Lyrik Kabinett

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Lyrik Kabinett – Figur des Lesenden von Hans Margules über dem Eingangsportal
Gebäude des „Lyrik Kabinetts“ mit Hof

Das Lyrik Kabinett ist eine Lesegesellschaft von Freunden und Liebhabern der Poesie in München. Es besteht seit 1994 als Verein, seit 2003 als Stiftung.

Lyrik Kabinett München / Stiftung Lyrik Kabinett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein der „Freunde der Stiftung Lyrik Kabinett“ fördert die von der Stifterin mit Kapital ausgestattete Stiftung bezüglich des Erwerbs, der Erhaltung und des Ausbaus von deren Sammlung nationaler und internationaler Lyrik, die als Präsenzbibliothek mit derzeit (2011) circa 45.000 Medien der Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Bibliothek der Stiftung „Lyrik Kabinett“ ist damit die wohl größte Lyriksammlung der Bundesrepublik Deutschland. Jährlich werden etwa 1500 Lyrikbände angekauft.

Verein und Stiftung verdanken sich der privaten mäzenatischen Initiative von Ursula Haeusgen (* 1942), der Vorsitzenden der Stiftung. Ihre Schenkung eines Bestandes von Lyrik-Bänden aus aller Welt, Künstlerbüchern, seltenen Erstausgaben sowie ausgewählter Sekundär- und Referenzliteratur war Grundstock des Vereins. Nachdem eine zunächst geplante Unterbringung im Münchner Literaturhaus gescheitert war, überließ sie 1997 die Lyrik-Bibliothek als „Dauerleihgabe zur Förderung von Forschung, Lehre und Studium“ dem Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (Komparatistik) der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Nachdem Ursula Haeusgen (auf einem von der LMU zu Pachtbedingungen für 66 Jahre zur Verfügung gestellten Grundstück) 2004 ein neues Bibliotheksgebäude errichten ließ, zog das „Lyrik Kabinett“ im Frühjahr 2005 in diese Räume um; dort finden, umgeben von Werken zeitgenössischer Kunst, auch die Veranstaltungen statt. Ursula Haeusgen stellt jährlich auch die finanziellen Mittel für Neuanschaffungen und Bibliothekspersonal zur Verfügung. Die Geschäftsführung des Lyrik Kabinetts hatte bis Ende 2013 Maria Gazzetti, mit dem 1. Januar 2014 übernahm sie Holger Pils.[1]

Bibliothek und Lesungen sollen es allen Interessierten ermöglichen, die Schönheit und Faszination der poetischen Sprache – der „Muttersprache des Menschengeschlechts“ (Johann Georg Hamann) – ihre vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten sowie ihr Kommunikationspotential zu entdecken, für sich fruchtbar zu machen und sich daran zu freuen.

Auf der Website kann online im Bestand der Lyrik-Bibliothek recherchiert werden und es können die Publikationen der Stiftung bestellt werden; zudem finden sich dort die Informationen über die aktuellen Veranstaltungen.

Dichter, die bereits im „Lyrik Kabinett“ zu Gast waren: Ilse Aichinger; Andreas Altmann; John Ashbery; Marcel Beyer; Yves Bonnefoy; Ann Cotten; Inger Christensen; Robert Creeley; Hilde Domin; Ralph Dutli; Durs Grünbein; Michael Guttenbrunner; Harald Hartung; Seamus Heaney; Philippe Jaccottet; Friederike Mayröcker; Matthias Kehle; Reinhard Kiefer; Wulf Kirsten; Sarah Kirsch; Barbara Köhler; Jean Krier; Mario Luzi; Michael Krüger; Christoph Meckel; Ernst Meister; Les Murray; Dagmar Nick; Cees Nooteboom; Tuvia Rübner; Edoardo Sanguineti; Frank Schablewski; Ernst Schönwiese; Raoul Schrott; Ludwig Steinherr; Anja Utler; Dirk von Petersdorff; Achim Wagner; Jan Wagner; Derek Walcott; Richard Wall; Uljana Wolf; Andrea Zanzotto; Rosemarie Zens.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Das Lyrische Quartett“, April 2015; v. l. n. r.:Florian Kessler, Kristina Maidt-Zinke, Harald Hartung, Heinrich Detering

Die Stiftung richtet Lesungen und Veranstaltungen zur internationalen Lyrik aus. Etwa die Hälfte sind Autorenlesungen, die andere Hälfte bringt „lebendig gebliebene“ Autoren früherer Generationen zu Gehör. Deutsch- und anderssprachige Autoren sind in etwa zu gleichen Teilen vertreten. Die Lesungen fremdsprachiger Autoren erfolgen in der Regel zweisprachig. Den Lesungen geht eine kurze Einführung voraus.

Für Spoken Word-Kunst bietet das „Lyrik Kabinett“ einmal im Monat das Forum Poetry in Motion. Dafür werden die Bibliotheksräume in eine Lounge-Landschaft mit Barbies und Diskokugeln verwandelt. Ko Bylanzky moderiert die Reihe und Rayl Patzak fungiert als Poetry DJ.

Weiterhin veranstaltet die Organisation seit dem Frühjahr 2011 Diskussionsrunden über Lyrik unter dem Titel Das lyrische Quartett. Dreimal im Jahr finden in diesem Rahmen Besprechungen von Neuerscheinungen, sowie jeweils eine Besprechung eines Gedichtbandes aus der Vergangenheit statt. Neben den festen Diskussionsteilnehmern Heinrich Detering, Harald Hartung und Kristina Maidt-Zinke sitzt jeweils ein geladener Gast mit auf dem Podium. Unter den Gästen befanden sich unter anderem Nico Bleutge, Joachim Sartorius, Albert von Schirnding und Florian Kessler. Die Reihe ist eine Kooperation des „Lyrik Kabinetts“ mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.[2] Aus dieser Kooperation ging 2012 die Initiative Lyrik-Empfehlungen hervor.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Börsenblatt.net: Holger Pils neuer Geschäftsführer (Memento vom 13. Dezember 2014 im Internet Archive)
  2. Projekt:Das lyrische Quartett. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, abgerufen am 30. April 2015.

Koordinaten: 48° 9′ 5″ N, 11° 34′ 42″ O