Infarm

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Infarm - Indoor Urban Farming GmbH

Rechtsform GmbH
Gründung 2013
Sitz Berlin
Mitarbeiterzahl 223
Umsatz 2 Mio. Euro[1]
Branche Vertical Farming
Website infarm.de
Stand: 31. Dezember 2019

Infarm ist ein im Jahr 2013 in Berlin gegründetes Start-up-Unternehmen, das mit dem Konzept des Vertical Farming ökologisch erzeugte Kräuter und Gemüsesorten direkt in Restaurants oder in Verkaufseinrichtungen etabliert hat und dort vermarktet bzw. verkauft.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im August 2013 von Guy Galonska, Erez Galonska und Osnat Michaeli, drei Israelis, im Berliner Ortsteil Kreuzberg, Glogauer Straße 6, als GmbH gegründet.[2][3] Ausgangspunkt war ihr Wunsch, für den Eigenbedarf stets frische Kräuter bereitzuhaben. Der Firmenname ist ein Kofferwort aus Indoor und Urban Farming.[4]

Mit Eigenkapital begannen sie schließlich, in einem einfachen umgebauten Wohnwagen Samen, die weder chemisch noch gentechnisch behandelt wurden, zu züchten. Danach wurden die Setzlinge in übereinander gestellte Brutschränke (Modularsystem) gebracht, wo sie unter optimalen Bedingungen bzgl. Licht, Feuchtigkeit und Nährstoffen heranwachsen können. Die Wachstumsprozesse werden digital überwacht und gesteuert und benötigen so wenig Personal. Erklärtes Ziel war bereits sehr früh, „mit Infarm ein Netzwerk von Farmen [zu] schaffen, das so nah wie möglich am Endverbraucher produziert.“[5]

Im Frühjahr 2018 fanden sich Investoren, die dem Start-up als weitere Finanzhilfe 20 Millionen Euro bereitstellten.[2] Im September 2020 wurde eine Finanzierungsrunde in Höhe von 170 Millionen US-Dollar bekannt.[6][7]

2022 wurde eine Kooperation von Infarm mit dem Einrichtungskonzern IKEA bekannt, in dessen Filialen das Unternehmen zukünftig Standorte integrieren wird.[8]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Infarming mit dem Motto „wir schaffen eine Umgebung, in der Wachstumsprozesse der Natur so genau wie möglich reproduziert werden“ (und ohne lange Lieferwege), haben die Firmengründer bis Anfang 2018 bereits 50 Berliner Restaurants, beispielsweise Starkoch Tim Raue und den Israeli Meir Adoni,[9] als Mieter von je zwei ihrer Farmen gefunden.[10] Außerdem gewannen die Unternehmer Supermärkte und Lagerhäuser in Berlin, namentlich sind Standorte des Edeka Verbunds sowie einige Märkte von selbstständigen Kaufleuten der REWE sowie einige Cash & Carry Filialen der Metro AG als Anwender zu nennen.[2] Im Spätsommer 2020 hat Infarm Partnerschaften mit mehr als 30 großen Lebensmitteleinzelhändlern in mehreren Ländern abgeschlossen.[11] Weitere Partner gibt es in Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Rostock und Wiesbaden. Mit weiteren Interessenten aus deutschen Städten aber auch aus Zürich, Kopenhagen und Paris liefen im Herbst 2018 Verhandlungen.[10][12]

Die Firmengründer verfolgten das Ziel, bis Mitte 2019 1000 Indoor-Farmen in Europa zu betreuen, das in Spandau unterhaltene Forschungszentrum auszubauen und das Sortiment beispielsweise um Chili oder Kohl zu erweitern.[2] Im Mai 2022 heißt es im Zusammenhang mit einer Veröffentlichung: Infarm hat „mehr als 30 der weltweit führenden Einzelhandelsketten in 10 Ländern in Nordamerika, Asien und Europa“ als stetige Anbieter ihrer Produkte gewonnen. Bis 2030 wird eine Expansion in 20 Länder auf drei Kontinenten sowie im Nahen Osten angestrebt.[13]

