Imre Kertész

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Imre Kertész in Szeged, 2007

Imre Kertész [ˈimrɛ ˈkɛrte:s] (geboren am 9. November 1929 in Budapest; gestorben am 31. März 2016 ebenda[1]) war ein ungarischer Schriftsteller jüdischer Abstammung. Er erhielt 2002 den Nobelpreis für Literatur.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imre Kertész wurde am 9. November 1929[2] in Budapest geboren.[3] Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde er mit vierzehn Jahren im Juli 1944[4] (im Verlauf eines gegen Miklós Horthy gerichteten Gendarmerieputsches in Budapest, der aber letztlich scheiterte)[5] über Auschwitz in das Konzentrationslager Buchenwald und in dessen Außenlager Wille in Tröglitz/Rehmsdorf bei Zeitz verschleppt.[6] Am 11. April 1945 wurde er befreit[7] und kehrte nach Budapest zurück. Diese ihn zeitlebens prägende Zeit im Lager verarbeitete er zuerst in dem 1973 vollendeten Roman eines Schicksallosen.

Nach seinem Abitur 1948 fand Kertész von 1949 bis 1950 eine Anstellung als Journalist bei der Tageszeitung Világosság, die er jedoch wieder aufgeben musste, da diese zum Parteiorgan der Kommunisten erklärt wurde. Daraufhin arbeitete er zunächst in einer Fabrik und dann in der Presseabteilung des Ministeriums für Maschinenbau und Hüttenwesen.

Ende 1951 wurde Kertész zum Militärdienst einberufen. U.a. arbeitete er als Wärter in einem Militärgefängnis. Aus dieser Stellung entkam er durch das Vortäuschen eines Nervenzusammenbruchs. Danach wurde er im Filminstitut der Armee beschäftigt.[8]

Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1953 begann Kertész in Budapest als freier Schriftsteller zu arbeiten. Seinen Lebensunterhalt sicherte er sich zunächst aber nur mit dem Schreiben von Texten zu Musicals und Theaterstücken, die er nicht zu seinem literarischen Werk zählt.[9] Nachdem 1975 sein erster Roman erschienen war, konnte er auch mit Übersetzungen Geld verdienen. Unter anderem übertrug er Werke von Friedrich Nietzsche, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Sigmund Freud, Joseph Roth, Elias Canetti, Tankred Dorst, Walter E. Richartz, Volker W. Degener, Friedrich Dürrenmatt und Ludwig Wittgenstein.[10]

1953 lernte Kertész seine spätere Frau Albina Vas kennen, die er 1960 heiratete und mit der er bis zu ihrem Tod 1995 zusammenlebte.

1960 begann er mit der 13-jährigen Arbeit an dem Roman Sorstalanság (Schicksalslosigkeit), 1975 (dt. Mensch ohne Schicksal, 1990; Roman eines Schicksallosen, 1996), der zu einem der bedeutendsten Werke über den Holocaust zählt und der seinen Ruhm begründete. Seine Texte haben durchgehend einen autobiographischen Charakter, jedoch sind die biographischen Motive in den Romanen ironisch gebrochen und verweisen auf allgemeinere Themen. Kertész’ letzte Buchveröffentlichungen sind der Tagebuchroman Letzte Einkehr von 2014 (dt. 2015), den Kertész selbst als Abschluss seines Werkes bezeichnete, und der Tagebuchband Der Betrachter. Aufzeichnungen 1991–2001, an dem er bis kurz vor seinem Tod arbeitete und der auf Ungarisch auch noch zu seinen Lebzeiten am 10. März 2016 beim Verlag Magvető erschien (dt. 2016).

Eine breitere Rezeption seiner Arbeit setzte erst nach der Wende von 1989 ein. Endlich wurde er auch im Westen bekannt (wobei die Kritikerin Eva Haldimann schon seit März 1977[11] in der Neuen Zürcher Zeitung Rezensionen zu seinen ungarischen Veröffentlichungen schrieb),[12] seine Werke wurden übersetzt, und er hatte zum ersten Mal ein größeres Publikum.

1996 heiratete Kertész in zweiter Ehe die aus Ungarn stammende Amerikanerin Magda Ambrus-Sass. Kennengelernt hatte er sie bereits im Oktober 1990 auf einer Abendgesellschaft des Kritikers Sándor Radnóti.[13]

2001 nahm Kertész zunächst eine Arbeitswohnung in Berlin und lebte schließlich mit seiner Frau dauerhaft in Berlin. 2002/2003 war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, von dem er eine Förderung zur Fertigstellung seines Romans Liquidation erhielt.

Im Oktober 2002 wurde Kertész mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Im Zusammenhang mit seinem (nicht ins Deutsche übersetzten) Theaterstück Csacsifogat aus den 1950er Jahren hatte ein einstiger Freund, der Autor und Dissident Pál Bán, gegen ihn einen Plagiatsvorwurf erhoben. Dieser Anschuldigung, die in der Zeitung Soproni Ász am 14. November 2002 veröffentlicht wurde, widersprach Kertész.[14] In einer Tagebuchnotiz vom 17. November kommentiert er den unmittelbar nach dem Nobelpreis gegen ihn gerichteten Angriff: „Die Groteske, die mein Leben begleitet. […] es setzt mir mehr zu als nötig.“[15]

Am 3. Oktober 2003 hielt Kertész auf Einladung der Landesregierung von Sachsen-Anhalt die Festrede zur zentralen Feier der Deutschen Wiedervereinigung[16] in Magdeburg.[17]

Am 29. Januar 2007 war Kertész Gastredner im Deutschen Bundestag anlässlich des offiziellen Gedenktages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Im Rahmen der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus las er aus seinem Roman Kaddisch für ein nicht geborenes Kind.[18]

Im November 2012 wurde in der Berliner Akademie der Künste das Imre-Kertész-Archiv der Öffentlichkeit präsentiert. Dem Archiv hatte Kertész schon seit Ende 2001 Manuskripte und Korrespondenz überlassen. 2012 erwarb die Akademie den bei ihr lagernden Bestand mit Unterstützung der Friede-Springer-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.[19]

Im November 2012 zog Kertész wegen seiner fortschreitenden Parkinson-Erkrankung[20] wieder nach Budapest: „Ich habe Parkinson, sonst wäre ich nie zurückgekommen.“[21] Tatsächlich stand er seinem Heimatland kritisch gegenüber. Schon 1990 verließ er den ungarischen Schriftstellerverband, über den er 2004 anlässlich antisemitischer Vorfälle, die eine größere Austrittswelle verursachten, auch einen polemischen Essay verfasste.[22] Kritisch über Ungarn äußerte er sich weiterhin in zwei Interviews von 2009.[23][24] Als er jedoch 2014 von Ministerpräsident Viktor Orbán für den Sankt Stephans-Orden nominiert wurde,[25] nahm er diesen höchsten ungarischen Staatspreis trotz der Gefahr einer politischen Vereinnahmung seiner Person an, denn er sehe die Notwendigkeit, in seinem Land einen „Konsens“ herzustellen.[26] Imre Kertész starb am 31. März 2016.[27] Seine Grabstätte befindet sich auf dem Kerepesi temető im VIII. Budapester Bezirk.[28]

Ende 2016 wurde bekannt, dass Kertész’ Witwe vor ihrem Tod im September 2016 die Rechte an seinem Nachlass einer regierungsnahen ungarischen Stiftung vermacht hatte.[29] Diese gründete Anfang 2017 das Imre-Kertész-Institut (Kertész Imre Intézet), an dem seine nachgelassenen Manuskripte für eine Veröffentlichung aufbereitet werden sollen. Leiter des Instituts ist Kertész’ ehemaliger Freund und Lektor Zoltán Hafner.[30]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prosawerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tetralogie der Schicksallosigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman eines Schicksallosen bildet zusammen mit den Bänden Fiasko, Kaddisch für ein nicht geborenes Kind und Liquidation eine sogenannte „Tetralogie der Schicksallosigkeit“. Diese üblich gewordene Einordnung seiner großen Romane zu einem Zyklus relativiert allerdings Kertész selbst in seinem autobiographischen Dialogroman Dossier K. von 2006, in dem einer seiner beiden Alter Egos sagt: „Trilogie, Tetralogie: das besagt für mich nichts. Ich habe immer nur den Roman geschrieben, den ich gerade schrieb, […]. Mit einer Adorno-Paraphrase gesagt: Nach Auschwitz ist es nicht mehr möglich, Romanzyklen zu schreiben.“ Jedoch habe er auch „nichts dagegen einzuwenden“, wenn diese „organisch“ zustande gekommene Struktur so charakterisiert werde.[31]

„Roman eines Schicksallosen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kertész arbeitete an seinem ersten Roman Sorstalanság (Schicksalslosigkeit), in dem er seine Erfahrungen in Auschwitz und Buchenwald thematisiert, von 1960 bis 1973. Das Manuskript wurde 1973 von dem Staatsverlag Magvető abgelehnt. Nach der Veröffentlichung 1975 bei Szépirodalmi – laut Kertész dem einzigen anderen möglichen Verlag – wurde das Buch lange Zeit totgeschwiegen. Erst nachdem György Spiró 1983 in der Zeitschrift Élet és Irodalom (Leben und Literatur) einen Artikel über Kertész’ Erstlingswerk publiziert hatte, brachte die zweite ungarische Auflage von 1985 dem Roman die gebührende Anerkennung.[32] Auf Deutsch erschien der Roman zunächst in der Übersetzung Mensch ohne Schicksal von Jörg Buschmann (Rütten und Loening, 1990). Bekannt wurde aber erst die Neuübersetzung Roman eines Schicksallosen von Christina Viragh (Rowohlt Berlin, 1996).

