hauptbahnhof lediglich 154 Nahverkehrsverbindungen besitzt, aber 91 Fernverkehrsverbindungen (jeweils 2017).[27]

Auch die Hässlichkeit des Bahnhofs wird kritisiert:

„Schweinfurt hat das gleiche Problem wie tausende andere Städte in ganz Deutschland: Es hat einen hässlichen Hauptbahnhof. Es scheint als hätte es in den 50er und 60er Jahren einen Wettbewerb zwischen den Städten gegeben, wer den hässlichsten Hauptbahnhof bauen kann. Wenn Besucher nun in Schweinfurt aussteigen, sind sie erstmal enttäuscht.“[41]

Zudem werden die zu geringen Parkmöglichkeiten und das Fehlen eines Parkhaus am Hauptbahnhof kritisiert.[8][9]

Siehe auch: Bahnhofsplatz

Bahnhofsumfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nordseite: Hauptbahnhofstraße nach 1896, mit ersten Werksbauten Kugelfischers

Bahnhofsplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Nachkriegszeit wurde ein im Mittel ca. 115 x 130 m großer Bahnhofsplatz angelegt, an der Südseite mit dem Empfangsgebäude des Bahnhofs. Die drei übrigen Platzseiten wurden sukzessive bis in die 1980er Jahre mit einer meist sechsgeschossigen Randbebauung umgeben. Das Erscheinungsbild des Bahnhofsplatzes wurde öfters kritisiert.[8][9]

Hauptbahnhof Nordseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hbf Nordseite: Hauptbahnhofstraße mit einstigem Bahnhof-Hotel Wetterich und FAG-Hochhaus Hbf Südseite: Containerterminal und ZF Friedrichshafen Werk Nord, vormals Fichtel & Sachs
Hbf Nordseite: Hauptbahnhofstraße
mit einstigem Bahnhof-Hotel Wetterich und FAG-Hochhaus
Hbf Südseite: Containerterminal
und ZF Friedrichshafen Werk Nord, vormals Fichtel & Sachs

An der zum Stadtteil Bergl gehörenden Nordseite befindet sich an der Hauptbahnhofstraße das zur Schaeffler-Gruppe gehörende Stammwerk von FAG Kugelfischer, mit dem FAG-Hochhaus.

Hauptbahnhof Südseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der zum Stadtteil Oberndorf gehörenden Südseite befindet sich die ZF Friedrichshafen AG, vormals Fichtel & Sachs (siehe auch: Industriegleise).

