Ilma Rakusa

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Ilma Rakusa bei einer Lesung auf dem Erlanger Poetenfest 2009

Ilma Rakusa (* 2. Januar 1946 in Rimavská Sobota, Slowakei) ist eine Schweizer Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Literaturübersetzerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ilma Rakusa ist die Tochter eines slowenischen Vaters und einer ungarischen Mutter. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie in Budapest, Ljubljana und Triest. 1951 liess sich die Familie in der Schweiz nieder. Ilma Rakusa besuchte die Volksschule und das Gymnasium in Zürich. Nach der Matura studierte sie von 1965 bis 1971 Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. 1971 promovierte sie mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Studien zum Motiv der Einsamkeit in der russischen Literatur“ zum Doktor der Philosophie. Von 1971 bis 1977 war sie Assistentin am Slawischen Seminar der Universität Zürich, an der sie seit 1977 als Lehrbeauftragte wirkt. Neben dieser Tätigkeit ist sie als Übersetzerin aus dem Französischen, Russischen, Serbokroatischen und Ungarischen und als Publizistin (Neue Zürcher Zeitung und Die Zeit) tätig. Heute lebt Ilma Rakusa als freie Schriftstellerin in Zürich.

Rakusa ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie der Fachjury des Zuger Übersetzer-Stipendiums.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rakusa wurde vor allem als Übersetzerin von Marguerite Duras aus dem Französischen, Marina Zwetajewa aus dem Russischen, Imre Kertész und Péter Nádas aus dem Ungarischen und Danilo Kiš aus dem Serbokroatischen bekannt.[2] In der Lyrik erinnern Rakusas schlanke Parataxen zuweilen an die Rhythmen des Rap, auch der Prosa- und Essaystil ist von Musikalität durchdrungen.[2] In zahlreiche Sprachen übersetzt wurden ihre Erinnerungen unter dem Titel Mehr Meer, für die Rakusa 2009 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde.[2] In Einsamkeit mit rollendem ‚r‘ (2014) beschreibt Rakusa „emphatische Begegnungen, die so flüchtig sind wie die Orte, an denen diese Menschen zusammenfinden, um wieder auseinanderzugehen. Sie berichtet von Menschen, die wie sie selbst stets auf gepackten Koffern sitzen.“[2]

Werke im Einzelnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Studien zum Motiv der Einsamkeit in der russischen Literatur. Dissertation. Herbert Lang, Bern 1973.
  • Sinai. Bild-Text Buch, Howeg, Zürich 1980.
  • Die Insel. Erzählung, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1982.
  • Miramar. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt 1986.
  • Leben. 15 Akronyme. Howeg, Zürich 1990.
  • Steppe. Erzählungen. Suhrkamp, Frankfurt 1990.
  • mit Regine Walter: Les mots, morts. Gedichte. Howeg, Zürich 1992.
  • Jim. Sieben Dramolette. Suhrkamp, Frankfurt 1993.
  • Farbband und Randfigur. Vorlesungen zur Poetik. Droschl, Graz 1994.
  • Ein Strich durch alles. 90 Neunzeiler. Suhrkamp, Frankfurt 1997[3]
  • Love after love. Acht Abgesänge. Suhrkamp, Frankfurt 2001, ISBN 3-518-12251-7.
  • Von Ketzern und Klassikern. Streifzüge durch die russische Literatur. Suhrkamp, Frankfurt 2003, ISBN 3-518-12325-4.
  • Langsamer! Gegen Atemlosigkeit, Akzeleration und andere Zumutungen. 3. Auflage. Droschl, Graz 2006, ISBN 3-85420-692-5.
  • Stille. Zeit. Essays. Tartin Editionen, Salzburg 2005.
  • Durch Schnee. Erzählungen und Prosaminiaturen (mit einem Nachwort von Kathrin Röggla), Suhrkamp, Frankfurt 2006, ISBN 3-518-45794-2.
  • Zur Sprache gehen (Dresdner Chamisso-Poetikvorlesungen 2005). Thelem Universitätsverlag, Dresden 2006, ISBN 3-937672-49-4.
  • Garten, Züge. Eine Erzählung und 10 Gedichte. Edition Thanhäuser, Ottensheim 2006.
  • Mehr Meer. Erinnerungspassagen. Droschl, Graz 2009, ISBN 978-3-85420-760-3.
  • Aufgerissene Blicke. Berlin-Journal. Droschl, Graz 2013, ISBN 978-3-85420-836-5.
  • Einsamkeit mit rollendem „r“. Erzählungen. Droschl, Graz 2014, ISBN 978-3-85420-953-9.
  • Autobiographisches Schreiben als Bildungsroman. Stefan Zweig Poetikvorlesung. Sonderzahl, Wien 2014. ISBN 978-3-85449-408-9.

als Herausgeberin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Felix Philipp Ingold: Gedichte an Gott sind Gebete. Arche, Zürich 1972
  • mit Felix Philipp Ingold: Alexander Solschenizyn: Kirche und Politik. Arche, Zürich 1973
  • Einsamkeiten. Ein Lesebuch. Arche, Zürich 1975.
  • mit Hugo Schmid: Russische Kinder. Arche, Zürich 1979.
  • Dostojewskij in der Schweiz. Ein Reader. Insel, Frankfurt 1981
  • Marguerite Duras. Materialienband. Suhrkamp, Frankfurt 1988.
  • Anna Achmatova: Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt 1988
  • Danilo Kiš: „Homo poeticus“. Gespräche und Essays. Hanser, München 1994
  • Joseph Brodsky: Haltestelle in der Wüste. Gedichte, Suhrkamp, Frankfurt 1997
  • Marina Zwetajewa: Versuch, eifersüchtig zu sein. Gedichte. Suhrkamp, Frankfurt 2002
  • mit Ursula Keller: Europa schreibt. Essays aus 33 europäischen Ländern, Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2003
  • mit Mohammed Bennis: "Die Minze erblüht in der Minze". Arabische Dichtung der Gegenwart. Carl Hanser, München 2007.
  • Danilo Kiš: „Familienzirkus“. Die großen Romane. Carl Hanser, München 2014.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. derStandard.at - Ilma Rakusa erhält Manes-Sperber-Preis. Artikel vom 12. November 2015, abgerufen am 12. November 2015.
  2. a b c d Volker Breidecker: Die Fahrende. Ilma Rakusa, die große Europäerin der Literatur, wird 70., in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 300, 30. Dezember 2015, S. 14.
  3. Drei davon im Vorabdruck in Akzente (Zeitschrift) H. 1, 1993, S. 62–67 (Der Himmel ein Ei; Für M.; Koppel).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]