Als Sorstalanság 1973 mit der Begründung abgelehnt worden war, Kertész komme mit „«diesem Thema»“ (Auschwitz) angeblich „zu spät“, antwortet er hierauf im Tagebuch: „Denke ich an einen neuen Roman, denke ich wieder nur an Auschwitz.“[33] Dies bedeutet dennoch nicht, dass Sorstalanság autobiographisch im einfachen Sinn des Wortes ist, wie eine oberflächliche Lektüre vermuten lassen könnte. Kertész selbst bemerkt dazu, dass er zwar eine autobiographische Form verwendet, aber keinen autobiographischen Text geschrieben habe: „Das Autobiographischste“ an dem Roman sei, dass es in ihm „nichts Autobiographisches gibt.“[34] Seine frühen Arbeitsnotizen legen vielmehr nahe, dass der erzählerisch dargestellte Arbeitsdienst eine Allegorie für seine exemplarische „Arbeit an sich selbst“ ist, die er nach seiner Befreiung aus dem Lager als werdender Autor in Budapest leistete. Mit dieser unterscheide er sich vom zeittypischen „funktionalen Menschen“, der sich ideologisch leiten lässt und so das „existentielle Erlebnis seines Lebens“ versäumt respektive „ohne eigenes Schicksal“ bleibt.[35] Als Schriftsteller sehe er sich dagegen als jemand, der seine persönlichen Erlebnisse in eigener Verantwortung zu deuten versucht, bei allem Zwang der Verhältnisse also zumindest „die Sprache und die fertigen Begriffe nicht akzeptiert.“[36] Zum Titel des Romans gibt Kertész in einer Notiz von 1965 Auskunft: „«Roman einer Schicksalslosigkeit» – als möglicher Titel […]. Was bezeichne ich aber als Schicksal? Auf jeden Fall die Möglichkeit der Tragödie. Die äußerste Determiniertheit aber, die Stigmatisierung, die unser Leben in eine durch den Totalitarismus gegebene Situation, in eine Widersinnigkeit presst, vereitelt diese Möglichkeit: Wenn wir also als Wirklichkeit die uns auferlegte Determiniertheit erleben statt einer aus unserer eigenen – relativen – Freiheit folgenden Notwendigkeit, so bezeichne ich das als Schicksalslosigkeit.“[37]

Das Buch wurde 2003–2004 von Lajos Koltai unter dem Titel Sorstalanság (dt. Fateless – Roman eines Schicksallosen) verfilmt. Die deutsche Fassung wurde 2005 auf der Berlinale vorgestellt. Der Film basiert auf dem Drehbuch Sorstalanság. Filmforgatókönyv, 2001 (dt. Schritt für Schritt, 2002) von Kertész.

„Fiasko“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der zweiteilige Roman A kudarc (Teil 1 veröffentlicht in der Zeitschrift des ungarischen Schriftstellerverbands Kortárs Nr. 2, 1983; vollständig erschienen 1988 bei Szépirodalmi; dt.: Fiasko, 1999) ist eine Selbstdarstellung Kertesz’ sowohl hinsichtlich seiner aktuellen literarischen Arbeit als auch seiner frühen Schreibversuche beziehungsweise seiner damit einhergehenden geistigen Entwicklung. Im ersten Teil bereitet sich der »Alte«, der bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat (äquivalent dem Roman eines Schicksallosen von 1975 und einem Band mit den Erzählungen Der Spurensucher und Detektivgeschichte von 1977[38]), und der seinen Lebensunterhalt ansonsten mit Übersetzungen bestreitet, auf das Schreiben eines neuen Romans vor. Aus diesem Roman besteht der zweite Teil von Fiasko. In ihm schildert Kertész anhand der Figur Steinig (ungar.: Köves, ein Namensvetter des Jungen aus dem Roman eines Schicksallosen) seine Entwicklung zur verantwortlichen Person und zum künstlerischen Autor. In einer Tagebuchnotiz von 1994 bemerkt er über den „Titel Fiasko“, das damit thematisierte „Scheitern“ beziehe sich darauf, dass der Protagonist des Romans zwar eigentlich „sein Ich verlieren will“, dann aber doch nicht dem „im einleitenden Teil skizzierten Schicksal“ des Alten entkommen kann, als ein verantwortliches Individuum zu leben.[39] Entsprechend erkennt Steinig im Verlauf eines existentiellen Erlebnisses, dass er sich dem verführerischen „Sog“ der Massengesellschaft entziehen und sich selbst wie einen „Ertrinkenden“ retten muss.[40]

„Kaddisch für ein nicht geborenes Kind“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Roman Kaddis a meg nem született gyermekért, 1990 (dt. Kaddisch für ein nicht geborenes Kind, 1992) befasst Kertész sich mit den bleibenden Folgen der Schoah und dem (geistigen) Überleben nach Auschwitz. Kaddisch ist der Titel eines Gebets, das die Juden für ihre Toten sprechen. Dem korrespondiert in Kertész’ Roman der Monolog des Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden B., der nach Auschwitz kein neues „Leben“ mehr in die Welt setzen will und stattdessen versucht, als Autor durch die Weitergabe seiner Lebenserfahrung an die Nachwelt eine „geistige Existenzform“ zu realisieren. Diese sei „nichts anderes als eine Erklärung, eine Anhäufung von Erklärungen“ – und zwar in seinem Fall: für „Auschwitz“.[41]

„Liquidation“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Roman Felszámolás, 2003 (dt. Liquidation, 2003) beschreibt Kertész, wie sich die junge Generation in Ungarn nach der Wende wieder mit dem historischen Erbe Auschwitz konfrontiert sieht „und damit nichts anfangen kann“.[42] Als ein charakteristischer Vertreter jener Generation dient die Figur des nihilistischen und kulturlosen Lektors Keserű, dessen Name ihn als einen verbitterten Menschen ausweist (ungar. keserű = bitter). Eine formale Besonderheit an Liquidation ist, dass die Rolle des Erzählers scheinbar von verschiedenen Figuren übernommen wird. Jedoch gibt es signifikante Hinweise darauf, dass der Erzähler durchgehend mit dem Selbstmörder B. oder Bé, einem Alter Ego Kertesz’, identisch ist, der als geisterhafter Autor wie ein Bauchredner aus dem Mund verschiedener puppenartiger Figuren (und auch als nicht weiter identifizierter, anonymer Erzähler) spricht.[43] Dem korrespondiert die weitere Besonderheit, dass Liquidation, anders als alle anderen Romane Kertész’, keine realen Erlebnisse zur Grundlage hat. Vielmehr entwirft Kertész alias Bé dort ein Szenario der Zukunft, wobei er sich hypothetisch in das Leben fremder Personen (wie u. a. Keserű) versetzt.[44] Entsprechend hat im Roman Bé ein Theaterstück mit dem Titel »Liquidation« hinterlassen, aus dem einige Passagen zitiert werden und dessen Handlung sich in der Roman-Realität auf rätselhafte Weise wiederholt. Durch das fiktiv von Bé verfasste Szenario motiviert Kertész den zeitgenössischen Leser, den Konformismus und die Verantwortungslosigkeit zu überwinden, die eine wesentliche Bedingung sowohl für Auschwitz als auch für die kommunistische Diktatur waren. Dieser verbreiteten Mentalität stellt er das Ideal einer subkulturellen „Solidarität“ oder „Liebe“ gegenüber, welche Haltung einen gangbaren Weg in die Zukunft weisen würde.[45] Die Abwesenheit von Bé wird in Liquidation noch dadurch betont, dass Keserű in Bés Nachlass einen geheimnisvollen „Roman“ vermisst, den Bés ehemalige Frau Judit verbrannt haben soll. Dieser Roman ist offenbar ein Symbol für das Leben oder die biographische Erinnerung von Kertész. Der Leser kann sich somit dazu aufgefordert sehen, nunmehr selbst neue Erfahrungen zu machen und sein Leben auf dieser Grundlage eigenverantwortlich zu gestalten.[46] Diesbezüglich gibt Kertész gleich zu Beginn des Romans einen konkreten Hinweis, indem er auf den Kosovokrieg von 1999 anspielt, an dem auch Ungarn als neues Mitglied der NATO beteiligt war: „Neuerdings – … just im frühen Frühling 1999, an einen sonnigen Vormittag – war die Wirklichkeit für Keserű zu einem problematischen Begriff, doch was noch schlimmer ist, zu einem problematischen Zustand geworden.“[47] Im Klartext schreibt er dazu in dem 1999 verfassten Essay Wird Europa auferstehen?: „Es war Frieden. Doch in der letzten Märzwoche erwachte der Kontinent von Flugzeugdröhnen und Bombendetonationen.“ Hierbei wirbt er dafür, im Rahmen der NATO-Mission für die europäischen Werte zu kämpfen und die Mentalität, welche die totalitären Diktaturen ermöglicht hatte, zu überwinden oder zu liquidieren.[48]