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1,2 km lange Gleisfeld des Hauptbahnhofs wird im Osten (Innenstadtseite) von der Unterführung-Ost (Bundesstraße 286) begrenzt. Im Westen wurde die Unterführung-West (heute nur noch Rad- und Fußweg) durch die Franz-Josef-Strauß-Brücke (John-F-Kennedy-Ring) ersetzt. Beidseitig sind Bahnhofsplatz und Empfangsgebäude erreichbar, die nördlich der Gleisanlagen liegen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Schweinfurt Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Personenverkehr wurde auf dem Abschnitt KitzingenGerolzhofen 1981 und auf dem Abschnitt Gerolzhofen – Schweinfurt Hbf 1987 eingestellt
  2. Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt. Band 2: Entwicklung zur Industriestadt. 1. Auflage. Buch- und Idee-Verlags-GmbH, Schweinfurt 1983, ISBN 3-9800480-2-0, S. 94.
  3. Mittelrhein-Tageblatt: Bahnverkehr nach Schweinfurt gestärkt – DB plant IC-Anschluss. Abgerufen am 14. Januar 2020.
  4. a b Bayerischer Rundfunk: neue ICE-Trasse Nürnberg–Berlin: Schweinfurt–Berlin 3 h 25 min. Archiviert vom Original am 23. Juni 2018; abgerufen am 2. Dezember 2017.
  5. a b c d mainpost.de: Der Bahnhofsplatz wirft viele Fragen auf, 3. Dezember 2019. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  6. a b c swity.de: Parkhaus und Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes? 24. September 2018. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  7. BayernAtlas: Parzellarkarte, Bereich Hauptbahnhof Schweinfurt. Abgerufen am 17. Januar 2020.
  8. a b c d e f g h i j Paul Ultsch: Damals in Schweinfurt. Band 1: Als die Stadtmauer noch Begrenzung war. 1. Auflage. Buch- und Idee-Verlags-GmbH, Schweinfurt 1982, ISBN 3-9800480-1-2, S. 89 ff.
  9. a b BayernAtlas: Ausschnitt aus dem Positionsblatt 1:25.000, Nr. 94 Schweinfurt (1842), mit späteren ergänzenden Eintragungen der Bahnlinien; der 20 Jahre nach Eröffnung der Bahnlinie Schweinfurt–Würzburg (1854) eröfnete Bf. Oberndorf-Schweinfurt wurde nachträglich ergänzt (siehe Radierspuren). Abgerufen am 17. Januar 2020.
  10. Gemessen im BayernAtlas, Historische Karte
  11. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de/Hauptbahnhofsgaststätte. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  12. Hubert Gutermann: Alt-Schweinfurt. 12. überarbeitete Auflage. Mediengruppe Main-Post, Würzburg 2006, ISBN 3-925232-22-2, S. 72.
  13. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de/Geschichte
  14. Deutsches Kursbuch, Sommer 1939, Tabellen 417 und 420, abgerufen am 28. Januar 2020
  15. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de/Bunker. Abgerufen am 14. Januar 2020.
  16. Peter Hofmann: schweinfurtführer.de/Geschichte der Eisenbahn in Schweinfurt. Abgerufen am 13. Januar 2020.
  17. UEF: Die Triebfahrzeuge der Lokalbahn, abgerufen am 28. Januar 2020
  18. privat-bahn.de: Fahrzeugliste Eisenbahnfreunde Untermain e.V. (EFU), Thüringisch-Fränkische Museumseisenbahn e.V., Fränkisches Freilandmuseum (FFM), abgerufen am 28. Januar 2020
  19. mainpost.de: Der Hauptbahnhof wird barrierefrei, 13. Mai 2016. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  20. a b c Deutsche Bahn: Barrierefreier Umbau Schweinfurt. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  21. mainpost.de: Am Sonntag wird eine Brücke am Hauptbahnhof eingeschoben, 22. November 2019. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  22. Die Einpendlerquote eines Ortes ist der prozentuale Anteil seiner Einpendler im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl
  23. a b BR24: Studie bescheinigt Schweinfurt viel Wirtschaftskraft, 30. April 2018. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  24. a b c d e f g Die Deutsche Bahn AG in Unterfranken. Abgerufen am 21. Januar 2020.
  25. mdr Thüringen: ICE-Strecke Erfurt-Nürnberg soll Montag wieder befahren werden. Abgerufen am 14. Januar 2020.
  26. mainpost.de: ICE-Strecke zwischen Fulda und Würzburg 2022 gesperrt, 1. Oktober 2018. Abgerufen am 25. Januar 2020.
  27. inFranken.de: Schienen durch die Rhön?, 14. Mai 2018. Abgerufen am 20. Januar 2020.
  28. Linienplan Main-Spessart-Express. Archiviert vom Original am 6. Dezember 2017; abgerufen am 6. Dezember 2017.
  29. mainpost.de: IHK: Steigerwaldbahn würde Region stärken, 20. Juli 2018. Abgerufen am 20. Januar 2020.
  30. mainpost.de: Mit der Bahn durch die Schweinfurter Innenstadt, 2. August 2019. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  31. Landkreis Schweinfurt: Linienplan ÖPNV. Abgerufen am 14. Januar 2020.
  32. a b c d Deutsche Bahn/Stationssteckbrief Schweinfurt Hbf. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  33. Linienplan der Schweinfurter Stadtbusse. (PDF) Abgerufen am 4. Januar 2017.
  34. mainpost.de: Vom Hochseeschiff auf die Schiene und ab nach Schweinfurt, 22. Februar 2020. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  35. Gemessen im BayernAtlas
  36. Deutsche Bahn/Schweinfurt Hbf Ausstattungsmerkmale. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  37. Firmendatenbank/Schweinfurt Hauptbahnhof. Abgerufen am 24. Januar 2020.
  38. SCHWEINFURTCITY, Anzeige Campus: 4 unberechtigte Vorurteile gegen Schweinfurt, 14. August 2018. Abgerufen am 21. Januar 2020.