Das Unternehmen hat bisher insgesamt mehr als 600 Mio. Dollar Wagniskapital eingesammelt und wird mit mehr als einer Milliarde bewertet.[14] Im Sommer 2022 wurde ein Rückgang des Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr berichtet.[15]

Angebot[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infarm stellt bei seinen Kunden gläserne transparente Hochregale auf, deren Betrieb sie selbst finanzieren. In diesen Schränken wachsen die Pflänzchen bis zur Erntereife unter den Augen der Kunden heran. Die Kräuter und Gemüsepflanzen, die auch aus anderen Klimazonen stammen können, werden von Infarm-Mitarbeitern zweimal wöchentlich geerntet und samt Wurzeln an der Frischtheke verkauft. „So bleiben wichtige Nährstoffe und Vitamine länger erhalten, bis der Kunde sie zuhause von den Wurzeln befreit“ heißt es in einer entsprechenden Begründung.[10]

Darüber hinaus hat das Unternehmen sogenannte Growing Center, die verschiedene Farming Units enthalten. Die Units haben eine Höhe von bis zu 18 Metern und benötigen eine Grundfläche von 25 m². Sie erzielen nach Angaben des Unternehmens das Äquivalent von bis zu 10.000 m² Ackerland und sind bis zu 400-mal ertragreicher als die bodenbasierte Landwirtschaft. Im Vergleich zur traditionellen Landwirtschaft verbrauchen alle Farmen von Infarm 95 % weniger Wasser, reduzieren den Transport um 90 % und verzichten auf den Einsatz von chemischen Pestiziden.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2019 bis zum 31.12.2019 im elektronischen Bundesanzeiger
  2. a b c d Lisa Ksienrzyk: 20 Millionen Euro für Vertical-Farming-Startup Infarm. 5. Februar 2018, abgerufen am 28. Januar 2021 (deutsch).
  3. Handelsregisterauszug von infarm - Indoor Urban Farming GmbH aus Berlin (HRB 152466). Abgerufen am 28. Januar 2021.
  4. Infarm raises $170M in equity and debt to continue building its ‘vertical farming’ network. In: TechCrunch. Abgerufen am 28. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  5. Jan Thomas: Infarm bietet Landwirtschaft vor Ort. Berlin Valley, 16. Juli 2018, abgerufen am 6. Oktober 2018.
  6. Infarm: Investoren stecken 170 Mio. Dollar in das Berliner Hightech-Gewächshaus-Startup. Abgerufen am 17. September 2020.
  7. Gewächshäuser-Startup Infarm sammelt 170 Millionen Dollar ein. 17. September 2020, abgerufen am 19. September 2020.
  8. Vertical Farming: Infarm kooperiert mit Ikea-Häusern. Abgerufen am 6. Juni 2022.
  9. Homepage Leyla, abgerufen am 25. Mai 2020.
  10. a b c Thomas Dräbing: Geerntet im Supermarkt. In: Berliner Zeitung, 28. September 2018, S. 6 (Printausgabe).
  11. CMS berät Infarm bei Finanzierungsrunde über 170 Millionen Dollar, abgerufen am 19. September 2020.
  12. Maximilian Braun: Infarm lässt Kräuter und Salat im Supermarkt sprießen auf FAZ-net, abgerufen am 25. Mai 2020.
  13. a b Die Saat der Zukunft: Infarm veröffentlicht seine Vision für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem. Abgerufen am 8. Juni 2022.
  14. “Mega challenges” uproot vertical-farming push from niche to mainstream – Infarm CEO Erez Galonska. In: Just Food. 25. Mai 2022, abgerufen am 6. Juni 2022 (amerikanisches Englisch).
  15. Foodtech: Milliarden-Bewertung, aber Mini-Geschäft: Start-up Infarm musste Umsatz-Rückgänge hinnehmen. Abgerufen am 11. August 2022.