Erzählungen, Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einer der frühesten von Kertész erhaltenen Texte ist die Ende der 1950er Jahre geschriebene Erzählung Világpolgár és zarándok, 1976[49] (dt. Erdenbürger und Pilger, 2005[50]). Es handelt sich um eine Nacherzählung der biblischen Geschichte von Kain und Abel. Laut Kertész wurden die Figuren Kain (Erdenbürger) und Abel (Pilger) durch Augustinus’ Schrift De civitate Dei (Vom Gottesstaat) inspiriert.[51] Augustinus unterscheidet dort Kain als Gründer eines weltlichen Staats von Abel, der keinen Staat gegründet hat. Mit letzterer Figur identifiziert sich offenbar Kertész als Künstler. Ein weiterer Text aus dieser Zeit ist das Fragment Èn,a hóhér (dt. Ich, der Henker), das Kertész in den Roman Fiasko integriert hat.[52] Mit diesem monologischen Pamphlet eines fiktiven politischen Verbrechers parodiert er die „schwülstigen und voller Paradoxien steckenden Bekenntnisse der Nazikriegsverbrecher, wie sie damals in großer Zahl veröffentlicht wurden“.[53] Auch hier ist ein biographischer Bezug erkennbar. So bemerkt Kertész, die Figur des Henkers gehe auf seine eigene Arbeit als Wärter in einem Militärgefängnis Anfang der 50er Jahre zurück: „Nicht Auschwitz – das Erduldete – hat mich zum Schriftsteller gemacht, sondern das Militärgefängnis – die Situation des Henkers, des Täters* (* im Original deutsch).“[54]

1977 erschien von Kertész in Ungarn der Band A nyomkereső (Der Spurensucher) mit zwei kurzen Prosatexten. In der Titelgeschichte (dt. 1999[55]) tritt der aus dem Roman eines Schicksallosen bekannte Protagonist – hier: der Gast oder der Abgesandte – dreißig Jahre nach seiner Deportation in das KZ Buchenwald diese Reise noch einmal an. Das Wiedersehen der historischen Orte erweist sich allerdings als fruchtlos. Die für Kertész wichtige Kritikerin Eva Haldimann (Neue Zürcher Zeitung) schreibt dazu 1977: „Der Sucher geht der grauenvollen Vergangenheit nach, die er jedoch vergebens heraufzubeschwören versucht. Nichts ist gleichgeblieben, das Erlebnis ist verkümmert; ja sogar der Besucher muss feststellen, dass die Vergangenheit auch in ihm zu Schweigen geworden ist.“[56] Indes kommt der Abgesandte unversehens doch an sein „Ziel“, als er im gegenwärtigen Stadtbild von Weimar ein Zeichen für das Fortdauern totalitärer Verhältnisse entdeckt: so wird er auf die vorherrschende Farbe „Gelb“ aufmerksam,[57] die Kertész hier ersichtlich als ein Symbol der Unterdrückung und Entrechtung verwendet.[58] Der zweite Kurzroman dieses Bandes, Detektívtörténet (dt. Detektivgeschichte, 2004), spielt in Südamerika und beschreibt den Mechanismus des Terrors aus dem Blickwinkel eines Mitglieds der politischen Polizei. Die beiden Hauptpersonen, der apolitische Kaufmann Federigo Salinas und sein idealistischer Sohn Enrique, lassen sich als Allegorie der Weltliteratur und der individuellen literarischen Arbeit deuten, wie schon der Holzhändler László Köves und sein nach Buchenwald deportierter Sohn György im Roman eines Schicksallosen.[59] Ebenfalls von Ende der 1970er Jahre datiert die Erzählung A pad, 1978[60] (dt. Die Bank, 2005[61]). Kertész schildert dort, wie ein junger Budapester Journalist während des Stalinismus die von ihm erwartete Linientreue verweigert. Nach einer quälenden Phase der oberflächlichen Anpassung beschließt er endlich, sich in seiner Redaktion „– zum ersten Mal seit langem – wieder krank zu melden“, wodurch er eine „aberwitzige Erleichterung“ erfährt.[62] Der Auslöser hiervon ist, dass er sich eines Nachts auf einer Bank intensiv mit einem Barpianisten unterhält, der fürchtet, deportiert zu werden, und der deshalb die Nächte im Freien verbringt. Zwar geht letzteres Motiv auf eine tatsächliche Begegnung Kertész’ mit einem Budapester Jazzpianisten zurück,[63] man kann aber leicht sehen, dass Kertész mit dem fiktiven Gespräch auf seine Lektüre von Thomas Manns Roman Der Zauberberg im Jahr 1954 anspielt, die gleichfalls auf einer Parkbank in der Nähe seiner damaligen Wohnung in der Törökstraße stattfand. Aus diesem Roman übernahm er offenbar das Motiv der befreienden »Krankheit« (wie auch das Motiv des befreienden »Todes« im Roman eines Schicksallosen).[64]

Kurz nach der Wende von 1989 berichtet Kertész in den beiden Erzählungen Budapest, Bécs, Budapest, 1990 (dt. Budapest, Wien, Budapest, 2001[65]) und Jegyzőkönyv, 1991 (dt. Protokoll, 1991[66], Neuübersetzung 1994[67]) von seinen ersten Erfahrungen mit der neuen Reisefreiheit und der z. T. immer noch repressiven ungarischen Bürokratie. Vor allem letzterer Text, der von einer schikanösen Zollkontrolle handelt und eher als Gelegenheitsarbeit gedacht war, wurde in Ungarn ein großer Erfolg. Hierüber schrieb Kertész rückblickend in Dossier K. in Form eines Dialogs seiner beiden Alter Egos: „Ich wollte mich einfach nur von dem beschämenden Erlebnis befreien.“ „Jedenfalls schlug die Novelle wie eine Bombe ein; noch im Erscheinungsjahr trug Mihály Kornis den Text als Monodrama auf der Literaturbühne des József-Katona-Theaters vor, Péter Esterházy schrieb eine Brudernovelle dazu,[68] beide Geschichten erschienen bald darauf, sowohl auf Ungarisch als auch auf Deutsch, zusammen in einem schmalen Band und kamen auch als sogenanntes Hörbuch auf Kassetten in Umlauf. […] Wenn ich die Erzählung aus der Sphäre der Tagesaktualität zurücknehme und sie in die Reihe meiner Werke eingliedere, dann muss ich diese Novelle heute als Ausgangspunkt meiner Neubesinnung bezeichnen, als Resultat eines ersten Sichumblickens in der neuen Situation. Der ersten Verblüffung….“[69] In der weiteren Erzählung Az angol lobogó, 1991 (dt. Die englische Flagge, 1999) wiederholt Kertész in komprimierter Form die bereits im zweiten Teil von Fiasko dargestellte Wandlung des Protagonisten vom ›Journalisten‹ zum ›Fabrikarbeiter‹ und schließlich zum künstlerischen ›Autor‹.[70]

Nach der Wende entstanden zum ersten Mal auch essayistische Texte und Reden, die für eine tagesaktuelle Rezeption bestimmt waren. Diese Texte von 1990 bis 2004 sind in Die exilierte Sprache enthalten. Zuvor erschien in Ungarn bereits der Sammelband A gondolatnyi csend, amíg kivégzőosztag újratölt, 1998 (dt. Eine Gedankenlänge Stille, während das Erschießungskommando neu lädt, 1999).

Autobiographische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Galeerentagebuch“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1992 veröffentlichte Kertész das Gályanapló (dt. Galeerentagebuch, 1993). In dieser „Galeerenarbeit der Selbstdokumentation“[71] geht Kertész Fragen der Determiniertheit und Freiheit des Individuums sowie der verlorenen Möglichkeit seiner Entfaltung in einer totalitären Welt nach. Das als Roman deklarierte Werk ist ein Tagebuch in literarisch aufbereiteter, redigierter Form. Es umfasst die Jahre 1961–1991. Neben persönlichen Erfahrungen dokumentiert Kertész dort seine Auseinandersetzung mit einer Vielzahl philosophischer und literarischer Autoren der Weltliteratur, die jeweils für seine eigene Arbeit relevant waren (Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Freud, Camus, Sartre, Adorno, Kafka, Thomas Mann, Márai, Beckett u. a.).

„Ich – ein anderer“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Meine einzige Identität ist die des Schreibens“, bekennt Kertész in Valaki más. A változás krónikája, 1997 (dt. Ich – ein anderer, 1998).[72] Dieser Roman ist eine Art Fortsetzung des Galeerentagebuchs für die Jahre 1991 bis 1995, in denen sich Kertész’ Leben grundlegend veränderte: Aus dem Gefängnisleben wird ein rastloses Nomadenleben mit Lesereisen durch viele Länder, an dem er Gefallen findet, das ihn in der ständigen Zerstreuung aber auch bedrückt. Durch die Umstände sieht er sich genötigt, seine Identität neu zu definieren. Dabei nimmt er die Position eines Individuum ineffabile ein, das sich generell einer Objektivierung entzieht. Schon 1977 hatte er im Galeerentagebuch bemerkt, mit dem „Schreiben“ versuche er, seine „Determiniertheiten“ zu überwinden und „nicht als das zu erscheinen, was ich bin“[73]. Um seine Würde zu wahren verweigert er nun ebenso jede kollektive Identität, wie etwa die als Jude, „über den man in der Mehrzahl reden kann, der ist, wie die Juden im allgemeinen sind, dessen Kennzeichen sich in einem Kompendium zusammenfassen lassen wie die einer nicht allzu komplizierten Tierrasse“[74], aber auch eine Identifizierung mit seiner früheren persönlichen Existenz: „Schon seit langem suche ich weder Heimat noch Identität. Ich bin anders als sie, anders als die anderen, anders als ich.“[75]

Ich – ein anderer ist eine Reise durch verschiedene Städte, Lebensphasen und durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Budapest, Berlin, Wien, Leipzig, München, Tel Aviv – alles Orte, die der Erzähler in seinen Reisen aufsucht, auf Lesetour, für einen Vortrag, um einen Preis entgegenzunehmen. Kertész legte 1997 mit diesem Buch einen Roman vor, der mehr noch als seine bisherigen Werke wie Roman eines Schicksalslosen oder Galeerentagebuch mit Autobiographischem verwoben ist oder sogar autobiographisch ist.

Gleichzeitig ist Ich – ein anderer auch das Zeugnis einer existenziellen Krise zwischen „Leben und Tod“, die der Erzähler, der seine Identität als „sich selbst schreibende Identität“ definiert, durchlebt: „mein Körper strebt Richtung Tod, mein Kopf dreht sich zum Leben um, mein Fuß holt unschlüssig zu einem Schritt aus. Einem Schritt wohin? Egal, denn wer den Schritt tut, bin schon nicht mehr ich. Das ist ein anderer.“[76]

„Dossier K.“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Art autobiographisches Kreuzverhör präsentierte Kertész 2006 mit dem Roman K. dosszié (dt. Dossier K.: eine Ermittlung, 2006). In der Folge eines Interviews, das sein Freund Zoltán Hafner über Monate hinweg mit ihm führte und auf Tonband aufzeichnete, gelangte Kertész zu der Idee einer Selbstbefragung, in der sich das autobiographische Ich mit seinem eigenen eloquenten Kritiker auseinandersetzt. In einem Interview sagte er der Stuttgarter Zeitung über sein Lebenstrauma und die Rolle des Schreibens:

„Wenn ich im Konzentrationslager überleben will, muss ich seiner Logik folgen. Diese willentliche oder nicht willentliche Kollaboration ist die größte Schande des Überlebenden, er kann sie nicht eingestehen. Der Schriftsteller kann es. Denn die Literatur besitzt eine besondere Aufrichtigkeit.[77]

Imre Kertész, (Stuttgart, 2006)

Viel mehr als seine Person – angesichts der Erfahrung von Auschwitz eine unsichere Größe – rückte Kertész sein Werk in den Vordergrund: „Sein Selbstverhör zieht die ästhetische Konsequenz dieser Erfahrung“, kommentierte die tageszeitung und stellte weiter fest, Kertész habe nicht den Anspruch, „eine moralische Instanz zu sein. Eben deshalb ist er es.“[78]

„Letzte Einkehr“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich Kertész’ 80. Geburtstag druckte die Neue Zürcher Zeitung vom 7. November 2009 von ihm das Anfangskapitel eines damals noch in Arbeit befindlichen Prosastücks: Die letzte Einkehr – Doktor Sonderberg (ungar. Original: A végső kocsma. In: Múlt és jövő. Nr. 3, 2009). Ähnlich dem Selbstgespräch in Dossier K. steht der Protagonist Sonderberg in Beziehung zu einer zweiten Figur, dem berichtenden Erzähler, der Sonderbergs Aussagen wiedergibt. Sonderberg reflektiert über die biblische Geschichte von Lot und dessen Flucht aus Sodom, wozu er eine Nacherzählung aus seiner eigenen, heutigen Perspektive verfassen will. Die hauptsächliche Sünde der Sodomiter sieht er dabei nicht in sexuellen Verfehlungen, sondern in deren Konformismus, der jede Rationalität und Verantwortlichkeit untergräbt. Offenbar besteht ein Bezug zu Kertész’ eigener Entscheidung von 2001, seinen Lebensmittelpunkt aus Budapest nach Berlin zu verlegen. Entsprechend äußerte er sich zur gleichen Zeit in den beiden Interviews von Tilman Krause, In Ungarn haben Antisemiten das Sagen und Ungarn diskutiert über das WELT-Interview von Imre Kertész (5./ 10. November 2009, Die Welt) kritisch über das kulturelle Klima in seinem Heimatland und betont, er selbst wolle sich von allen nationalen oder rassischen Gemeinschaften fernhalten.

2013 erschien von Kertész der Band Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009 (bzw. 2011 daraus die Tagebücher 2001–2003 auf Ungarisch: Mentés másként). Der geplante Prosatext Die letzte Einkehr wurde nicht vollendet, ist aber als Fragment in den Tagebuchband aufgenommen (allerdings ohne das 2009 in der NZZ veröffentlichte Sonderberg-Kapitel). Im Tagebuch beschreibt Kertész sein neues Leben im Westen, wo er eine Reihe von Bekanntschaften mit prominenten Künstlern pflegt (u. a. Ligeti, Dorst, Barenboim). Weiterhin berichtet er von der Fertigstellung neuer Romane (Liquidation 2003, Dossier K. 2005) und der Entstehung des Films Fateless (2003–2005). Dabei scheint immer auf, dass der literarische Ruhm nach dem Nobelpreis 2002 (vielleicht noch mehr als einst die geistige Isolierung) für Kertész’ Kreativität problematisch war und er sich ihren Erhalt hart erkämpfen musste. Belastend war auch die bei ihm im Jahr 2000 diagnostizierte Parkinson-Erkrankung, die ihn dazu zwang, als Schreibgerät einen Laptop zu nutzen.[79] Durch das gesamte Buch zieht sich ferner sein Plan, mit Die letzte Einkehr einen letzten fiktionalen Text zu schreiben, der ihn in autobiographischer Manier gleichsam bis zu seinem Tod begleitet, im Gegensatz zum Tagebuch aber vom persönlichen Detail abstrahiert. Dass dieser letztlich nur als ein verstreut veröffentlichtes Fragment vorliegt, erinnert durchaus an eine romantische Geste, denn Kertész hinterlässt einen bis zur Grenze des Möglichen ausgeführten und dann demonstrativ unvollendet gelassenen Text. Für diese Sicht spricht auch sein Tagebucheintrag vom 31. Juli 2001: „Dann wäre also, könnte man sagen, jede große Kunst, jede bedeutende Stilrichtung für dich romantisch? Aber natürlich, würde ich antworten. Es gibt zwei Arten von Kunst: romantische und schlechte Kunst …“[80]

Auf der Grundlage der Tagebücher erschien 2014 (dt. 2015) schließlich Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman (orig.: A végső kocsma), welches Buch Kertész in der Widmung selbst als „Krönung“ seines (Gesamt-)„Werkes“ bezeichnet. Von den Tagebüchern unterscheidet es sich durch einige Kürzungen und den weitgehenden Verzicht auf Daten, vor allem aber durch die Einfügung des Sonderberg-Kapitels gegen Ende des Textes. Letztere Ergänzung verleiht den Tagebuch-Passagen einen fiktionalen Charakter. So können sie nun als die von Sonderberg nacherzählte Geschichte von Lot gedeutet werden, wobei der Schriftsteller Imre Kertész, der die Tagebücher verfasst hat, zu einer fiktiven Figur in Sonderbergs Lot-Roman wird. Vorbildlich für diese Konstruktion, bei der eine autobiographische Erzählung mit einer biblischen Geschichte kombiniert wird, sind Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von Rilke, wo entsprechend die Fabel vom Verlorenen Sohn den Text abschließt.[81] Dieser war (in Rilkes Fassung der Erzählung) von zu Hause geflohen, weil er die vereinnahmende Liebe seiner Familie nicht ertrug; dazu analog ist Kertész’ geistige (und zeitweise auch nationale) Emigration.

Künstlerisches Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel Markt 19 (Weimar) Imre Kertész

Poetologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Kertész vertretene Selbstverständnis als Autor ist bestimmt durch den Anspruch, eine sogenannte „exilierte Sprache“ zu verwenden. Damit widerstreite er der „totalitäre[n] Sprache“ offizieller Instanzen, welche die Menschen dazu verleite, sich einer äußerlich aufgezwungenen „Rolle“ oder „Funktion“ blind zu unterwerfen und damit ihre eigene „Persönlichkeit“ zu verleugnen.[82] Der „Ideologie“, die häufig von „theoretischen Intellektuellen“ durch abstrakte „wissenschaftliche Betrachtungen“ legitimiert werde, setze er als „Schriftsteller“ die konkrete „menschliche Erfahrung“ entgegen: „weit höher als jeden theoretischen Ernst schätze ich die Erfahrung.“[83]

Ein weiteres Charakteristikum seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist das schon früh artikulierte „Verlangen, Zeugnis abzulegen“ von der Möglichkeit einer individuellen „Existenz“.[84] Dies könne auf eine durchaus sachliche Weise und ohne künstlerischen Anspruch im herkömmlichen Sinne geschehen: „Zeigen (und Vorzeigen), wie der Kampf um die Herstellung eines klaren Bewusstseins abläuft: das genügt – und nur das ist es, was genügt.“ Das Ziel sei dabei keine „unwiderlegbare Wahrheit“, sondern lediglich ein „Zeugnis“ für die „vielversprechende Möglichkeit des Funktionierens des normalen Geistes“.[85]

Traditionslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Tagebuch Letzte Einkehr betont Kertész, obwohl er „ungarisch schreibe“, gehöre er im Grunde nicht zur ungarischen Literatur, sondern „zu jener in Osteuropa in Erscheinung getretenen jüdischen Literatur, die in der Monarchie und dann in den Nachfolgestaaten hauptsächlich auf Deutsch, aber nie in der Sprache der jeweiligen nationalen Umgebung geschrieben wurde und nie Teil der nationalen Literatur“ gewesen sei. Damit setze er die Linie fort, die von Franz Kafka und Paul Celan gezogen wurde. Letztlich sei die jeweils gewählte Sprache, mit der „von der Ausrottung der europäischen Juden erzählt“ werde, „zufällig“: „und welche Sprache es auch ist, sie kann nie Muttersprache sein.“ Auch die „deutsche Sprache“, in die seine Werke – zu seinem „Glück“ – übersetzt wurden, sei „nur zeitweilige Herberge, vorübergehender Unterschlupf für die Obdachlosen“.[86]

Als konkretes Vorbild für Kertész’ Anliegen, ein „Zeugnis“ für ein funktionierendes geistiges Vermögen zu geben, kann der ungarische Exilschriftsteller Sándor Márai gelten, der 1934 (noch in Ungarn) am Schluss der Bekenntnisse eines Bürgers formulierte: „wer heute schreibt“ wolle „nur Zeugnis ablegen“ für den möglichen „Triumph des Verstandes“.[87]

Kertész machte deutlich, dass er sich generell an der „Weltliteratur“ (und nicht am heimischen Literaturbetrieb) orientiert habe, in deren Tradition er sich somit stellt. Zu Beginn seiner Arbeit habe er erkannt, dass er „Zeit, Zeit, und zwar unendlich viel Zeit brauchte“, da er zunächst „die ganze Weltliteratur lesen musste“.[88] Dafür sei er „nie in diesem Literaturbetrieb gewesen“, sondern habe stets „ganz ruhig zu Hause gearbeitet“: „Ich habe große Literatur gelesen, Dostojewski, Flaubert […].“[89]

Zur von Kertész gelesenen Weltliteratur zählen auch die großen Werke der Philosophie. Ausdrücklich berief er sich auf die Traditionslinie Kant/ Schopenhauer/ Nietzsche.[90] Letzteren bezeichnet er in dem Vortrag Die exilierte Sprache sogar als seinen „Lehrmeister“, der ihn „mit seinem radikalen Denken und seinem klaren, hinreißenden Stil“ entscheidend beeinflusst habe.[91] Schließlich bringt er das in Dossier K. enthaltene Selbstgespräch auch mit den Platonischen Dialogen in Verbindung. In der Vorbemerkung zu seinem späten autobiographischen Text schreibt er: „Folgt man […] dem Vorschlag Nietzsches, der den Roman von den Platonischen Dialogen herleitet, dann hat der Leser eigentlich einen Roman in der Hand.“[92]

Die Darstellbarkeit von Auschwitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Cornelius Hell war Imre Kertész einer der großen künstlerischen und denkerischen „Deuter der Gegenwart, die er beharrlich als Welt nach Auschwitz literarisch gestalte und denkerisch auslote“.[93] Seine poetologischen Reflexionen gelten der Darstellbarkeit von Auschwitz, der Bedeutung von Auschwitz für die europäische Kultur und Werteordnung und der Rolle seines Judentums nach der Shoah.

Für Kertész kann „einzig die ästhetische Einbildungskraft“ eine „relevante Vorstellung vom Holocaust“ vermitteln.[94] Weder realistische Bilder der KZ-Gräuel noch massenwirksame filmische Adaptionen des Stoffes, wie die in Steven Spielbergs Film Schindlers Liste, würden dieser Aufgabe gerecht.[95] László F. Földényi erläutert in seinem Imre-Kertész-Wörterbuch diese ästhetische Position Kertész’, die dieser unablässig in Tagebucheinträgen, Essays und Reden umkreist: Sie bedeute die Verwandlung der unbeschreiblichen, das heißt prä-ästhetischen Erlebnisse, in beschreibbare, das heißt ästhetische, ohne den realen Ereignissen durch die Ästhetik Gewalt anzutun. Das heiße auch, dass die ästhetische Form den Rohstoff spiegeln müsse, der jeder Gestaltung vorausgeht. Diese sei keine rein ästhetische Schöpfung, sondern als poetisches Zeugnis ein „neues ethisches Gebot“.[96] Nach Kertész ist die ästhetisch zu gewinnende Vorstellung „nicht mehr allein der Holocaust, sondern die sich im Weltbewusstsein widerspiegelnde ethische Konsequenz des Holocaust“.[97] Er argumentiert, „das Wesentliche“ bestehe letztlich weder in tragischen Einzelschicksalen (z. B. dass „an Frau Schwarz Unrecht verübt, eventuell auch ihre Familie ausgerottet worden ist“) noch in dem, „was mit den Juden geschehen ist“, sondern in dem, „was mit den europäischen Werten geschehen ist. Die Offenbarung des Holocaust besteht nämlich darin, dass wir von einer Wertkrise zu einer endgültigen Zurücknahme der Werte gekommen sind. Die Offenbarung am Berg Sinai hat mit dem, was in Auschwitz offenbar worden ist, ihre Geltung verloren.“[98]

„Atonales Schreiben“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Arnold Schoenberg (um 1948)
Theodor W. Adorno (1964)

Paul Celan, Tadeusz Borowski und Jean Améry sind für Kertész Zeugen des literarischen Sprechens, das er „Nach-Auschwitz-Sprache“ nennt. Mit einem Fachwort aus der Musik Arnold Schönbergs charakterisierte er sie als „atonale Sprache“. Diese stütze sich nicht mehr auf eine „allgemein anerkannte Moral“, die – entsprechend dem „humanistische[n] Weltbild des neunzehnten Jahrhunderts“ – traditionell „das Beziehungsgeflecht von Sätzen und Gedanken“ bestimmt habe.[99] Földényi fasst die poetologischen Grundsätze Kertész’ in der Sentenz zusammen: „Nach Auschwitz läßt sich nur noch in einer atonalen Sprache authentisch schreiben“.[100] Damit bezieht er sich kritisch auf das zum „Gemeinplatz“ verkommene[101] Verdikt Adornos: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Andererseits gewann Kertész die konzeptionelle Grundlage für sein Schreiben aus Adornos musikästhetischen Schriften: Durch die Lektüre Adornos sehe er, dass die Technik seines Romans eines Schicksallosen „der Zwölfton- bzw. Reihentechnik, also einer integralen Kompositionsmethode“ folge: „Sie verbietet freie Charaktere […] die totalitäre STRUKTUR diktiert die Erzählung“. Kertész verneint also die herkömmliche Vorstellung einer dem Determinismus enthobenen, voraussetzungslosen Freiheit – ungeachtet dessen lässt er die Möglichkeit einer individuellen Verantwortung bestehen: „die Erhellung besteht in der Prüfung unseres Anteils am Zustandekommen dieser STRUKTUR“.[102] Aber eben ein solches Eingeständnis der „eigenen Beteiligung“ an totalitären Strukturen, der ein „Akt der Freiheit“ sein könnte, werde gemeinhin als befremdend empfunden und stoße „immer auf das Verbot der Überlebenden“.[103]

Nach Dietmar Ebert entspricht die Multiperspektivität in diesem Roman der Atonalität in der Musik. Die Sprache in diesem Gegenentwurf zum klassischen Bildungsroman sei durchsetzt von Situationsbeschreibungen, fotografischen Ansichten, filmischen Sequenzen und surreal wirkenden Bildern. Die Sprache des erzählenden Jungen sei sowohl klar und folgerichtig als auch irritierend und befremdend. Wie in den Sinfonien Gustav Mahlers aus großen sinfonischen Stürmen unmittelbar elegisch-schöne Passagen ertönten, tauchten in der Prosa Kertész’ unvermittelt Sätze von sprachlicher Schönheit auf. So werde die Verbindung zwischen der Kompositionsmethode Gustav Mahlers und Imre Kertész’ deutlich: In einer von Tod und Katastrophen geprägten Welt suchten sie – mit den Worten Adornos gesprochen – nach „unerlaubtem Glück“.[104] Der nach Földényi skandalöse und nur schwer zu verstehende Schlusssatz des Romans eines Schicksallosen vom „Glück in Auschwitz“ in der Pause zwischen den Qualen[105] wird unter dem Aspekt des atonalen Schreibens „als Schlussakkord jener Provokation“ verstanden, mit der Kertész die „erwarteten Darstellungsmuster des Holocaust durchbrochen hat“.[106]

Werke (in deutscher Übersetzung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mensch ohne Schicksal. (Orig.: Sorstalanság.) Übersetzt von Jörg Buschmann. Rütten und Loening, Berlin 1990, ISBN 3-352-00341-6.
  • Protokoll. (Orig.: Jegyzőkönyv.) Übersetzt von Jörg Buschmann, in: Literatur im technischen Zeitalter 1991. S. 125–141, eingeheftetes Supplement in Sprache im technischen Zeitalter Nr. 120 (Dezember 1991).
  • Kaddisch für ein nicht geborenes Kind. (Orig.: Kaddis a meg nem született gyermekért.) Übersetzt von György Buda und Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1992, ISBN 3-499-22574-3.
  • Galeerentagebuch. (Orig.: Gályanapló.) Übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Berlin 1993, ISBN 3-499-22158-6.
  • Protokoll. (Orig.: Jegyzőkönyv.) Neu übersetzt von Kristin Schwamm, in: Imre Kertész/ Péter Esterházy: Eine Geschichte. Zwei Geschichten. Residenz Verlag, Salzburg und Wien 1994, ISBN 3-7017-0881-9.
  • Eine Zurückweisung. Buch und CD zum Brandenburgischen Literaturpreis 1995. Brandenburgisches Literaturbüro, Vacat, Potsdam 1995, ISBN 3-930752-07-7.
  • Roman eines Schicksallosen. (Orig.: Sorstalanság.) Neu übersetzt von Christina Viragh. Rowohlt, Berlin 1996, ISBN 3-499-22576-X.
  • Ich – ein anderer. (Orig.: Valaki más.) Übersetzt von Ilma Rakusa. Rowohlt, Berlin 1998, ISBN 3-87134-334-X.
  • Die englische Flagge. Erzählungen. Übersetzt von György Buda und Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-498-03518-5.
  • Eine Gedankenlänge Stille, während das Erschießungskommando neu lädt. Essays. Übersetzt von György Buda unter anderen. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • Fiasko. (Orig.: A kudarc.) Übersetzt von György Buda u. Agnes Relle. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 1999, ISBN 3-499-22571-9.
  • „Heureka!“. Rede zum Nobelpreis 2002. Übersetzt von Kristin Schwamm. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-06702-8.
  • Der Spurensucher. Erzählung (Orig.: A nyomkereső). Übersetzt von György Buda. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-22357-7.
  • Schritt für Schritt. Drehbuch zum „Roman eines Schicksallosen“. Übersetzt von Erich Berger. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-12292-4.
  • Liquidation. (Orig.: Felszámolás.) Übersetzt von Laszló Kornitzer u. Ingrid Krüger. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-41493-3.
  • Die exilierte Sprache. Essays und Reden. Vorwort von Péter Nádas, übersetzt von Kristin Schwamm, György Buda u. a., Suhrkamp, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-45655-5.
  • Detektivgeschichte. (Orig.: Detektívtörténet.) Übersetzt von Angelika und Péter Máté. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2004, ISBN 3-498-03525-8.
  • Protokoll. (Orig.: Jegyzőkönyv.) Übersetzt von Kristin Schwamm, mit Zeichnungen von Kurt Löb, Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2004, ISBN 3-929566-43-5.
  • Dossier K.: eine Ermittlung. (Orig.: K. dosszié.) Übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2006, ISBN 3-498-03530-4.
  • Heureka! Gespräche und eine Rede. Mit Radierungen von Susanne Thuemer. Verlag Thomas Reche, Neumarkt 2006, ISBN 3-85165-654-7.
  • Opfer und Henker. Erzählungen. Übersetzt von Christian Polzin, Ilma Rakusa, Agnes Relle und anderen. Transit, Berlin 2007, ISBN 978-3-88747-220-7.
  • Protokoll. (Orig.: Jegyzőkönyv.) Übersetzt von Kristin Schwamm, in: Imre Kertész/ Péter Esterházy/ Ingo Schulze: Eine, zwei, noch eine Geschichte/n. Berlin Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8270-0787-2.
  • Die letzte Einkehr – Doktor Sonderberg. Vorabdruck der Einleitung eines in Arbeit befindlichen Textes, übersetzt von Ilma Rakusa. Neue Zürcher Zeitung, 7. November 2009 (online auf nzz.ch); ungar. Original: A végső kocsma. In: Múlt és jövő. Nr. 3, 2009 (PDF, online auf: www.multesjovo.hu).
  • Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Prosafragment. Übersetzt von Kristin Schwamm und Adan Kovacsics. Rowohlt Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-498-03562-4.
  • Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman. Prosafragmente. Übersetzt von Kristin Schwamm, Adan Kovacsics und Ilma Rakusa. Rowohlt Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-499-26910-3.
  • Der Betrachter. Aufzeichnungen 1991–2001. Aus dem Ungarischen von Heike Flemming und Lucy Kornitzer. Rowohlt, Berlin 2016, ISBN 978-3-498-03561-7.

Briefe

  • Briefe an Eva Haldimann. Übersetzt von Kristin Schwamm. Rowohlt, Reinbek b. Hamburg 2009, ISBN 978-3-498-03545-7.

Preise und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imre Kertész in Szeged, Ungarn 2007

Internationale Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kertész wurde 1995 mit dem Brandenburgischen Literaturpreis, 1997 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, dem Jeanette Schocken Preis der Stadt Bremerhaven, dem Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2000 mit dem Herder-Preis, dem WELT-Literaturpreis und dem Pour le mérite für Wissenschaft und Künste ausgezeichnet. Im Jahre 2001 erhielt er die Ehrengabe zum Adelbert-von-Chamisso-Preis und den Ehrenpreis der Robert-Bosch-Stiftung. Für sein schriftstellerisches Gesamtwerk wurde Imre Kertész im Jahre 2002 als erster und bislang einziger ungarischsprachiger Autor mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.[107] Ebenfalls 2002 wurde er mit dem Hans-Sahl-Preis und 2004 mit der Weimarer Goethe-Medaille sowie dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet. Seit 2003 war Kertész Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, Sektion Literatur. 2006 erhielt er die Ernst-Reuter-Plakette Berlins und den Wingate Literary Prize. Seit 2005 war er Ehrendoktor der Freien Universität Berlin. Am 8. November 2006 fand in der Berliner Nikolaikirche die Ehrung des ungarischen Literaturnobelpreisträgers mit dem Preis für Verdienste um die deutsche und europäische Verständigung 2006 der Deutschen Gesellschaft (1990) statt. Die Deutsche Gesellschaft würdigte damit einen Autor, dessen literarisches Lebenswerk exemplarisch für die Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts steht. „Völkerverständigung durch Aufklärung, das ist es, was wir Imre Kertész verdanken.“ (Jutta Limbach, Präsidentin des Goethe-Instituts und Laudatorin des Preisträgers). 2007 erhielt Imre Kertész den Marion-Samuel-Preis der Augsburger Stiftung Erinnerung, 2008 den Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin und 2009 den Jean-Améry-Preis. Im Oktober 2010 hat die Friedrich-Schiller-Universität Jena das Imre Kertész Kolleg. Europas Osten im 20. Jahrhundert. Historische Erfahrungen im Vergleich eingerichtet.[108] 2013 erhielt Kertész für sein publizistisches Gesamtwerk den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch des Jahres 2012.

Ehrungen in Ungarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva Haldimann: Momentaufnahmen aus dreißig Jahren ungarischer Literatur. Corvina Verlag, Budapest 1997, ISBN 963-13-4202-6.
  • Jan Philipp Reemtsma: Überleben als erzwungenes Einverständnis. Gedanken bei der Lektüre von Imre Kertész’ „Roman eines Schicksallosen“. Vortrag, 1999. In: Jan Philipp Reemtsma: Warum Hagen Jung-Ortlieb erschlug. Unzeitgemäßes über Krieg und Tod. (= Beck’sche Reihe 1508). C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49427-7, S. 220–249.
  • György Spiró: In Art Only the Radical Exists. Kertész-Porträt anlässlich des Nobelpreises, in: The Hungarian Quarterly. Vol. 43, No. 168 (Winter 2002), 29–37 (online auf: restlessbooks.org).
  • Mihály Szegedy-Maszak, Tamás Scheibner (Hrsg.): Der lange, dunkle Schatten: Studien zum Werk von Imre Kertész. Passagen, Wien 2004, ISBN 3-85165-654-7.
  • Zsuzsa Selyem: Der Roman, in dem „die Neunte Symphonie zurückgenommen worden sei“. Über die Funktion der Rücknahme in den Romanen „Liquidation“ von Imre Kertész bzw. „Doktor Faustus“ von Thomas Mann. In: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften. 1/2006, S. 63–81.
  • László F. Földényi, Akos Doma: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-498-02122-1.
  • Adam Zagajewski: Über die Treue. Imre Kertész’ geduldige Arbeit am Mythos des Romans. In: Sinn und Form. 6/2009, S. 751–756.
  • Daniel Kehlmann: Schicksallosigkeit. Rede auf Imre Kertész. In: Sinn und Form. 1/2010, S. 135–138.
  • Dietmar Ebert (Hrsg.): Das Glück des atonalen Erzählens. Studien zu Imre Kertész. Edition AZUR, Dresden 2010, ISBN 978-3-942375-01-6.
  • Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. Universitätsverlag Potsdam, 2010, ISBN 978-3-86956-086-1 (PDF; 3.7 MB); Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. BoD – Books on Demand, Norderstedt, 2018, ISBN 978-3-7528-0272-6.
  • Irene Heidelberger-Leonard: Imre Kertész. Leben und Werk. Wallstein, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1642-3.
  • Clara Royer: Imre Kertész: »L’histoire de mes morts«: Essai biographique. Actes Sud, Arles, 2017, ISBN 978-2-330-07261-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Imre Kertész – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Verlag teilt mit: Literaturnobelpreisträger Imre Kertesz gestorben. Bei focus.de, 31. März 2016 (abgerufen am 31. März 2016).
  2. Tilman Krause interviewt Imre Kertész anlässlich seines 80. Geburtstags: In Ungarn haben Antisemiten das Sagen. Die Welt, 5. November 2009 (online auf welt.de).
  3. Biographische Daten nach Imre Kertész: Galeerentagebuch. Über den Autor. S. 319; Imre Kertész: Dossier K. Lebensdaten. S. 236f, falls nicht anders angegeben.
  4. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Juni 1990, S. 282f.
  5. Imre Kertész: Dossier K. S. 9f.
  6. Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 3: Sachsenhausen. Buchenwald. Beck Verlag, München 2006, ISBN 3-406-52963-1: „Im Lager inhaftiert waren […] hauptsächlich ungarische Juden, die über Auschwitz nach Buchenwald und von dort zur Zwangsarbeit in das Außenlager ‚Wille‘ transportiert wurden. Zu ihnen gehörte auch Imre Kertész.“, S. 593.
  7. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Eintrag vom 11. April 2004: „Heute vor 59 Jahren bin ich in Buchenwald befreit worden.“, S. 281.
  8. Interview Imre Kertész über sein neues Buch »Dossier K.« und den neuen europäischen Antisemitismus. von Eszter Rádai, 2006.
  9. Zu den Musicals und Theaterstücken siehe die Selbstaussagen von Kertész in: Man schreibt als ein glücklicher Mensch. Gespräch mit Ijoma Mangold, Süddeutsche Zeitung, 9.11.2004; Denken ist eine Kunst, die den Menschen übersteigt. Gespräch mit Alexandre Lacroix, Philosophie Magazin Nr. 5, 2013.
  10. Bernhard Sarin: Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. S. 15/ 168 (Anm. 53).
  11. Ilma Rakusa: Das Recht auf Individualität. NZZ, 12. Oktober 2009.
  12. Imre Kertész: Briefe an Eva Haldimann. / Eva Haldimann: Momentaufnahmen aus dreißig Jahren ungarischer Literatur.
  13. Clara Royer: Imre Kertész. S. 266.
  14. Internet-Magazin Gondola, 15. November 2002: A Csacsifogat tovább gördül... (online auf: gondola.hu).
  15. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. S. 158.
  16. Imre Kertész: Rede zur Feier der deutschen Wiedervereinigung. NZZ, 4. Oktober 2003 (NZZ Online).
  17. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. S. 448 (Anmerkung zu 2. März 2004: „meine Magdeburger Rede …“).
  18. Informationsseite des Deutschen Bundestages über Kertész. 29. Januar 2007, abgerufen am 24. Februar 2011.
  19. Pressemitteilung der Akademie der Künste Berlin, 31. Oktober 2012.
  20. Der Spiegel, Nr. 46/2012, Die Wege des Schicksals. S. 148 (online auf: spiegel.de).
  21. Imre Kertész im Gespräch mit Iris Radisch: Ich war ein Holocaust Clown. In: Die Zeit. 21. September 2013, S. 47. (online auf: zeit.de).
  22. Imre Kertész: Ein Mythos geht zu Ende. Im ungarischen Schriftstellerverband herrscht offener Antisemitismus. Seine Ursachen reichen weit zurück. Übersetzt von Peter Máté. In: Die Zeit. 1. April 2004, S. 59. (online auf: zeit.de).
  23. Tilman Krause interviewt Imre Kertész: In Ungarn haben Antisemiten das Sagen. In: Die Welt, 5. November 2009. (online auf welt.de); Ungarn diskutiert über das WELT-Interview von Imre Kertész. In: Die Welt, 10. November 2009. (online auf welt.de).
  24. Meghamisították Kertész szavait / Die Worte von Kertész sind verfälscht worden. auf: Duna TV. online, 9. November 2009, 19:03.
  25. Umstrittene Ehrung für Autor Imre Kertész. In: Der Standard, 20. August 2014 (online auf: derstandard.at).
  26. Staatsorden für ungarischen Literaten. Imre Kertész verteidigt Annahme. In: taz, 20. August 2014 (online auf taz.de).
  27. Andreas Breitenstein: Zum Tod des Schriftstellers Imre Kertész: Das Unfassliche beschreiben. In: Neue Zürcher Zeitung, 31. März 2016.
  28. Klaus Nerger: Das Grab von Imre Kertész. In: knerger.de. Abgerufen am 25. Juli 2018.
  29. Ungarn: Nachlass von Imre Kertesz geht an regierungsnahe Stiftung. In: Der Standard, 22. Dezember 2016 (online auf: derstandard.at); Iván Sándor: Lebenswerk von Kertész enteignet? In: Frankfurter Rundschau, 14. März 2017 (online auf: www.fr.de).
  30. Gregor Dotzauer: Nachlass von Imre Kertész. In: Der Tagesspiegel, 1. März 2018 (online auf: www.tagesspiegel.de).
  31. Imre Kertész: Dossier K. S. 217.
  32. Zur Publikation von Sorstalanság siehe das Kertész-Porträt von György Spiró: In Art Only the Radical Exists. In: The Hungarian Quarterly Vol. 43, No. 168 (Winter 2002), 29-37, ferner die verschiedenen Selbstaussagen von Kertész in den Interviews: „Ich will meine Leser verletzen“. Der Spiegel. 29. April 1996 (Nr. 18); Ein Roman und sein Schicksal. Michael Töteberg im Gespräch mit Imre Kertész. (2005); Imre Kertész und Thomas Cooper: A Conversation with Imre Kertész. (2010).
  33. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von August 1973, S. 32.
  34. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Juni 1984, S. 185.
  35. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Ende 1963, S. 9.
  36. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Juni 1965, S. 18.
  37. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Mai 1965, S. 16f.
  38. Imre Kertész: A nyomkereső. Két kisregény. (Der Spurensucher. Zwei Novellen.) Inhalt: A nyomkereső (Der Spurensucher) und Detektívtörténet (Detektivgeschichte), Szépirodalmi, Budapest, 1977.
  39. Imre Kertész: Der Betrachter. Aufzeichnungen 1991-2001. Eintrag von 1994, S. 75f.
  40. Imre Kertész: Fiasko. S. 434f.
  41. Imre Kertész: Kaddisch für ein nicht geborenes Kind. S. 50.
  42. Kertész erklärt im Gespräch Man schreibt als ein glücklicher Mensch mit Ijoma Mangold: „Das ist die letzte Perspektive, der letzte Blick, den ich auf Auschwitz werfen kann. ‚Liquidation‘ erzählt von der zweiten Generation, die Auschwitz als Erbe bekommt und damit nichts anfangen kann.“ (Süddeutsche Zeitung, 9.11.2004)
  43. Bernhard Sarin: Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. Kap. Liquidation, 133f.
  44. Kertész erläutert im Tagebuch: „die Figur des Keserű ist eine vom Erzähler, B., erdachte Figur; die Geschichte und sämtliche handelnden Personen sind Fiktion, der allein wirkliche B., der Erzähler, hat die Geschichte erdacht und erfunden“. Zur Verteilung der Erzählerrolle auf verschiedene Figuren bemerkt er: „Wenn es den allwissenden Erzähler nun einmal nicht mehr gibt. Und wir es dennoch mit Allwissenheit zu tun haben, weil wir uns in der dritten Person bewegen … Vielleicht ist es mir doch gelungen, wenn auch nicht die, so doch wenigstens eine Lösung zu finden“. (Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Einträge vom 22. April und 2. Mai 2001, S. 35, S. 42)
  45. Auf das in Liquidation zentrale Wort „Liebe“ (siehe ebd., S. 136f) macht Kertész indirekt in einem Interview von Zoltan Andras Bán aufmerksam. Dort erklärt er, dass „am Ende des Stückes ein Wort geboren wird, und dass das ganze Stück im Grunde genommen vom Zustandekommen dieses Wortes handelt. Obwohl es anscheinend eine Handlung gibt und Menschen“. (Beszélő, 10. Oktober 1992, dt. in Imre Kertész: Briefe an Eva Haldimann. Anhang, S. 128) Aus Kertész’ Tagebuchnotizen von 2001 und 2003 kann geschlossen werden, dass er 1990 mit der Arbeit an Liquidation begann. (Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001-2009. Einträge vom 22. April 2001 und 2. März 2003, S. 34, S. 172) Entsprechend findet sich in seinen Tagebüchern eine Notiz von Februar 1990, in der er sich auf die „Subkultur“ der „Solidarität“ oder der „Liebe“ beruft und die „Wut der Macht“ gegenüber „individueller Nonkonformität“ als Merkmal des Totalitarismus identifiziert. (Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von Februar 1990, S. 269)
  46. Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. Kap. zu Liquidation, S. 135-145; Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. Kap. Liquidation, 131f.
  47. Imre Kertész: Liquidation. S. 9.
  48. Imre Kertész: Wird Europa auferstehen? In: Die exilierte Sprache. S. 165-180.
  49. Világpolgár és zarándok (Erdenbürger und Pilger), in Élet és Irodalom 38/1976.
  50. Imre Kertész: Erdenbürger und Pilger, in Du, Juni 2005, übersetzt von Ilma Rakusa; auch in Imre Kertész: Opfer und Henker.
  51. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Eintrag vom 1. Oktober 2004, S. 310.
  52. Imre Kertész: Fiasko. S. 363–378 (Ich, der Henker…); auch separat veröffentlicht in Imre Kertész: Opfer und Henker.
  53. Vorbemerkung zu Ich, der Henker. in Imre Kertész: Opfer und Henker. S. 23.
  54. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001-2009. Eintrag vom 9. August 2001, S. 69.
  55. Der Spurensucher. In: Imre Kertész: Die englische Flagge.
  56. NZZ, 3./4. Dezember 1977; auch in Eva Haldimann: Momentaufnahmen aus dreißig Jahren ungarischer Literatur. S. 84.
  57. Imre Kertész: Der Spurensucher, in: Die englische Flagge. S. 90.
  58. Kertész erläutert im Interview Der letzte Zeuge von Sacha Batthyany und Mikael Krogerus: „Die totale kommunistische Diktatur kam 1948/ 1949. Schon damals kursierte der Witz: »Weißt du, was die heutige Situation von den Nazis unterscheidet?« – »Jetzt tragen alle einen gelben Stern, nicht nur die Juden.«“ Das Magazin. 7. November 2009 (Nr. 45).
  59. Bernhard Sarin: Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. S. 70/ 247 (Anm. 468).
  60. Imre Kertész: A pad (Die Bank), in Élet és Irodalom 11/1978.
  61. Imre Kertész: Die Bank, in Du, Juni 2005, übersetzt von Ilma Rakusa; auch in Imre Kertész: Opfer und Henker.
  62. Die Bank, in Imre Kertész: Opfer und Henker. S. 57.
  63. Clara Royer: Imre Kertész. S. 63; siehe auch Imre Kertész: Dossier K. S. 138.
  64. Bernhard Sarin: Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész. S. 71f. Kertész gibt den Hinweis auf seine Zauberberg-Lektüre von 1954 in dem Reisebericht Budapest, Wien, Budapest (1990), siehe: Die exilierte Sprache. S. 33.
  65. Budapest, Wien, Budapest, in: Imre Kertész: Die exilierte Sprache.
  66. Imre Kertész: Protokoll, Übers.: Jörg Buschmann, in: Literatur im technischen Zeitalter 1991. S. 125–141, eingeheftetes Supplement in Sprache im technischen Zeitalter Nr. 120 (Dezember 1991).
  67. Protokoll, Übers.: Kristin Schwamm, in: Imre Kertész/ Péter Esterházy: Eine Geschichte. Zwei Geschichten; Imre Kertész: Die englische Flagge.
  68. Péter Esterházy: Èlet és irodalom, 1993 (dt. Leben und Literatur. 1994, in: Kertész/ Esterházy, Eine Geschichte. Zwei Geschichten).
  69. Imre Kertész: Dossier K. S. 223f.
  70. Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. S. 109.
  71. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von 1883, S. 160.
  72. Imre Kertész: Ich – ein anderer. S. 56.
  73. Imre Kertész: Galeerentagebuch. S. 77.
  74. Imre Kertész: Ich – ein anderer. S. 65.
  75. Imre Kertész: Ich – ein anderer. S. 113.
  76. Imre Kertész: Ich – ein anderer…. S. 56, 127.
  77. Stuttgarter Zeitung, 14. Oktober 2006.
  78. taz, 20. September 2006.
  79. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. S. 9.
  80. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. S. 62.
  81. Siehe Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. (26. Juli 2006) S. 378 f bzw. Letzte Einkehr. Ein Tagebuchroman. S. 282: „… wie Die Letzte Einkehr und Der Einsame von Sodom zu verknüpfen wären; etwa so, wie Rilke die Geschichte des Malte Laurids Brigge mit der des verlorenen Sohns verbunden hat.“
  82. Imre Kertész: Die exilierte Sprache (Vortrag von 2000), in: Ders.: Die exilierte Sprache. S. 206, 209.
  83. Imre Kertész: Der überflüssige Intellektuelle (Vortrag von 1993), in: Ders., Die exilierte Sprache. S. 91f.
  84. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von 1974, S. 35.
  85. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von 1991, S. 314.
  86. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Eintrag vom 4. Juni 2001, S. 52.
  87. Sándor Márai: Bekenntnisse eines Bürgers. Erinnerungen. Übersetzt von Hans Skirecki, Piper Verlag, München 2000, ISBN 3-492-23081-4, S. 419.
  88. Imre Kertész: Dossier K. S. 152, 170.
  89. Imre Kertész im Gespräch mit Hendrik Röder (Budapest, Juli 1996), Tondokument auf CD, Beilage von: Imre Kertész: Eine Zurückweisung. Buch und CD zum Brandenburgischen Literaturpreis 1995.
  90. Bernhard Sarin: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész. Philosophische Referenzen. S. 159ff.
  91. Imre Kertész: Die exilierte Sprache. S. 214.
  92. Imre Kertész: Dossier K. Vorbemerkung. S. 5.
  93. Cornelius Hell: Imre Kertész – Das Leben im Werk. Zum 80. Geburtstag am 9. November 2009. In: Orientierung. Nummer 22, 73. Jahrgang, Zürich, 30. November 2009, S. 238–42, S. 238.
  94. Imre Kertész: Lange, dunkle Schatten. In: Ders.:Die exilierte Sprache. S. 54f.
  95. Imre Kertész: Wem gehört Auschwitz? Zu Roberto Benignis Film „Das Leben ist schön“. In: Ders.:Die exilierte Sprache. S. 147–155, S. 151.
  96. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Rowohlt, Reinbek 2009, Stichwort „Stinkbombe“, S. 286–294, S. 292–293.
  97. Imre Kertész: Lange, dunkle Schatten. In: Ders.: Die exilierte Sprache. S. 54f.
  98. Imre Kertész: Letzte Einkehr. Tagebücher 2001–2009. Eintrag vom 6. August 2001, S. 65.
  99. Imre Kertész: Die exilierte Sprache (Rede im Rahmen der Berliner Lektionen, November 2000), in: Ders.: Die exilierte Sprache. S. 211f.
  100. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch, Stichwort Atonalität. S. 27–34, S. 32.
  101. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Stichwort Stinkbombe. S. 286–294, S. 288.
  102. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag vom 26. Dezember 1970, S. 26f.
  103. Imre Kertész: Galeerentagebuch. Eintrag von April 1971, S. 30.
  104. Dietmar Ebert: Atonales Erzählen im Roman eines Schicksallosen. Vom Finden einer Romanform, um „Auschwitz“ schreibend zu überleben. In: Ders.: Das Glück des Atonalen Erzählens. S. 111–131, S. 130–131.
  105. László F. Földényi: Schicksallosigkeit: Ein Imre-Kertész-Wörterbuch. Stichwort „Glück“, S. 125–127.
  106. Cornelius Hell: Provokationen des Glücks. Das Echo von Albert Camus im Werk von Imre Kertész. In: Josef Bruhin und andere: Misere und Rettung. Beiträge zu Politik und Kultur. Nikolaus Klein zu Ehren. Edition Exodus, Luzern 2007, ISBN 978-3-905577-17-4, S. 328–337, S. 328.
  107. Nobelvorlesung von Kertész anlässlich der Preisverleihung (dt. Übersetzung)
  108. Info der Uni Jena zum Imre Kertész Kolleg. Das Kolleg unter der Leitung von Włodzimierz Borodziej und Joachim von Puttkamer wurde im Oktober 2010 als neuntes Käte Hamburger Kolleg des BMBF (Bundesministeriums für Bildung und Forschung) gegründet.